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Mi, 22:01 Uhr
18.02.2004

Unterstützung für Tourismus

Nordhausen (nnz). Es ist selten, daß sich alle einig sind, alle Parteien und sogar die Bürger. In Sachen Gipsabbau und Tourismus ziehen sie an einem Strang. Jetzt gibt es sogar Unterstützung von Katrin Göring-Eckardt. Wie sie helfen will, erfahren Sie mit einem Klick.


Sennecke, Korb, Göring-Eckardt

In Zeiten der Nachhaltigkeit ist es eigentlich ziemlich unlogisch einige kurzfristige Arbeitsplätze in der Gipsindustrie in den Vordergrund zu stellen und von großem wirtschaftlichen Nutzen für die Region zu sprechen. Mit einer Förderung des Tourismus in friedlicher Koexistenz mit bestehenden Anhydrit/Gipsabbaugebieten läßt sich für die Region Nordthüringen viel mehr erreichen. Das jedenfalls meint der Arbeitskreis Gipskarst.

Wie wichtig der Erhalt der "Rüdigsdorfer Schweiz" ist, wird deutlich, wenn man die Einigkeit sämtlicher Parteien und Verantwortlichen bei Stadt und Landkreis betrachtet. Die Flächen des Winkelbergs und des Brandbergs, insgesamt ca. 50 ha, sollen der EU als FFH-Gebiet nachgemeldet werden. Von Gabriela Sennecke des Arbeitskreises Gipskarst wurde der derzeitige Nachmeldeplan vorgestellt. Genau die von der Industrie gewünschten Abbauflächen am Winkel- und Brandberg sind herausgenommen, dabei gibt es grade dort unter anderem schützenswerte Fledermäuse. Die Zerstückelung des Lebensraumes dieser und anderer bedrohter Tiere wird nach dem Plan billigend in Kauf genommen, obwohl der Gipskarst mit seiner Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten von der Europäischen Union allgemein als besonders schutzwürdig anerkannt ist. Warum das nicht auch vom Land Thüringen so gesehen wird, sorgt im Kreis schon seit langem für Unverständnis.

Bei seinem Besuch im Januar diesen Jahres (nnz berichtete) äußerte sich Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) begeistert von der Landschaft, daß dem Willen der Kommunen bei der Ausweisung der Gebiete entsprochen werden solle.

Katrin Göring-Eckhardt als Bundestagsabgeordnete, Fraktionschefin von Bündnis90/Die Grünen im Bundestag und Landessprecherin der Grünen erbot sich, dem Minister noch vor dem Stichtag am Freitag einen Brief zu schreiben und an sein Versprechen zu erinnern. Bis Ende März, wo die Nachmeldungen an die EU erfolgt sein müssen, will sie außerdem das Gespräch mit Thüringens Landesvater suchen.

Für Umweltminister Jürgen Trittin erhielt sie vom Arbeitskreis Gipskarst eine Petition. Leider sind die Mitwirkungsmöglichkeiten des Umweltministers in diesem konkreten Fall gering. Er kann nur erwirken, daß Thüringen Gebiete in der erforderlichen Größe nachmeldet, aber nicht, daß genau dieses Stück Land dabei ist. So könnten wieder weniger wertvolle Flächen gemeldet werden, nur damit es in Zahlen hinkommt, erklärte sie.

Dabei wäre alles ganz einfach. Für den Gipsabbau stehen zum Beispiel die Flächen am Kohnstein zur Verfügung. Sogar die für den Abbau erforderliche Infrastruktur ist da schon vorhanden und könnte sofort genutzt werden.

Der Tourismus, der in Nordthüringen langsam zu wachsen beginnt, würde durch den in Neustadt entstehenden Golfplatz mit Sicherheit gestärkt. Nur liegt der Platz direkt am Abbaugebiet Günzdorf. Daß dann noch Gäste dort zum Golfen kommen ist weniger zu erwarten. Nun sei es wichtig, daß auch das Land einsieht, wie wichtig eine Förderung langfristiger Arbeitsplätze ist.

Auch auf den sogenannten Rea-Gips als Alternative zum Naturgips wurde hingewiesen. Wenn man immer wieder auf die Forderungen der Firmen einginge, so Gabi Sennecke, dann käme die Suche nach besseren Möglichkeiten nicht voran.

Auch Steffen Meyer vom städtischen Umweltamt sieht keinen volkswirtschaftlichen Nutzen oder ein öffentliches Interesse am Gipsabbau in der "Rüdigsdorfer Schweiz". Dort würden nur privatwirtschaftliche Interessen verfolgt, die für die Region kontraproduktiv sind. Deswegen sei es sehr wichtig, daß die Nachmeldung in der zu Gunsten der Natur korrigierten Fassung schnell forciert werde. Die bündnisgrüne Bundestagsabgeordnete wünscht sich einen Betrag dafür leisten zu können, da sie sich bei Besuchen in der Region über viele positive Veränderungen gefreut hat.

Für alle, die gar nicht so genau wissen, was es mit dem FFH-Gebieten auf sich hat, hat nnz mal nachgefragt.

Die sogenannten Flora-Fauna-Habitat Gebiete sind von gemeinschaftlicher Bedeutung für die Europäische Union. Schon am 21. Mai 1992 wurde eine entsprechende Richtlinie erlassen. Es sollen vor allem jene Lebensraumtypen ausgewiesen werden, deren Verbreitungsgebiet in der EU klein ist. Im Landkreis Nordhausen sind mittlerweile 6230 ha gemeldet. Als besonders wichtig gelten bei uns die Vorkommen seltener Orchideen wie das Knabenkraut, zahlreiche Fledermausarten, sowie die Lebensräume von Kammmolch und Hirschkäfer. Obwohl es in unserer Region viele Buchenwälder gibt, fallen sie unter diese Richtlinie, denn im Gesamtgebiet der EU sind sie selten. Rund ein sechstel der Landkreisfläche steht bereits unter Schutz.
Autor: wf

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