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Di, 18:29 Uhr
20.03.2012

Der Griff in die Tasche

Greife einem nackten Mann in die Tasche und zaubere einen Batzen Geld hervor. Was im eigentlichen Sprichwort nicht funktioniert, das klappt in der kommunalen Politik bestens. Ein Beispiel gefällig...

Haushalt (Foto: nnz) Haushalt (Foto: nnz)
Schön viel Papier - der Haushalt des Landkreises 2012

Eigentlich sind es Jahr für Jahr zwei Beispiele. Beginnen wir mit dem Finanzplan bis 2015, den es als erstes zu beschließen galt. Doch die erste Beigeordnete Jutta Krauth (SPD) ignorierte Tagesordnung sowie Reihenfolge und konstatierte, dass um rund 25 Prozent die Schlüsselzuweisungen seitens des Landes an die Kreisverwaltung zurückgehen. Andererseits wachsen die Personalausgaben um mehr als 120.000 Euro, insgesamt 20,9 Millionen Euro oder 19,7 Prozent der Gesamtausgaben. Und so ging es munter mit den Zahlen weiter. Viele der Kreistagsmitglieder hatten zu diesem Zeitpunkt schon „abgeschaltet“. Vermutlich kannten sie alle Zahlen.

Das gleiche Prozedere bei der Vorstellung des Finanzplans. Demzufolge gehen die Ausgaben für das Personal bis zum Jahr 2015 lediglich um 370.000 Euro zurück. Dafür steigt die Kreisumlage von 22,3 Millionen Euro im vergangenen Jahr auf 25 Millionen Euro im Jahr 2015. Gute Aussichten für die Städte und Gemeinden. Zum Schluss ihres Plädoyers dankte Jutta Krauth allen Fraktionen für ihre konstruktive Mitarbeit und würdigte die Zusammenarbeit zwischen Fraktionen und Verwaltung – wie in jedem Jahr.

Zum ersten Entwurf gab es seitens des Landrates einen Änderungsantrag. So sollen mehrere Hunderttausend Euro umgeschichtet werden, um in Ellrich eine Schulturnhalle bauen zu können. Laut Landrat Joachim Claus seien die Vorzeichen positiv, dass es vom Land aus zwei Töpfen Fördermittel geben könne. Nicht desto trotz sollen die Kommunen des Landkreises zwei Millionen Euro mehr als Umlage an die Kreisverwaltung berappen.

Für die LINKE war die Haushaltsdiskussion wie Snowboard-Fahren ohne Schnee, gab Fraktionsvorsitzende Birgit Keller zu Gehör. Wie so eine politische Schussfahrt wirklich aussieht, diesen Einblick blieb die Frau schuldig, die natürlich als Landtagsabgeordnete zunächst in die Halfpipe der Landespolitik fuhr. Letztlich schlitterte Keller durch das Ziel und verkündete, dass die Kreisumlage um eine halbe Million Euro gekürzt werden soll und dafür der ominöse Soll-Fehl-Betrag um diese Summe weniger abgebaut wird. Jürgen Hohberg als Vorsitzender des Finanzausschusses konnte dieser Snowboard-Abfahrt nicht folgen und lehnte die Reduzierung der Kreisumlage ab. Vielmehr müsse die mittelfristige Konsolidierung der Kreishaushaltes im Fokus aller Anstrengungen stehen.

Matthias Jendricke stimmte der LINKE-Änderung zu, weil er der Kreisverwaltung nicht zutraut, dass die halbe Million Euro auch wirklich zur Reduzierung des Soll-Fehl-Betrages verwendet wird. Dieses Geld werde untergepaddelt. Und im Übrigen würde der Plan des Haushaltssicherungskonzeptes wie eine Seifenblase platzen. Er glaube nich, dass in zehn Jahren dieser Landkreis mit dieser Verwaltung wieder auf sicheren Finanzfüßen stehen werde. Abschließend beantragte der Nordhäuser Bürgermeister, den vorliegenden Entwurf noch einmal in die Ausschüsse zu verweisen. Zustimmung zum LINKE-Vorschlag gab es zum Beispiel von Maik Schröter (CDU).

Endlich wurde abgestimmt, zuerst über die LINKE-Änderung. Der Reduzierung der Kreisumlage um exakt 511.000 Euro. Für Nordhausen sind das 282.000 Euro, für Bleicherode 37.000 Euro, für Ellrich 30.000 Euro und für Heringen 26.000 Euro weniger. Dem wurde mehrheitlich zugestimmt.

Letztlich wurde somit auch der Haushalt beschlossen. Dafür genügten 15 Ja-, 9 Nein-Stimmen und 12 Enthaltungen.
Autor: nnz

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Kommentare
H.Buntfuß
21.03.2012, 08:35 Uhr
Ist der Kreis am Ende?
Diese Frage ist eindeutig mit ja zu beantworten. Man stelle sich vor 15 sagen wir mal Politiker, um nicht beleidigend zu werden, bestimmen, wie mit den Finanzen des Kreises umzugehen ist.

Zur Zeit hat der Kreis noch etwa 91 100 Einwohner, diese Zahl wird von Jahr zu Jahr immer geringer. Nach Voraussagen werden wir bis zum Jahr 2020 mit weiteren 12% Verlusten rechnen müssen.

Waran mag das wohl Liegen? An der GUTEN Arbeit der Kreistagesmitglieder, die unsere Steuergelder unkontrolliert aus dem Fester werfen? Vielleicht liegt es aber an den sehr guten Arbeitsangeboten die man hier bekommt?

Sollten es die vielen brach liegenden Gewerbeflächen sein, dem bald noch ein Industriegebiet folgen soll?

Wozu haben wir überhaupt noch einen Kreistag, die Steuergelder können wir auch ohne diese Leute in den Sand setzen. Die Gelder für diese Personen könnten besser angelegt werden.
Paulinchen
21.03.2012, 11:34 Uhr
Da bin ich nun auch „Ratsuchende“ geworden…
in meinem Bekanntenkreis habe ich vor einigen Wochen erfahren, dass das Job Center Nordhausen bei Langzeitarbeitlosen nachgefragt hat, ob sie eventuell einen Migrationshintergrund haben. Denn sie seien ja nun nicht mehr vermittelbar (z.T. aus Altersgründen u.a.m.) und somit nur noch RATSUCHENDE.

Nun ich bin aber auf einer anderen Ebene Ratsuchende. Wenn ich im „Leben“ unserer Heimatstadt einmal Rückschau auf die Einwohnerzahl halte, so kommen da Zahlen in meinen Kopf, die ich der heutigen Zeit nicht zuordnen kann. In der „Hochzeit“ der Einwohnerzahlen soll unsere Stadt ja so um die 48.000 Köpfe gehabt haben. Zu dieser Zeit hatte die Stadt stets nur EINEN Bürgermeister. Die Bezeichnung Oberbürgermeister kam damals keinem in den Sinn. Straßen und Wohnungsbau wurden zu einem großen Teil mittels Kommunalverträgen mit den Großbetrieben im Stadtgebiet finanziert. (teils recht, teils schlecht)

Schon kurze Zeit nach der Wende begann die Abwanderung (arbeitsbedingt) der Einwohner aus der Stadt und dem Landkreis, was zur Folge hatte, dass im Stadtgebiet mit Fördermitteln ganze Straßenzüge abgerissen wurden. Nun streckte die Stadtverwaltung ihre Arme nach den angrenzenden Gemeinden aus um die Einwohnerzahlen der Stadt zu halten, denn man hatte ja plötzlich eine/n Oberbürgermeister/in gekürt. Ich wüsste nur zu gern, weshalb?

Nun haben wir den „Salat“ seit vorgestern gehen einige Städte in den alten Bundesländern auf die Barrikaden bezüglich der Ostfördermittel. Sie wollen diese nicht mehr sinnlos, sondern bedarfsgerecht in Richtung Ost transferieren. Da unsere Stadt nun nicht von einem Top Industriestandort und brummender Wirtschaft reden kann, könnte es mit den Finanzen demnächst doch eher mehr als eng werden. Wie wäre es denn, wenn wir da schon mal vorbeugen und Maßnahmen ergreifen, die eine weitere Verschuldung der Stadt verhindern?

Mein Vorschlag wäre da die Einsparung der Stelle des Oberbürgermeisters, da Mangel an Einwohnerzahlen und notwendiger Gelder für soziale Belange. Darüber hinaus haben wir doch in den „Stadtgemeinden“ noch die Ortsbürgermeister und einen Landrat, der ja mal Chef von denen gewesen ist. Hatte der dazu leine Lust mehr? Sollte ich hier total daneben liegen, so verweise ich auf die Überschrift meines Beitrages. Doch wer soll das künftig alles noch und wo von bezahlen, fragt Paulinchen?
I.H.
21.03.2012, 12:16 Uhr
Das Simple ist manchmal so nah.
Wenn ich die Pleite-Produzenten aus den Städten und Gemeinden nehme und sie in einen Kreistag setze kommt genau das heraus, was wir hier im Landkreis haben! Manchmal ist es für Wähler wirklich von Vorteil darüber nachzudenken, wen man da eigentlich wählt und wer welche Interessen vertritt.

Dieter
Eckenblitz
21.03.2012, 13:07 Uhr
Auflösung?
Wie wäre es, wenn sich der Kreistag komplett auflöst? Es ist doch ausreichend, wenn sich die vier Fraktionsvorsitzenden in der Wiedigsburgklause treffen und die Beschlüsse fassen?

Da wir in Deutschland einen gewissen Parteienzwang haben, könnte man sich doch die langen nichtssagenden Sitzungen ersparen?

Ich höre die Parteisoldaten schon wettern, wir haben keinen Parteienzwang. Wie war das mit den Abstimmen nach Gewissen?
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