So, 09:02 Uhr
04.09.2011
Menschenbilder (15)
Aus dem im Spätherbst des Jahres 2011 erscheinenden reich bebilderten Buch "Menschenbilder aus der Harz- und Kyffhäuserregion" von Bodo Schwarzberg veröffentlicht die nnz in loser Folge eine Auswahl an Texten über Mitbürger, die er seit April 2010 zu ihrem Leben, ihrer Tätigkeit und deren gesellschaftlichen und persönlichen Hintergründen gesprochen hat.
Elf Jahre Minister der Thüringer Landesregierung
Reiht euch ein! – Diese drei Worte, aus Tausenden Kehlen am 16. Oktober 1989 in Leipzig gerufen, sollten für Klaus Zeh eine ganz besondere, ja zukunftsweisende Bedeutung erhalten. Der Satz und damit die Montagsdemonstration, auf dem ich ihn das erste Mal hörte, waren für mich Schlüsselerlebnisse, sagt der am 16. November 1952 in der Messestadt geborene Politiker.
Sie sollten eine Entwicklung begründen, die ihn zu einer der führenden Persönlichkeiten der friedlichen Revolution, der anschließenden Demokratisierung des öffentlichen Lebens und der Gestaltung des Freistaates Thüringen in den unterschiedlichsten Funktionen werden ließ. Klaus Zeh ist darüber hinaus ein engagierter Nordhäuser, der für die Zukunft und für das Ansehen der Rolandstadt wichtige Entscheidungen initiierte und voranbrachte, u.a. für die Landesgartenschau im Jahre 2004 und für die Fachhochschule. Seit 1999 ist er ununterbrochen Mitglied des Stadtrates. Er wuchs als Sohn einer Blumenbinderin und eines Maschinenbaumeisters in Leipzig auf.
Bedingt durch seinen gelebten katholischen Glauben, entwickelte er schon frühzeitig ein gesundes Misstrauen zum Atheismus und zur in der DDR vertretenen marxistisch-leninistischen Ideologie. Dass der Staat entschied, was ich darf und was ich nicht darf, ging mir und meiner Familie gegen den Strich. Für uns stand andererseits fest, dass nur Derjenige etwas zum Besseren wenden kann, der sich wehrt, erklärt er. Dennoch trat auch Klaus Zeh der FDJ bei, weil ohne diesen Schritt das Abitur und ein Hochschulstudium so gut wie ausgeschlossen gewesen wären. Andererseits lehnte er die Jugendweihe, und die ihm angetragene dreijährige Armeezeit konsequent ab: Man muss auch ohne Begründung ‚nein‘ sagen dürfen, ließ er die damals Verantwortlichen wissen. Mit seinem Glauben konnte er maximal einen waffenfreien Dienst als Bausoldat vereinbaren.
Als 1968 die Leipziger Universitätskirche gesprengt wurde und die NVA den Prager Frühling niederschlagen sollte, begannen die engagierten Messestädter unter freiem Himmel mit einem vorsichtigen Protest gegen die Staatsorgane und damit unter dem permanent drohenden Damoklesschwert, sich die berufliche Zukunft zu verbauen.
Nach dem Abitur im Jahre 1971 studierte Klaus Zeh, seinen Vorstellungen entsprechend, an der TU Dresden Informationstechnik und arbeitete anschließend drei Jahre lang als Dozent bei VEB ROBOTRON Leipzig.
Schon als Student engagierte er sich in der katholischen Studentengemeinde und später stets in der katholischen Gemeinde, weil ihm im DDR-Alltag die geistigen Themen fehlten, wie er sagt. Dies war auch der Grund für seine Entscheidung, nach einem Zusatzstudium auf dem Gebiet der Ingenieurpädagogik einen Theologie-Fernkurs zu absolvieren. Die damit verbundene Erweiterung meines inneren Horizontes und die mögliche Vertiefung meines Glaubens, gaben mir unter den herrschenden Verhältnissen viel Kraft, betont er.
Als Problemanalytiker im VEB Mikroelektronik Erfurt zwischen 1982 und 1990 begann er mit den Forschungsarbeiten für seine Promotion, durfte diese jedoch zunächst nicht beenden, weil er sich gegen den Wehrdienst mit der Waffe, sondern für einen Dienst bei den Bausoldaten aussprach. Zunächst ließ man mich die für meine wissenschaftliche Arbeit erforderliche Technik nicht mehr nutzen. Als ich die Arbeit unter großen Schwierigkeiten doch abgeschlossen hatte, wurden mir mehrere, für die Verteidigung wichtige Unterschriften verweigert, denkt er zurück. Letztlich hatte er den doch noch erfolgreichen Ausgang seines Promotionsverfahrens 1990 wohl nur der allmählichen Lösung der verkrusteten Verhältnisse durch die Wendeereignisse zu verdanken.
Während dieser Zeit und besonders unter dem Eindruck der gefälschten Kommunalwahlen vom Mai 1989, begann sich Klaus Zeh auch außerhalb der Kirche zu engagieren. Damit verbunden waren, infolge von Einschüchterungen, auch zeitweilige Ängste um seine Familie. Klaus Zeh wurde schließlich Mitglied des im September 1989 gegründeten Demokratischen Aufbruchs und trat als dessen Stellvertretender Vorsitzender an der Seite von Reiner Eppelmann und als Vorsitzender des Landesverbandes Thüringen zunehmend auch in der Öffentlichkeit auf. Er wurde vom neu gegründeten Landesverband der CDU für den Thüringer Landtag nominiert und nach den ersten freien Wahlen Minister für Finanzen.
Es gibt kaum einen anderen Ministerposten, in dem man über so viel Spezialwissen zu allen anderen Ressorts verfügen muss, wie in dieser Position, bekräftigt er. Und: Die Einarbeitung in die mir vollkommen unbekannte Materie kam einer Ochsentour gleich! Wenngleich ihm und der ersten Thüringer Landesregierung nach der SED-Diktatur die üblichen 100 Schontage eingeräumt wurden, so musste doch auch Klaus Zeh vom ersten Tag an unter den ständig wachen Augen der Medien, Farbe bekennen: Zu seinen wichtigsten Entscheidungsfeldern als Thüringer Finanzminister zählt er die Planung des Solidarpaktes für die neuen Bundesländer an der Seite des damaligen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel, und die Neuzuordnung des Eigentums mit dem Vorrang der Rückgabe an die früheren Besitzer, bzw. dessen Zuordnung zum Land oder zu Privatpersonen als künftige Eigentümer.
Zu den schwierigsten ersten Aufgaben des neuen Finanzministers gehörte aber wohl die Aufstellung des ersten Landeshaushaltes. Als Finanzminister hat man dabei schnell ‚sehr viele Freunde‘. Daher gehört es zu den unabdingbaren Eigenschaften eines Finanzministers, nicht nur rechnen, sondern auch nein sagen zu können und zu müssen, und zudem Prioritäten genau einzuschätzen und abzuwägen, beschreibt er seine damalige Situation.
Zu den schwierigsten Entscheidungsprozessen seiner Amtszeit zählt Klaus Zeh die Privatisierung von Jenoptik. Als Mitglied des Verwaltungsrates der Treuhand gelang es ihm, 400 Millionen DM zu der Gesamtsumme von 3,4 Milliarden DM aus Landesmitteln bereitzustellen.
Übrigens, so der gebürtige Leipziger, sei es am Schwierigsten, Mehrheiten in den eigenen Reihen zu gewinnen. Da muss man sehr gute Argumente entwickeln können und Stehvermögen haben, wenn es um die Gewinnung einer Mehrheit in der eigenen Fraktion für einen Gesetzentwurf geht, erklärt er.
Zwischen 2003 und 2008 bekleidete Klaus Zeh das Amt des Ministers für Soziales, Familie und Gesundheit. Im Gegensatz zu seinem vorherigen Ministerposten war mit dieser Position der unmittelbare Kontakt zu den sozialen Anforderungen an der Basis der Gesellschaft verbunden. Nun gehörte ein breites Spektrum von Themen zu seinem Alltag: Jugend, Familie, Sozialleistungen, Behinderte, Pflege, Krankenkassen, Arbeitsschutz, Lebensmittelsicherheit und Hartz IV, um nur einige wenige zu nennen. Anfangs habe ich 16 Stunden am Tag nur damit verbracht, mich in die neuen Thematiken einzuarbeiten. Dazu lieferten mir alle Abteilungen meines Ministeriums regelmäßig Berichte und Fachlektüre, erklärt er.
Seine Zeit als Finanzminister sieht Klaus Zeh als Schulungszeit, jene als Minister für Soziales, als seine schönste Zeit im Kabinett, und die als Chef der Thüringer Staatskanzlei und des Thüringer Ministers für Bundes- und Europaangelegenheiten als seine spannendste Zeit. Spannend vielleicht deswegen, weil von ihm in letzterer Position entscheidend das Bild des Ministerpräsidenten in der Öffentlichkeit abhängt. Denn als Chef der Staatskanzlei ist er gewissermaßen dessen rechte Hand.
Von ihm holte sich Dieter Althaus all jene Informationen, die er gegenüber der Öffentlichkeit vertreten musste. Klaus Zeh musste daher mit der Situation im Land und in allen Ministerien genauestens vertraut sein. In dieser Funktion muss ich das Gras wachsen hören!, betont er. Als Vorgesetzter von 260 Mitarbeitern war der CDU-Politiker dabei aber auch für die Berliner Vertretung Thüringens, für dessen Abstimmungsverhalten im Bundesrat und für die Vorbereitung einer jeden Kabinettssitzung der Landesregierung verantwortlich.
Auf europäischer Ebene machte sich Klaus Zeh während dieser Zeit mit Erfolg u.a. für die Beibehaltung einer hohen Fördermittelquote für die neuen Bundesländer stark, aber auch für die entsprechende Beibehaltung von Zuschüssen für die deutsche Landwirtschaft und deren auf bestimmte Regionen abgestimmten Größenordnungen. Wir fünf ostdeutsche Europaminister haben in Brüssel an einem Strang gezogen!, betont er.
Obwohl Klaus Zeh in seinen mehr als 20 Jahren als Abgeordneter (und davon fast elf Jahren als Minister) stets die Interessen des gesamten Freistaates im Auge haben musste, so konnte er doch auch für seine Heimatstadt Nordhausen vieles erreichen: So ist es ihm wesentlich zu verdanken, dass sich in der Rolandstadt heute die einzige Unterabteilung der zentralen Gehaltsstelle Thüringens befindet. Viel nachhaltiger aber dürfte sein Einsatz für die Entwicklung der Nordthüringer Metropole zur Hochschulstadt zu beurteilen sein. Ich war Ende der 90-er Jahre hochschulpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion und habe hierfür alles mobilisiert, was in meinen Möglichkeiten stand, die Wirtschaft ebenso, wie benachbarte Bundesländer. Schließlich bekannte sich die Industrie zu einer FH in Nordhausen und auch die Landeskommission stimmte zu, sagt er.
Auf seine Initiative hin entstand damals auch ein Video, in dem die Vorzüge Nordhausens als möglichen FH-Standort herausgestellt wurden. Als eine der wichtigen Besonderheiten der Fachhochschule nennt der frühere Minister die nur hier angebotenen Fächer Public Management sowie Energie- und Stoffstrommanagement. Auch an der Tatsache, dass Thüringen jenes Bundesland mit der höchsten finanziellen Förderung pro Theater ist, hat Klaus Zeh als Bewohner einer der wenigen Thüringer Städte mit einem solchen kulturellen Zentrum einen großen Anteil.
Ferner wirkte er mit Erfolg an der Entscheidung mit, Nordhausen einen militärischen Hubschrauberlandeplatz zu ersparen.
Wie sehr Klaus Zeh das Wohl seiner Heimatstadt am Herzen liegt, beweist er auch mit seiner Mitgliedschaft im Stadtrat (seit 1999) und mit der Übernahme von dessen Vorsitz im Jahre 2010. Neben zahlreichen anderen Funktionen engagiert sich der Rolandstädter heute als Mitglied des Vorstandes der Thüringer CDU (seit 1992), als stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU Thüringen (seit 2009), als Kreisvorsitzender der CDU Nordhausen (seit 1993), als Mitglied der Versammlung der Thüringer Landesmedienanstalt und als Vorsitzender des Kuratoriums der Thüringer Landeszentrale für politische Bildung.
Er ist mit der Nordhäuser Vermessungsingenieurin Gisela Zeh verheiratet und hat mit ihr die Kinder Johannes (geb. 1980) und Hannelore (geb. 1985). Zu seinen Interessen zählt der CDU-Politiker insbesondere die Musik vom Jazz bis Klassik.
Das Buch wird von Helmut Peter von der Autohaus Peter GmbH und vom Maler und Grafiker Klaus-Dieter Kerwitz (mit Grafiken) großzügig unterstützt. Kommentare sind nicht erwünscht
Autor: nnzDr. Ing. Klaus Zeh
LandtagsabgeordneterElf Jahre Minister der Thüringer Landesregierung
Reiht euch ein! – Diese drei Worte, aus Tausenden Kehlen am 16. Oktober 1989 in Leipzig gerufen, sollten für Klaus Zeh eine ganz besondere, ja zukunftsweisende Bedeutung erhalten. Der Satz und damit die Montagsdemonstration, auf dem ich ihn das erste Mal hörte, waren für mich Schlüsselerlebnisse, sagt der am 16. November 1952 in der Messestadt geborene Politiker.
Sie sollten eine Entwicklung begründen, die ihn zu einer der führenden Persönlichkeiten der friedlichen Revolution, der anschließenden Demokratisierung des öffentlichen Lebens und der Gestaltung des Freistaates Thüringen in den unterschiedlichsten Funktionen werden ließ. Klaus Zeh ist darüber hinaus ein engagierter Nordhäuser, der für die Zukunft und für das Ansehen der Rolandstadt wichtige Entscheidungen initiierte und voranbrachte, u.a. für die Landesgartenschau im Jahre 2004 und für die Fachhochschule. Seit 1999 ist er ununterbrochen Mitglied des Stadtrates. Er wuchs als Sohn einer Blumenbinderin und eines Maschinenbaumeisters in Leipzig auf.
Bedingt durch seinen gelebten katholischen Glauben, entwickelte er schon frühzeitig ein gesundes Misstrauen zum Atheismus und zur in der DDR vertretenen marxistisch-leninistischen Ideologie. Dass der Staat entschied, was ich darf und was ich nicht darf, ging mir und meiner Familie gegen den Strich. Für uns stand andererseits fest, dass nur Derjenige etwas zum Besseren wenden kann, der sich wehrt, erklärt er. Dennoch trat auch Klaus Zeh der FDJ bei, weil ohne diesen Schritt das Abitur und ein Hochschulstudium so gut wie ausgeschlossen gewesen wären. Andererseits lehnte er die Jugendweihe, und die ihm angetragene dreijährige Armeezeit konsequent ab: Man muss auch ohne Begründung ‚nein‘ sagen dürfen, ließ er die damals Verantwortlichen wissen. Mit seinem Glauben konnte er maximal einen waffenfreien Dienst als Bausoldat vereinbaren.
Als 1968 die Leipziger Universitätskirche gesprengt wurde und die NVA den Prager Frühling niederschlagen sollte, begannen die engagierten Messestädter unter freiem Himmel mit einem vorsichtigen Protest gegen die Staatsorgane und damit unter dem permanent drohenden Damoklesschwert, sich die berufliche Zukunft zu verbauen.
Nach dem Abitur im Jahre 1971 studierte Klaus Zeh, seinen Vorstellungen entsprechend, an der TU Dresden Informationstechnik und arbeitete anschließend drei Jahre lang als Dozent bei VEB ROBOTRON Leipzig.
Schon als Student engagierte er sich in der katholischen Studentengemeinde und später stets in der katholischen Gemeinde, weil ihm im DDR-Alltag die geistigen Themen fehlten, wie er sagt. Dies war auch der Grund für seine Entscheidung, nach einem Zusatzstudium auf dem Gebiet der Ingenieurpädagogik einen Theologie-Fernkurs zu absolvieren. Die damit verbundene Erweiterung meines inneren Horizontes und die mögliche Vertiefung meines Glaubens, gaben mir unter den herrschenden Verhältnissen viel Kraft, betont er.
Als Problemanalytiker im VEB Mikroelektronik Erfurt zwischen 1982 und 1990 begann er mit den Forschungsarbeiten für seine Promotion, durfte diese jedoch zunächst nicht beenden, weil er sich gegen den Wehrdienst mit der Waffe, sondern für einen Dienst bei den Bausoldaten aussprach. Zunächst ließ man mich die für meine wissenschaftliche Arbeit erforderliche Technik nicht mehr nutzen. Als ich die Arbeit unter großen Schwierigkeiten doch abgeschlossen hatte, wurden mir mehrere, für die Verteidigung wichtige Unterschriften verweigert, denkt er zurück. Letztlich hatte er den doch noch erfolgreichen Ausgang seines Promotionsverfahrens 1990 wohl nur der allmählichen Lösung der verkrusteten Verhältnisse durch die Wendeereignisse zu verdanken.
Während dieser Zeit und besonders unter dem Eindruck der gefälschten Kommunalwahlen vom Mai 1989, begann sich Klaus Zeh auch außerhalb der Kirche zu engagieren. Damit verbunden waren, infolge von Einschüchterungen, auch zeitweilige Ängste um seine Familie. Klaus Zeh wurde schließlich Mitglied des im September 1989 gegründeten Demokratischen Aufbruchs und trat als dessen Stellvertretender Vorsitzender an der Seite von Reiner Eppelmann und als Vorsitzender des Landesverbandes Thüringen zunehmend auch in der Öffentlichkeit auf. Er wurde vom neu gegründeten Landesverband der CDU für den Thüringer Landtag nominiert und nach den ersten freien Wahlen Minister für Finanzen.
Es gibt kaum einen anderen Ministerposten, in dem man über so viel Spezialwissen zu allen anderen Ressorts verfügen muss, wie in dieser Position, bekräftigt er. Und: Die Einarbeitung in die mir vollkommen unbekannte Materie kam einer Ochsentour gleich! Wenngleich ihm und der ersten Thüringer Landesregierung nach der SED-Diktatur die üblichen 100 Schontage eingeräumt wurden, so musste doch auch Klaus Zeh vom ersten Tag an unter den ständig wachen Augen der Medien, Farbe bekennen: Zu seinen wichtigsten Entscheidungsfeldern als Thüringer Finanzminister zählt er die Planung des Solidarpaktes für die neuen Bundesländer an der Seite des damaligen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel, und die Neuzuordnung des Eigentums mit dem Vorrang der Rückgabe an die früheren Besitzer, bzw. dessen Zuordnung zum Land oder zu Privatpersonen als künftige Eigentümer.
Zu den schwierigsten ersten Aufgaben des neuen Finanzministers gehörte aber wohl die Aufstellung des ersten Landeshaushaltes. Als Finanzminister hat man dabei schnell ‚sehr viele Freunde‘. Daher gehört es zu den unabdingbaren Eigenschaften eines Finanzministers, nicht nur rechnen, sondern auch nein sagen zu können und zu müssen, und zudem Prioritäten genau einzuschätzen und abzuwägen, beschreibt er seine damalige Situation.
Zu den schwierigsten Entscheidungsprozessen seiner Amtszeit zählt Klaus Zeh die Privatisierung von Jenoptik. Als Mitglied des Verwaltungsrates der Treuhand gelang es ihm, 400 Millionen DM zu der Gesamtsumme von 3,4 Milliarden DM aus Landesmitteln bereitzustellen.
Übrigens, so der gebürtige Leipziger, sei es am Schwierigsten, Mehrheiten in den eigenen Reihen zu gewinnen. Da muss man sehr gute Argumente entwickeln können und Stehvermögen haben, wenn es um die Gewinnung einer Mehrheit in der eigenen Fraktion für einen Gesetzentwurf geht, erklärt er.
Zwischen 2003 und 2008 bekleidete Klaus Zeh das Amt des Ministers für Soziales, Familie und Gesundheit. Im Gegensatz zu seinem vorherigen Ministerposten war mit dieser Position der unmittelbare Kontakt zu den sozialen Anforderungen an der Basis der Gesellschaft verbunden. Nun gehörte ein breites Spektrum von Themen zu seinem Alltag: Jugend, Familie, Sozialleistungen, Behinderte, Pflege, Krankenkassen, Arbeitsschutz, Lebensmittelsicherheit und Hartz IV, um nur einige wenige zu nennen. Anfangs habe ich 16 Stunden am Tag nur damit verbracht, mich in die neuen Thematiken einzuarbeiten. Dazu lieferten mir alle Abteilungen meines Ministeriums regelmäßig Berichte und Fachlektüre, erklärt er.
Seine Zeit als Finanzminister sieht Klaus Zeh als Schulungszeit, jene als Minister für Soziales, als seine schönste Zeit im Kabinett, und die als Chef der Thüringer Staatskanzlei und des Thüringer Ministers für Bundes- und Europaangelegenheiten als seine spannendste Zeit. Spannend vielleicht deswegen, weil von ihm in letzterer Position entscheidend das Bild des Ministerpräsidenten in der Öffentlichkeit abhängt. Denn als Chef der Staatskanzlei ist er gewissermaßen dessen rechte Hand.
Von ihm holte sich Dieter Althaus all jene Informationen, die er gegenüber der Öffentlichkeit vertreten musste. Klaus Zeh musste daher mit der Situation im Land und in allen Ministerien genauestens vertraut sein. In dieser Funktion muss ich das Gras wachsen hören!, betont er. Als Vorgesetzter von 260 Mitarbeitern war der CDU-Politiker dabei aber auch für die Berliner Vertretung Thüringens, für dessen Abstimmungsverhalten im Bundesrat und für die Vorbereitung einer jeden Kabinettssitzung der Landesregierung verantwortlich.
Auf europäischer Ebene machte sich Klaus Zeh während dieser Zeit mit Erfolg u.a. für die Beibehaltung einer hohen Fördermittelquote für die neuen Bundesländer stark, aber auch für die entsprechende Beibehaltung von Zuschüssen für die deutsche Landwirtschaft und deren auf bestimmte Regionen abgestimmten Größenordnungen. Wir fünf ostdeutsche Europaminister haben in Brüssel an einem Strang gezogen!, betont er.
Obwohl Klaus Zeh in seinen mehr als 20 Jahren als Abgeordneter (und davon fast elf Jahren als Minister) stets die Interessen des gesamten Freistaates im Auge haben musste, so konnte er doch auch für seine Heimatstadt Nordhausen vieles erreichen: So ist es ihm wesentlich zu verdanken, dass sich in der Rolandstadt heute die einzige Unterabteilung der zentralen Gehaltsstelle Thüringens befindet. Viel nachhaltiger aber dürfte sein Einsatz für die Entwicklung der Nordthüringer Metropole zur Hochschulstadt zu beurteilen sein. Ich war Ende der 90-er Jahre hochschulpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion und habe hierfür alles mobilisiert, was in meinen Möglichkeiten stand, die Wirtschaft ebenso, wie benachbarte Bundesländer. Schließlich bekannte sich die Industrie zu einer FH in Nordhausen und auch die Landeskommission stimmte zu, sagt er.
Auf seine Initiative hin entstand damals auch ein Video, in dem die Vorzüge Nordhausens als möglichen FH-Standort herausgestellt wurden. Als eine der wichtigen Besonderheiten der Fachhochschule nennt der frühere Minister die nur hier angebotenen Fächer Public Management sowie Energie- und Stoffstrommanagement. Auch an der Tatsache, dass Thüringen jenes Bundesland mit der höchsten finanziellen Förderung pro Theater ist, hat Klaus Zeh als Bewohner einer der wenigen Thüringer Städte mit einem solchen kulturellen Zentrum einen großen Anteil.
Ferner wirkte er mit Erfolg an der Entscheidung mit, Nordhausen einen militärischen Hubschrauberlandeplatz zu ersparen.
Wie sehr Klaus Zeh das Wohl seiner Heimatstadt am Herzen liegt, beweist er auch mit seiner Mitgliedschaft im Stadtrat (seit 1999) und mit der Übernahme von dessen Vorsitz im Jahre 2010. Neben zahlreichen anderen Funktionen engagiert sich der Rolandstädter heute als Mitglied des Vorstandes der Thüringer CDU (seit 1992), als stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU Thüringen (seit 2009), als Kreisvorsitzender der CDU Nordhausen (seit 1993), als Mitglied der Versammlung der Thüringer Landesmedienanstalt und als Vorsitzender des Kuratoriums der Thüringer Landeszentrale für politische Bildung.
Er ist mit der Nordhäuser Vermessungsingenieurin Gisela Zeh verheiratet und hat mit ihr die Kinder Johannes (geb. 1980) und Hannelore (geb. 1985). Zu seinen Interessen zählt der CDU-Politiker insbesondere die Musik vom Jazz bis Klassik.
Das Buch wird von Helmut Peter von der Autohaus Peter GmbH und vom Maler und Grafiker Klaus-Dieter Kerwitz (mit Grafiken) großzügig unterstützt. Kommentare sind nicht erwünscht

