Mi, 00:48 Uhr
18.02.2004
Mephisto sprachlos
Nordhausen(nnz). Ob es Absicht war, damit nnz nicht alles ausplaudert und dem Zuschauer die Spannung nimmt? Die gestrige Generalprobe von "Faust" mußte jedenfalls abgebrochen werden. Aber was es schon zu sehen gab, macht auf jeden Fall Lust auf den Rest.
"Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor." So hätte die gestrige Generalprobe von Faust wohl kommentiert werden können, denn sie wurde nach 2/3 der Zeit abgebrochen Die Walburgisnacht, Gretchens Kindsmord und ihr elendes Ende im Kerker blieben für den Zuschauer im Dunkeln. Und ob Heinrich Faust wirklich in dem schönen Augenblick verweilen will, wer weiß, vielleicht ist das in der Produktion von Studio 44 ganz anders.
Denn vieles ist nicht so wie in einer klassischen Inszenierung. Videoprojektionen ersetzen die Szenen, die auf der kleinen Bühne im Theater unterm Dach schlecht darzustellen sind. Kostüme und Musik entsprechen ganz dem Geschmack der jungen Darsteller. Trotzdem ist deutlich, daß diese "Faust" Version unter Regie von Luise Voigt dem Goethe Klassiker zu einen modernen Gewandt verhilft, ohne albern zu wirken oder die Intention des Stückes zu verändern.
Schon Anfang des 19. Jahrhunderts hatte Deutschlands wohl bekanntester Dichter Johann Wolfgang von Goethe die Maßlosigkeit des modernen Menschen und die Enge der bürgerlichen Gesellschaft erkannt und in der Person des Faust treffend dargestellt. Volker Schubert spielt den rastlosen Gelehrten, der sich von Mephisto zu dem berühmten Pakt überreden läßt. Nach einer heftigen Sauferei in Auerbachs Keller wird aus ihm plötzlich ein Jugendlicher, der das unschuldige Gretchen, dargestellt von Marie-Theres Schwinn, verführt.
Ganz will sich Luise Voigt nicht an die Vorlage halten, so schickt sie Gretchen statt Wagner mit Faust auf den Osterspazierung. Die Schlinge, in der die junge Frau schaukelt, soll da wohl schon auf ihr unehrenhaftes Ende als Mörderin hinweisen.
Bevor Gretchen ihre Mutter um die Ecke bringt, dreht diese noch mal richtig auf. Nervige Werbesprüche zitierend und mit Versandkatalogen um sich werfend, macht sie zeitgemäß ihrem Frust über diese verlogene Gesellschaft Luft.
Sie ist nicht das einzige Opfer. Auch Bruder Valentin muß dran glauben. Im Duell wird er erstochen.
Gretchen bekommt dann per Videoeinspielung ihr uneheliches Kind.
Danach müßte Faust eigentlich sein Treffen mit Mephisto auf dem Brocken haben, aber dieser, als eiskalter Verführer gespielt von Nadja Große, hatte leider aus gesundheitlichen Gründen die Stimme verloren.
Zur heutigen Premiere um 19.30 im Theater unterm Dach will die Darstellerin aber wieder fit sein. Muß sie auch, denn die Vorstellung ist bereits komplett ausverkauft.
Am 19. und 24. Februar sowie am 15. März gibt es jeweils 17.30 weitere Gelegenheiten dieses Schauspiel des Vereins Studio 44 zu erleben.
Für Schüler, die den altertümlichen Stoff mit Mühe durchnehmen, ist diese Aufführung absolut zu empfehlen. Aber auch alle anderen jungen Leute werden viel Spaß an dem modernen Klassiker haben. Als Alternative zur ab nächsten Jahr abgeschafften Schauspielsparte scheinen sich Produktionen mit Laien-Schauspielern direkt anzubieten. Die Spielfreude der Darsteller überträgt sich auf den Zuschauer, und es ist anzunehmen, daß die fehlende halbe ebenso gut ist, wie die gesehene volle Stunde. Um zu wissen, ob das Essen gut war, muß man ja auch nicht den ganzen Teller essen, oder?
Dem Mephisto wünscht nnz ein bißchen Magie für die baldige Genesung und allen viel Erfolg für den heutigen Abend.
In den Hauptrollen sind zu sehen:
Mephisto: Nadja Große
alter Faust: Volker Schubert
junger Faust: Christoph Schädel
Gretchen: Marie-Theres Schwinn
Marthe: Franziska Drechsler
Mutter: Marie-Luise Gunst
Helena/Böser Geist: Juliane Spaniel
Engelchen: Inga Besser
Valentin: Sebastian Schimmel
Wagner: Jonas Arand
Produktion: Studio 44 e.V. in Kooperation mit dem Theater Nordhausen
Regie: Luise Voigt
Choreographie: Uwe Rüdiger
Autor: wf
"Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor." So hätte die gestrige Generalprobe von Faust wohl kommentiert werden können, denn sie wurde nach 2/3 der Zeit abgebrochen Die Walburgisnacht, Gretchens Kindsmord und ihr elendes Ende im Kerker blieben für den Zuschauer im Dunkeln. Und ob Heinrich Faust wirklich in dem schönen Augenblick verweilen will, wer weiß, vielleicht ist das in der Produktion von Studio 44 ganz anders.Denn vieles ist nicht so wie in einer klassischen Inszenierung. Videoprojektionen ersetzen die Szenen, die auf der kleinen Bühne im Theater unterm Dach schlecht darzustellen sind. Kostüme und Musik entsprechen ganz dem Geschmack der jungen Darsteller. Trotzdem ist deutlich, daß diese "Faust" Version unter Regie von Luise Voigt dem Goethe Klassiker zu einen modernen Gewandt verhilft, ohne albern zu wirken oder die Intention des Stückes zu verändern.
Schon Anfang des 19. Jahrhunderts hatte Deutschlands wohl bekanntester Dichter Johann Wolfgang von Goethe die Maßlosigkeit des modernen Menschen und die Enge der bürgerlichen Gesellschaft erkannt und in der Person des Faust treffend dargestellt. Volker Schubert spielt den rastlosen Gelehrten, der sich von Mephisto zu dem berühmten Pakt überreden läßt. Nach einer heftigen Sauferei in Auerbachs Keller wird aus ihm plötzlich ein Jugendlicher, der das unschuldige Gretchen, dargestellt von Marie-Theres Schwinn, verführt.
Ganz will sich Luise Voigt nicht an die Vorlage halten, so schickt sie Gretchen statt Wagner mit Faust auf den Osterspazierung. Die Schlinge, in der die junge Frau schaukelt, soll da wohl schon auf ihr unehrenhaftes Ende als Mörderin hinweisen.
Bevor Gretchen ihre Mutter um die Ecke bringt, dreht diese noch mal richtig auf. Nervige Werbesprüche zitierend und mit Versandkatalogen um sich werfend, macht sie zeitgemäß ihrem Frust über diese verlogene Gesellschaft Luft.
Sie ist nicht das einzige Opfer. Auch Bruder Valentin muß dran glauben. Im Duell wird er erstochen. Gretchen bekommt dann per Videoeinspielung ihr uneheliches Kind.
Danach müßte Faust eigentlich sein Treffen mit Mephisto auf dem Brocken haben, aber dieser, als eiskalter Verführer gespielt von Nadja Große, hatte leider aus gesundheitlichen Gründen die Stimme verloren.
Zur heutigen Premiere um 19.30 im Theater unterm Dach will die Darstellerin aber wieder fit sein. Muß sie auch, denn die Vorstellung ist bereits komplett ausverkauft.
Am 19. und 24. Februar sowie am 15. März gibt es jeweils 17.30 weitere Gelegenheiten dieses Schauspiel des Vereins Studio 44 zu erleben.
Für Schüler, die den altertümlichen Stoff mit Mühe durchnehmen, ist diese Aufführung absolut zu empfehlen. Aber auch alle anderen jungen Leute werden viel Spaß an dem modernen Klassiker haben. Als Alternative zur ab nächsten Jahr abgeschafften Schauspielsparte scheinen sich Produktionen mit Laien-Schauspielern direkt anzubieten. Die Spielfreude der Darsteller überträgt sich auf den Zuschauer, und es ist anzunehmen, daß die fehlende halbe ebenso gut ist, wie die gesehene volle Stunde. Um zu wissen, ob das Essen gut war, muß man ja auch nicht den ganzen Teller essen, oder?
Dem Mephisto wünscht nnz ein bißchen Magie für die baldige Genesung und allen viel Erfolg für den heutigen Abend.
In den Hauptrollen sind zu sehen:
Mephisto: Nadja Große
alter Faust: Volker Schubert
junger Faust: Christoph Schädel
Gretchen: Marie-Theres Schwinn
Marthe: Franziska Drechsler
Mutter: Marie-Luise Gunst
Helena/Böser Geist: Juliane Spaniel
Engelchen: Inga Besser
Valentin: Sebastian Schimmel
Wagner: Jonas Arand
Produktion: Studio 44 e.V. in Kooperation mit dem Theater Nordhausen
Regie: Luise Voigt
Choreographie: Uwe Rüdiger

