Do, 23:01 Uhr
22.01.2004
Schüler geben nicht auf
Nordhausen (nnz). Schulen wurden schon öfter geschlossen, aus Mangel an Schülern. Dem christlichen Schulzentrum mangelt es daran eigentlich nicht, aber an Geld. Die Schüler wollen sich nicht auf die Straße setzen lassen. Heute wurde mit Eltern und Verantwortlichen diskutiert.
Eine Schule geht pleite, ein Verlust von 525.000 Euro wird durch den Betrieb des Christlichen Schulzentrums bis zum Schuljahresende entstehen (nnz berichtete). Doch es geht nicht nur um Geld, sondern auch um Kinder, die sich an ihrer Schule wohl fühlen.
Statt in einer Freistunde herumzubummeln haben die Mädchen und Jungen Plakate gemalt und Unterschriftenlisten erstellt. Während des Elterngesprächs sammelten sie Spenden, um den Erhalt ihrer Schule zu sichern. Gegen die riesige Schuldensumme erscheinen die 242,85 Euro wie ein Tropfen auf den heißen Stein, aber sie setzen ein Zeichen. Auch die vielen Wortmeldungen engagierter Eltern zeigen, daß hier Menschen an einem Projekt hängen und sich das Aufgebaute nicht durch die finanziellen Probleme kaputt machen lassen wollen.
Viele klagten an, daß nicht rechtzeitig gehandelt worden wäre. Schon im März 2003 seien nach Angaben von Oberkonsistorialrat Andreas Haerter mit dem Jahresabschluß 2002 finanzielle Probleme bekannt geworden. Man habe am 1. Juni 2003 die Bürgschaftsgeber darüber informiert, aber es habe immer noch die Hoffnung auf Mittel von der Klosterkammer gegeben. Diese war aber gar nicht in der Lage regelmäßig eine Förderung zu leisten. Auch andere Geldquellen wie Stiftungen flossen spärlicher als gedacht.
Haerter gab drei Gründe für das Scheitern an. Der erste ist vielen Nordhäusern bekannt, nämlich die Rückzahlung der unrechtmäßig erhaltenen 150.000 Euro an die Johanniter Unfallhilfe. Davon sind noch immer 70.000 Euro offen. Außerdem befinde sich die Regelschule noch in der dreijährigen Wartefrist. Mit Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) habe man - als dieser noch Kultusminister war - besprochen, daß die staatliche Anerkennung doch schon ein Jahr eher möglich sein könnte. Das geht nun aus verschiedenen Gründen nicht. Außerdem habe man keine der Vereinbarungen schwarz auf weiß gehabt.
Superintendent Curt Stauss als Vertreter des Kirchenkreises und damit Bürge für die Schulden des Schulzentrums gestand ebenfalls Fehler ein. Man habe die Verantwortlichen nicht rechtzeitig informiert. Hoffnungen machen wollte er nicht. Selbst wenn ein neues Finanzkonzept gefunden werden könnte, wolle der Kirchenkreis nicht wieder als Bürge einsteigen. Die Schuldenlast sei jetzt schon sehr groß.
Im Anschluß an die Ausführungen konnten Eltern und Schüler Fragen stellen. Blasii-Gemeindepädagoge Frank Tuschy wollte wissen, ob es wenigstens für die Grundschule einen Funken Hoffnung gäbe und was die Eltern dazu tun könnten. Wichtig sei es die Kostensituation zu ändern, erfuhr er. Bei der derzeitigen Anzahl an Schülern in diesem Gebäude seien pro Schuljahr 100.000 Euro nötig. Einige Eltern erklärten sich spontan zur Zahlung von Schulgeld bereit.
Insgesamt wurde deutlich, daß für die christliche Grundschule zumindest ein Funken Hoffnung besteht. Der Regelschule wurde aber kaum eine zweite Chance gegeben. Die Eltern der betroffenen Schüler waren erbost darüber, daß die Regelschule für die Grundschule geopfert werden solle. Ein Vater bemängelte das Fehlen von Oberbürgermeisterin Barbara Rinke. Sei sie etwa nicht am Erhalt eines alternativen Bildungsangebots interessiert, mutmaßte er fragend. Sie sei sogar sehr interessiert, versicherte Bürgermeister Klaus Wahlbuhl, da sie Gespräche zum Erhalt der Schule führen müsse und deswegen nicht herkommen konnte.
Dr. Cornelia Klose als Leiterin des Kulturamtes war ebenfalls gekommen. Sie bot den Regelschülern ihre Hilfe an und möchte sich dafür einsetzen, daß die Klassen zusammenbleiben können. Da die Anmeldung des Bedarfs einer Schule im Frühjahr im Schulamt Worbis getroffen werden müsse, soll für die Kinder bis Ende April eine Möglichkeit erarbeitet werden. Es wurde zwar um eine längere Frist, zum Beispiel bis zum Ende des Schuljahres, gebeten, aber das ist nicht möglich, so Klose. Falls immerhin die Grundschule gerettet werden kann, versprach Klaus Wahlbuhl bei der Suche nach einem kleineren Gebäude behilflich zu sein.
Eltern, die sich Gedanken um die Zukunft der Schule machen und selbst aktiv werden wollen, sollten sich den nächsten Montag (26. Januar) um 20.00 Uhr in der Turnhalle des Schulzentrums vormerken. Dann soll überlegt werden, wer was tun kann. Die Eltern selbst wissen, daß es viel Energie, Zeit und Geld kosten wird. Aber gemeinsam wollen sie ihren Kindern eine Schule erhalten, wo sie gern hingehen und lernen.
Heute gab es eine Lektion in Gemeinsinn und Engagement. Daß man nicht alles kampflos hinnehmen muß, haben die Schüler auf jeden Fall begriffen.
Autor: wf
Eine Schule geht pleite, ein Verlust von 525.000 Euro wird durch den Betrieb des Christlichen Schulzentrums bis zum Schuljahresende entstehen (nnz berichtete). Doch es geht nicht nur um Geld, sondern auch um Kinder, die sich an ihrer Schule wohl fühlen.
Statt in einer Freistunde herumzubummeln haben die Mädchen und Jungen Plakate gemalt und Unterschriftenlisten erstellt. Während des Elterngesprächs sammelten sie Spenden, um den Erhalt ihrer Schule zu sichern. Gegen die riesige Schuldensumme erscheinen die 242,85 Euro wie ein Tropfen auf den heißen Stein, aber sie setzen ein Zeichen. Auch die vielen Wortmeldungen engagierter Eltern zeigen, daß hier Menschen an einem Projekt hängen und sich das Aufgebaute nicht durch die finanziellen Probleme kaputt machen lassen wollen.
Viele klagten an, daß nicht rechtzeitig gehandelt worden wäre. Schon im März 2003 seien nach Angaben von Oberkonsistorialrat Andreas Haerter mit dem Jahresabschluß 2002 finanzielle Probleme bekannt geworden. Man habe am 1. Juni 2003 die Bürgschaftsgeber darüber informiert, aber es habe immer noch die Hoffnung auf Mittel von der Klosterkammer gegeben. Diese war aber gar nicht in der Lage regelmäßig eine Förderung zu leisten. Auch andere Geldquellen wie Stiftungen flossen spärlicher als gedacht.
Haerter gab drei Gründe für das Scheitern an. Der erste ist vielen Nordhäusern bekannt, nämlich die Rückzahlung der unrechtmäßig erhaltenen 150.000 Euro an die Johanniter Unfallhilfe. Davon sind noch immer 70.000 Euro offen. Außerdem befinde sich die Regelschule noch in der dreijährigen Wartefrist. Mit Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) habe man - als dieser noch Kultusminister war - besprochen, daß die staatliche Anerkennung doch schon ein Jahr eher möglich sein könnte. Das geht nun aus verschiedenen Gründen nicht. Außerdem habe man keine der Vereinbarungen schwarz auf weiß gehabt.
Superintendent Curt Stauss als Vertreter des Kirchenkreises und damit Bürge für die Schulden des Schulzentrums gestand ebenfalls Fehler ein. Man habe die Verantwortlichen nicht rechtzeitig informiert. Hoffnungen machen wollte er nicht. Selbst wenn ein neues Finanzkonzept gefunden werden könnte, wolle der Kirchenkreis nicht wieder als Bürge einsteigen. Die Schuldenlast sei jetzt schon sehr groß.
Im Anschluß an die Ausführungen konnten Eltern und Schüler Fragen stellen. Blasii-Gemeindepädagoge Frank Tuschy wollte wissen, ob es wenigstens für die Grundschule einen Funken Hoffnung gäbe und was die Eltern dazu tun könnten. Wichtig sei es die Kostensituation zu ändern, erfuhr er. Bei der derzeitigen Anzahl an Schülern in diesem Gebäude seien pro Schuljahr 100.000 Euro nötig. Einige Eltern erklärten sich spontan zur Zahlung von Schulgeld bereit.
Insgesamt wurde deutlich, daß für die christliche Grundschule zumindest ein Funken Hoffnung besteht. Der Regelschule wurde aber kaum eine zweite Chance gegeben. Die Eltern der betroffenen Schüler waren erbost darüber, daß die Regelschule für die Grundschule geopfert werden solle. Ein Vater bemängelte das Fehlen von Oberbürgermeisterin Barbara Rinke. Sei sie etwa nicht am Erhalt eines alternativen Bildungsangebots interessiert, mutmaßte er fragend. Sie sei sogar sehr interessiert, versicherte Bürgermeister Klaus Wahlbuhl, da sie Gespräche zum Erhalt der Schule führen müsse und deswegen nicht herkommen konnte.
Dr. Cornelia Klose als Leiterin des Kulturamtes war ebenfalls gekommen. Sie bot den Regelschülern ihre Hilfe an und möchte sich dafür einsetzen, daß die Klassen zusammenbleiben können. Da die Anmeldung des Bedarfs einer Schule im Frühjahr im Schulamt Worbis getroffen werden müsse, soll für die Kinder bis Ende April eine Möglichkeit erarbeitet werden. Es wurde zwar um eine längere Frist, zum Beispiel bis zum Ende des Schuljahres, gebeten, aber das ist nicht möglich, so Klose. Falls immerhin die Grundschule gerettet werden kann, versprach Klaus Wahlbuhl bei der Suche nach einem kleineren Gebäude behilflich zu sein.
Eltern, die sich Gedanken um die Zukunft der Schule machen und selbst aktiv werden wollen, sollten sich den nächsten Montag (26. Januar) um 20.00 Uhr in der Turnhalle des Schulzentrums vormerken. Dann soll überlegt werden, wer was tun kann. Die Eltern selbst wissen, daß es viel Energie, Zeit und Geld kosten wird. Aber gemeinsam wollen sie ihren Kindern eine Schule erhalten, wo sie gern hingehen und lernen.
Heute gab es eine Lektion in Gemeinsinn und Engagement. Daß man nicht alles kampflos hinnehmen muß, haben die Schüler auf jeden Fall begriffen.


