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Einkaufstour geht weiter

Freitag, 23. Februar 2007, 07:13 Uhr
Nordhausen (nnz). Standen bislang als feste Größen lediglich Stempeda und Rodishain auf der Einkaufsliste der Nordhäuser Stadtverwaltung, so ist die um einige Positionen erweitert worden. Die nnz mit einem Zwischenbericht.


Seit Monaten heißt es aus dem Nordhäuser Rathaus: Alles klar für die Eingemeindung von Rodishain und Stempeda. In Nebensätzen, bei diversen Sitzungen hört der aufmerksame Beobachter dann doch einiges an Satzfetzen: Noch scheint die Herauslösung der beiden Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Hohnstein/Südharz nicht geschehen. Und da begehren die Nordhäuser bereits das nächste Stück des Südharzer Kuchens. Mit Petersdorf sei man sich einig, war gestern zu hören. Etwas mehr als 350 Menschen würden dann zur Rolandstadt dazugehören. Einen Kindergarten, eine Schule – nehmen wir alles auf, so der Rathaus-Tenor. Auf jeden Fall sollen die drei Gemeinden noch in das Vorlagenpaket für die Landesregierung, die in diesem Jahr ein entsprechendes Gesetz für Nordthüringen erlassen will.

Das Südharzer Kommunen-Trio bringt rund 1.000 Frauen und Männer, Mädchen und Jungen nach Nordhausen. Damit steigt die Bevölkerung in der Rolandstadt dann fast auf 44.000. Ende vergangenen Jahres waren es nach interner Rechnung der Verwaltung 42.495.

Nordhausen aber braucht mehr, viel mehr Einwohner, will man bei einer Kreisreform eine Größe erreichen, die es schwer macht, gegen Nordhausen als Kreissitz zu entscheiden. Mühlhausen ist da mittlerweile ein ernst zu nehmender Konkurrent geworden. 37.000 Mühlhäuser dürften es sein. Die Thomas-Müntzer-Stadt expandiert auch, nur kann sie sich der Unterstützung der Landkreisverwaltung sicher sein. Der dortige Landrat tut alles, damit „sein“ Mühlhausen größer wird. Er wirbt bei Unternehmern wie bei benachbarten Verwaltungsgemeinschaften dafür.

Anders die hiesige Verwaltungsspitze im Landratsamt. Von Aussitzen ist da die Rede. Vertreter der Stadtverwaltung hätten schon mehrfach den Versuch gestartet, wenigstens über eine gemeinsame Strategie nachzudenken. Wie soll Nordthüringen in zehn Jahren aussehen? Welchen Stellenwert soll dabei Nordhausen einnehmen? Wird es einen Landkreis noch geben? Fragen über Fragen, nur werden sie nicht beantwortet.

Das frustet im Rathaus, also geht man selbst los. Wenn schon der Landkreis keine Zukunft mehr hat, dann wenigstens eine große Stadt, die vermutlich auch in zehn Jahren noch einem Landkreis angehören wird. 44.000 Einwohner sind es also mit Rodishain, Stempeda und Petersdorf, kommen 2.750 aus der Einheitsgemeinde Hohenstein hin (nnz berichtete). Da ist man bei 46.750 angekommen, reicht nicht. Und so kommt den Nordhäusern die Einheitsgemeinde Werther „in die Quere“. Die nnz hatte darüber berichtet. Was jetzt durchsickerte ist die Tatsache, dass es bereits – zwar unverbindlich – erste Gespräche im Nordhäuser Rathaus gegeben haben soll. Wie auch immer: Mit Werther würde man bei einem Groß-Nordhausen die magische Grenze von 50.000 Einwohner geradeso überspringen.

Nachhaltig ist das aber nicht, macht schon der Blick auf die demografische Entwicklung klar. Also muß die Einkaufsliste dringlichst erweitert werden. Urbach und Görsbach kämen noch in Frage. Dort wurde erst einmal angewinkt, in Richtung Nordhausen, aber auch in Richtung einer Einheitsgemeinde in der Goldenen Aue. Dahinter könnte sich natürlich - wie so oft in der Politik - taktische Spielchen verbergen, doch notwenig ist dieser Zuwachs allemal.

Bleibt dann lediglich eine Gemeinde übrig, die eigentlich wie kaum eine andere in eine Stadt passen würde: Niedersachswerfen, das mit dem Südharz so viel zu tun hat wie Nordhausen mit einem Überseehafen. Doch Bürgermeister Jochen Napiralla ist in dieser Beziehung nicht gut auf die Nordhäuser zu sprechen. Die Zeit jedoch, sie spielt gegen ihn...
Autor: nnz

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