Di, 09:23 Uhr
30.12.2003
nnz-Interview: Krank sein wird teurer
Nordhausen (nnz). In zwei Tagen beginnt die beschlossene Gesundheitsreform zu wirken. Über die Aus- und Nebenwirkungen für gesetzlich Versicherte hat sich die nnz mit dem Chef der Barmer in Nordhausen, Peter Behrschmidt, unterhalten.
nnz: Krank sein wird teurer, da gibt es keine Zweifel. Zu spüren bekommen Patienten das zuerst und am schmerzlichsten durch die Zuzahlungen. Wie groß wird die Belastung?
Behrschmidt: Tatsächlich werden die Zuzahlungen steigen. Für Medikamente, Verband- und Hilfsmittel zahlt der Patient zehn Prozent des Preises selbst. Dafür beträgt die Zuzahlung mindestens 5, höchstens jedoch 10 Euro. Kostet ein Medikament weniger als 5 €, muss auch nur der reelle Preis gezahlt werden.
nnz: Und wie sieht es bei Krankenhausaufenthalten aus?
Behrschmidt: Auch hier sind die Zuzahlungen erhöht worden, und zwar auf 10 Euro pro Tag. Die bisherige zeitliche Begrenzung auf 14 Tage ist nunmehr auf 28 erweitert worden.
nnz: Bisher gab es für manche Menschen generelle Befreiungen von Zuzahlungen. Wie wird man in Zukunft vor unzumutbaren Härten geschützt?
Behrschmidt: Ab kommendem Jahr beschränken sich die Zuzahlungen auf höchstens zwei Prozent der jährlichen Brutto-Familieneinkommen. Wer also 20 000 Euro im Jahr verdient, muss maximal 400 Euro an Zuzahlungen aufbringen. Für Angehörige, die im gemeinsamen Haushalt leben, werden bei der Einkommenshöhe Freibeträge berücksichtigt. Das sind für ein familienversichertes Kind 3 648 Euro und für den Ehe- bzw. Lebenspartner 4 347 Euro. Neu ist, dass künftig alle Zuzahlungen berücksichtigt werden, also Krankenhausaufenthalte, eine Rehamaßnahme ebenso wie Zuzahlungen in der Apotheke und der Physiotherapie.
nnz: Was passiert mit den Patienten, die regelmäßig und dauerhaft in ärztlicher Behandlung sind?
Behrschmidt: Für chronisch Kranke gilt eine andere Belastungsobergrenze. Sie müssen nur maximal ein Prozent ihres Bruttojahreseinkommens an Zuzahlungen leisten. Wer sich als chronisch Kranker in ein spezielles Behandlungsprogramm einschreibt, kann bei manchen Krankenkassen mit Ermäßigungen rechnen
nnz: Wann wird die angekündigte Praxisgebühr fällig?
Behrschmidt: Künftig kostet der erste Besuch beim Arzt pro Quartal 10 Euro. Geht man zu seinem Hausarzt und lässt sich von ihm zu einem Facharzt überweisen, ist keine weitere Praxisgebühr fällig. Gut beraten ist man sicherlich, wenn man alle planbaren Facharztbesuche in ein und demselben Quartal absolvieren kann. Vorsorge- und Früherkennungstermine, Zahnprophylaxe und Schutzimpfungen sind von der Praxisgebühr ausgenommen.
nnz: Muss auch für Heilmittel und häusliche Krankenpflege mehr gezahlt werden?
Behrschmidt: Zehn Prozent der Kosten für diese Leistungen müssen künftig vom Patienten gezahlt werden. Hinzu kommen noch einmal zehn Euro je Verordnung. Wer also sechs Massagen verschrieben bekommt, zahlt zehn Prozent der Kosten plus einmalig zehn Euro. Bei der häuslichen Krankenpflege wird die Zuzahlung auf die Kosten der ersten 28 Tage begrenzt.
nnz: Welche Medikamente werden denn nicht mehr Übernommen?
Behrschmidt: Die Patienten zahlen künftig all die Medikamente selbst, die frei verkäuflich sind und nicht vom Arzt verschrieben werden müssen. Ausnahmen bilden die Verordnungen für Kinder bis zum 12. Lebensjahr, für Jugendliche mit Entwicklungsstörungen und zur Behandlung schwerwiegender Erkrankungen, wenn die Arzneimittel zum Therapiestandard gehören.
nnz: Der Zahnersatz soll aus der gesetzlichen Krankenversicherung ausgegliedert werden. Wie sollte man sich da im Moment verhalten, sollte man sich schon nach Angeboten umsehen?
Behrschmidt: Der Zahnersatz bleibt als Leistung der Kassen erhalten. Lediglich der Arbeitgeberanteil entfällt. Aber erst im Jahr 2005! Daher ist keine Hektik angesagt. Im Gegenteil. Nächstes Jahr werden bestimmte zahnärztliche Leistungen preiswerter. Überstürzen Sie also vor Jahresende nichts. Sollten Sie jedoch noch nicht beim Zahnarzt gewesen sein, sichern Sie sich noch den Bonusstempel für 2003! Für die Zuschüsse bleibt ein regelmäßiger Zahnarztbesuch wichtig.
nnz: Im Gesetz wurde angekündigt, dass gesetzliche Krankenkassen bald auch Zusatzversicherungen anbieten dürfen. Wann kann man damit rechnen und welche Angebote wird es geben?
Behrschmidt: Das wird von Kasse zu Kasse unterschiedlich sein, aber die BARMER als größte deutsche Krankenkasse ist Vorreiter auf diesem Sektor. Die Kasse ist eine Kooperation mit der HUK Coburg eingegangen und hat für ihre Versicherten attraktive Tarife aushandeln können.
Autor: nnznnz: Krank sein wird teurer, da gibt es keine Zweifel. Zu spüren bekommen Patienten das zuerst und am schmerzlichsten durch die Zuzahlungen. Wie groß wird die Belastung?
Behrschmidt: Tatsächlich werden die Zuzahlungen steigen. Für Medikamente, Verband- und Hilfsmittel zahlt der Patient zehn Prozent des Preises selbst. Dafür beträgt die Zuzahlung mindestens 5, höchstens jedoch 10 Euro. Kostet ein Medikament weniger als 5 €, muss auch nur der reelle Preis gezahlt werden.
nnz: Und wie sieht es bei Krankenhausaufenthalten aus?
Behrschmidt: Auch hier sind die Zuzahlungen erhöht worden, und zwar auf 10 Euro pro Tag. Die bisherige zeitliche Begrenzung auf 14 Tage ist nunmehr auf 28 erweitert worden.
nnz: Bisher gab es für manche Menschen generelle Befreiungen von Zuzahlungen. Wie wird man in Zukunft vor unzumutbaren Härten geschützt?
Behrschmidt: Ab kommendem Jahr beschränken sich die Zuzahlungen auf höchstens zwei Prozent der jährlichen Brutto-Familieneinkommen. Wer also 20 000 Euro im Jahr verdient, muss maximal 400 Euro an Zuzahlungen aufbringen. Für Angehörige, die im gemeinsamen Haushalt leben, werden bei der Einkommenshöhe Freibeträge berücksichtigt. Das sind für ein familienversichertes Kind 3 648 Euro und für den Ehe- bzw. Lebenspartner 4 347 Euro. Neu ist, dass künftig alle Zuzahlungen berücksichtigt werden, also Krankenhausaufenthalte, eine Rehamaßnahme ebenso wie Zuzahlungen in der Apotheke und der Physiotherapie.
nnz: Was passiert mit den Patienten, die regelmäßig und dauerhaft in ärztlicher Behandlung sind?
Behrschmidt: Für chronisch Kranke gilt eine andere Belastungsobergrenze. Sie müssen nur maximal ein Prozent ihres Bruttojahreseinkommens an Zuzahlungen leisten. Wer sich als chronisch Kranker in ein spezielles Behandlungsprogramm einschreibt, kann bei manchen Krankenkassen mit Ermäßigungen rechnen
nnz: Wann wird die angekündigte Praxisgebühr fällig?
Behrschmidt: Künftig kostet der erste Besuch beim Arzt pro Quartal 10 Euro. Geht man zu seinem Hausarzt und lässt sich von ihm zu einem Facharzt überweisen, ist keine weitere Praxisgebühr fällig. Gut beraten ist man sicherlich, wenn man alle planbaren Facharztbesuche in ein und demselben Quartal absolvieren kann. Vorsorge- und Früherkennungstermine, Zahnprophylaxe und Schutzimpfungen sind von der Praxisgebühr ausgenommen.
nnz: Muss auch für Heilmittel und häusliche Krankenpflege mehr gezahlt werden?
Behrschmidt: Zehn Prozent der Kosten für diese Leistungen müssen künftig vom Patienten gezahlt werden. Hinzu kommen noch einmal zehn Euro je Verordnung. Wer also sechs Massagen verschrieben bekommt, zahlt zehn Prozent der Kosten plus einmalig zehn Euro. Bei der häuslichen Krankenpflege wird die Zuzahlung auf die Kosten der ersten 28 Tage begrenzt.
nnz: Welche Medikamente werden denn nicht mehr Übernommen?
Behrschmidt: Die Patienten zahlen künftig all die Medikamente selbst, die frei verkäuflich sind und nicht vom Arzt verschrieben werden müssen. Ausnahmen bilden die Verordnungen für Kinder bis zum 12. Lebensjahr, für Jugendliche mit Entwicklungsstörungen und zur Behandlung schwerwiegender Erkrankungen, wenn die Arzneimittel zum Therapiestandard gehören.
nnz: Der Zahnersatz soll aus der gesetzlichen Krankenversicherung ausgegliedert werden. Wie sollte man sich da im Moment verhalten, sollte man sich schon nach Angeboten umsehen?
Behrschmidt: Der Zahnersatz bleibt als Leistung der Kassen erhalten. Lediglich der Arbeitgeberanteil entfällt. Aber erst im Jahr 2005! Daher ist keine Hektik angesagt. Im Gegenteil. Nächstes Jahr werden bestimmte zahnärztliche Leistungen preiswerter. Überstürzen Sie also vor Jahresende nichts. Sollten Sie jedoch noch nicht beim Zahnarzt gewesen sein, sichern Sie sich noch den Bonusstempel für 2003! Für die Zuschüsse bleibt ein regelmäßiger Zahnarztbesuch wichtig.
nnz: Im Gesetz wurde angekündigt, dass gesetzliche Krankenkassen bald auch Zusatzversicherungen anbieten dürfen. Wann kann man damit rechnen und welche Angebote wird es geben?
Behrschmidt: Das wird von Kasse zu Kasse unterschiedlich sein, aber die BARMER als größte deutsche Krankenkasse ist Vorreiter auf diesem Sektor. Die Kasse ist eine Kooperation mit der HUK Coburg eingegangen und hat für ihre Versicherten attraktive Tarife aushandeln können.


