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Di, 06:34 Uhr
31.01.2012

Wohnstätte und Arbeitsplatz im 40-Tonner

Mit vielfältigen Aktionen macht die Speditions- und Logistikbranche auf Ausbildungsmöglichkeiten aufmerksam. Hintergrund ist die Tatsache, das den Unternehmen schlicht und ergreifend die Fachkräfte ausgehen. Ein junger Mann will aber gerade dorthin - "auf den Bock". Ragna Iser stellt ihn vor...

Wohnstätte und Arbeitsplatz (Foto: R. Iser) Wohnstätte und Arbeitsplatz (Foto: R. Iser)
Stefan Breit (19) aus Hasselfelde lernt bei Otto Logistik GmbH Berufskraftfahrer

Mit 40 Tonnen auf Landstraße und Autobahn unterwegs – für Stefan Breit wäre eine andere Ausbildung außer Berufskraftfahrer nie in Frage gekommen. „Mein erstes Wort, das ich als Kind gesprochen habe, war wohl Lkw‘“, so der 19-Jährige schmunzelnd. Die Zeiten, in denen eine Trucker-Serie wie „Auf Achse“ Kultstatus hatte, seien allerdings vorbei, meint Stefan Breit. „Was habe ich für blöde Sprüche zu hören bekommen, als es hieß, dass ich Berufskraftfahrer lernen möchte“, erinnert sich der Azubi, der mit seinem Berufswunsch in die Fußstapfen seines Vaters und Onkels trat. Mittlerweile ließe ihn das kalt. Er betont: „Ich weiß, dass es ein wichtiger Beruf ist.“ Überhaupt käme er viel herum. „Ich sehe einfach was von der Welt.“

„Was viele nicht wissen: Berufskraftfahrer ist ein Ausbildungsberuf“, so Hans-Dieter Otto, von der gleichnamigen Spedition, die auch in Nordhausen beheimatet ist. In Deutschland gebe es um die 750.000 Kraftfahrer. Allerdings seien etwa 35 Prozent älter als 50 Jahre, nur drei Prozent jünger als 25. „Der Nachwuchs fehlt“, weiß der Inhaber der Spedition Otto in Benneckenstein. Den Grund dafür sehe er in dem negativen Bild des Kraftfahrers. „Dabei ist der Beruf wichtig. Wer soll denn sonst die Industrie- und Handelswaren von A nach B transportieren?“, ärgert er sich.

„Man lernt in kurzer Zeit viele Menschen, Betriebe und Regionen kennen“, zählt Stefan Breit die Vorzüge seines Lehrberufes auf. Immer mit dabei: Wohnzimmer, Schlaf- und Arbeitsplatz. Otto: „Jeder Lkw ist unter anderem mit einem Bett und einem Kühlschrank ausgestattet.“---- Noch ist er mit seinem Laster nicht auf Deutschlands Straßen unterwegs. Der Hasselfelder legt derzeit erst seine Fahrerlaubnis für die Klasse C ab. „Und dann fährt er auch erstmal als zweiter Mann mit“, so Otto. Bis dahin erhalte der Azubi einen Einblick in die anfallenden Büroarbeiten einer Spedition. Außerdem würden die Auszubildenden an Werkstätten verliehen werden. Otto: „So sehen sie auch mal einen Lastwagen von unten.“ Und jede dritte Woche sei Berufsschule in Mühlhausen angesagt.

Bewerber sollten mindestens 16 Jahre alt sein und den Hauptschulabschluss haben. Weiter seien Kenntnisse in Geographie, Mathematik und Physik wichtig. „Man sollte schon wissen, wo beispielsweise Hamburg und München liegen“, betont der Speditionsinhaber. Außerdem sollte der Umgang mit einem Straßenatlas nicht fremd sein – auch wenn Lkw heutzutage mit Navigationsgeräten ausgestattet sind. Englischkenntnisse seien ebenso von Vorteil. „Unsere Fahrer sind zwar hauptsächlich in Deutschland unterwegs, vereinzelt aber auch in den angrenzenden Ländern“, berichtet Otto.

Führerscheine der Klasse C und CE würden von den Bewerbern im Vorfeld nicht verlangt. „Das zahlt alles das Unternehmen.“ Selbst die Pkw-Fahrerlaubnis könne über den Betrieb abgelegt werden. Gabelstapler- und Gefahrengutschein gebe es obendrauf. Und: Wer sich in der Ausbildung gut anstelle, werde übernommen. So wie Stefan Breit: „Meine Zukunft sehe ich in dieser Firma in einem Lkw.“

Hintergrund:
  • Die Ausbildung zum Berufskraftfahrer dauert drei Jahre.
  • Ausbildungsbeginn ist im September.Mindestvoraussetzung ist der Hauptschulabschluss.
  • Führerscheine werden vom Unternehmen gezahlt.
  • Die Berufsschule wird in Mühlhausen, Burg oder Bitterfeld besucht.
  • Weiterbildungen sind unter anderem zum Fahrlehrer und Verkehrsmeister möglich.
  • Die Ausbildungsvergütung beträgt im ersten Lehrjahr 425 Euro brutto.
Autor: nnz

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Kommentare
Pro112
31.01.2012, 07:53 Uhr
Arbeitsplatz 40 Tonner??
Wer sich heute noch Ausbilden lässt um ein Sklave auf unseren Straßen zu sein ist selber schuld. Früher ist man gerne LKW gefahren, aber heute will das doch fast keiner mehr, Billiglöhne, Stress und immer den Chef im Nacken und dann noch die totale Überwachung. Wer hat denn auf so was noch Bock. Der Beruf eines Berufskraftfahrer muss wieder attraktiver gemacht werden. Bessere Löhne und Arbeitszeiten.
Nörgler
31.01.2012, 08:05 Uhr
Wir bestimmen doch alles
Wir, das sind die Kunden, die alles immer billiger haben wollen. Autos, Windeln, Gemüse - möglichst alles beim Discounter. Wenn die Spediteure fair bezahlen, für bessere Arbeitsbedingungen sorgen würden, dann bekommen sie keine Aufträge. Es gibt immer einen der billiger ist. Was meint ihr, wie ein Liter Milch 50 Cent oder ein Kilogramm Bananen unter einem Euro kosten können? Von den anderen Gliedern der Verwertungskette ganz zu schweigen.
Herr Taft
31.01.2012, 13:00 Uhr
@Nörgler...
...das ist in anderen Jobs auch nicht anders. Ich glaube auch fest daran, dass es große Unterschiede zwischen den Spediteuren gibt.

Zum Thema: Ich bin damals auch der Trucker-Romantik von "Auf Achse" erlegen. Als Kind hätte ich es mir lebhaft vorstellen können selbst einen Brummi zu steuern. Obwohl ich heute weiß, dass es dieses Fahrer-Leben so nicht gibt, üben die LKWs auf mich immernoch eine große Faszination aus. Ich kann den Jungen verstehen....und wünsche ihm viel Erfolg. Nicht jeder kann seine Träume verwirklichen.
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