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Di, 13:36 Uhr
31.01.2012

Ackermann bleibt auf dem Acker

Entgegen ihrer Ankündigung entscheidet die Deutsche Bank nicht bis Ende Januar über den Ausstieg aus der Nahrungsmittel-Spekulation. Das aber hatte deren Chef Ackermann einst angekündigt...


"Wir stehen erst am Anfang der von mir zugesagten Überprüfung unseres Geschäfts mit Agrar-Rohstoffen", so Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in einem Brief an foodwatch. Per E-Mail teilte seine für Nachhaltigkeit zuständige Mitarbeiterin foodwatch mit, die Deutsche Bank werde nun "in den kommenden Monaten eine umfassende Studie zum Thema" erarbeiten. Einen konkreten Zeitpunkt für die Entscheidung nannte sie nicht mehr.

Ursprünglich hatte die Deutsche Bank dagegen zugesagt, bis Ende Januar über den Ausstieg aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln zu entscheiden. Auslöser war der Mitte Oktober 2011 veröffentlichte foodwatch-Report "Die Hungermacher". Darin dokumentiert foodwatch, dass die Spekulation mit Agrar-Rohstoffen die Nahrungsmittelpreise nach oben und Menschen in den Hunger treibt. Bis heute haben mehr als 60.000 Menschen die Deutsche Bank daraufhin per E-Mail und per Post zum Ausstieg aufgefordert.

"Die Ankündigung der Deutschen Bank war offensichtlich nur ein PR-Trick, um die Öffentlichkeit zu beruhigen", so foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode. Einen Tag nach der Veröffentlichung des foodwatch-Reports und tausenden Protestmails hatte Josef Ackermann in einem persönlichen Brief an foodwatch noch versprochen, die Deutsche Bank werde den Report "gründlich prüfen" und sich "um eine möglichst rasche und detaillierte Antwort bemühen".

"Kein Geschäft ist es wert, den guten Ruf der Deutschen Bank aufs Spiel zu setzen", schrieb Josef Ackermann damals. Doch von einer gründlichen Prüfung könne keine Rede sein, so Thilo Bode. Bei einem Gespräch von foodwatch mit Deutsche-Bank-Vertretern in London Mitte Dezember 2011 habe ein leitender Rohstoff-Händler sogar klipp und klar zugegeben, dass er den foodwatch-Report nicht einmal gelesen habe.

"Während die Deutsche Bank angeblich prüft und Studien erarbeitet, sterben Menschen in den ärmsten Ländern an Hunger - auch wegen der Spekulationsgeschäfte der Deutschen Bank", so Thilo Bode. Er forderte die Deutsche Bank auf, die Entscheidung nicht länger hinauszuzögern. "Die Tatsachen liegen auf dem Tisch, die Belege für die schädlichen Auswirkungen der Spekulation sind überwältigend. Josef Ackermann muss die Spekulationsgeschäfte mit Nahrungsmitteln jetzt unverzüglich stoppen!" Statt von anderen den letzten Beweis für die Schädlichkeit der Geschäfte einzufordern, müsse die Deutsche Bank diese Geschäfte jetzt vorsorglich beenden - oder selbst deren Unschädlichkeit nachweisen.

Über eine E-Mail-Aktion unter dem Motto "Hände weg vom Acker, Mann!" haben auf der gleichnamigen Internetseite www.haende-weg-vom-acker-mann.de seit Oktober mehr als 57.000 Menschen von der Deutschen Bank den Ausstieg aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln gefordert. Per Post sind bei der Deutschen Bank in den vergangenen Tagen zusätzlich fast 4.000 Unterschriften eingegangen.

Insgesamt 84 Prozent der Bundesbürger halten es für nicht akzeptabel, dass die Deutsche Bank und andere Investmentbanken mit Agrar-Rohstoffen wie Weizen oder Mais spekulieren. Das war das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im November 2011. Zwei Drittel der Befragten forderten, dass die Deutsche Bank die Spekulation mit Nahrungsmitteln beendet.
Autor: nnz

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Kommentare
I.H.
31.01.2012, 14:42 Uhr
Folge unseres Ökowahn's
Das Verhalten der Bank ist sicher unanständig aber leider Branchentypisch. Das Unanständige ist deshalb mehr in der PR-steigernden Ankündigung des Ausstieges zu suchen als im tatsächlichen Handel mit Finanzprodukten, die auf steigende Lebensmittelpreise setzen.

Es wäre auch falsch, mit der Bank eine Sau durchs Dorf zu treiben, die wieder vom eigentlichen Problem ablenkt. Mit unserem Energiepflanzenanbau und der daraus folgenden Verknappung von Lebensmitteln befeuern wir die Spekulation geradezu.

Das je nach Sichtweise Traurige oder Schöne ist, dass wir selbst das Ergebnis unserer Politik nicht merken. Da das Ausgangsprodukt in der Wertschöpfungskette bei uns den geringsten Kostenfaktor bildet, merken wir dortige Preiserhöhungen kaum. Wer mit dem Sack Weizen aber seine Familie ernähren muss, der zahlt heute das Doppelte von dem, was er vor fünf Jahren bezahlt hat.

Dieter
Herr Taft
31.01.2012, 15:56 Uhr
Ethik und die Gier
...das hat noch nie zusammengepasst. Klar ist es schick gegen Banken zu wettern. Banken sind ja sowieso an Allem Schuld. Es sind aber bei Weitem nicht nur die Banken, die sich auf dem Markt tummeln. Auch und gerade die großen Produzenten freuen sich natürlich über steigende Preise und handeln nicht nur ihre Produkte an den Warenterminbörsen. Auch mancher Kleinanleger profitiert von entsprechenden Zertifikaten.

Allgemein gilt: Wo Geld verdient werden kann - wird es auch getan. Es wird gehebelt und gehedgt, das die Schwarte kracht. Aber jedem Gewinner steht ein Verlierer gegenüber. Jedem Käufer steht ein Verkäufer gegenüber. So sorgt die Spekulation nicht nur für stärker steigende Preise, sondern im Fall von sinkenden Preisen auch für einen stärkeren Rückgang. Ursächlich ist in jedem Fall der Wert des Underlyings.
-Insider-
31.01.2012, 18:04 Uhr
die
ganzen briefe und unterschriften sind ja ganz nett...die frage ist nur - wer hat auf grund dieser sache sein konto bei der DB gekündigt? der ganze papierkram landet doch eh in der rundumlage...kündigen aber 100.000 Leute ihr Konto interessiert das einen bankster schon eher.

ich für meinen teil habe umgehend nachdem ich davon erfahren habe mein konto+sparkonto dort aufgelöst.
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