Do, 06:37 Uhr
10.05.2012
nnz-Forum: Zum Wahlausgang
Während Journalisten in heutiger Zeit besonders schnell sein müssen, um ihre Leser, Hörer oder Zuschauer möglichst brandaktuell mit Nachrichten zu versorgen, sind wir Medienkonsumenten dagegen in einer vergleichsweise bequemeren Situation. So beginnt ein Leser-Statement im Forum der nnz...
Wir können die Geschehnisse (in diesem Fall der Ausgang der Stichwahl vom letzten Sonntag) zunächst mal auf uns wirken lassen, mit Kollegen und Freunden darüber ausgiebig diskutieren und ggf. selbst zur Feder greifen und die eigene Sicht auf die Dinge in die Öffentlichkeit tragen.
So geht mir der Wahlabend vom 6. Mai einfach nicht aus dem Sinn. Wir Sozialdemo-kraten trafen uns gegen 18 Uhr in unserem Stammlokal Alt Nordhausen, um den Ausgang der Stichwahl um den Posten des künftigen Oberbürgermeisters der Rolandstadt und den des künftigen Landrates gemeinsam entgegenzufiebern. Eine ungeheure Spannung lag in der Luft, und immer wieder stellten wir uns die Frage: Wird es Matthias Jendricke schaffen? Und wie wird die Wahl zwischen Birgit Keller (Die Linke) und Egon Primas (CDU) ausgehen? Wir spürten alle, dass es ein Kopf-an-Kopf-Rennen um beide Ämter geben würde.
Schließlich erschienen die ersten Ergebnisse ausgezählter Stimmbezirke. Alsbald zeichnete sich ab, dass Klaus Zeh (CDU) als Gewinner der OB-Wahl hervorgehen würde, auch wenn der Vorsprung am Ende mit gerade mal 321 Stimmen denkbar knapp war. Große Enttäuschung machte sich bei uns SPD-Mitgliedern breit, hatten wir uns doch Matthias als neuen Oberbürgermeister und aus unserer Sicht auch würdigen Nachfolger von der weit über die Grenzen der Stadt, des Kreises und des Landes Thüringen hinaus bekannten Oberbürgermeisterin Barbara Rinke gewünscht.
Doch Jendricke bewies Haltung, machte zwar aus seiner Enttäuschung verständlicherweise keinen Hehl, nahm das Ergebnis als Demokrat zur Kenntnis, gratulierte Klaus Zeh zum Wahlsieg und dankte in sehr bewegenden Worten allen Genossinnen und Genossen, die ihm im Wahlkampf auf unterschiedliche Weise unterstützt hatten. Barbara Rinke ermutigte ihn nicht nachzulassen in seinem Engagement für die Stadt Nordhausen und schenkte ihrem Stellvertreter zwei rote Boxhandschuhe.
Sie sollen symbolisch für gewiss nicht ausbleibende Debatten über Wege und Ziele kommunalpolitischer Arbeit stehen. Bürgermeister Jendricke war sehr gerührt angesichts der aufmunternden Worte und dankte ihr dafür sehr herzlich. Jendricke war in der für ihn und uns alle nicht leichten Stunde einfach nur Mensch. Und mehr geht ja nun nicht.
Ich selbst habe an unseren Parteiständen vor der Südharz-Galerie, während der HSB-Jubiläumsfeier oder der DGB-Veranstaltung am 1. Mai unzählige Gespräche mit politisch interessierten Bürgern geführt. Nicht selten bekam ich zu hören: Hoffentlich gewinnen die linken Kräfte! Und: Wir möchten, dass Herr Jendricke Frau Rinke beerbt. Doch ab und an war auch dies zu vernehmen: Wir würden den Jendricke ja gerne wählen, aber der wirkt so unnahbar, so kühl, so überheblich. Der Zeh ist hingegen immer freundlich und nett.
Dazu kann ich nur sagen: Ja, der Klaus Zeh ist in der Tat ein freundlicher Mensch. Doch fällt mir in diesem Zusammenhang eine kleine Begebenheit ein: Als ich Mitte Dezember letzten Jahres in die SPD aufgenommen wurde, setzte sich Matthias Jendricke zu mir, klopfte mir auf die Schulter, gab mir die Hand und sagte: Ab heute bin ich Matthias für Dich. Wir Genosse reden uns mit Du an. Es schloss sich ein äußerst angenehmes und langes Gespräch an.
Da war nichts zu spüren von angeblicher Kühle oder gar arroganter Manier, was ihm mitunter von einigen Bürgern oder Politikern anderer Parteien vorgehalten wird. Ich hatte vielmehr den Eindruck, da spricht einer mit dir, der nicht nur seine Vorstellungen von Kommunalpolitik vorträgt und als die einzig wahren unters Volk bringen will, sondern einer, der auch zuhören kann. Natürlich muss ein politisch Verantwortlicher, der mit an der Spitze einer Gemeinde oder eines Landkreises steht, auch mal zu Entscheidungen kommen, die nicht immer ungeteilte Zustimmung finden. Doch: Jedem recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann. Das schaffte bzw. schafft Matthias Jendricke nicht und dem Klaus Zeh wird dies auch nicht gelingen.
Ich bin fest davon überzeugt, dass Matthias Jendricke spätestens in sechs Jahren zum Oberbürgermeister gewählt wird. Doch zunächst gratuliere ich Klaus Zeh zum knappen Sieg und wünsche mir, dass er zum Wohle der Bürger der Stadt Nordhausen aktiv wird und mit Bürgermeister Matthias Jendricke zu einer fairen Zusammenarbeit bereit ist. Die politische Latte für Zeh hängt aufgrund des kommunalpolitischen Engagements unserer Noch-OB sehr hoch.
Die Erwartungshaltung der Bürger an den Neuen im Rathaus ist verständlicherweise sehr groß. Es ist zu wünschen, dass er die Bürger, die ihm ihr Vertrauen geschenkt haben, auch nicht enttäuscht. Und dass Birgit Keller am 1. Juli ins Landratsamt einzieht, freut mich sehr. Ich wünsche ihr viel Kraft für die zu bewältigenden Aufgaben. Gemeinsam mit Jutta Krauth (SPD) und Loni Grünwald (Die Linke) ist eine spannende Konstellation entstanden. Dem neuen weiblichen Führungstrio wünsche ich gutes Gelingen beim Regieren, Verwalten und Gestalten.
Hans-Georg Backhaus, Mitglied im SPD-Ortsverein Nordhausen
Autor: nnzWir können die Geschehnisse (in diesem Fall der Ausgang der Stichwahl vom letzten Sonntag) zunächst mal auf uns wirken lassen, mit Kollegen und Freunden darüber ausgiebig diskutieren und ggf. selbst zur Feder greifen und die eigene Sicht auf die Dinge in die Öffentlichkeit tragen.
So geht mir der Wahlabend vom 6. Mai einfach nicht aus dem Sinn. Wir Sozialdemo-kraten trafen uns gegen 18 Uhr in unserem Stammlokal Alt Nordhausen, um den Ausgang der Stichwahl um den Posten des künftigen Oberbürgermeisters der Rolandstadt und den des künftigen Landrates gemeinsam entgegenzufiebern. Eine ungeheure Spannung lag in der Luft, und immer wieder stellten wir uns die Frage: Wird es Matthias Jendricke schaffen? Und wie wird die Wahl zwischen Birgit Keller (Die Linke) und Egon Primas (CDU) ausgehen? Wir spürten alle, dass es ein Kopf-an-Kopf-Rennen um beide Ämter geben würde.
Schließlich erschienen die ersten Ergebnisse ausgezählter Stimmbezirke. Alsbald zeichnete sich ab, dass Klaus Zeh (CDU) als Gewinner der OB-Wahl hervorgehen würde, auch wenn der Vorsprung am Ende mit gerade mal 321 Stimmen denkbar knapp war. Große Enttäuschung machte sich bei uns SPD-Mitgliedern breit, hatten wir uns doch Matthias als neuen Oberbürgermeister und aus unserer Sicht auch würdigen Nachfolger von der weit über die Grenzen der Stadt, des Kreises und des Landes Thüringen hinaus bekannten Oberbürgermeisterin Barbara Rinke gewünscht.
Doch Jendricke bewies Haltung, machte zwar aus seiner Enttäuschung verständlicherweise keinen Hehl, nahm das Ergebnis als Demokrat zur Kenntnis, gratulierte Klaus Zeh zum Wahlsieg und dankte in sehr bewegenden Worten allen Genossinnen und Genossen, die ihm im Wahlkampf auf unterschiedliche Weise unterstützt hatten. Barbara Rinke ermutigte ihn nicht nachzulassen in seinem Engagement für die Stadt Nordhausen und schenkte ihrem Stellvertreter zwei rote Boxhandschuhe.
Sie sollen symbolisch für gewiss nicht ausbleibende Debatten über Wege und Ziele kommunalpolitischer Arbeit stehen. Bürgermeister Jendricke war sehr gerührt angesichts der aufmunternden Worte und dankte ihr dafür sehr herzlich. Jendricke war in der für ihn und uns alle nicht leichten Stunde einfach nur Mensch. Und mehr geht ja nun nicht.
Ich selbst habe an unseren Parteiständen vor der Südharz-Galerie, während der HSB-Jubiläumsfeier oder der DGB-Veranstaltung am 1. Mai unzählige Gespräche mit politisch interessierten Bürgern geführt. Nicht selten bekam ich zu hören: Hoffentlich gewinnen die linken Kräfte! Und: Wir möchten, dass Herr Jendricke Frau Rinke beerbt. Doch ab und an war auch dies zu vernehmen: Wir würden den Jendricke ja gerne wählen, aber der wirkt so unnahbar, so kühl, so überheblich. Der Zeh ist hingegen immer freundlich und nett.
Dazu kann ich nur sagen: Ja, der Klaus Zeh ist in der Tat ein freundlicher Mensch. Doch fällt mir in diesem Zusammenhang eine kleine Begebenheit ein: Als ich Mitte Dezember letzten Jahres in die SPD aufgenommen wurde, setzte sich Matthias Jendricke zu mir, klopfte mir auf die Schulter, gab mir die Hand und sagte: Ab heute bin ich Matthias für Dich. Wir Genosse reden uns mit Du an. Es schloss sich ein äußerst angenehmes und langes Gespräch an.
Da war nichts zu spüren von angeblicher Kühle oder gar arroganter Manier, was ihm mitunter von einigen Bürgern oder Politikern anderer Parteien vorgehalten wird. Ich hatte vielmehr den Eindruck, da spricht einer mit dir, der nicht nur seine Vorstellungen von Kommunalpolitik vorträgt und als die einzig wahren unters Volk bringen will, sondern einer, der auch zuhören kann. Natürlich muss ein politisch Verantwortlicher, der mit an der Spitze einer Gemeinde oder eines Landkreises steht, auch mal zu Entscheidungen kommen, die nicht immer ungeteilte Zustimmung finden. Doch: Jedem recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann. Das schaffte bzw. schafft Matthias Jendricke nicht und dem Klaus Zeh wird dies auch nicht gelingen.
Ich bin fest davon überzeugt, dass Matthias Jendricke spätestens in sechs Jahren zum Oberbürgermeister gewählt wird. Doch zunächst gratuliere ich Klaus Zeh zum knappen Sieg und wünsche mir, dass er zum Wohle der Bürger der Stadt Nordhausen aktiv wird und mit Bürgermeister Matthias Jendricke zu einer fairen Zusammenarbeit bereit ist. Die politische Latte für Zeh hängt aufgrund des kommunalpolitischen Engagements unserer Noch-OB sehr hoch.
Die Erwartungshaltung der Bürger an den Neuen im Rathaus ist verständlicherweise sehr groß. Es ist zu wünschen, dass er die Bürger, die ihm ihr Vertrauen geschenkt haben, auch nicht enttäuscht. Und dass Birgit Keller am 1. Juli ins Landratsamt einzieht, freut mich sehr. Ich wünsche ihr viel Kraft für die zu bewältigenden Aufgaben. Gemeinsam mit Jutta Krauth (SPD) und Loni Grünwald (Die Linke) ist eine spannende Konstellation entstanden. Dem neuen weiblichen Führungstrio wünsche ich gutes Gelingen beim Regieren, Verwalten und Gestalten.
Hans-Georg Backhaus, Mitglied im SPD-Ortsverein Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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