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Mi, 12:58 Uhr
01.10.2003

Präventionen an Grundschulen

Nordhausen (nnz). Polizei und Schulen starten bundesweit eine gemeinsame Initiative gegen Gewalt. Dies ist eine weitere Konsequenz aus den Ereignissen von Erfurt im April 2002. Die nnz hat sich das Medienpaket „Abseits?!“ schon einmal genauer angesehen.


„Der in den vergangenen Jahren festgestellte Trend, Konflikte zunehmend mit Gewalt auszutragen, muss gestoppt werden“, sagte der Vorsitzende der Innenministerkonferenz (IMK), Minister Andreas Trautvetter bei der Vorstellung des Medienpaketes heute in Erfurt. Gewalt in unterschiedlicher Ausprägung finde oft unter Schülern und an Schulen statt. Gleichzeitig, so der Vertreter der KMK, Minister Dr. Michael Krapp, biete die Schule die Chance, im Rahmen der Erziehungsarbeit das Thema mit allen in Betracht kommenden Altersgruppen aufzugreifen. Dieser breite Ansatz werde voll und ganz unterstützt.

Hauptbestandteil des Medienpaketes, das an alle Grundschulen im Bundesgebiet verteilt wird, ist der speziell für Schülerinnen und Schüler ab 9 Jahre entwickelte Videofilm. In fünf kurzen Szenen zeigt der Film typische Situationen aus dem Alltag von Schülern, die erfahrungsgemäß schnell zu einer Gewalteskalation führen können. Gedreht wurde der Film an Schauplätzen wie beispielsweise einem Schulhof, einer Bushaltestelle sowie im Schulbus und einer Turnhalle. Im Mittelpunkt stehen Konfliktfelder wie verbale Aggression, Mobbing, körperliche Aggression, Sachbeschädigung und Graffiti sowie Abzocken beziehungsweise Erpressung.

Der Film und die Begleitmaterialien sind als pädagogisches Medium zur Unterstützung von Lehrerinnen und Lehrern konzipiert und sollen Schüler über die Entstehung von Gewalt aufklären und ihnen vor allem konkrete Wege zur gewaltfreien Konfliktlösung aufzeigen. Die realistischen Darstellungen in den Filmsequenzen sollen bei den Jungen und Mädchen einen „Aha-Effekt“ zu eigenen Erlebnissen oder Beobachtungen auslösen und zur kritischen Diskussion der dargestellten Verhaltensweisen anregen.

Die Kurzfilme verzichten bewusst auf schablonenartig vorgefertigte Lösungen und lassen den Lehrerinnen und Lehrern so genügend Raum, um mit ihren Schülerinnen und Schülern gemeinsam praktische Lösungen zur Bewältigung der jeweiligen Konfliktsituation zu erarbeiten. Der Film zielt darauf ab, die Fähigkeit der Kinder und Jugendlichen zu fördern, Konflikte bewusst wahrzunehmen, Sensibilität für die Gewaltthematik zu entwickeln und Auseinadersetzungen ohne Gewalt zu lösen.

Erwin Hetger, Landespolizeipräsident von Baden-Württemberg und Vorsitzender der Projektleitung Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes: “Gewaltprävention muss frühzeitig und nachhaltig in der Grundschule erfolgen, da wir hier nahezu alle Kinder erreichen. Mit diesem breit angelegten, praxisorientierten Medienpaket stellen wir bundesweit allen Grundschulen ein hochprofessionelles didaktisches Hilfsmittel für die tagtägliche gewaltpräventive Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zur Verfügung. Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Form der Erziehung eine lohnende Zukunftsinvestition ist. Zugleich setzen Polizei und Schule mit diesem Medienpaket ein weiteres deutliches Signal gegen jedwede Form von Gewalt.“

Ungeachtet einzelner spektakulärer Gewalttaten an Schulen zeigt der generelle Trend, abzulesen an dem Anstieg der entsprechenden von Kindern und Jugendlichen begangenen Delikte, dass die Gewalt nicht vor den Toren unserer Schulen halt macht. So weist die Polizeiliche Kriminalstatistik allein in den letzten fünf Jahren bei den Körperverletzungsdelikten bundesweit eine Steigerung um 16 269 auf 73 611 oder um 28 Prozent bei den registrierten tatverdächtigen Kindern und Jugendlichen aus. Bei den im öffentlichen Raum begangenen gefährlichen und schweren Körperverletzungen ist mittlerweile mehr als jeder dritte Tatverdächtige unter 18 Jahre alt.

Bei den Sachbeschädigungen auf Straßen, Wegen oder Plätzen stellen Minderjährige mit 57 Prozent sogar über die Hälfte der insgesamt 26 482 Tatverdächtigen. Neben dem quantitativen Anstieg ist auch eine qualitative Zunahme der Gewaltbereitschaft junger Menschen festzustellen. Nicht außer Acht gelassen werden darf, dass zunehmend auch Kinder und Jugendliche selbst Opfer von Gewalttaten werden. So wurden allein im Jahr 2002 über 100 000 Kinder und Jugendliche Opfer von Körperverletzungen und über 12 000 Opfer eines Straßenraubes.

Nicht erst seit dem schrecklichen Verbrechen von Erfurt wird konkreter Handlungsbedarf gesehen. Seit Jahren verstärken Länder, Städte und Gemeinden ihre Initiativen und Maßnahmen zur Gewaltprävention. Wichtig ist es, die Augen nicht zu verschließen oder Gewaltphänomene herunterzuspielen. Weder Verharmlosungen noch Dramatisierungen helfen hier weiter. Durch die bisweilen nachlassende Erziehungskraft der Eltern kommt der Schule eine zunehmende Bedeutung als Sozialisationsinstanz zu. Gerade in den Schulen kann ein entscheidender Beitrag geleistet werden, um Ursachen und Entwicklungen, welche die Gewaltbereitschaft fördern, schon im Ansatz entgegen zu wirken.

Die Erfahrungen in der Präventionsarbeit zeigen, dass es insbesondere die gemeinsam mit möglichst vielen örtlichen Verantwortungsträgern vor Ort vernetzt umgesetzten Maßnahmen sind, die langfristig zum Erfolg führen. Mit der von den Spitzen der Innen- und Kultusministerkonferenz gemeinsam mit dem Programm Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes getragenen Aktion setzen die Verantwortlichen ein klares Zeichen für eine noch engere Zusammenarbeit von Schulen und Polizei und schaffen bundesweit günstige Rahmenbedingungen für eine nachhaltige gewaltpräventive Arbeit vor Ort. Natürlich ist es mit der Ausstattung aller Schulen mit dem Medienpaket allein nicht getan. Jetzt gilt es, die mit dem Medienpaket „Abseits?!“ geschaffene Grundlage umfassend zu nutzen und optimal in den Schulalltag zu integrieren.
Autor: nnz

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