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Do, 13:57 Uhr
15.12.2011

Einstieg zum Ausstieg

Die Erfahrung der letzten Tage und Wochen lehrt, dass beim Thema Rechtsextremismus in den vergangenen Jahren zumeist weggesehen wurde. Angelo Glashagel hat sich mit dem Thema befasst.


Die Erfahrung der letzten Tage und Wochen lehrt, dass beim Thema Rechtsextremismus in den vergangenen Jahren zumeist weggesehen wurde. Und selbst jetzt, wo Gewaltbereitschaft, Hass und Terror von Rechts offen zu Tage treten, kann man zuweilen den Eindruck gewinnen, Rechtsextremisten würden per se im Verborgenen agieren, als handelte es sich nur um einige wenige problematische Individuen, die der Gesellschaft den Krieg erklärt haben.

Und tatsächlich sind Springerstiefel, Glatze und Bomberjacke in den letzten Jahren zunehmend aus dem deutschen Stadtbild verschwunden. Es wäre jedoch ein Trugschluss zu glauben, der Rechtsextremismus sei deswegen auf dem Rückzug. Wer genau hinsieht und die Zeichen, Symbole und Codes der Szene kennt, der kann sehen, dass die extreme Rechte ihre Gesinnung tagtäglich in aller Öffentlichkeit zur Schau stellt.

Der Neonazi von nebenan nimmt am gesellschaftlichen Alltagsleben Teil, geht zur Schule oder hat einen Arbeitsplatz und kann in der Warteschlange auf dem Amt, im Supermarkt oder eben auch bei der Beratungsstelle angetroffen werden.

Der Horizont e.V. engagiert sich seit jeher im Bereich Ableistung gemeinnütziger Arbeit und da Straftaten bis hin zur Gewalt ein fester Bestandteil der rechten Ideologie sind, sehen sich die Mitarbeiter des Vereins auch immer wieder mit rechtsextremen Jugendlichen konfrontiert. Deswegen lud die „Kompetenzagentur Nordhausen“ in der vergangenen Woche die Experten des „Drudel 11 e.V.“ aus Jena nach Nordhausen ein.

In der „Kompetenzagentur Nordhausen“ oder auch bei der „2. Chance“ des Horizont e.V. wird versucht Jugendliche mit multiplen Problemlagen und Vermittlungshemnissen auf dem Weg in das Berufsleben und, in Fällen in denen das notwendig ist, auch zurück in die Gesellschaft zu begleiten. Die Unsicherheit im Umgang mit Rechtsextremen ist weit verbreitet und reicht vom Klassenzimmer bis hinein in die Verwaltungen von Kommunen und Ländern. „Drudel 11“ hat es sich mit dem Aussteigerprogramm „Thüringer Beratungsdienst für Eltern, Kinder und Jugendliche“ zur Aufgabe gemacht, Neo-Nazis zu helfen die aus der Szene raus wollen. Neben der Hilfe und Beratung für Betroffene und Angehörige schult die Jenaer Initiative auch Mitarbeiter anderer Einrichtungen im Umgang mit Rechtsextremen.

Die Mitarbeiter kennen sich in der Szene aus und wissen, welche Klamotten getragen werden, welche Bands im Rechtsextremen Milieu populär sind und mit welchen Zeichen und Zahlencodes sich die Nazis untereinander zu erkennen geben. So berichten die Berater an diesem Tag, dass sich die Szene in den vergangenen zehn Jahren in ihrem Erscheinungsbild massiv gewandelt hat. Der biedere Glatzkopf-Stil der 90er Jahre ist nicht mehr „chic“. Stattdessen werden wild Versatzstücke anderer Jugendkulturen übernommen, um bei den Heranwachsenden Anklang zu finden.

Aber Kleidung ist zunächst einmal nur Identifikationsmöglichkeit. Einen Zugang zur Szene finden viele über die Musik, über ein vermeintliches Gemeinschafts- und Zugehörigkeitsgefühl und vor allem über Aktionismus. Der reicht von harmlosen Flugblattaktionen, über gemeinsame Aufmärsche bis hin zu schweren Gewalttaten.
Eine klare Abgrenzung nach sozialen Schichten können die Mitarbeiter des „Drudel 11“ dabei nicht beobachten. Neo-Nazis kommen sowohl aus der bürgerlichen Mitte wie auch aus dem sozial schwachen Milieu.

Knapp drei Stunden sprachen sie mit den Sozialarbeitern des Horizont e.V. über aktuelle Trends, die Szene vor Ort und den Umgang mit Nazis im Arbeitsalltag. „Die Schulung hat uns sehr geholfen“ meinten die Mitarbeiter der Kompetenzagentur Landkreis Nordhausen. „Wer Rechtsextremismus erkennen will, der muss auf dem Laufenden sein, und dank der Beratung durch Drudel 11 sind wir das nun ganz bestimmt.“
Angelo Glashagel
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
Wolfi65
15.12.2011, 18:27 Uhr
An seinen Federn
An seinen Federn wird man ihn erkennen. Ob Rechts oder Links. Man sollte, wenn man über Andere urteilen will, sich selbst nicht so weit aus dem Fenster lehnen, denn in den eigenen Reihen blühen die tollsten Blüten.

MFG
Retupmoc
16.12.2011, 08:58 Uhr
Wegsehen
Es wird in diesem Land wirklich viel zu viel weggesehen. Und ja, Deutschland ist auf dem rechten Auge blind. Das fing schon damit an, das nach dem Krieg ehemalige NS - Leute hofiert wurden und sogar im Bundestag sitzen durften. In jüngster Zeit gab es sogar Ministerpräsidenten, die mit solchen Aussagen wie "Ich setze kriminelle Ausländer sofort in ein Flugzeug" Wahlkampf betrieben. Das Dumme daran ist nur, das dies hochgestellte Personen öffentlich sagen durften. Wenn das ein Normalbürger getan hätte - o je !

NUR - unabhängig davon, finde ich, das wir auf keinem Auge blind sein sollten. Dem Opfer ist es nämlich, wenn es tot oder schwer verletzt ist, völlig egal, wer es getötet oder verletzt hat. Wir haben nicht nur eine steigende Rechtskriminalität, sondern auch eine steigende Linkskriminalität. Und von den vielen Verletzten oder Getöteten durch Ausländer wollen wir erst mal garnicht reden?

Es gilt die Kriminalität umfassend zu bekämpfen. Wer in diesem Staat einen Menschen verletzt oder ermordet gehört hinter Schloß und Riegel. Und nicht in einem Wohlfühlknast. Darum geht es, nicht um die Schuld von Pontius zu Pilatus zu schieben.
undCO
16.12.2011, 09:41 Uhr
Dresden Februar 2011
Jeder Form von Extremismus muß entgegengewirkt werden. Egal ob rechts, links usw., es kann nicht sein das Schläger die im Februar in Dresden Jagd auf die Polizei gemacht haben, zuhause bei Mutti Weihnachten feiern.
Wolfi65
16.12.2011, 11:05 Uhr
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