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Mi, 06:50 Uhr
21.03.2012

Schrankenloses Heimattheater

Am Montag vor zwei Wochen war es wieder einmal soweit: Im Rahmen der noch recht jungen und erfrischend anderen Veranstaltungsreihe: „Heimattheater schrankenlos“ kamen Menschen aus Nordhausen und der Region mit Mitmenschen aus anderen Weltteilen zusammen....


Um sich kennen zu lernen, kann Mensch die literarische Sprache, ein gemeinsames Essen und z.B. das „transkulturelle Plauderdeutsch“* für eine offene Gesprächsrunde nutzen. Diesmal widmeten sich Anja Eisner vom Theater Nordhausen und Peter Kube vom schrankenlos e.V., zusammen mit zwei jungen Mitmenschen aus Kolumbien, die gerade in Nordhausen das Studienkolleg besuchen, den literarischen Kulturen Kolumbiens und Guatemalas.

Unter dem Titel: „Von Urvätern, Holzmenschen und Zauberern“ wurden erstaunlich vertraut anmutende Legenden aus der kolumbianischen und guatemaltekischen Mythologie vorgetragen. Geschichten der Indigenen, der wirklichen Ureinwohner und Entdecker (Süd)Amerikas, zur Entstehungsgeschichte des Menschen zauberten Gestalten und Landschaften über die Ohrmuscheln in unsere Vorstellungswelt.
Schrankenloses Heimattheater (Foto: privat)
Schrankenloses Heimattheater (Foto: privat)
Schrankenloses Heimattheater (Foto: privat)
Schrankenloses Heimattheater (Foto: privat)
Schrankenloses Heimattheater (Foto: privat)
Schrankenloses Heimattheater (Foto: privat)
Sie wiesen einige erstaunliche Parallelen zur jüdisch-christlichen Genesis auf. Anschließend wurde der überaus tiefsinnige Abschiedsbrief des kolumbianischen Literaturnobelpreisträgers Gabriel García Márquez rezitiert. Er richtete ihn im Jahre 2002 an seine Freunde und Leser, als er sich aufgrund einer Krebserkrankung aus der Öffentlichkeit zurückzog. Das Besondere hierbei, nämlich die geschickte Synthese des Vortrags der deutschen Übersetzung und der spanischen Originalversion, verlieh der Lesung ein hohes Maß an Authentizität. Ein bleibender Eindruck für die Besucher. Ein Text, den man gern hätte... Das an Mit-Menschlichkeit appelierende Vermächtnis wäre vor mancher Sitzung und in manchem Büro gut platziert!

Das darauf folgende Abendessen, welches zuvor von vielen fleißigen Händen gemeinsam auf kolumbianische Art zubereitet wurde, erfüllte alle kulinarischen Wünsche. Die Möglichkeit erster „internationaler“ Gespräche über das, was ein jeder auf seinem Teller hatte und nach welchem Rezept es zubereitet wurde. Und die Tatsache, dass mindestens sieben Länder und einige Religionen zusammen kamen, sorgten für Gesprächsfreude und -lust.

Frisch gestärkt und von den angeregten Unterhaltungen neugierig gemacht, wurde im dritten Teil des Abends eine offene Gesprächsrunde angeboten. In größerer Runde berichteten die beiden Mitmenschen aus Kolumbien über ihre Erfahrungen. Anschaulich, lebendig im Gespräch und engagiert für ihre Heimat berichteten sie. Da sie schon etwas länger in Deutschland sind, bezogen unsere Gäste diese jüngsten Erfahrungen ebenso ein.

Fragen wurden gestellt, die mit den Antworten einen tiefen Einblick in die Familien-, Jugend- und Lebenskultur in allen Facetten der kolumbianischen Gegenwart boten. Wussten Sie, dass es 6 gesellschaftliche Klassen dort gibt, deren Zuordnung nicht festlegt, deren Grenzen (nach Ansehen, Macht und Reichtum sortiert) aber schwer zu überwinden sind? Dass GG Marquez leider seinem Herkunftsort Aracataca keine Initiative gönnte unter Einsatz seines nicht unbeträchltichen Vermögens – was wie ein kleiner Verrat an der Familie gesehen wird.

Dass die offiziell beschworene Freundschaft zu den USA den Menschen gilt, aber nicht den Militärabsprachen mit dem Pseudokrieg gegen die Drogenkartelle und dann ist da noch etwas: Lebensfreude gibt es in Kolumbien für alle Menschen – besonders, wenn sich z.B. Familien an den Flußufern zum Wochenendausflug treffen, wenn Festivals (weltgrößtes Poesiefestival in Medellin) und fiestas, karnevals und juergas auf Straßen, Plätzen und in offenen Bussen einladen. Lebensverdruss gibt es, wenn junge, ambitionierte Menschen keinen Ausweg aus Korruption in Politik und Business sehen, sich dennoch nicht anpassen wollen.

Doch in allem fiel auf, dass uns, obgleich unzählige Kilometer, eine andere Sprache, Kultur und Geschichte zwischen den Ländern liegen, doch der Wunsch nach einem glücklichen Leben ebenso einte wie die Erkenntnis, dass dieses Glück nicht im Konsumismus, sondern im Zwischenmenschlichen zu finden ist – im respektvollen Miteinander und in der Liebe – weltweit.
Vielleicht so, wie es der eingangs zitierte Marquez im letzten Satz sagte: „Zeige deinen Freunden, wie wichtig sie dir sind“.

Das "Heimattheater schrankenlos" ist eine Koproduktion des Nordhäuser Theaters, des Studienkollegs der Fachhochschule Nordhausen und des schrankenlos e. V.
Autor: nnz

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