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Elektromobilität

Tankstelle unter Strom

Donnerstag, 06. Dezember 2018, 13:00 Uhr
Wer elektrisch unterwegs ist, der brauchte bisher Zeit. Zumindest wenn es ums "tanken" ging. Das soll sich zumindest in Nordhausen bald ändern, ein neuer "Ladepark" soll die Wartezeit in Zukunft deutlich verkürzen. Die Planer hinter der Stromtankstelle sind aber nicht nur elektrisch unterwegs...

Packen es gemeinsam an:  (Foto: Angelo Glashagel) Wollen gemeinsam anpacken: Sebastian Kupfer (InTraSol), Julia Brandt (Enercon) und Olaf Salomon (Stadtwerke-Holding)

Knapp sechs Monate wird es dauern, dann soll sich die Zukunft der Elektromobilität an die Vergangenheit des deutschen Straßenalltags anpassen. In der Straße Im Krug beging man gestern feierlich den Spatenstich für den ersten "Ladepark" in Nordhausen, Deutschland und Europa. Mit vier 350 kW DC und zwei 22-kW "Zapfsäulen" soll sich das aufladen der E-Fahrzeuge dann nicht mehr so sehr von einem normalen Tankvorgang an der Tankstelle unterscheiden. Wir hatten gestern bereits vorab berichtet.

In fünf bis zehn Minuten könne man moderne Elektrofahrzeuge dann laden, erklärte Sebastian Kupfer von der Firma InTraSol am gestrigen Nachmittag, die Fahzeugtechnik gebe das inzwischen her. Mit einem Auto wie dem Firmenwagen des Teams, einem Tesla Model S, sollen dann auch längere Strecken kein Problem sein, bis zu 400 Kilometer schaffe man mit einer Ladung. "Wir sind viel unterwegs und müssen unseren Wagen sicher öfter laden. Für die meisten Menschen würde das aber wie bisher bedeuten das man im Schnitt einmal in der Woche an die Tankstelle fährt.", sagte Kupfer.

Trotz der schnelleren Ladezeiten wird die Strombetankung immer eine gewisse Verweildauer mit sich bringen. Deswegen soll der Ladepark für Wartende ein paar Annehmlichkeiten bieten. Neben einem Kinderspielplatz und einem Aufenthaltsbereich soll die Station auch mit WLAN versorgt werden. Für den kleinen Hunger will der Weltladen des Schrankenlos Vereins einen "Fair-o-mat" aufstellen, einen Automaten an dem Snacks aus fairem Handel und regionaler Produktion erworben werden können.

Mit im Boot sitzt auch die Firma Enercon, der deutsche Marktführer in Sachen Windenergie und rund 20.000 Mitarbeitern. Die Energiewende finde nicht nur in der Stromerzeugung, sondern auch im Wärme- und Verkehrssektor statt, sagte Julia Brandt, die zuständige Projektmanagerin bei Enercon. Man interessiere sich schon länger für den Verkehrsbereich, mit InTraSol habe man den "missing link" gefunden, der die nötige Expertise in diesem Bereich besitze.

Wo Enercon die passende Technik liefert, soll die Energieversorgung Nordhausen für den nötigen Strom sorgen, aus regenerativen Quellen in der Region. Ziel der Kooperation sei es, einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur näher zu kommen und die E-Mobilität entscheidend voranzubringen. Zudem könne der Ladepark über einen Batteriepufferspeicher der Energie aus regenerativen Quellen zwischenlagert, auch zur Netzstabilität beitragen. Mit den Stadtwerken als Grundstückseigner ist noch ein weiterer, regionaler Partner Teil des Projektes und die Nordhausen Netz GmbH stellt den nötigen Netzanschluss bereit.

Dass die Elektromobilität nur ein möglicher Weg in die Zukunft des Verkehrs sein könnte, das wissen auch die Elektro-Enthusiasten aus der Rothenburgstraße. Kupfer nutzte gestern deswegen die Gelegenheit, ein weiteres Projekt anzukündigen: man erwarte Zeitnah eine Kooperation mit der Firma Maximator auf den Weg bringen zu können. Die Hochdruckspezialisten sind inzwischen in der Lage Wasserstofftankstellen in Serie zu bauen. Eben eine solche soll es bald auch in Nordhausen geben, ob dies am Standort des Ladeparks möglich sein wird, müsse noch geklärt werden, so Kupfer weiter.

"Aus Benzin und Diesel wird in Zukunft Strom und Wasserstoff", da ist sich Sebastian Kupfer sicher, man werde gemeinsam daran arbeiten, diese Synergie nicht nur in Nordhausen Realität werden zu lassen.

In Sachen alternative Mobilität und regenerative Energien ist Nordhausen dank diverser Projekte wie dem Elektro-Carsharing, dem "Werther-Mobil" oder jetzt dem Ladepark und der Forschungsarbeit der Hochschule schon jetzt ein Leuchtturm. Wird dieser Weg weiter gegangen, und danach sieht es im Moment aus, könnte der Standort Nordhausen die Chance haben, auch aus wirtschaftlicher Sicht wie schon in der Vergangenheit wieder zu einem Zentrum der modernen, technischen Entwicklung zu werden.
Angelo Glashagel
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