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EIN MAGISCHER TERMIN, DOCH ANTON ADLERAUGE BEFÜRCHTET:

Ende einer Tradition?

Freitag, 22. April 2022, 07:00 Uhr
Nach dem Aus der Dorfschule in Günzerode schwanden mit der Zeit auch Erinnerungen, lockerten sich Bindungen von Schulfreundschaften. Nur wenige der Ehemaligen blieben dem Dorf treu, die anderen verschwanden in allen Himmelsrichtungen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Dachten viele. Doch dann geschah doch noch ein Wunder.

Einige der  Mädchen und Jungen auf dem Foto, das vor etwa 70 Jahren auf dem Schulhof entstand, leben nicht mehr. Andere kommen heute noch immer gern zum Klassentreffen. (Foto: privat) Einige der Mädchen und Jungen auf dem Foto, das vor etwa 70 Jahren auf dem Schulhof entstand, leben nicht mehr. Andere kommen heute noch immer gern zum Klassentreffen. (Foto: privat)
Selbst schon in die Jahre gekommen, hatte eine ehemalige Schülerin die glorreiche Idee, ein Klassentreffen zu organisieren. Nach mühevoller Suche machte sie „Jungs“ und „Mädels“ ausfindig, die sich auch fern ihres Heimatdorfes niedergelassen hatten. Viele lagen sich dann nach 40 Jahren vergangenen Schuljahren wieder in den Armen. Andere rätselten, wen sie eigentlich vor sich hatten.

Riesig war die Freude. Bei diesem historischen ersten Treffen begegneten sich Ehemalige zumeist schon als gestandene Väter und Mütter oder gar als Großeltern. Für alle stand es an diesem Tag dann felsenfest: Wir machen regelmäßig ein Klassentreffen. Nach 1996 wurde es zu einer festen Tradition: Alle zwei Jahre, jeweils Freitag nach Ostern, ab 14 Uhr auf dem Saal der Gaststätte „Am Hagen“ im Helmedorf.

Dieser Tradition setzte die Pandemie nach Jahrzehnten ein Ende. Fortgesetzt sollte sie dennoch werden. Nach Lockerungen. Der magische Termin, immer Freitag nach Ostern, wäre heute gewesen. Leider haperte es diesmal an der Organisation, einer rechtzeitigen Verständigung Ehemaliger darüber, ob ein Treffen möglich ist oder nicht. Vordem klappte alles tadellos: Erika Hoyer und die Wirtin der Gaststätte, Steffi Spieß, hatten bislang vorbildlich alle organisatorischen Voraussetzungen getroffen, dem jeweiligen Treffen zum Erfolg verholfen. Aber 2022 warteten die einen auf eine Nachricht, die anderen auf eine eigenständige Anmeldung Ehemaliger.

Beim letzten Klassentreffen war noch Lehrer Gerhard Stolz anwesend. Er starb im Vorjahr im Alter von über 90 Jahren. Rechts neben ihm seine ehemalige Schülerin Erika Hoyer, die Klassentreffen organisierte. Links Anneliese Eisenächer. (Foto: privat) Beim letzten Klassentreffen war noch Lehrer Gerhard Stolz anwesend. Er starb im Vorjahr im Alter von über 90 Jahren. Rechts neben ihm seine ehemalige Schülerin Erika Hoyer, die Klassentreffen organisierte. Links Anneliese Eisenächer. (Foto: privat)
Heute ergibt sich die Kardinalfrage: Sollen Klassentreffen weiter stattfinden? Die noch lebenden Mädel und Jungen von damals sind mittlerweile zumeist über 80 Jahre. Viele wohnen weit weg, andere gesundheitlich angeschlagen. Erneut hätte es wieder eine Schweigeminute für Verstorbene gegeben. Zum Gedenken an Waldemar Messner, Gerhard Seitz und den letzten in Günzerode unterrichteten Lehrer Gerhard Stolz.

Eine Umfrage unter ehemaligen Dorfschülerinnen und -schülern ergab über ein Ja oder Nein überwiegend: Führt die Klassentreffen weiter durch. Sofern der Kopf noch klar und es unten einigermaßen dicht ist, kommen wir. Auch mit 90, und sei es mit dem Rollator. Das sagten auch Fritz Kaiser und Herbert Kunze. Aus Bad Nenndorf bzw. Nordhorn wollten sie anreisen, taten sie einem Klassenkameraden aus dem Südharz kund. Orte, die sich nicht gerade um die Ecke befinden. Doch der Südharzer wie einige andere auch war von der Absage überrascht.

Herbert Kunze kam aus Nordhorn, Brunhilde Mummer (geb. Sartory) war nach der Wende aus Westberlin angereist. (Foto: privat) Herbert Kunze kam aus Nordhorn, Brunhilde Mummer (geb. Sartory) war nach der Wende aus Westberlin angereist. (Foto: privat)
Fritz, Herbert, Wilhelm Roth, Grete Gelbke, Jürgen Kucher und andere raten den Organisatoren: Wenn überhaupt, dann nicht wie gehabt erst in zwei Jahren ein Klassentreffen, sondern schon 2023, besser noch in diesem Jahr. Jeder Monat zählt. Der Kumpel von Fritz und Herbert will sich dann auch in das Organisationsteam einbinden. Zwei Fotos stammen vom Klassentreffen im Jahr 2016.
Anton Adlerauge
Autor: red

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