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Mi, 23:16 Uhr
14.11.2012

nnz-Forum: Naturpark - keine Botschaft

Die nnz hatte heute von der Präsentation des Plans für den Naturpark Südharz berichtet. Dazu die Anmerkungen eines Gastes dieser Veranstaltung...


Ich war von der Zusammenkunft in Sophinhof ein wenig enttäuscht. Der Grundtenor war: "alles ist schon ganz gut, und jetzt kommen die besten Jahre". Was vollkommen fehlte bei der Organisierung des Naturparks, war eine Feststellung und Benennung des Ist-Zustandes und ein Vergleich dessen mit Zuständen beispielsweise von 1960.

Die so gewonnenen Daten hätten aber zum einen sehr negative Ergebnisse gezeitigt (weswegen sie gern vermieden werden), sie hätten aber andererseits Marker für die Ziele sein können, die erreicht werden sollen. Und das wären dann auf Fakten beruhende, noch sinnvollere, aus übergreifender Betrachtung generierte Ziele.

So reichte es beispielsweise nicht, einfach nur zu sagen, wir wollen den Zustand der naturschutzrelevanten Flächen erhalten und verbessern. Allein diese Äußerung suggeriert ja, dass der Zustand an sich nicht so sehr beanstandenswert sei und jetzt sogar noch verbessert wird! Fakt aber ist, dass sich z.B. im FFH-Gebiet Nr. 4 Mühlberg-Himmelsberg-Kammerforst laut Gutachten des Büros RANA nur noch ein Bruchteil der Halbtrockenrasen in einem "guten" Zustand befindet.

Hier ist eine Revolution und eine Überarbeitung ganzer Fördermaßnahmen nötig, und nicht einfach eine schlichte Verbesserung!! - Man hat heute mit dieser und so mancher anderen Äußerung wieder einmal auf die schon bestehende allgemeine Augenverkleisterung in Sachen Umwelt (siehe Zensur zum Thema Gipsabbau in der nnz) noch eine Schicht draufgesetzt. Natürlich ist es schön, ein paar Sitzbänke mit Infotafeln aufzustellen. Viel wichtiger aber ist doch die Erhaltung und Verbesserung der GRUNDSTRUKTUR des Naturparkes, ausgehend von besagter Analyse des Ist- und des War-Zustandes.

Und diese Grundsäule aller Naturparkteilpläne muss auch benannt werden. Nur so kann eine ECHTE Verbesserung gelingen. Das übergreifende Betrachten des Natuparks in Zeit und Raum wurde in den vergangenen Monaten nicht einmal gestreift.

Das Wort Gipsabbau als größte Bedrohung für die Struktur des Naturparks, für dessen fachlichen, touristischen, ja internationalen Wert - nicht ein Wort. Das Wort "Konflikt" in diesem oder einem anderen Zusammenhang fiel ebenso nicht einmal. Dabei sehe ich tagtäglich, dass sich manche Personen nicht um bestehende Gesetze bzw. Erkenntnisse scheren und so auch in der Gegenwart weitere Artenrückgänge im Naturpark vor unser aller Augen provozieren.

Das betrifft Intensivweide auf eigentlich extensiv zu nutzenden Flächen an mehreren Stellen im Naturpark, Umbrüche von Halbtrockenrasen in Naturschutzgebieten (siehe nnz) und anderes. Was nützt denn mein Projekt "Referenzkreis Artenschutz" mit ursprünglich 22 Projektflächen, wenn an anderer Stelle Standorte bedrohter Arten durch Nichtwissen, Nichtwissenwollen, Nichthandelnwollen oder ganz einfach wegen fehlender Kontrollmechanismen seitens der Behörden zerstört werden? Schon vor Jahren übergab ich der UNB eine Liste mit Standorten bedrohter Arten mit der Bitte um Berücksichtigung. Mir fallen sofort zwei Standort ein, deren Existenz in der Planung der Bewirtschaftung dennoch keine Berücksichtigung fand.

Ja, natürlich nützen die 22 Projektflächen etwas, aber in der Gesamtschau bleibt eine 0 oder gar ein Minus unter dem Strich, wenn an anderer Stelle die Stuhlbeine gekappt werden und man wieder ganz von vorn beginnen muss. Konflikte sind also die Regel, denn die Ausnahme - gesagt wurde davon nichts. Friede-Freude-Eierkuchen. Da wurde auf einer FDJ-Versammlung früherer Jahre mitunter mehr Klartext geredet.

Eine übergreifende Betrachtung des Naturparks hätte auch eine Ausweitung der Naturschutzgebiete in irgendeinem Vortrag thematisieren müssen. Dass mehrere einstweilig sichergestellt waren, deren endgültige Ausweisung aber gezielt vertrieft wurde, wen interessierts? Das wäre eine sinnvolle und wichtige Forderung gewesen, den der Herr von der Landesregierung mit nach Erfurt hätte nehmen können.

Denn weitere Naturschutzgebiete hätten auf einem Schlag für eine gesetzliche Aufwertung großer Bereiche gesorgt, was wiederum allen Zielen des Naturparplanes zugute kommen würde. Die Forderung unterblieb und sie steht bestimmt auch nicht im Naturparkplan.

Auch das Wort Verantwortung fiel zu selten. Aber vielleicht haben einige bei diesem Wort auch ein schlechtes Gewissen. Vermeidungsverhalten bei allen Rednern.

Erwähnt wurde hingegen die Bedeutung von Freiwilligen für die Umsetzung der Projekte des Naturparks, aber die wichtigste Frage wurde nicht beantwortet: Wie macht man es denn, Freiwillige und Ehrenamtliche zu gewinnen? Wie sucht man sie und wie schafft man Motivation? Die Theorie und ein buntes Bild an der Wand - alles schön anzusehen.

Und schließlich: Die länderübergreifende Zusammenarbeit: Die, liebe Leser, wäre am besten, wenn wir ein länderübergreifendes Biosphärenreservat mit dem schon bestehenden in Sachsen-Anhalt sowie mit Niedersachsen hätten - mit einer einzigen Verwaltung. Niemand wird die Effektivität einer solchen Struktur bestreiten. Kein Wort fiel von der Koalitionsvereinbarung, nach der ein BR geprüft werden soll.

So also bleibt es vorerst beim Klein-Klein, obwohl der Südharzer Zechsteinrand über drei Bundesländer hinweg eine Einheit bildet. Den wirtschaftlichen Interessen und welchen Seilschaften auch immer sei Dank.
Unter dem Strich bleiben ein paar postive, bereits erfolgreich laufende Projekte. Von der Veranstaltung in Sophienhof aber ging keinerlei wirkliche Botschaft aus.
Bodo Schwarzberg
Autor: nnz

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