nnz-tv Eichsfelder Nachrichten Kyffhäuser Nachrichten Mansfeld-Südharz-Zeitung Unstrut-Hainich Zeitung
Do, 12:34 Uhr
13.02.2014

Pflege bedeutet Armut

Immer mehr Menschen in Hessen und Thüringen sind im Fall der Pflege auf Sozialhilfe angewiesen. Im Jahr 2012 nahmen 32.150 Menschen in Hessen und 8.011 Menschen in Thüringen Hilfe zur Pflege in Anspruch. Im Vergleich zu 2011 bedeutet das einen Anstieg...


... um knapp 3,5 Prozent in Hessen und nahezu 9 Prozent in Thüringen. Die Kosten stiegen im selben Zeitraum um fast 4 Prozent in Hessen und mehr als 7 Prozent in Thüringen auf 267,5 bzw. 34,2 Millionen Euro.

„Die Zahlen sind alarmierend“, sagt der Vorsitzende des Sozialverbands VdK Hessen-Thüringen, Karl-Winfried Seif. „Der starke Anstieg vor allem in Thüringen ist ein eindeutiger Indikator dafür, dass im Bereich der Pflege große Probleme auf uns zukommen werden.“ Noch deutlicher werde das, wenn man die Entwicklung über einen längeren Zeitraum betrachte. So sei die Zahl derjenigen, die Hilfe zur Pflege erhalten hätten, zwischen 2007 und 2012 in Hessen um mehr als 25 Prozent, in Thüringen um fast 35 Prozent gestiegen.

„Wenn immer mehr Menschen zum Sozialamt müssen, wenn alters- oder krankheitsbedingt der Pflegefall eintritt, läuft etwas falsch“, betont Seif. „Der VdK fordert deshalb, die Leistungen der Pflegeversicherung den steigenden Kosten anzupassen.“ Das Pflegerisiko stärker über private Zusatzversicherungen abzusichern sei der falsche Weg, weil viele Menschen aufgrund ihres niedrigen Einkommens dazu gar nicht in der Lage seien. „Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und darf nicht der privaten Risikovorsorge des Einzelnen oder der Familie zugeschlagen werden.“

Da rund ein Drittel der Menschen, die Hilfe zur Pflege erhalten, nicht in Heimen lebt, gebe es neben der Stärkung der staatlichen Pflegeversicherung noch andere Möglichkeiten, um den Pflegebedürftigen zu helfen, erklärt Seif. „Wir brauchen viel mehr barrierefreie Wohnungen und mehr Hilfsangebote vor Ort. Da sind die Landesregierungen von Hessen und Thüringen in der Pflicht, etwas zu tun.“

Darüber hinaus fordert der Sozialverband VdK Hessen-Thüringen mehr Unterstützung für pflegende Angehörige. „Eine bessere rentenrechtliche Bewertung für pflegende Angehörige ist längst überfällig“, so Seif. „Insgesamt geht es darum, alles dafür zu tun, dass die Menschen so lange wie möglich zu Hause wohnen können und nicht ins Heim müssen.“
← zum Nachrichtenüberblick
→ Druckversion

Kommentare

13.02.2014, 13.46 Uhr
Retupmoc | Umgang
So geht dieser Staat mit seinen alten Menschen um. Nichts zum Zufügen.
→ Kommentar hinzufügen



Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.