Di, 06:48 Uhr
29.11.2011
Kloake Steigerthal (2)
Nachdem Bodo Schwarzberg im ersten Teil der kleinen Serie einen ersten Einblick in die Situation um das im Karst versickernde kommunale Abwasser von Steigerthal gegeben und die Meinung der dortigen Bürgerinitiative kurz geschildert habe, möchte er heute die Grundzüge eines Gutachtens vorstellen, das freundlicherweise von der Bürgerinitiative zur Verfügung gestellt wurde...
Es wurde von Diplom-Geologen (FH) Reinhard Völker aus der Gemeinde Südharz erstellt und trägt den Titel Der Jauchebach von Steigerthal und sein Verbleib im Karstwasser. Der Autor des Beitrages telefonierte hierzu auch mit dem Verfasser des Gutachtens. Völker verweist darin auf Aussagen des Steigerthalers Friedrich Schuster, der angab, dass es schon in den 50er Jahren einen Dreckponor gab, in dem das Abwasser versickerte.
Dieser habe sich jedoch viel näher am Ort als heute befunden. Mit Färbeversuchen und weiteren Messungen stellte Schuster fest, dass es zwischen den Quellen Quelltopf und Krummbachquelle (siehe Foto), rund 850 Meter östlich von Steigerthal (Nähe Goldbörnchen), eine unterirdische Verbindung geben müsse. Die sehr hohen Ammoniak- und Nitratwerte des dort austretenden Wassers verwunderten ihn, da er nicht ahnte, dass sie so weit entfernt von seinem Heimatort dennoch aus diesem stammten. Später wurden von anderen Forschern weitere Zusammenhänge zwischen den einzelnen Quellen festgestellt. Die Bilder dienen zur Veranschaulichung des Problems: Bild 1: Infotafel Dreckponor , Bild 2: Dreckponor mit versickerndem Abwasser und Bild 3 Schild Krummbachquelle.
Völker wies 1979 dann nach, dass der Jauchebach in den heutigen, sich oft verändernden Dreckponor versickert und nach 50 Minuten in der heute nur noch sehr selten schüttenden Schinderkopfquelle, vermischt mit Karstwasser, wieder zutage tritt. Dort wies das Quellwasser noch 74 mg/l Nitrat auf.
Im Sommer, so schreibt Völker, fließt der Karstwasserbach, vermischt mit dem Jauchebach, unterirdisch und tritt erst wieder 850m östlich von Steigerthal in der Krummbachquelle zutage. In der auch gegenwärtig schüttenden, noch vor der Krummbachquelle liegenden Quelle Quelltopf träte der Jauchebach nach Völker nicht aus.
Folgende Zitate aus seinem Gutachten:
Das bedeutet, dass der Jauchebach von Steigerthal bei Trockenheit 850 m unterirdisch durch ein Karstgerinnesystem läuft, in dem weitere unterirdische Wasserzuläufe vorhanden sind. Bei ganz großer Trockenheit fließt der Jauchebach in den Dreckponor 1 ein. Er erscheint dann nicht in der Quelle 2 (Schinderkopfquelle – B.S.) und nicht in der Quelle 3 (Quelltopf-B.S.). Er tritt erst in der Quelle 7 wieder auf (Krummbachquelle-B.S.). Es ist aber auch beobachtet worden, dass der Jauchebach gar nicht mehr austritt und auch die Quelle 7 (Krummbachquelle-B.S.) versiegt.
Das bedeutet, dass der Jauchebach teilweise, manchmal auch völlig unterirdisch verbleibt. Die Konsequenz ist eine Verseuchung des Karstwassers und eine erhebliche Erhöhung des Gipslösevermögens mit erhöhter Möglichkeit der Erdfallbildung. (Fremdionige Wasserinhaltsstoffe erhöhen das Gipslösevermögen erheblich). (Zitat Ende).
Die Quelle Goldbörnchen wird nach Aussage von Völker durch den Jauchebach nicht berührt. Da sich die genannten Quellen und wohl auch deren Wasserzuleitungen am Rande und im Naturschutz- und EU-FFH-Gebiet Alter Stolberg befinden, dürfte dieses beeinträchtigt sein, wenn von außen auch unsichtbar. Ohne diesbezüglichen, eventuellen weiteren Erkenntnissen von Fachleuten vorgreifen zu wollen, dürfte dies aber mit dem EU-Recht kaum vereinbar sein. Die Gefahr der verstärkten Bildung von Erdfällen, die Völker anspricht, dürfte sich aber gewiss nicht an die Grenzen des FFH-Gebietes halten. Von daher sollte die Angelegenheit weiter verfolgt werden.
Interessant ist die Bemerkung von Völker in seinem Gutachten, dass er sich nach seinen Erkundungen bereits 1979 brieflich an die Gemeindeverwaltung Steigerthal, den Rat des Kreises Nordhausen und an die WWD (wahrscheinlich Wasserwirtschaftsdirektion), Oberflussmeisterei Nordhausen, mit der Bitte wandte, diese Situation abzustellen. Passiert ist nie etwas. In den Folgejahren habe er immer wieder ähnliche Briefe geschrieben, stets mit demselben negativen Ergebnis. Alle Briefe bewahrt Reinhard Völker im Archiv des ehemaligen Karstmuseums Heimkehle auf.
In Bezug auf Steigerthal aber auch auf das ähnliche Problem mit den Buchholzer Abwässern schreibt Völker: Es wurde darauf verwiesen, dass dieses Problem in naher Zukunft gelöst wird, allerdings bis heute ohne Erfolg. Auch der Fall Buchholz wird hier in der nnz thematisiert werden.
Zunächst ist jedoch darauf zu verweisen, dass sich die Erfahrungen Reinhard Völkers nach der Wende nahtlos fortsetzten. Als nächster Termin zur Beseitigung des unhaltbaren Zustandes wurde der Bürgerinitiative ungefähr das Jahr 2015 genannt, was immerhin 36 Jahre nach dem ersten diesbezüglichen Brief an die zuständigen Behörden sein würde. Gewiss werden da auch geduldige und wohlmeinende Zeitgenossen verstehen, dass die Bürgerinitiative berechtigte Zweifel am Wahrheitsgehalt der Aussage hat.
Im nächsten Teil dieses Beitrages wird es um die konkreten Wünsche und Aktivitäten der Bürgerinitiative gehen und um die damit verbundenen Äußerungen der zuständigen Behörden nach Aussage der Bürgerinitiative.
Damit sich ein möglichst realistisches Bild der Situation ergibt, bitte ich die zuständigen Stellen der Stadt Nordhausen, mir ihre Position zum Abwasserproblem darzustellen. Interessant wären dabei Aussagen und Standpunkte, die von ihnen nach der Wende vertreten wurden und insbesondere Antworten auf die Frage, warum das Wasser bis heute, also 21 Jahre nach der Wiedervereinigung, noch immer kaum geklärt in die Umwelt gelangt. Welche konkreten Lösungsmöglichkeiten bietet die Stadt den Steigerthalern an? Kommen Kosten auf die Bürger im Falle einer Lösung des Problems zu? Wenn ja, wovon hängt deren Höhe ab?
Vielleicht mag sich die Stadt auch direkt in der nnz äußern. Eigentlich soll dies aber Thema im vierten Teil zur Kloake von Steigerthal sein.
Bodo Schwarzberg
Autor: nnzEs wurde von Diplom-Geologen (FH) Reinhard Völker aus der Gemeinde Südharz erstellt und trägt den Titel Der Jauchebach von Steigerthal und sein Verbleib im Karstwasser. Der Autor des Beitrages telefonierte hierzu auch mit dem Verfasser des Gutachtens. Völker verweist darin auf Aussagen des Steigerthalers Friedrich Schuster, der angab, dass es schon in den 50er Jahren einen Dreckponor gab, in dem das Abwasser versickerte.
Dieser habe sich jedoch viel näher am Ort als heute befunden. Mit Färbeversuchen und weiteren Messungen stellte Schuster fest, dass es zwischen den Quellen Quelltopf und Krummbachquelle (siehe Foto), rund 850 Meter östlich von Steigerthal (Nähe Goldbörnchen), eine unterirdische Verbindung geben müsse. Die sehr hohen Ammoniak- und Nitratwerte des dort austretenden Wassers verwunderten ihn, da er nicht ahnte, dass sie so weit entfernt von seinem Heimatort dennoch aus diesem stammten. Später wurden von anderen Forschern weitere Zusammenhänge zwischen den einzelnen Quellen festgestellt. Die Bilder dienen zur Veranschaulichung des Problems: Bild 1: Infotafel Dreckponor , Bild 2: Dreckponor mit versickerndem Abwasser und Bild 3 Schild Krummbachquelle.
Völker wies 1979 dann nach, dass der Jauchebach in den heutigen, sich oft verändernden Dreckponor versickert und nach 50 Minuten in der heute nur noch sehr selten schüttenden Schinderkopfquelle, vermischt mit Karstwasser, wieder zutage tritt. Dort wies das Quellwasser noch 74 mg/l Nitrat auf.
Im Sommer, so schreibt Völker, fließt der Karstwasserbach, vermischt mit dem Jauchebach, unterirdisch und tritt erst wieder 850m östlich von Steigerthal in der Krummbachquelle zutage. In der auch gegenwärtig schüttenden, noch vor der Krummbachquelle liegenden Quelle Quelltopf träte der Jauchebach nach Völker nicht aus.
Folgende Zitate aus seinem Gutachten:
Das bedeutet, dass der Jauchebach von Steigerthal bei Trockenheit 850 m unterirdisch durch ein Karstgerinnesystem läuft, in dem weitere unterirdische Wasserzuläufe vorhanden sind. Bei ganz großer Trockenheit fließt der Jauchebach in den Dreckponor 1 ein. Er erscheint dann nicht in der Quelle 2 (Schinderkopfquelle – B.S.) und nicht in der Quelle 3 (Quelltopf-B.S.). Er tritt erst in der Quelle 7 wieder auf (Krummbachquelle-B.S.). Es ist aber auch beobachtet worden, dass der Jauchebach gar nicht mehr austritt und auch die Quelle 7 (Krummbachquelle-B.S.) versiegt.
Das bedeutet, dass der Jauchebach teilweise, manchmal auch völlig unterirdisch verbleibt. Die Konsequenz ist eine Verseuchung des Karstwassers und eine erhebliche Erhöhung des Gipslösevermögens mit erhöhter Möglichkeit der Erdfallbildung. (Fremdionige Wasserinhaltsstoffe erhöhen das Gipslösevermögen erheblich). (Zitat Ende).
Die Quelle Goldbörnchen wird nach Aussage von Völker durch den Jauchebach nicht berührt. Da sich die genannten Quellen und wohl auch deren Wasserzuleitungen am Rande und im Naturschutz- und EU-FFH-Gebiet Alter Stolberg befinden, dürfte dieses beeinträchtigt sein, wenn von außen auch unsichtbar. Ohne diesbezüglichen, eventuellen weiteren Erkenntnissen von Fachleuten vorgreifen zu wollen, dürfte dies aber mit dem EU-Recht kaum vereinbar sein. Die Gefahr der verstärkten Bildung von Erdfällen, die Völker anspricht, dürfte sich aber gewiss nicht an die Grenzen des FFH-Gebietes halten. Von daher sollte die Angelegenheit weiter verfolgt werden.
Interessant ist die Bemerkung von Völker in seinem Gutachten, dass er sich nach seinen Erkundungen bereits 1979 brieflich an die Gemeindeverwaltung Steigerthal, den Rat des Kreises Nordhausen und an die WWD (wahrscheinlich Wasserwirtschaftsdirektion), Oberflussmeisterei Nordhausen, mit der Bitte wandte, diese Situation abzustellen. Passiert ist nie etwas. In den Folgejahren habe er immer wieder ähnliche Briefe geschrieben, stets mit demselben negativen Ergebnis. Alle Briefe bewahrt Reinhard Völker im Archiv des ehemaligen Karstmuseums Heimkehle auf.
In Bezug auf Steigerthal aber auch auf das ähnliche Problem mit den Buchholzer Abwässern schreibt Völker: Es wurde darauf verwiesen, dass dieses Problem in naher Zukunft gelöst wird, allerdings bis heute ohne Erfolg. Auch der Fall Buchholz wird hier in der nnz thematisiert werden.
Zunächst ist jedoch darauf zu verweisen, dass sich die Erfahrungen Reinhard Völkers nach der Wende nahtlos fortsetzten. Als nächster Termin zur Beseitigung des unhaltbaren Zustandes wurde der Bürgerinitiative ungefähr das Jahr 2015 genannt, was immerhin 36 Jahre nach dem ersten diesbezüglichen Brief an die zuständigen Behörden sein würde. Gewiss werden da auch geduldige und wohlmeinende Zeitgenossen verstehen, dass die Bürgerinitiative berechtigte Zweifel am Wahrheitsgehalt der Aussage hat.
Im nächsten Teil dieses Beitrages wird es um die konkreten Wünsche und Aktivitäten der Bürgerinitiative gehen und um die damit verbundenen Äußerungen der zuständigen Behörden nach Aussage der Bürgerinitiative.
Damit sich ein möglichst realistisches Bild der Situation ergibt, bitte ich die zuständigen Stellen der Stadt Nordhausen, mir ihre Position zum Abwasserproblem darzustellen. Interessant wären dabei Aussagen und Standpunkte, die von ihnen nach der Wende vertreten wurden und insbesondere Antworten auf die Frage, warum das Wasser bis heute, also 21 Jahre nach der Wiedervereinigung, noch immer kaum geklärt in die Umwelt gelangt. Welche konkreten Lösungsmöglichkeiten bietet die Stadt den Steigerthalern an? Kommen Kosten auf die Bürger im Falle einer Lösung des Problems zu? Wenn ja, wovon hängt deren Höhe ab?
Vielleicht mag sich die Stadt auch direkt in der nnz äußern. Eigentlich soll dies aber Thema im vierten Teil zur Kloake von Steigerthal sein.
Bodo Schwarzberg




