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Do, 07:58 Uhr
13.11.2003

Keine halben Reformen

Nordhausen (nnz). Die Kreissparkasse Nordhausen hatte gestern zu einem Kundenabend eingeladen. Einer der führenden Volkswirte der Dekabank sprach zur Entwicklung der Aktienmärkte, zu Reformen und gab Ausblicke. nnz konnte sich vorab exklusiv mit Dr. Ulrich Kater unterhalten...


Kater und seine Kollegen in Frankfurt am Main verwalten ein Fondsvolumen von rund 120 Milliarden Euro und haben bis zum ersten Halbjahr dieses Jahres so manche Schweißausbrüche verkraften müssen. Denn das, was sich da von Mitte 2000 bis ins erste Quartal 2003 an den Geldmärkten in dieser Welt abspielte, das war nicht nur das Platzen einer Börseblase schlechthin, das war der Blick auf einen finanziellen Welt-GAU.

Das dieser größte annehmbare Unfall nicht eintrat hatte viele Ursachen, vor allem die US-Notenbank habe dabei alle Register der Geldmarkt-Politik gezogen. Und wie das so ist an den Börsen, sie drehen seit dem Dax-Tiefststand bei 2.300 Punkten wieder nach oben. So ziemlich jedes Horrorszenario sei dann eingepreist gewesen, meinte Dr. Kater und gestand: „Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen!“ Nun aber sind die Fondsverwalter eigentlich nicht für die Historie verantwortlich, sie müssen nach vorn sehen, schließlich ist ein Aktien- oder Fondsinvestment eine Investition in die Zukunft. Da wird ins Jahr 2004 aber auch schon mal in Richtung 2005 geguckt.

Für 2004 erwarten Kater und seine Kollegen ein Wachstum in Deutschland von 1,9 Prozent, wobei davon 0,6 Prozent vom Kalender her bestimmt werden. Im nächsten Jahr gibt es einfach mehr Arbeitstage. Und mit Blick auf die Reformpakete der Bundesregierung würden die mal nur 0,3 Prozent zum Wachstum beitragen. Anders in den USA. Hier rechnen die Deka-Volkswirte mit einem Wachstum von 4,5 Prozent. Die US-Boys der FED müssen sich auch nicht mit den sozialen Sicherungssystemen herumschlagen, wie sie in Deutschland zum Status Quo gehören.

Und da kommt Dr. Ulrich Kater schon auf den Knackpunkt in diesem Land. Die bisherigen beschlossenen und jetzt diskutierten Reformen können nur ein Schritt sein. Es müsse weiter reformiert werden. Mit den jetzigen Paketen ließe sich zwar das soziale System in Deutschland anpassen, wohl aber werde nicht ein einziger Arbeitsplatz geschaffen. Um Arbeitsplätze zu schaffen und damit die Binnennachfrage zu steigern, die Steuereinnahmen zu erhöhen, dazu müsse an die heiligen Tarif-Kühe herangegangen werden.

In Richtung Politik hat der Volkswirt natürlich auch einen Tipp. Die Politiker müssen ihre Politik verkaufen, sie müssen Vertrauen bei den Menschen schaffen. Das sei bisher nur bedingt gelungen, zuviel sei im Vorfeld zerredet worden. Sollten die Hartz-Gesetze im nächsten Jahr wirksam werden, dann könne die Binnennachfrage noch einmal in den Keller gehen, viele Menschen, vor allem in den neuen Bundesländern, hätten dann viel weniger Geld in der Tasche. Doch mehr an zu verteilender Arbeit sei mit Hartz und Co. eben nicht geschaffen. Die Landesgartenschau und ihre Auswirkungen auf die Investitionstätigkeit der Kommune bezeichnete Dr. Kater als wahren Glückfall für Nordhausen. In vielen anderen Städten sehe es düsterer aus.

Was aber sollen nun die Nordhäuser machen, die ihr Geld vielleicht anlegen wollen? Das große Erdbeben an den Märkten sei vorbei, Erholung ist angesagt, trotzdem sollten die Anleger nicht allzu euphorisch werden. Ein gut gemischtes Depot sei immer die beste Variante. Und nach dem Platzen der New Economy sollte man doch den Experten in Sachen Geld vertrauen. Die sitzen in der Kreissparkasse und hätten die passenden Anlagestrategien für jeden Geldbeutel.

Und wie sieht der Chef-Volkswirt der „DekaBank“ den Deutschen Aktienindex in einem Jahr? „Nach unseren Prognosen kann der Dax bei etwa 4.400 Punkten liegen. An der Zinsfront wird sich bis Mitte kommenden Jahres nicht allzu viel tun. Wenn die US-Notenbank dann aber an der Zinsschraube zu drehen beginnt, dann fährt auch im Euroland der Zug ganz schnell ab!“
Autor: nnz

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