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Do, 17:18 Uhr
14.02.2013

Kniefall vor Gipsindustrie

Die Gemeinde Harztor will die Klage gegen zwei gipsabbauende Unternehmen nicht weiter aufrecht erhalten. Die nnz berichtete heute, dazu jetzt das Statement eines nnz-Lesers...


Es ist ein Jammerbild, welches unsere Verantwortlichen an entscheidenden Stellen bis hin zu den Verwaltungsgerichten bezüglich der Zerstörung unserer Landschaft durch Gipsausbeutung abgeben. Die ersten Nachwendestriche auf diesem Gemälde wurden gleich 1990 getätigt, als die Politik große Teile unseres weltweit einmaligen Gipskarsts an „Glücksritter aus aller Herren Länder“ (Dr. Walter Elmer, 1993, Quelle siehe unter dem Link unten) verscherbelte.

Damit wurden Bestrebungen zum Abbau bzw. weiteren Abbau im NSG Rüdigsdorfer Schweiz bzw. im Alten Stolberg sowie im Gebiet Rüsselsee Tür und Tor geöffnet. Und weil Eigentum in Deutschland einen derart hohen Stellenwert genießt, dass die Zerstörung einer Millionen Jahre alten Landschaft gern mit einem Beitrag zum Wohl der Allgemeinheit begründet wird (Stichwort Arbeitsplätze, Gewerbesteuern, "Sponsoring" e.t.c.) entfaltet sich ein Opportunismus auf ganzer Linie, ein Herumlavieren oder Schweigen von Kommunalvertretern, Naturschutzverantwortlichen, Landesstellen, Naturparkvertretern und sonstigen so oder so Begünstigten.

Und dann sind da noch die unmittelbaren Profiteure: Man habe kein schlechtes Gewissen mit dem, was man der Landschaft antue, hieß es erst jüngst in einem Beitrag des mdr-Fernsehens zum Thema Rohstoffabbau in Mitteldeutschland in dem auch Knauf-Werkleiter Materlik interviewt wurde. Bei den Margen, die das „weiße Gold“ bringt, wird tatsächlich jedes schlechte Gewissen ad absurdum geführt.

Marx beschrieb das eindrucksvoll. Herr Knechtle aus Ellrich indes stellt sich hin und schwadroniert über eine Wiederherstellung der Karstlandschaft und von einer Ansiedlung von Gelbbauchunken. Dieser Herr will uns allen Ernstes weißmachen, eine Landschaft, die sich durch das Wirken der Naturkräfte von Jahrmillionen geformt hat, lasse sich am Reißbrett entwerfen. Das ist genauso falsch, wie die Behauptung, der Auerochse könnte wieder auferstehen, obwohl er vom Menschen ausgerottet wurde. Mögen ihm einige Retortenrinder auch ähnlich sehen – ausgestorben ist ausgestorben.

Ebenso ist dies mit der Gipskarstlandschaft: Vernichtet ist vernichtet. Sie lässt sich nicht wieder herstellen! Knauf räumt doch selbst ein, dass sich invasive Arten statt der gewünschten naturschutzrelevanten auf seinen „renaturierten“ Flächen breitmachen (Quellen siehe im Link zu einem früheren nnz-Beitrag).

Der nnz-Beitrag zum weißem Gold suggeriert zudem, dass nach zehn oder was weiß ich nach wie vielen Jahren Schluss ist mit Abbau. Das aber ist Augenwischerei – Opium für alle Gutgläubigen, die schon dachten, der Kohnstein würde wieder grün. Glauben Sie denn allen Ernstes, liebe nnz-Leser, dass sich ein Herr Knechtle aus dem Gipskarst zurückzieht?

So lange ihn Gerichte und Ämter unterstützen, sich die Rathäuser in Schweigen oder in Kniefällen üben, wird der Frevel weitergehen. Dabei pfeifen es die Spatzen durch alle Glasfasern des Internets, dass der feine weiße Gips für die Bauwirtschaft nicht notwendig ist (siehe Link unten). Reha-Gipse tun es ebenso. Sie könnten auch weiterhin bei uns verarbeitet werden, Arbeitsplätze fielen keine weg. Das Arbeitsplatzargument zieht also nicht.

Über allem jedoch steht das Wertesystem der Verantwortlichen und der Allgemeinheit. Eine von der Natur und den eigenen Lebensgrundlagen dermaßen entferntes Gemeinwesen, wie das unsere, in dem Landschaft allenfalls noch im Vorbeifahren durch Autoscheiben betrachtet wird, baut keine Beziehung zu einer weltweit einmaligen Landschaft auf.

Davon profitieren die gut abgesicherten Beamten in den Bergämtern, denen zerstörerische Federstriche nun leichter fallen und natürlich die Abbauer selbst.
Ich frage mich nur, wie es möglich sein soll, die letzten großen Regenwälder in Brasilien, Malaysia, in Indonesien oder im Kongo mit ihrem unschätzbaren Arteninventar zu retten, wenn wir nicht einmal im reichen Deutschland in der Lage sind, ein Desaster wie jenes der Zerstörung des Gipskarstes ein für allemal zu unterbinden.
Bodo Schwarzberg

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(Link mit Quellen: http://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=118898)
Autor: nnz

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Kommentare
andreas66
14.02.2013, 18:19 Uhr
Das...
ist nun mal so und wird immer so bleiben. Die Industrie wird immer die besseren Lobbyisten haben. Umwelt- und Naturschutz ist schon eine gute Sache. Don Quinchote auf seiner Rosinante kämpfte auch gegen Windmühlen. Wir können froh sein, noch in Deutschland zu wohnen. In den Staaten kümmert sich keiner um die Natur. Dort boomt Fracking. Man giert nach Platz 1 weltweit. Koste es was es wolle.

MfG A. Knoblauch
geloescht.otto
15.02.2013, 08:58 Uhr
so wie
der Gipsabbau bei uns kommen wird, so wird auch das Fracking in Deutschland kommen.
Hier geht es um maximalen Profit und Gewinn, wen interessiert da unsere Natur. Über alle Themen wird man Gras wachsen lassen und wenn alle denken, die Industrie hat es aufgegeben, dann werden sie zu schlagen!!
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