Mo, 19:51 Uhr
21.01.2013
nnz-Forum: Empfangs-Gedanken
In den vergangenen Tagen informierte die nnz über zahlreiche Neujahrsempfänge, die von Unternehmen und Verwaltungen, Parteien, Verbänden und Bildungseinrichtungen organisiert worden waren oder noch stattfinden werden. nnz-Leser Hans-Georg Backhaus hat sich dazu einige Gedanken gemacht, an deren Ende noch ein überdenkenswerter Vorschlag steht...
Zunächst: Als die Diskussion über das Für und Wider solcher Veranstaltungen los brach, konnte man mehrheitlich kritische Kommentare lesen, wie: Das sollten sich die Veranstalter doch künftig sparen, das ist doch nur Show! Da treffen sich doch nur die Oberen. Da werden schönfärberische Reden gehalten. Wenn alles vorbei ist, geht man zur Tagesordnung über. Und die Welt bleibt wie sie ist. Vor allem schlecht!. Soweit die verbreitete Meinung – mit eigenen Worten wiedergegeben.
Doch ich betrachte solche Treffen wesentlich differenzierter. Soweit ich mich zurück erinnere, sind derlei Jahresempfänge nach der Wende bei uns erst in Mode gekommen (wenn man von dem Jahresempfang des DDR-Staatsratsvorsitzenden für die damals in der DDR akkreditierten Botschafter einmal absieht). Man trifft sich, man kennt sich oder lernt sich kennen.
Die Gastgeber halten Ansprachen, deren Inhalte sicher nicht immer durchgängig die Gäste von den Stühlen reißen Doch sind hier und da auch Passagen zu vernehmen, die neben der Aufzählung von Erfolgsmeldungen und den Dank an die Mitarbeiter bzw. Verbands- oder Parteimitglieder auch Finger auf (noch) offene Wunden legen. Also Fragen und Probleme aufgreifen, die es noch zu lösen gilt oder die gar daneben gegangen sind.
Unser neuer Oberbürgermeister beispielsweise hat in seiner Ansprache auf so manch gelungenes Projekt verwiesen und war auch fair genug, daran zu erinnern, dass seine Vorgänger im Amt - Dr. Manfred Schröter und Barbara Rinke – wichtige Entscheidungen getroffen und entsprechende Vorhaben auf den Weg gebracht haben, die auch gelungen sind.
In der Regel enden solche Reden mit Ausblicken auf das gerade begonnene Jahr, die von positiven Prophezeiungen mitunter nur so strotzen. Doch sollte die gute Absicht dahinter stecken, sich selbst und/oder seinen Mitstreitern Mut zumachen für neue Aufgaben und Herausforderungen, so wäre das nicht zu beanstanden.
Doch einen Wehrmutstropfen haben all diese Empfänge. Nämlich, wenn die Frage gestellt wird: Wer wird zu diesen Veranstaltungen eigentlich eingeladen? In der Regel sind es Geschäftsführer, Werkleiter, hochrangige Vertreter aus Parteien, Verbänden, Bildungseinrichtungen und kommunaler Volksvertretungen sowie Vorstandsvorsitzende von Sparkassen und Banken, ab und an auch einige Sportler. Doch damit erschöpft sich der Reigen der geladenen Gäste auch schon. Aber wo bleibt die Mittelschicht – also der so genannte Normalbürger?
Und wo diejenigen, die durch Eigen- oder auch Fremdverschulden sich an den Rand der Gesellschaft gedrückt fühlen, sich inzwischen aufgegeben und an der Mitgestaltung eines demokratischen Gemeinwesens keinerlei Interesse mehr haben? Wäre es deshalb nicht klug, in Vorbereitung künftiger Jahresempfänge endlich mal an diese Bürger zu denken? Wie wäre es, wenn jeder geladene Geschäftsführer oder Werkleiter, jeder Vertreter einer Partei bzw. eines Verbandes, einen mitbrächte, der bzw. die sonst niemals zu derlei Treffen eingeladen wird?
Und der jeweilige Gastgeber dann sagen könnte: Auch Du gehörst dazu! Wenn – wie in unserer Zeit oft zu hören ist – das Experiment Sozialismus gescheitert sei, der Kapitalismus als Gesellschaft der Ausbeuter und Unterdrücker auf Dauer keine Zukunft habe und folglich viele inzwischen nach einem so genannten Dritten Weg Ausschau halten, sollte man da nicht endlich den Mut haben, wenigstens erste kleine Schritte in Richtung dieses Dritten Weges zu gehen?
Vor allem auch deshalb, damit diese Gesellschaft schließlich ihren Anspruch gerecht wird, für alle da zusein, keinen auszuschließen und jedem die Chance auf ein auskömmliches Leben sichert.
Kurzum: Wir könnten in unserer Südharzregion doch beispielhaft vorangehen und so verfahren, wie es übrigens seit vielen Jahren der Bundespräsident bei den Sommerfesten macht:: Da kommen Menschen aus unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten und mit unterschiedlichsten Biographien zusammen und repräsentieren ein sich veränderndes Deutschland. Das sollten wir hier in unserer Region doch auch hinbekommen! Oder?
Hans-Georg Backhaus, Mitglied SPD-Ortsverein Nordhausen
Autor: redZunächst: Als die Diskussion über das Für und Wider solcher Veranstaltungen los brach, konnte man mehrheitlich kritische Kommentare lesen, wie: Das sollten sich die Veranstalter doch künftig sparen, das ist doch nur Show! Da treffen sich doch nur die Oberen. Da werden schönfärberische Reden gehalten. Wenn alles vorbei ist, geht man zur Tagesordnung über. Und die Welt bleibt wie sie ist. Vor allem schlecht!. Soweit die verbreitete Meinung – mit eigenen Worten wiedergegeben.
Doch ich betrachte solche Treffen wesentlich differenzierter. Soweit ich mich zurück erinnere, sind derlei Jahresempfänge nach der Wende bei uns erst in Mode gekommen (wenn man von dem Jahresempfang des DDR-Staatsratsvorsitzenden für die damals in der DDR akkreditierten Botschafter einmal absieht). Man trifft sich, man kennt sich oder lernt sich kennen.
Die Gastgeber halten Ansprachen, deren Inhalte sicher nicht immer durchgängig die Gäste von den Stühlen reißen Doch sind hier und da auch Passagen zu vernehmen, die neben der Aufzählung von Erfolgsmeldungen und den Dank an die Mitarbeiter bzw. Verbands- oder Parteimitglieder auch Finger auf (noch) offene Wunden legen. Also Fragen und Probleme aufgreifen, die es noch zu lösen gilt oder die gar daneben gegangen sind.
Unser neuer Oberbürgermeister beispielsweise hat in seiner Ansprache auf so manch gelungenes Projekt verwiesen und war auch fair genug, daran zu erinnern, dass seine Vorgänger im Amt - Dr. Manfred Schröter und Barbara Rinke – wichtige Entscheidungen getroffen und entsprechende Vorhaben auf den Weg gebracht haben, die auch gelungen sind.
In der Regel enden solche Reden mit Ausblicken auf das gerade begonnene Jahr, die von positiven Prophezeiungen mitunter nur so strotzen. Doch sollte die gute Absicht dahinter stecken, sich selbst und/oder seinen Mitstreitern Mut zumachen für neue Aufgaben und Herausforderungen, so wäre das nicht zu beanstanden.
Doch einen Wehrmutstropfen haben all diese Empfänge. Nämlich, wenn die Frage gestellt wird: Wer wird zu diesen Veranstaltungen eigentlich eingeladen? In der Regel sind es Geschäftsführer, Werkleiter, hochrangige Vertreter aus Parteien, Verbänden, Bildungseinrichtungen und kommunaler Volksvertretungen sowie Vorstandsvorsitzende von Sparkassen und Banken, ab und an auch einige Sportler. Doch damit erschöpft sich der Reigen der geladenen Gäste auch schon. Aber wo bleibt die Mittelschicht – also der so genannte Normalbürger?
Und wo diejenigen, die durch Eigen- oder auch Fremdverschulden sich an den Rand der Gesellschaft gedrückt fühlen, sich inzwischen aufgegeben und an der Mitgestaltung eines demokratischen Gemeinwesens keinerlei Interesse mehr haben? Wäre es deshalb nicht klug, in Vorbereitung künftiger Jahresempfänge endlich mal an diese Bürger zu denken? Wie wäre es, wenn jeder geladene Geschäftsführer oder Werkleiter, jeder Vertreter einer Partei bzw. eines Verbandes, einen mitbrächte, der bzw. die sonst niemals zu derlei Treffen eingeladen wird?
Und der jeweilige Gastgeber dann sagen könnte: Auch Du gehörst dazu! Wenn – wie in unserer Zeit oft zu hören ist – das Experiment Sozialismus gescheitert sei, der Kapitalismus als Gesellschaft der Ausbeuter und Unterdrücker auf Dauer keine Zukunft habe und folglich viele inzwischen nach einem so genannten Dritten Weg Ausschau halten, sollte man da nicht endlich den Mut haben, wenigstens erste kleine Schritte in Richtung dieses Dritten Weges zu gehen?
Vor allem auch deshalb, damit diese Gesellschaft schließlich ihren Anspruch gerecht wird, für alle da zusein, keinen auszuschließen und jedem die Chance auf ein auskömmliches Leben sichert.
Kurzum: Wir könnten in unserer Südharzregion doch beispielhaft vorangehen und so verfahren, wie es übrigens seit vielen Jahren der Bundespräsident bei den Sommerfesten macht:: Da kommen Menschen aus unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten und mit unterschiedlichsten Biographien zusammen und repräsentieren ein sich veränderndes Deutschland. Das sollten wir hier in unserer Region doch auch hinbekommen! Oder?
Hans-Georg Backhaus, Mitglied SPD-Ortsverein Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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