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Do, 11:18 Uhr
06.12.2012

Die Künstlerin Eva Groh

Zur Zeit stellt die Kulturscheune in Görsbach künstlerische Werke der im Januar 2008 in Nordhausen verstorbenen Eva Groh aus, die ihr Mann, Günter Groh, ausgewählt hat. Die Künstlerin hat sich vor allem als Illustratorin literarischer Werke einen Namen gemacht, worauf die Präsentation den Schwerpunkt legt. Dazu eine Betrachtung von Heidelore Kneffel...


Man begegnet in Görsbach mehreren Werken der Weltliteratur, sehr einfühlsam von Eva Groh gedeutet. Ihr Anliegen war es nicht, dem Autor inhaltlich etwas hinzuzufügen, sondern, sie wollte mit ihren Illustrationen dem Werk dienen. In meinem Bücherschrank steht seit kurzem der Band: „Vittoria Colonna – Ein Lebensbild aus der Zeit der Hochrenaissance“ mit 10 Federzeichnungen der Groh. Die Ausstellung wies mich darauf hin. Ich besorgte mir das Buch antiquarisch, denn am 15. Dezember wird in der „Dichterstätte“ in Limlingerode die berühmte italienische Dichterin V. Colonna vorgestellt, die mit dem großen Maler und Bildhauer Michelangelo befreundet war. Eine der Illustrationen zeigt diesen grübelnd vor der Skulptur „Die Nacht“, einer Figur seines Grabmales für die Familie Medici.

Bemerkenswert immer aufs Neue die Illustationen für unterschiedliche Märchen, die, überwiegend in Aquarelltechnik ausgeführt, mit nuancierter Farbigkeit bestechen. Erwähnt seien „Die Nachtigall“, „Des Kaisers neue Kleider“, „Der kleine Muck“, „Schneeweißchen und Rosenrot“. Bei Reclam erschien z. B. die indische Volksmärchen-Sammlung „Vom Blumenlager der Prinzessin Tschandrawati“ mit 14 Federzeichnungen der Künstlerin.

Eva-Maria Beger,verheiratete Groh, in Leipzig 1923 geboren, begann 1942 ihr Kunststudium in dieser Stadt des Buches an der dortigen Akademie für graphische Künste. Intensives Naturstudium und eine umfassende Ausbildung in den druckgrafischen Techniken zeichneten das Studium aus. Sie hat sich dann, ermutigt durch solche großen Zeichenkünstler wie Prof. Hans Theo Richter und Prof. Max Schwimmer, besonders der Illustration gewidmet. Die freischaffende Grafikerin ging mit ihrem Mann Günther Groh zuerst nach Greifswald, dann nach Nordhausen. Ihre geistige Mitte fand sie in der Natur, der Literatur und insbesondere in der Kunst.

In der Görsbacher Ausstellung fallen dem Besucher auch Bilder auf, die man als Studienblätter bezeichnen kann, darunter ein nicht mehr junger schlanker Mann mit freiem Oberkörper. Man erkennt auch an diesem Blatt Eva Grohs genaue Beobachtungsgabe, hier insbesondere, was die menschliche Figur betrifft. Deutlich wird das auch auf einem Skizzenblatt aus ihrer Studienzeit. Deshalb verwundert es nicht, sie als sensible Porträtzeichnerin zu entdecken. Genannt sei eine Zeichnung von ihrem Mann in jungen Jahren und die ihres Sohnes Rainer als Kind, als er voller Gespanntsein, in der Sofaecke sitzend, im Fernsehen die amerikanischeWesternserie „Rauchende Golts“ anschaut.

Als Künstlerin kann man Tageserlebnisse in Form von Skizzen festhalten, also, eine besondere Form des Tagebuches führen. „Zeichnerische Erinnerungen“ nennt Eva Groh mehrere kleinformatige Zeichnungen über den 29. 10. 1950, als sie in Berlin eine Inszenierung von Molieres „Der Geizige“ sah.

Immer, wenn es möglich war, habe ich mir die Ausstellungen angesehen, die Werke von Eva Groh in Nordhausen zeigten. Manches Mal waren es Einzelausstellungen, vor allem aber stellte sie gemeinsam mit ihrem Mann aus. Ich erinnere an die „Kleine Galerie im Kulturbund“, an die Präsentationen im Meyenburgmuseum, wo man z. B. 2001 die sensible Aktzeichnerin entdecken konnte, an die Galerie im Waisenhaus, an die Galerie im Tresor im Stadthaus, an die Galerie in der Kreissparkasse. Die aktuelle Werkschau ist noch bis zum 16. Dezember täglich von 14.00-17.00 Uhr geöffnet.
Heidelore Kneffel
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