Mo, 06:39 Uhr
13.08.2012
Lyrik in Limlingerode
Der Nachmittag des 25. August steht in Limlingerode wieder im Zeichen der Lyrik. Um 14.30 Uhr stellen Ihnen die Mitglieder des Fördervereins Dichterstätte Sarah Kirsch das bewegte Leben des Dichterpaares Ivan und Claire Goll in ihren bewegenden Versen und Briefen vor...
Exemplarisch, aber gleichzeitig einzigartig, repräsentiert das Lebensbild Beider die Problematik, mit der die Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts existenziell konfrontiert waren. Es geht um Sinn und Möglichkeiten einer Menschwerdung unterm Himmel der modernen Welt ohne Gott. Es geht um Liebe und Menschlichkeit. Zwischen den politischen Fronten lebend, blieben Ivan und Claire Goll zwar heimatlos, wuchsen jedoch innerhalb dieser Unbehaustheit zu geistigen Kosmopoliten heran. Für sie wurden die Orte der Menschlichkeit zu ihrem jeweiligen Zuhause.
Die Liebe als unmittelbarster Ausdruck von Menschlichkeit spielt deswegen im Leben des Dichterpaares eine zentrale Rolle. Der Wechselgesang ihrer Liebe im Gedicht, so Karl Krolow, ist in der modernen Lyrik einzigartig und Jean Cocteau schwärmte: Diese Gedichte haben dieselbe Kraft, dieselbe Grazie, die von der Tanne und dem Palmbaum Heinrich Heines ausströmen.
Claire und Ivan lernen sich im Schweizer Exil kennen. Später lebt das Paar in Paris, bevor der zweite Weltkrieg sie neuerlich, diesmal ins amerikanische Exil treibt. Ihr Leben ist durch politische und private Spannungen gezeichnet. Niemals jedoch vermochten die Widernisse der Zeitläufe ihr gemeinsames Lebensband zu zerreißen.
Der Freundeskreis ist von geistiger Exklusivität: Rilke, Döblin, Chagall, Joyce, Werfel und Stefan Zweig zählen dazu, um nur einige zu nennen.
1950 starb Ivan Goll – mit französischem Herzen, deutschem Geist, jüdischem Blut und einem amerikanischem Pass. Claire überlebte ihn fast dreißig Jahre. Sie übersetzte Ivans Werke und gab sie heraus. Beider literarischer Nachlass ist auf Claires Veranlassung hin dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach übereignet worden. Ein Jahr vor Claire Golls Tod erschien 1976 die französische Ausgabe ihrer Lebensbeschreibung La Poursuite du Vent, die später auch in Deutschland Aufmerksamkeit erregte, nicht zuletzt aufgrund der reißerischen Titelübersetzung Ich verzeihe Keinem.
Postum wurde damit der vermeintliche Charakterzug Claires als keifernde Dichterwitwe festgeschrieben, was jedoch weder ihr, geschweige denn dem Lebenswerk des Dichterpaares gerecht zu werden vermag. Um dieses geht es am Sonnabend, dem 25. Oktober zur bewährten Zeit, um 14.30 Uhr in der Dichterstätte Sarah Kirsch in Limligerode, Lange Reihe 11. Jeder ist herzlich eingeladen.
Karin Kisker
Autor: nnzExemplarisch, aber gleichzeitig einzigartig, repräsentiert das Lebensbild Beider die Problematik, mit der die Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts existenziell konfrontiert waren. Es geht um Sinn und Möglichkeiten einer Menschwerdung unterm Himmel der modernen Welt ohne Gott. Es geht um Liebe und Menschlichkeit. Zwischen den politischen Fronten lebend, blieben Ivan und Claire Goll zwar heimatlos, wuchsen jedoch innerhalb dieser Unbehaustheit zu geistigen Kosmopoliten heran. Für sie wurden die Orte der Menschlichkeit zu ihrem jeweiligen Zuhause.
Die Liebe als unmittelbarster Ausdruck von Menschlichkeit spielt deswegen im Leben des Dichterpaares eine zentrale Rolle. Der Wechselgesang ihrer Liebe im Gedicht, so Karl Krolow, ist in der modernen Lyrik einzigartig und Jean Cocteau schwärmte: Diese Gedichte haben dieselbe Kraft, dieselbe Grazie, die von der Tanne und dem Palmbaum Heinrich Heines ausströmen.
Claire und Ivan lernen sich im Schweizer Exil kennen. Später lebt das Paar in Paris, bevor der zweite Weltkrieg sie neuerlich, diesmal ins amerikanische Exil treibt. Ihr Leben ist durch politische und private Spannungen gezeichnet. Niemals jedoch vermochten die Widernisse der Zeitläufe ihr gemeinsames Lebensband zu zerreißen.
Der Freundeskreis ist von geistiger Exklusivität: Rilke, Döblin, Chagall, Joyce, Werfel und Stefan Zweig zählen dazu, um nur einige zu nennen.
1950 starb Ivan Goll – mit französischem Herzen, deutschem Geist, jüdischem Blut und einem amerikanischem Pass. Claire überlebte ihn fast dreißig Jahre. Sie übersetzte Ivans Werke und gab sie heraus. Beider literarischer Nachlass ist auf Claires Veranlassung hin dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach übereignet worden. Ein Jahr vor Claire Golls Tod erschien 1976 die französische Ausgabe ihrer Lebensbeschreibung La Poursuite du Vent, die später auch in Deutschland Aufmerksamkeit erregte, nicht zuletzt aufgrund der reißerischen Titelübersetzung Ich verzeihe Keinem.
Postum wurde damit der vermeintliche Charakterzug Claires als keifernde Dichterwitwe festgeschrieben, was jedoch weder ihr, geschweige denn dem Lebenswerk des Dichterpaares gerecht zu werden vermag. Um dieses geht es am Sonnabend, dem 25. Oktober zur bewährten Zeit, um 14.30 Uhr in der Dichterstätte Sarah Kirsch in Limligerode, Lange Reihe 11. Jeder ist herzlich eingeladen.
Karin Kisker

