Fr, 06:53 Uhr
29.08.2003
Crash course in brain surgery
Nordhausen (nnz). Kaum zu glauben, daß es möglich ist, während einer Stunde der Idiotie”, so tief in die ewig gleiche menschliche Seele zu blicken. Serdar Somuncu machte den Wahnsinn des Lebens sichtbar in seiner Darstellung von Ex-Propagandareichsminister Goebbels Rede.
Serdar Somuncu live erleben, das ist wie ein Videoclip zum Mitspielen, wie Zappen ohne Glotze und Fernbedienung. Von Goebbels Rede zur Weltpolitik, von Karneval zu Jungnazis, für den türkischen Schauspieler liegt zwischen allem nur ein Blick, ein kurzer Satz. Jeder bekommt sein Fett weg und wird enttarnt als ein kleiner, gewöhnlicher Feigling, der nur nach Macht und Genialität sucht. Und wer das eben nicht selber hat, der sucht es bei Mythen wie dem Führer”. Was man nicht kennt, das macht geil.” meint der Akteur der rasenden Ein-Mann Show. Auch aus Mein Kampf” hat er schon vorgelesen, inzwischen rund 1500 Mal, und sein Publikum begeistert.
Es sollte eine Reise werden, nicht nur in den Kopf eines Irren, sondern vor allem in den eigenen Kopf, in die eigene Paranoia. Das Banale wurde zum Außergewöhnlichen, das Außergewöhnlich banal. Alles stellte Serdar Somuncu auf den Kopf und verdeutlichte damit den Irrsinn, dem sich kaum jemand entziehen kann, damals wie heute nicht.
Längst nicht so offensichtlich wie in Hitlers im Knast verfaßten Pamphlet, ist der Wahnsinn in der eindrucksvoll formulierten Sportpalastrede des Ministers für Propaganda und Aufklärung zu erkennen. Diese sollte das Volk für einen Krieg bis zum letzten motivieren und das Elend von Stalingrad als Heldenopfer” darstellen. Somuncu macht jedoch in der Übertreibung wie mit dem Seziermesser offensichtlich, daß alles nur blanke Worthülsen sind, die man besser hinterfragen soll.
Den Höhepunkt allerdings überläßt er dem Originalurheber des totalen Irrsinns. Unter frenetischem Jubel des Volkes fragt Goebbels : Wollt ihr den totalen Krieg?” Als Somuncu den CD-Spieler abstellt - statt Jubel, betretenes Schweigen.
Was man in der Vergangenheit nicht gelernt hat, das kann man in der Gegenwart auch nicht anwenden.” sagt er. Hier auf der Burgruine Hohnstein hat garantiert jeder seine Lektion mitgenommen. Zum Applaus am Schluß meinte der Schauspieler, Stefan Raab würde sich danach sehnen, aber er, Somuncu, hat ihn sich redlich verdient. Wer sich dieses irrwitzige Stück Theater ansehen möchte, der hat heute um 21.00 Uhr noch einmal die Gelegenheit auf der Burgruine.
Autor: nnz
Serdar Somuncu live erleben, das ist wie ein Videoclip zum Mitspielen, wie Zappen ohne Glotze und Fernbedienung. Von Goebbels Rede zur Weltpolitik, von Karneval zu Jungnazis, für den türkischen Schauspieler liegt zwischen allem nur ein Blick, ein kurzer Satz. Jeder bekommt sein Fett weg und wird enttarnt als ein kleiner, gewöhnlicher Feigling, der nur nach Macht und Genialität sucht. Und wer das eben nicht selber hat, der sucht es bei Mythen wie dem Führer”. Was man nicht kennt, das macht geil.” meint der Akteur der rasenden Ein-Mann Show. Auch aus Mein Kampf” hat er schon vorgelesen, inzwischen rund 1500 Mal, und sein Publikum begeistert.Es sollte eine Reise werden, nicht nur in den Kopf eines Irren, sondern vor allem in den eigenen Kopf, in die eigene Paranoia. Das Banale wurde zum Außergewöhnlichen, das Außergewöhnlich banal. Alles stellte Serdar Somuncu auf den Kopf und verdeutlichte damit den Irrsinn, dem sich kaum jemand entziehen kann, damals wie heute nicht.
Längst nicht so offensichtlich wie in Hitlers im Knast verfaßten Pamphlet, ist der Wahnsinn in der eindrucksvoll formulierten Sportpalastrede des Ministers für Propaganda und Aufklärung zu erkennen. Diese sollte das Volk für einen Krieg bis zum letzten motivieren und das Elend von Stalingrad als Heldenopfer” darstellen. Somuncu macht jedoch in der Übertreibung wie mit dem Seziermesser offensichtlich, daß alles nur blanke Worthülsen sind, die man besser hinterfragen soll.
Den Höhepunkt allerdings überläßt er dem Originalurheber des totalen Irrsinns. Unter frenetischem Jubel des Volkes fragt Goebbels : Wollt ihr den totalen Krieg?” Als Somuncu den CD-Spieler abstellt - statt Jubel, betretenes Schweigen. Was man in der Vergangenheit nicht gelernt hat, das kann man in der Gegenwart auch nicht anwenden.” sagt er. Hier auf der Burgruine Hohnstein hat garantiert jeder seine Lektion mitgenommen. Zum Applaus am Schluß meinte der Schauspieler, Stefan Raab würde sich danach sehnen, aber er, Somuncu, hat ihn sich redlich verdient. Wer sich dieses irrwitzige Stück Theater ansehen möchte, der hat heute um 21.00 Uhr noch einmal die Gelegenheit auf der Burgruine.

