So, 13:35 Uhr
29.04.2012
Mit Alice im Wunderland
Die Schüler der sechsten Klassen freuten sich schon sehr auf das angekündigte Theaterstück der Zwölfer, die nun kurz vor dem Abitur auch ihren projektorientierten Kurs Darstellen und Gestalten beenden wollten. Es ist bereits zur Tradition am Haus geworden...,
...dass sich die Kurse abschließend den jüngeren und anderen Mitschülern oder auch der Öffentlichkeit präsentieren. Schließlich gehört es zu ihrer Ausbildung, ein dramatisches Gesamtkonzept zu entwickeln, durchzuführen und auszuwerten.
Im Nachgespräch mit den Darstellern erfuhren die Schüler der sechsten Klasse, dass es ein halbes Jahr in Anspruch nahm, bis zur Aufführung zu gelangen. Die Entscheidung für das Stück erwies sich dabei als sehr unproblematisch. Lustig sollte es sein, fantasievoll und allen Kursteilnehmern die Chance bieten sich einzubringen. Und so fiel die Wahl auf das Märchen Alice im Wunderland. Die Aufteilung erfolgte problemlos nach den Neigungen und Interessen. Zwei Stunden pro Woche wurden Ideen entwickelt, Texte geschrieben, Kostüme entworfen, geprobt, Hintergrundmusik gesucht, Kulissen entworfen. .. Zusätzliche zeitliche Investitionen seien da die Regel. Aber wer diesen Zweig angewählt habe, dem ginge es um die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, um den bewussten Umgang mit der Sprache sowie die Fähigkeit ganzheitlich Bühnenprojekte zu initiieren, so Katharina Aschenbrenner im Namen der DG-Gruppe.
Die Darsteller in Alice im Wunderland
Die Liebe zum Detail, das Spiel mit der Sprache und die Begeisterung der MuKüs, wie die Musisch-Künstlerischen von Mitschülern genannt werden, zogen die jüngeren Zuschauer in der Aula in den Bann. So vollzogen sie den fiktiven Streit der Laienspieler um die personelle Besetzung der Figuren für das Stück vom verbalen zum handgreiflichen Schlagabtausch nach und tauchten mit Alice in das Wunderland ein und begleiten sie. Dabei begegnet sie den unterschiedlichsten Charakteren. Ein hektisches, weißes Kaninchen, das sie in die völlig andere Welt führt. Der Wasserpfeife rauchenden Raupe, der Alice ihr Wissen unter Beweis zu stellen hat und dabei feststellen muss, dass sie Gedichte nur noch verdreht aufsagen kann, was die Raupe jedoch belustigt. Die verspielten Erdgnome Dideldum und Dideldei sprühten geradezu vor Sprachwitz und Bewegungsfreude und nahmen das Publikum vollends ein.
Im Kontrast dazu stand der von sich selbst überzeugte Eierkopf Goggelmoggel, der sich als Berater des Königshauses eines Besseren wähnte. Dass man auch Nicht-Geburtstage feiern kann und nicht eingeladene Gäste als unliebsam angesehen werden, war mit Alice nachzuerleben. Gemeinsam trafen die Zuschauer dann mit dem quirligen und ewig fragenden Mädchen Alice auf die Grinsekatze, die alle als verrückt bezeichnet und sich als unsicherer Ratgeber erweist.
Nachdem Alice anstelle der nicht auffindbaren Herzogin eine königliche Einladung zum Krocket-Spiel mit dieser erhalten hat, kommt die grausame und aufbrausende Herzkönigin zu ihr. Sie herrscht über eine Heerschar von Karten und der gesamte Hofstaat steht völlig unter ihrer Fuchtel. Neben Wutanfällen, die mit dem zornigen "Köpft ihn!!!" einhergehen, spielt sie gerne Krocket - natürlich nur wenn sie auch gewinnt. Als Schläger dienen Flamingos und ein Igel ist der Ball. Alice erkennt, dass es bei dem Spiel nicht mit rechten Dingen zugeht, denn Igel-Bälle laufen weg, Flamingo-Schläger reden und Tore verschwinden. Nach königlichem Sieg verändert ein Törtchen-Diebstahl die Hoch-Stimmung der Herzkönigin.
Alice rettet den Angeklagten mit ihrer Zeugenaussage vor Gericht vor der hysterischen Herrscherin. In dem allgemeinen Chaos dieser absurden schreckt sie dann aus ihrem Traum auf und befindet sich wieder in der Realität. Die Rolle der Alice in dem erstrebten Theaterstück zu übernehmen, schreckt sie allerdings ab.
Mit dieser Umsetzung gelang es den DG-Schülern überzeugend, den fantastischen Märchenstoff mit Hilfe moderner Elemente näher erscheinen zu lassen. So halten sie auch mit ihrer Kritik an der Gesellschaft und der Erwachsenenwelt nicht hinter dem Berg. So sei das, das einmal gesagt wurde, aktenkundig. Außerdem spiele in der modernen, durchorganisierten und verplanten Gegenwart die Phantasie nur noch eine geringe Rolle. Wozu Unverständnis und Ignoranz führen können, zeigten sie anhand der Ausgrenzung einzelner Figuren. Des Weiteren machten sie auch auf die zunehmend kommunikationsarme Zeit aufmerksam, in der eine gleichberechtigte Diskussion von Gesprächspartnern nicht immer erstrebt wird.
Für ihre Leistung erntete der DG-Kurs tosenden Applaus und das Lob seiner Kursleiterin Babette Liebram. Diese bekräftigte, dass es für sie das Interessanteste sei, die Schüler im Projektprozess reifen zu sehen - hier gehe es um eigenverantwortliches und ganzheitliches Lernen.
Von diesem Stand der Entwicklung konnten sich am Abend auch Eltern, Freunde, Bekannte, Lehrer etc. bei einer weiteren Vorstellung überzeugen.
Heike Roeder
Autor: nnz...dass sich die Kurse abschließend den jüngeren und anderen Mitschülern oder auch der Öffentlichkeit präsentieren. Schließlich gehört es zu ihrer Ausbildung, ein dramatisches Gesamtkonzept zu entwickeln, durchzuführen und auszuwerten.
Im Nachgespräch mit den Darstellern erfuhren die Schüler der sechsten Klasse, dass es ein halbes Jahr in Anspruch nahm, bis zur Aufführung zu gelangen. Die Entscheidung für das Stück erwies sich dabei als sehr unproblematisch. Lustig sollte es sein, fantasievoll und allen Kursteilnehmern die Chance bieten sich einzubringen. Und so fiel die Wahl auf das Märchen Alice im Wunderland. Die Aufteilung erfolgte problemlos nach den Neigungen und Interessen. Zwei Stunden pro Woche wurden Ideen entwickelt, Texte geschrieben, Kostüme entworfen, geprobt, Hintergrundmusik gesucht, Kulissen entworfen. .. Zusätzliche zeitliche Investitionen seien da die Regel. Aber wer diesen Zweig angewählt habe, dem ginge es um die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, um den bewussten Umgang mit der Sprache sowie die Fähigkeit ganzheitlich Bühnenprojekte zu initiieren, so Katharina Aschenbrenner im Namen der DG-Gruppe.
Die Darsteller in Alice im Wunderland
Die Liebe zum Detail, das Spiel mit der Sprache und die Begeisterung der MuKüs, wie die Musisch-Künstlerischen von Mitschülern genannt werden, zogen die jüngeren Zuschauer in der Aula in den Bann. So vollzogen sie den fiktiven Streit der Laienspieler um die personelle Besetzung der Figuren für das Stück vom verbalen zum handgreiflichen Schlagabtausch nach und tauchten mit Alice in das Wunderland ein und begleiten sie. Dabei begegnet sie den unterschiedlichsten Charakteren. Ein hektisches, weißes Kaninchen, das sie in die völlig andere Welt führt. Der Wasserpfeife rauchenden Raupe, der Alice ihr Wissen unter Beweis zu stellen hat und dabei feststellen muss, dass sie Gedichte nur noch verdreht aufsagen kann, was die Raupe jedoch belustigt. Die verspielten Erdgnome Dideldum und Dideldei sprühten geradezu vor Sprachwitz und Bewegungsfreude und nahmen das Publikum vollends ein.
Im Kontrast dazu stand der von sich selbst überzeugte Eierkopf Goggelmoggel, der sich als Berater des Königshauses eines Besseren wähnte. Dass man auch Nicht-Geburtstage feiern kann und nicht eingeladene Gäste als unliebsam angesehen werden, war mit Alice nachzuerleben. Gemeinsam trafen die Zuschauer dann mit dem quirligen und ewig fragenden Mädchen Alice auf die Grinsekatze, die alle als verrückt bezeichnet und sich als unsicherer Ratgeber erweist.
Nachdem Alice anstelle der nicht auffindbaren Herzogin eine königliche Einladung zum Krocket-Spiel mit dieser erhalten hat, kommt die grausame und aufbrausende Herzkönigin zu ihr. Sie herrscht über eine Heerschar von Karten und der gesamte Hofstaat steht völlig unter ihrer Fuchtel. Neben Wutanfällen, die mit dem zornigen "Köpft ihn!!!" einhergehen, spielt sie gerne Krocket - natürlich nur wenn sie auch gewinnt. Als Schläger dienen Flamingos und ein Igel ist der Ball. Alice erkennt, dass es bei dem Spiel nicht mit rechten Dingen zugeht, denn Igel-Bälle laufen weg, Flamingo-Schläger reden und Tore verschwinden. Nach königlichem Sieg verändert ein Törtchen-Diebstahl die Hoch-Stimmung der Herzkönigin.
Alice rettet den Angeklagten mit ihrer Zeugenaussage vor Gericht vor der hysterischen Herrscherin. In dem allgemeinen Chaos dieser absurden schreckt sie dann aus ihrem Traum auf und befindet sich wieder in der Realität. Die Rolle der Alice in dem erstrebten Theaterstück zu übernehmen, schreckt sie allerdings ab.
Mit dieser Umsetzung gelang es den DG-Schülern überzeugend, den fantastischen Märchenstoff mit Hilfe moderner Elemente näher erscheinen zu lassen. So halten sie auch mit ihrer Kritik an der Gesellschaft und der Erwachsenenwelt nicht hinter dem Berg. So sei das, das einmal gesagt wurde, aktenkundig. Außerdem spiele in der modernen, durchorganisierten und verplanten Gegenwart die Phantasie nur noch eine geringe Rolle. Wozu Unverständnis und Ignoranz führen können, zeigten sie anhand der Ausgrenzung einzelner Figuren. Des Weiteren machten sie auch auf die zunehmend kommunikationsarme Zeit aufmerksam, in der eine gleichberechtigte Diskussion von Gesprächspartnern nicht immer erstrebt wird.
Für ihre Leistung erntete der DG-Kurs tosenden Applaus und das Lob seiner Kursleiterin Babette Liebram. Diese bekräftigte, dass es für sie das Interessanteste sei, die Schüler im Projektprozess reifen zu sehen - hier gehe es um eigenverantwortliches und ganzheitliches Lernen.
Von diesem Stand der Entwicklung konnten sich am Abend auch Eltern, Freunde, Bekannte, Lehrer etc. bei einer weiteren Vorstellung überzeugen.
Heike Roeder



