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Mo, 17:57 Uhr
02.07.2012

Lebenswege von Landräten (Teil 3)

In diesem schicksalsschweren Jahr kommt Ende August ein neuer Landrat nach Nordhausen Dr. Gerhard Stumme. Auch er von Beruf Jurist, der den ehemaligen Kreis Ilfeld jetzt in die Grafschaft Hohnstein eingliedern soll. Wird er der geeignete systemnahe Landrat sein?

landrat (Foto: landrat) landrat (Foto: landrat)

Er wird als sozial verständnisvoller Politiker beschrieben, der aber auch Courage besitzt gegen Unrecht aufzutreten unter andern gegen unberechtigte Verhängung von Schutzhaft gegenüber Bürgern des Landkreises, zum Beispiel.

In dieser Haltung steht er ablehnend zum damaligen Kreisleiter der NSDAP Keiser aus Bad Sachsa, der genau wie der Oberbürgermeister der Stadt Nordhausen Sting mit einer Amtsübernahme rechnete. Sie sollte nicht lange darauf warten. Am 15.02.1934 stürzte der Landrat auf eigenartige Weise aus einem Bodenfenster des Amtes in den Vorgarten. Kreisarzt Dr. Jorns stellte nur noch den Tod fest und wie es damals in der Presse hieß, es gab keine Augenzeugen vom Unglück, aber Untersuchungen wurden eingeleitet.

landrat (Foto: landrat) landrat (Foto: landrat) Heute nach über 78 Jahren erinnert sich eine Bürgerin unserer Stadt an dieses schreckliche Ereignis. „Meine Mutter beobachtete, wie vom Dach gegenüber ein Körper herab fiel und auf den Boden aufschlug. Wie wir später erfuhren hatte sich der Landrat aus politischen Gründen das Leben genommen. Einige Uniformierte kamen daraufhin aus dem Gebäude, darunter der Kreisleiter und schauten mit Desinteresse auf den Toten und nahmen ihre Uniformmützen nicht ab. Es war eine menschenverachtende Geste.“

Die Trauerfeier am 19.02.1934 also ein einziger Hohn: „Leuchtender Frühlingsschein der sich ausschickt die Natur zu neuen Leben zu erwecken verklärt die letzte Fahrt eines Mannes der seine gesegnete Lebensarbeit jäh unterbrechen musste nach Gottes unerforschlichem Ratschluss.“ So die Worte der Nordhäuser Allgemeinen Zeitung vom19.01.1934.

Zur letzten Verabschiedung hatte die Naziprominenz alles aufgeboten was Rang und Namen hatte und selbst die Arbeitsfreiwilligen vom Lager Kleinfurra fehlten nicht. Salbungsvolle Reden, würdigten seine nationalsozialistische Treue, seine gewissenhafte Pflichterfüllung und vor allem seine Herzensgüte im Verkehr mit seinem Mitmenschen. Wörtlich betonte der Regierungspräsident Bachmann: „Wir sind überzeugt, dass es im Kreis kaum noch so einen untadligen Beamten gegeben hat, wie der Landrat Dr. Stumme.“

Er wird in Halberstadt beigesetzt, wohin auch seine Familie im April 1934 zieht. Bei den folgenden Untersuchungen wird die Vermutung geäußert, dass es kein Unglücksfall war, sondern es sich um Selbstmord handeln könne, von einem geplanten Anschlag, war nie die Rede. Das folgende geschehen könnte besser Aufschluss geben. Unmittelbar nach dem Tode von Dr. Stumme wurde der Oberbürgermeister von Nordhausen vorläufig mit der Wahrnehmung der Amtsgeschäfte betraut, dem folgte am 19.10.1934 der Kreisleiter der NSDAP Heinrich Keiser. Auch er war nur kurzzeitig im Amt, weil ein Verfahren gegen ihn lief.

Dr. Rose, ein Gutsbesitzer aus Liebenrode führte die Arbeit kommissarisch bis Mitte Januar 1936 fort. Er ebnete den Boden für den Landrat der den Gegensatz zwischen Partei und Staat ein für allemal verschwinden lassen wollte. An der Seite von Kreisleiter Nentwig mit dem er bereits im Kreis Ziegenrück eng zusammen arbeitete betonte er bei seiner Einführung in sein Amt, dass er auch für den Landkreis diese Harmonie garantieren wird. Zunächst aber schuf er diese Harmonie im eigenen Familienkreis, Wolff von Wolffersdorf.

In einem Nachruf vom 31.12.1943 den der Südharzkurier veröffentlichte wird der Name seines Schwiegersohnes genannt der im Dezember an einer heimtückischen Krankheit starb. Ernst Klee benennt ihn in seiner Arbeit „das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Ab 1932 Adjutant bei Himmler, 1942 Höherer SS und Polizeiführer, Reichskommissar für die Saarpfalz und Chef der Zivilverwaltung in Lothringen. Zuletzt Verantwortlicher SS-Führer im Wartheland.“

„Der Tod machte seinen Einsatz im wieder gewonnenen Osten ein vorzeitiges Ende.“ so der Südharz-Kurier. Auf dem Friedhof in Posen wurde er beigesetzt. Wie schrieb doch Frau Kneffel im Jahrbuch des Landkreises Nordhausen auf Seite 30. „Ab dem 02.09.1939 weilte der Landrat für drei Monate im Osten um dort ein Landratsamt aufzubauen“. Er ist auf Befehl des Reichsministers des Inneren ins „Operationsgebiet“ entsandt wurden und kehrte auf eigenen Wunsch frühzeitig nach Nordhausen zurück.

In dieser Zeit wurden zahlreiche jüdische Bürger auch aus unsere Gegend nach Polen ausgewiesen und kamen kurzzeitig auch ins Wartheland. In dieser Zeit wurden erstmalig bei Posen in einem Fort Vergasungsversuche an Behinderten durchgeführt und in dieser Zeit folgten der vorrückenden deutschen Wehrmacht in Polen die Sondereinheiten von Polizei, SS und SD und säuberten das Land.

Ja und nicht zu vergessen. In dieser Zeit war der Schwiegersohn in Posen schwer erkrankt und bedurfte besonderer familiärer Fürsorge. Wie die Nordhäuser Allgemeine Zeitung vom 06.01.1936 bestätigte, wurde Wolffersdorf direkt vom Innenminister Kerrl beauftragt die Kommissarische Verwaltung des Landratsamtes der Grafschaft Hohnstein am 13.01. 1936 zu übernehmen.

Beauftragter für Personalfragen beim Minister war lange Zeit ein Herr Sting aus Nordhausen der eine besondere Vorliebe für Juden, Sinti, Sozialdemokraten, Kommunisten und natürlich auch für Anhänger der Freimaurerloge hatte. Viele Diskriminierungen, Verfolgungen und Deportationen in der Folgezeit Inhaftierungen in Gefängnisse, Zuchthäuser und KZ haben mit ihrer Begründung in diesen verhängnisvoller politischer Personalentscheidungen.

In unserem Kreis wurde so auch schrittweise ein mörderisches KZ-System installiert, dass tausenden Menschen, Frauen, Kindern und Männern den Tod brachte Unser jährliches Gedenken mahnt die Generationen aus der Geschichte zu lernen. Konsequent und mutig den Anfängen zu wehren selbstbewusst, als Bürger aufzutreten.
Reinhard Gündel
Autor: nnz

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