eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
Fr, 06:45 Uhr
26.09.2003

Die Unberechenbaren

Nordhausen (nnz). Gestern wählte die Nordhäuser SPD ihre Kandidaten für die Landtagswahl im nächsten Jahr. Und was erst als normale Veranstaltung begann, entwickelte sich dann doch zu einer Überraschung. Direktkandidaten wollten Manfred Breitrück und Andreas Wieninger werden. Wer aber machte das Rennen?


Oben und unten Wir wollen mit der Überraschung beginnen. Sie war faustdick und hieß Manfred Breitrück. Der 48jährige aus Leimbach erhielt 19 Stimmen, Andreas Wieninger 16 Stimmen der Nordhäuser Basis, eine Enthaltung wurde registriert. Da verschlug es selbst den Journalisten am Pressetisch die Sprache. Noch eine Stunde zuvor hätten sie jede Wette auf Andreas Wieninger abgegeben. Selbst einigen Nordhäuser Urgesteinen der Sozialdemokratie stand das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Und sofort wurde Ursachenforschung betrieben. Als ein möglicher Grund wurde die Enthaltsamkeit der Stadtratsfraktion genannt. So fehlte zum Beispiel die gesamte „Regierungsspitze“ des Rathauses. Barbara Rinke, Klaus Wahlbuhl und Dr. Klaus Gebhardt ließen sich kollektiv entschuldigen.

Doch nun der Reihe nach: Die Kandidaten konnten sich und ihre Vorstellungen von machbarer Landespolitik präsentieren. Andreas Wieninger redete 20 Minuten, kam von der Finkenburg als Tagungsstätte, über die Bundespolitik, die Rolle von CDU/CSU und einer marktwirtschaftlichen Betrachtung zur Rolle der Binnennachfrage dann irgendwann zu den Erfolgen sozialdemokratischer Politik in Nordhausen. Die habe er als stellvertretender Fraktionsvorsitzender maßgeblich mitgestaltet. Und er könne sich genau daran erinnern, dass es einst Teile der CDU-Fraktion gewesen seien, die sich gegen die Landesgartenschau ausgesprochen hätten. Natürlich wurden auch das Industriegebiet in der Goldenen Aue angesprochen, die Eingemeindung von Ellrich, die künftige Bahn-Unterführung in der Freiherr-vom-Stein-Straße oder der Schutz der Gipskarstregion im Südharz.

Manfred Breitrück benötigte acht Minuten für seine Präsentation, begann mit der Vorstellung seiner Biographie, die sich nun mal zum größten Teil in der DDR abgespielt hatte. Kopfnicken in der Zuhörerschaft. Breitrück ist SPD-Mitglied seit 1991 und will, so er denn gewählt wird, schon heute mit dem Wahlkampf beginnen.

Schwerstarbeit Dann die Aussprache. Die Kandidaten wurden befragt – über Bildungskonzepte, wie es mit dem Büro der SPD in Nordhausen weitergehen soll und ob die Schüler schon ab der fünften Klasse aufs Gymnasium gehen sollen. Dann war es 20.15 Uhr, die Basis wurde unruhig, der erste Abstimmer schlief ein, Winfried Theuerkauf dozierte über das Bildungssystem im allgemeinen, während Helmut Bornkessel so viele Fragen stellte, dass die Befragten mit der Reihenfolge etwas durcheinander kamen.

Dann wurde gewählt, das Ergebnis ist bekannt. Für Breitrück gab es Blumen und mehrere Küsschen auf die Backe, für Wieninger doch schon etwas Mitleid. Doch weg von der Bühne ist der Andreas nicht. Er wird von der Nordhäuser Basis gemeinsam mit Holger Grimm für die Landesliste der SPD vorgeschlagen.

Also, liebe Leser der nnz! Manfred Breitrück wird heute mit seinem Wahlkampf beginnen. Seien Sie neugierig und aufmerksam. Vielleicht bemerken Sie es. Ob nun Breitrück oder Wieninger, die Sozis müssen „aus der Knete“ kommen. Immerhin muss sich ihr "Gewählter" vermutlich mit Dr. Klaus Zeh von der CDU auseinandersetzen. Das könnte ein verdammt schwerer Brocken werden. Und vielleicht ist da ein guter Platz auf der Landesliste gar nicht so schlecht?
Autor: nnz

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)