Fr, 08:24 Uhr
12.03.2004
Wohin geht die Reise?
Nordhausen (nnz). Wohin reisen die Menschen in den neuen Bundesländern in diesem Jahr? Mit dieser Frage hat sich ein Leipziger Meinungsforschungsinstitut beschäftigt. Die Antwort präsentiert Ihnen nur Ihre nnz.
8,8 Millionen Ostdeutsche unternahmen 2003 mindestens eine Ferienreise (mit fünf und mehr Übernachtungen). Es reisten demnach 108.000 Ostdeutsche weniger als 2002. Mit anderen Worten: 73 % der Einwohner von Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern haben 2003 mindestens eine Reise während ihrer schönsten Tage des Jahres unternommen.
Die Ferienreiseintensität (Reisen mit fünf Tagen und mehr Aufenthalt) tendiert nach einem permanenten Anstieg in den 90er Jahren bis 2001 zum Niveau von 1999. Bereits 2002 waren weniger Ostdeutsche gereist.
Zu diesem Ergebnis kommt das Leipziger Institut für empirische Forschung (LEIF) auf der Basis einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung von 1.224 Ostdeutschen. LEIF startet die Forschung REISEBAROMETER seit 1990 immer am Ende der Reisesaison für das komplette Kalenderjahr und ist damit das erste Forschungsinstitut, das die aktuellsten Ergebnisse auf dem deutschen Reisemarkt anzeigen kann. Die ‚Reise-Gesellschaft‘ wird zwar von Jahr zu Jahr etwas kleiner. Doch die Reiselust ist immer noch groß, wenn fast drei Viertel der Bevölkerung im Urlaub verreisen, meint LEIF-Chef Dr. Harald Schmidt.
27% der Ostdeutschen verzichteten 2003 auf eine Urlaubsreise. Der wichtigste Grund für den Verzicht auf Urlaubsreisen vieler Ostdeutscher ist der Mangel an Geld. 55 % der Nicht-Reisenden geben an, kein Geld zu haben oder arbeitslos zu sein. Dieser Verzichtsgrund ist deutlich stärker geworden. 2002 waren dagegen nur 45 % wegen Geldmangel nicht gereist. 21 % der Nicht-Reisenden verzichteten wegen Krankheit, 8 % wegen aktueller Ereignisse (Familie, Arbeit, Bundeswehr etc.), 24 % auf Grund von Mangel an Zeit und 5 % wegen Mangel an Lust (mehrere Gründe konnten genannt werden). Terrorismus oder Krisenherde sind vordergründig kein Grund für einen Reiseverzicht. Nach Forschungen des LEIF-Instituts wirken terroristische Anschläge zwar befristet auf das Ferien-Reiseverhalten und begrenzt auf eine jeweils betroffene Region. Sie sind aber kaum ein Grund auf Reisen generell zu verzichten und primär kein Grund für den rückläufigen Trend der Ferien-Reiseintensität, erklärt der Soziologe Dr. Schmidt.
Geldmangel wird auch bei den Ausgaben für die Urlaubsreise deutlich: Erstmals seit Anfang der 90er Jahre sinkt der durchschnittliche Betrag (pro Person) für die Haupt-Ferienreise. 840 € pro Person haben die Ostdeutschen 2003 im Durchschnitt bezahlt (2002: 877 €). Die Anteile bei den mittleren und höheren Ausgabegruppen veränderten sich nicht. Es brechen die unteren Ausgabe-Gruppen weg. Bei der Reiseentscheidung ist der Preis zwar wichtig. Die Qualität und das Ziel der Reise sind aber wichtiger!, erklärt Tourismusforscher Harald Schmidt.
Das wohl wichtigste Ferienreise-Motiv der (Ost-)Deutschen ist Originalität und Schönheit einer Landschaft. Folglich wirkt dieses Motiv sehr stark auf die Reiseentscheidung. Für 88 % der Ostdeutschen ist die Schönheit einer Landschaft ein sehr starkes Kriterium für die Wahl eines Reiseziels. Gute touristische Angebote (Gastronomie, Kultur, Sport usw.) sind ein weiteres sehr wichtiges Entscheidungskriterium für den Urlaubsort (2003: 66 %). Das Preis-Leistungsverhältnis ist für 57 % der Touristen ein sehr wichtiger Grund bei der Ferienzielwahl. Die Qualität hat für die Mehrheit der Ferientouristen Vorrang vor dem Preis.
Reiseziele 2003:
23 % der Ostdeutschen verbrachten ihren Urlaub in Deutschland. Das begehrteste Ziel ist seit Jahren die Ostsee Mecklenburg-Vorpommerns. Von den Deutschland-Touristen haben sich 54 % an der Ostsee oder an den Seen Mecklenburg-Vorpommerns erholt. Das sind deutlich mehr als 2002 (45 %). Weitere wichtige Ferienregionen sind Bayern (mit deutlich mehr Gästen), die Nordsee (stagniert), Harz und Sachsen (mit jeweils weniger Gästen), Thüringen, Brandenburg und der Schwarzwald (mit jeweils mehr Gästen).
Das Ausland ist insgesamt wichtiger. Die begehrtesten Ziele im nahen Ausland sind 2003 Spanien (mit weniger Gästen), Österreich (mit mehr Gästen), Italien (mit weniger Gästen), Tschechien (mit weniger Gästen), Ungarn (mit mehr Gästen), die Türkei (mit weniger Gästen), Frankreich (mit weniger Gästen), Dänemark (mit mehr Gästen), Kroatien (mit mehr Gästen), Griechenland (mit weniger Gästen), Polen (mit mehr Gästen), Portugal (mit mehr Gästen), Bulgarien (mit weniger Gästen), die Schweiz (mit mehr Gästen), die Niederlande (mit weniger Gästen) und Großbritannien (mit weniger Gästen). Die Reihenfolge entspricht Rangfolge. Trotz ökonomischer und wirtschaftlicher Krise haben sich etwa 6 % der Ostdeutschen Ferien in Übersee geleistet. Wichtige Übersee-Ziele sind die USA, die Karibik, Destinationen in Süd- und Mittelamerika sowie in Afrika, Asien und Australien.
Weitere Trends 2003:
Der rückläufige Trend der Pauschalreise hält an. 42 % der Ostdeutschen haben 2003 eine Pauschal-Ferienreise gebucht (2002: 44 %). Es gibt Veränderungen bei der Wahl der Beherbergung. 45 % der Touristen haben im Hotel übernachtet (mehr Gäste). Auf Platz 2 folgen Ferienhaus und Ferienwohnung mit einem Anteil von 22 %. Seit zwei Jahren verzeichnen Ferienhäuser einen stetigen Zuwachs. 8 % sind Camper (Zelt, Caravan, Wohnmobil).
Es gibt Veränderungen bei der Wahl der Beherbergung. 45 % der Touristen haben im Hotel übernachtet (mehr Gäste). Auf Platz 2 folgen Ferienhaus und Ferienwohnung mit einem Anteil von 22 %. Seit zwei Jahren verzeichnen Ferienhäuser einen stetigen Zuwachs. 8 % sind Camper (Zelt, Caravan, Wohnmobil). 2003 sind wieder mehr Ostdeutsche mit dem Pkw zu nahen Zielen in den Urlaub gefahren (2003: 47 %; 2002: 41 %). Der Flieger hat als Ferientransportmittel zugunsten des Pkw weniger ostdeutsche Gäste befördert. 2003 flogen 35 % der Touristen zu ihren Ferienzielen, noch vor zwei Jahren 40 %. Der Sinkflug orientiert sich auf das Niveau am Ende der 90er Jahre. Ursache dafür ist ein leicht verändertes Interesse an den Ferienzielen.
Ausblick: Wie wird das Jahr 2004?
LEIF erkennt folgende Trends:
- Die Ferienreiseintensität könnte weiter um 1 bis 2 % sinken. Sie wird aber die 70 %-Marke kaum unterschreiten. Dafür ist die Reiselust derjenigen, die in Lohn und Brot sind, zu groß. Es werden weniger reisen, einige reisen anders... Ziele, touristische Segmente oder Angebote finden wechselhaften Zuspruch. Diejenigen, die reisen (können), schränken sich kaum ein.
- Die Sicherheit bei der Reiseentscheidung nimmt ab. 48 % der Ostdeutschen beabsichtigen, 2004 mindestens eine Urlaubsreise zu unternehmen. Die Zahl derjenigen, die bereits im Herbst sicher ist, im kommenden Jahr zu verreisen, lag in den Jahren zuvor zwischen 52 % und 56 %. 2004 sind sich in puncto Reiseziel 36 % der Ostdeutschen noch nicht sicher . Das sind mehr als im Vorjahr (2002: 31 %). Diese stärker gewordene Unsicherheit bei der Reiseabsicht ist neu! Verantwortlich dafür sind die sozioökonomischen Rahmenbedingungen in Deutschland. Dazu gehören gestiegene Preise, Steuern, Versicherungen u. a. Abgaben, aber auch die allgemeine Verunsicherung bei der Arbeitsmarkt-, Gesundheits- und Sozialpolitik, meint der Soziologe Harald Schmidt.
- Die unteren Ausgabe-Gruppen für eine Urlaubsreise werden weiterhin kleiner, weil viele auf eine bisherige so genannte ’Billigreise’ verzichten (müssen). 16 % können bzw. wollen 2004 nicht reisen. Das wissen sie bereits im Herbst vor dem kommenden Reisejahr. 61 % dieser Nicht-Reisenden geben 2004 als Grund für den Verzicht Mangel an Geld und Arbeitslosigkeit an. Dieser Trend kann sich verstärken. Die mittleren und höheren Ausgabe-Gruppen nehmen zu.
Reiseziele 2004:
12 % der Ostdeutschen planen gegenwärtig eine Ferienreise 2004 innerhalb Deutschlands. Ein großer Zuwachs für den Deutschlandurlaub insgesamt wird aber kaum zu erwarten sein. Die Interessenstruktur vieler Touristen, das Preis-Leistungsangebot und der zumeist fehlende Sonne-Wärme-Faktor wirken einem Zuwachs entgegen. 68 % der potentiellen ostdeutschen Deutschlandtouristen, die im Herbst ihr Ferienziel 2004 bereits kennen, beabsichtigen an die Ostsee und die Seenplatte von Mecklenburg-Vorpommern zu reisen.
36 % der Ostdeutschen wissen bereits am Ende der Reisesaison 2003, dass sie 2004 ihre schönsten Tage des Jahres im Ausland verbringen werden. Das Interesse ist bisher schwächer als im Vorjahr (Absicht 2003: 42 %). Begehrte Reiseziele in Europa werden wieder Spanien, mit großem Abstand gefolgt von Italien, Österreich, Griechenland, der Türkei, Skandinavien, der Tschechischen Republik, Ungarn, Bulgarien und Kroatien sein. Auch westeuropäische Länder wie die Niederlande, Frankreich oder Großbritannien finden weiterhin Zuspruch. Nahe Ziele in Europa, die mit dem Pkw erreichbar sind, werden einen Zuwachs erwarten können. 8 % der Ostdeutschen beabsichtigen 2004 zu einer Fernreise außerhalb Europas zu starten.
Resümee:
Das Reiseverhalten passt sich zunehmend der Krise an. Die ‚Reise-Gesellschaft’ wird tendenziell kleiner. Trotz Krise(n) reisen viele. Denn die Reiselust ist groß. Der Zuspruch für touristische Angebote und Ziele wird aber differenzierter werden. Damit wird ein unterschiedliches Wachstum bei Anbietern und touristischen Segmenten bewirkt.
Autor: nnz8,8 Millionen Ostdeutsche unternahmen 2003 mindestens eine Ferienreise (mit fünf und mehr Übernachtungen). Es reisten demnach 108.000 Ostdeutsche weniger als 2002. Mit anderen Worten: 73 % der Einwohner von Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern haben 2003 mindestens eine Reise während ihrer schönsten Tage des Jahres unternommen.
Die Ferienreiseintensität (Reisen mit fünf Tagen und mehr Aufenthalt) tendiert nach einem permanenten Anstieg in den 90er Jahren bis 2001 zum Niveau von 1999. Bereits 2002 waren weniger Ostdeutsche gereist.
Zu diesem Ergebnis kommt das Leipziger Institut für empirische Forschung (LEIF) auf der Basis einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung von 1.224 Ostdeutschen. LEIF startet die Forschung REISEBAROMETER seit 1990 immer am Ende der Reisesaison für das komplette Kalenderjahr und ist damit das erste Forschungsinstitut, das die aktuellsten Ergebnisse auf dem deutschen Reisemarkt anzeigen kann. Die ‚Reise-Gesellschaft‘ wird zwar von Jahr zu Jahr etwas kleiner. Doch die Reiselust ist immer noch groß, wenn fast drei Viertel der Bevölkerung im Urlaub verreisen, meint LEIF-Chef Dr. Harald Schmidt.
27% der Ostdeutschen verzichteten 2003 auf eine Urlaubsreise. Der wichtigste Grund für den Verzicht auf Urlaubsreisen vieler Ostdeutscher ist der Mangel an Geld. 55 % der Nicht-Reisenden geben an, kein Geld zu haben oder arbeitslos zu sein. Dieser Verzichtsgrund ist deutlich stärker geworden. 2002 waren dagegen nur 45 % wegen Geldmangel nicht gereist. 21 % der Nicht-Reisenden verzichteten wegen Krankheit, 8 % wegen aktueller Ereignisse (Familie, Arbeit, Bundeswehr etc.), 24 % auf Grund von Mangel an Zeit und 5 % wegen Mangel an Lust (mehrere Gründe konnten genannt werden). Terrorismus oder Krisenherde sind vordergründig kein Grund für einen Reiseverzicht. Nach Forschungen des LEIF-Instituts wirken terroristische Anschläge zwar befristet auf das Ferien-Reiseverhalten und begrenzt auf eine jeweils betroffene Region. Sie sind aber kaum ein Grund auf Reisen generell zu verzichten und primär kein Grund für den rückläufigen Trend der Ferien-Reiseintensität, erklärt der Soziologe Dr. Schmidt.
Geldmangel wird auch bei den Ausgaben für die Urlaubsreise deutlich: Erstmals seit Anfang der 90er Jahre sinkt der durchschnittliche Betrag (pro Person) für die Haupt-Ferienreise. 840 € pro Person haben die Ostdeutschen 2003 im Durchschnitt bezahlt (2002: 877 €). Die Anteile bei den mittleren und höheren Ausgabegruppen veränderten sich nicht. Es brechen die unteren Ausgabe-Gruppen weg. Bei der Reiseentscheidung ist der Preis zwar wichtig. Die Qualität und das Ziel der Reise sind aber wichtiger!, erklärt Tourismusforscher Harald Schmidt.
Das wohl wichtigste Ferienreise-Motiv der (Ost-)Deutschen ist Originalität und Schönheit einer Landschaft. Folglich wirkt dieses Motiv sehr stark auf die Reiseentscheidung. Für 88 % der Ostdeutschen ist die Schönheit einer Landschaft ein sehr starkes Kriterium für die Wahl eines Reiseziels. Gute touristische Angebote (Gastronomie, Kultur, Sport usw.) sind ein weiteres sehr wichtiges Entscheidungskriterium für den Urlaubsort (2003: 66 %). Das Preis-Leistungsverhältnis ist für 57 % der Touristen ein sehr wichtiger Grund bei der Ferienzielwahl. Die Qualität hat für die Mehrheit der Ferientouristen Vorrang vor dem Preis.
Reiseziele 2003:
23 % der Ostdeutschen verbrachten ihren Urlaub in Deutschland. Das begehrteste Ziel ist seit Jahren die Ostsee Mecklenburg-Vorpommerns. Von den Deutschland-Touristen haben sich 54 % an der Ostsee oder an den Seen Mecklenburg-Vorpommerns erholt. Das sind deutlich mehr als 2002 (45 %). Weitere wichtige Ferienregionen sind Bayern (mit deutlich mehr Gästen), die Nordsee (stagniert), Harz und Sachsen (mit jeweils weniger Gästen), Thüringen, Brandenburg und der Schwarzwald (mit jeweils mehr Gästen).
Das Ausland ist insgesamt wichtiger. Die begehrtesten Ziele im nahen Ausland sind 2003 Spanien (mit weniger Gästen), Österreich (mit mehr Gästen), Italien (mit weniger Gästen), Tschechien (mit weniger Gästen), Ungarn (mit mehr Gästen), die Türkei (mit weniger Gästen), Frankreich (mit weniger Gästen), Dänemark (mit mehr Gästen), Kroatien (mit mehr Gästen), Griechenland (mit weniger Gästen), Polen (mit mehr Gästen), Portugal (mit mehr Gästen), Bulgarien (mit weniger Gästen), die Schweiz (mit mehr Gästen), die Niederlande (mit weniger Gästen) und Großbritannien (mit weniger Gästen). Die Reihenfolge entspricht Rangfolge. Trotz ökonomischer und wirtschaftlicher Krise haben sich etwa 6 % der Ostdeutschen Ferien in Übersee geleistet. Wichtige Übersee-Ziele sind die USA, die Karibik, Destinationen in Süd- und Mittelamerika sowie in Afrika, Asien und Australien.
Weitere Trends 2003:
Der rückläufige Trend der Pauschalreise hält an. 42 % der Ostdeutschen haben 2003 eine Pauschal-Ferienreise gebucht (2002: 44 %). Es gibt Veränderungen bei der Wahl der Beherbergung. 45 % der Touristen haben im Hotel übernachtet (mehr Gäste). Auf Platz 2 folgen Ferienhaus und Ferienwohnung mit einem Anteil von 22 %. Seit zwei Jahren verzeichnen Ferienhäuser einen stetigen Zuwachs. 8 % sind Camper (Zelt, Caravan, Wohnmobil).
Es gibt Veränderungen bei der Wahl der Beherbergung. 45 % der Touristen haben im Hotel übernachtet (mehr Gäste). Auf Platz 2 folgen Ferienhaus und Ferienwohnung mit einem Anteil von 22 %. Seit zwei Jahren verzeichnen Ferienhäuser einen stetigen Zuwachs. 8 % sind Camper (Zelt, Caravan, Wohnmobil). 2003 sind wieder mehr Ostdeutsche mit dem Pkw zu nahen Zielen in den Urlaub gefahren (2003: 47 %; 2002: 41 %). Der Flieger hat als Ferientransportmittel zugunsten des Pkw weniger ostdeutsche Gäste befördert. 2003 flogen 35 % der Touristen zu ihren Ferienzielen, noch vor zwei Jahren 40 %. Der Sinkflug orientiert sich auf das Niveau am Ende der 90er Jahre. Ursache dafür ist ein leicht verändertes Interesse an den Ferienzielen.
Ausblick: Wie wird das Jahr 2004?
LEIF erkennt folgende Trends:
- Die Ferienreiseintensität könnte weiter um 1 bis 2 % sinken. Sie wird aber die 70 %-Marke kaum unterschreiten. Dafür ist die Reiselust derjenigen, die in Lohn und Brot sind, zu groß. Es werden weniger reisen, einige reisen anders... Ziele, touristische Segmente oder Angebote finden wechselhaften Zuspruch. Diejenigen, die reisen (können), schränken sich kaum ein.
- Die Sicherheit bei der Reiseentscheidung nimmt ab. 48 % der Ostdeutschen beabsichtigen, 2004 mindestens eine Urlaubsreise zu unternehmen. Die Zahl derjenigen, die bereits im Herbst sicher ist, im kommenden Jahr zu verreisen, lag in den Jahren zuvor zwischen 52 % und 56 %. 2004 sind sich in puncto Reiseziel 36 % der Ostdeutschen noch nicht sicher . Das sind mehr als im Vorjahr (2002: 31 %). Diese stärker gewordene Unsicherheit bei der Reiseabsicht ist neu! Verantwortlich dafür sind die sozioökonomischen Rahmenbedingungen in Deutschland. Dazu gehören gestiegene Preise, Steuern, Versicherungen u. a. Abgaben, aber auch die allgemeine Verunsicherung bei der Arbeitsmarkt-, Gesundheits- und Sozialpolitik, meint der Soziologe Harald Schmidt.
- Die unteren Ausgabe-Gruppen für eine Urlaubsreise werden weiterhin kleiner, weil viele auf eine bisherige so genannte ’Billigreise’ verzichten (müssen). 16 % können bzw. wollen 2004 nicht reisen. Das wissen sie bereits im Herbst vor dem kommenden Reisejahr. 61 % dieser Nicht-Reisenden geben 2004 als Grund für den Verzicht Mangel an Geld und Arbeitslosigkeit an. Dieser Trend kann sich verstärken. Die mittleren und höheren Ausgabe-Gruppen nehmen zu.
Reiseziele 2004:
12 % der Ostdeutschen planen gegenwärtig eine Ferienreise 2004 innerhalb Deutschlands. Ein großer Zuwachs für den Deutschlandurlaub insgesamt wird aber kaum zu erwarten sein. Die Interessenstruktur vieler Touristen, das Preis-Leistungsangebot und der zumeist fehlende Sonne-Wärme-Faktor wirken einem Zuwachs entgegen. 68 % der potentiellen ostdeutschen Deutschlandtouristen, die im Herbst ihr Ferienziel 2004 bereits kennen, beabsichtigen an die Ostsee und die Seenplatte von Mecklenburg-Vorpommern zu reisen.
36 % der Ostdeutschen wissen bereits am Ende der Reisesaison 2003, dass sie 2004 ihre schönsten Tage des Jahres im Ausland verbringen werden. Das Interesse ist bisher schwächer als im Vorjahr (Absicht 2003: 42 %). Begehrte Reiseziele in Europa werden wieder Spanien, mit großem Abstand gefolgt von Italien, Österreich, Griechenland, der Türkei, Skandinavien, der Tschechischen Republik, Ungarn, Bulgarien und Kroatien sein. Auch westeuropäische Länder wie die Niederlande, Frankreich oder Großbritannien finden weiterhin Zuspruch. Nahe Ziele in Europa, die mit dem Pkw erreichbar sind, werden einen Zuwachs erwarten können. 8 % der Ostdeutschen beabsichtigen 2004 zu einer Fernreise außerhalb Europas zu starten.
Resümee:
Das Reiseverhalten passt sich zunehmend der Krise an. Die ‚Reise-Gesellschaft’ wird tendenziell kleiner. Trotz Krise(n) reisen viele. Denn die Reiselust ist groß. Der Zuspruch für touristische Angebote und Ziele wird aber differenzierter werden. Damit wird ein unterschiedliches Wachstum bei Anbietern und touristischen Segmenten bewirkt.

