80 Jahre Forstamt Bleicherode
Freitag, 28. November 2014, 08:47 Uhr
Templer und Preußen, Jäger und Wilderer - die Wälder der Region haben schon viele Herren kommen und gehen sehen. Forstamtsleiter Klaus-Wilhelm Brüggemann hat sich mit der bewegten Geschichte seines Forstamtes auseinandergestetzt...
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts sind im südlichen Teil des Landkreises Nordhausen zwei altpreußische Oberförstereien ansässig gewesen, die Oberförstereien Lohra und Königsthal.
Altpreußisch deshalb, weil sie seit Jahrhunderten im Besitz der preußischen Krone waren. Im Gegensatz dazu sind die Reviere im Thüringer Südharz (Hohnsteiner Forst) durch den Konkurs des Hauses Stolberg-Wernigerode um 1930 vom preußischen Staat übernommen worden. Auf dem Gebiet der ehemaligen Wüstung Schierenberg (Hainleite) wurde gegenüber der Jagdhütte Backhaus die Oberförsterei Lohra errichtet.
Zur Eigenversorgung wurden 21,90 Hektar Dienstland gepachtet. Das war vor allem Ackerland, Wiesen und Weiden, Garten- und Unland. 1876 verwaltete diese Forstdienststelle 2.167 Hektar Holzboden mit den Revieren Friedrichsrode I und II, Friedrichslohra, Münchenlohra, Kleinberndten und Wollersleben. Mit 1.800 Hektar war schon damals die Rotbuche die dominierende Baumart. Der Hochwaldanteil vergrößerte sich von 1841 mit 1.370 Hektar bis 1923 auf 2.060 Hektar. Die Mittelwälder sind bis 1876 in Hochwald überführt worden.
Zwischen 1857 und 1923 lagen die eingeschlagenen Rohholzmengen ähnlich den heutigen im Bereich von 5 bis 6 Festmetern pro Hektar. Das Abschätzungswerk der Oberförsterei Lohra von 1841 erwähnt die Weideberechtigungen als drückende Waldlast. Die Huteberechtigung des Forstes für 449 Rinder und 5.450 Schafe war im Verhältnis zur Waldfläche extrem. Diese Servituten oder dinglichen Nutzungsrechte sind im Laufe der Zeit abgelöst worden. Diese konnte durch Geldleistungen aber auch mit Waldabtretungen auf die berechtigten Gemeinden erfolgen. Oft sind daraus Genossenschaftswälder entstanden.
Das Lehngut Utterode kam 1856 zum preußischen Forst und wurde nach der Aufgabe der Oberförsterei Lohra 1876 Sitz der Oberförsterei und gab ihr auch den Namen. Es ist zu vermuten, dass Wasserknappheit zur Aufgabe des Förstereistandortes Lohra geführt hat. Es sind sieben Brunnen auf der Hainleite geschlagen worden, die von Schichtwasser gespeist wurden. Die Bauten sind zum Weiterverkauf auf Abriss durch den Forstfiskus in umliegende Orte veräußert worden.
Der ehemalige Komturhof der Tempelritter Utterode liegt zwischen Sollstedt und Rehungen, am Fuß der Hainleite. Der Wohn-, Verwaltungs- und Wirtschaftsraum war erheblich. Bekannte Revierverwalter waren 1837 bis 1839 Oberförster Brüggemann (Lohra), 1839 bis 1843 Oberförster Goldmann (Lohra) und von 1907 bis 1923 Forstmeister Dick (Utterode). Die Oberförsterei Königsthal in der Gemarkung Bliedungen lag außerhalb des Dorfes am Forstort Königsthaler Mark. Sie wurde als herrschaftlicher Verwaltungssitz mit Nebengebäuden und kleinem Park erbaut.
Der Waldbestand gliederte sich 1897 in zwei Teile, den Hohnsteiner Teil mit den Revieren Woffleben, Gudersleben und Königsthal und den Eichsfelder Teil mit den Revieren Werningerode, Gerode, Wenderhütte und Weißenborn. Die 2.190 Hektar Forsten waren von Laubholz geprägt. Bekannt waren die Königsthaler Eichen aufgrund der hervorragenden Holzqualität. Auf dem Buntsandstein wurde 1841 mit der Umwandlung von Laub- in Nadelholz gemäß dem Zeitgeist begonnen. Fichten- und Kiefernbestände sind durch Pflanzung und Saat begründet worden.
Die Fichte wurde vor allem auf Kahlschlagsflächen gepflanzt. Die Eiche wurde auf tiefgründigen Lehmböden als Reinbestand nachgezogen. Bei schleppender Naturverjüngung sind Eicheln unter lichtem Schirm eingestuft worden. Die Mitverjüngung von Buche wurde nicht begünstigt.
Zwischen 1892 – 1895 sind in der Oberförsterei Königsthal 432 Anzeigen wegen Forst- und Jagdvergehen durch Forstbeamte erfolgt. Brennholz und Wildbret halfen verstärkt in Notzeiten, wie im Revolutionsjahr 1848, das Los der Bevölkerung zu lindern. Die Aneignung entsprach aber nicht immer dem geltenden Recht.
Im Forstort Kohnstein sind 1855 Weideberechtigungen der Gemeinde Salza vermerkt. 1842 wurde nach einer Buchenvollmast der Kohnstein für 18 Thaler zum Vieheintrieb verpachtet. Außerdem beweidete die königliche Erbrechtsdomäne mit der Gemeinde Schiedungen die Hainbuchenkopfholzplantage im Forstdistrikt Pfaffenstock mit 60 Rindern und 90 Schafen. Die Forstverwaltung betrieb im 19. Jahrhundert verstärkt die Ablösung dieser Dienstbarkeiten, die sehr waldschädlich waren. Langjährige Revierverwalter waren Oberförster Dunkelberg von 1817 bis 1863 (46 Jahre) und Forstmeister Baer von 1863 bis 1895 (32 Jahre).
Im Jahre 1932 ist eine Zusammenlegung der Oberförstereien Utterode und Königsthal mit Sitz in Königsthal erfolgt. Nahezu gleichzeitig wurde der Umzug nach Bleicherode vorangetrieben. Die Stadt stellte nach Aussage des Forstamtsleiters i. R. Erich Eberle das Grundstück in der Burgstraße 53 kostenlos zur Verfügung. Bedingung war aufgrund der schwierigen Wirtschaftslage die Vergabe der Bauleistungen an Bleicheröder Firmen. Das moderne Verwaltungsgebäude konnte 1934 bezogen werden, also vor 80 Jahren. Eine Forstmeisterwohnung war Bestandteil des Gebäudes. Das Grundstück reichte bis zur Talstraße Nr. 6, wo parallel ein Diensthaus für den damaligen Forstsekretär entstand. Dieses Gebäude war in späterer Zeit lange Sitz der Revierförsterei Bleicherode.
Im Deutschen Forsthandbuch von 1937 sind im Oberforstmeisterbezirk Erfurt unter der Dienststelle Forstamt Bleicherode (Südharz) folgende Besetzungen vermerkt:
Forstmeister Friedrich Weitland
Nach dem Ende des 2. Weltkrieges war nun das ehemalige Preußische ein Thüringer Forstamt, ab 1952 dann eine Oberförsterei des Staatlichen Forstwirtschaftsbetriebes Nordhausen in Ilfeld.
Infolge der Neugründung der Thüringer Landesforstverwaltung 1991 ist in Bleicherode seit dem wieder ein Forstamt als lokale Forstbehörde präsent.
Klaus-Wilhelm Brüggemann
Autor: redGegen Ende des 18. Jahrhunderts sind im südlichen Teil des Landkreises Nordhausen zwei altpreußische Oberförstereien ansässig gewesen, die Oberförstereien Lohra und Königsthal.
Altpreußisch deshalb, weil sie seit Jahrhunderten im Besitz der preußischen Krone waren. Im Gegensatz dazu sind die Reviere im Thüringer Südharz (Hohnsteiner Forst) durch den Konkurs des Hauses Stolberg-Wernigerode um 1930 vom preußischen Staat übernommen worden. Auf dem Gebiet der ehemaligen Wüstung Schierenberg (Hainleite) wurde gegenüber der Jagdhütte Backhaus die Oberförsterei Lohra errichtet.
Zur Eigenversorgung wurden 21,90 Hektar Dienstland gepachtet. Das war vor allem Ackerland, Wiesen und Weiden, Garten- und Unland. 1876 verwaltete diese Forstdienststelle 2.167 Hektar Holzboden mit den Revieren Friedrichsrode I und II, Friedrichslohra, Münchenlohra, Kleinberndten und Wollersleben. Mit 1.800 Hektar war schon damals die Rotbuche die dominierende Baumart. Der Hochwaldanteil vergrößerte sich von 1841 mit 1.370 Hektar bis 1923 auf 2.060 Hektar. Die Mittelwälder sind bis 1876 in Hochwald überführt worden.
Zwischen 1857 und 1923 lagen die eingeschlagenen Rohholzmengen ähnlich den heutigen im Bereich von 5 bis 6 Festmetern pro Hektar. Das Abschätzungswerk der Oberförsterei Lohra von 1841 erwähnt die Weideberechtigungen als drückende Waldlast. Die Huteberechtigung des Forstes für 449 Rinder und 5.450 Schafe war im Verhältnis zur Waldfläche extrem. Diese Servituten oder dinglichen Nutzungsrechte sind im Laufe der Zeit abgelöst worden. Diese konnte durch Geldleistungen aber auch mit Waldabtretungen auf die berechtigten Gemeinden erfolgen. Oft sind daraus Genossenschaftswälder entstanden.
Das Lehngut Utterode kam 1856 zum preußischen Forst und wurde nach der Aufgabe der Oberförsterei Lohra 1876 Sitz der Oberförsterei und gab ihr auch den Namen. Es ist zu vermuten, dass Wasserknappheit zur Aufgabe des Förstereistandortes Lohra geführt hat. Es sind sieben Brunnen auf der Hainleite geschlagen worden, die von Schichtwasser gespeist wurden. Die Bauten sind zum Weiterverkauf auf Abriss durch den Forstfiskus in umliegende Orte veräußert worden.
Der ehemalige Komturhof der Tempelritter Utterode liegt zwischen Sollstedt und Rehungen, am Fuß der Hainleite. Der Wohn-, Verwaltungs- und Wirtschaftsraum war erheblich. Bekannte Revierverwalter waren 1837 bis 1839 Oberförster Brüggemann (Lohra), 1839 bis 1843 Oberförster Goldmann (Lohra) und von 1907 bis 1923 Forstmeister Dick (Utterode). Die Oberförsterei Königsthal in der Gemarkung Bliedungen lag außerhalb des Dorfes am Forstort Königsthaler Mark. Sie wurde als herrschaftlicher Verwaltungssitz mit Nebengebäuden und kleinem Park erbaut.
Der Waldbestand gliederte sich 1897 in zwei Teile, den Hohnsteiner Teil mit den Revieren Woffleben, Gudersleben und Königsthal und den Eichsfelder Teil mit den Revieren Werningerode, Gerode, Wenderhütte und Weißenborn. Die 2.190 Hektar Forsten waren von Laubholz geprägt. Bekannt waren die Königsthaler Eichen aufgrund der hervorragenden Holzqualität. Auf dem Buntsandstein wurde 1841 mit der Umwandlung von Laub- in Nadelholz gemäß dem Zeitgeist begonnen. Fichten- und Kiefernbestände sind durch Pflanzung und Saat begründet worden.
Die Fichte wurde vor allem auf Kahlschlagsflächen gepflanzt. Die Eiche wurde auf tiefgründigen Lehmböden als Reinbestand nachgezogen. Bei schleppender Naturverjüngung sind Eicheln unter lichtem Schirm eingestuft worden. Die Mitverjüngung von Buche wurde nicht begünstigt.
Zwischen 1892 – 1895 sind in der Oberförsterei Königsthal 432 Anzeigen wegen Forst- und Jagdvergehen durch Forstbeamte erfolgt. Brennholz und Wildbret halfen verstärkt in Notzeiten, wie im Revolutionsjahr 1848, das Los der Bevölkerung zu lindern. Die Aneignung entsprach aber nicht immer dem geltenden Recht.
Im Forstort Kohnstein sind 1855 Weideberechtigungen der Gemeinde Salza vermerkt. 1842 wurde nach einer Buchenvollmast der Kohnstein für 18 Thaler zum Vieheintrieb verpachtet. Außerdem beweidete die königliche Erbrechtsdomäne mit der Gemeinde Schiedungen die Hainbuchenkopfholzplantage im Forstdistrikt Pfaffenstock mit 60 Rindern und 90 Schafen. Die Forstverwaltung betrieb im 19. Jahrhundert verstärkt die Ablösung dieser Dienstbarkeiten, die sehr waldschädlich waren. Langjährige Revierverwalter waren Oberförster Dunkelberg von 1817 bis 1863 (46 Jahre) und Forstmeister Baer von 1863 bis 1895 (32 Jahre).
Im Jahre 1932 ist eine Zusammenlegung der Oberförstereien Utterode und Königsthal mit Sitz in Königsthal erfolgt. Nahezu gleichzeitig wurde der Umzug nach Bleicherode vorangetrieben. Die Stadt stellte nach Aussage des Forstamtsleiters i. R. Erich Eberle das Grundstück in der Burgstraße 53 kostenlos zur Verfügung. Bedingung war aufgrund der schwierigen Wirtschaftslage die Vergabe der Bauleistungen an Bleicheröder Firmen. Das moderne Verwaltungsgebäude konnte 1934 bezogen werden, also vor 80 Jahren. Eine Forstmeisterwohnung war Bestandteil des Gebäudes. Das Grundstück reichte bis zur Talstraße Nr. 6, wo parallel ein Diensthaus für den damaligen Forstsekretär entstand. Dieses Gebäude war in späterer Zeit lange Sitz der Revierförsterei Bleicherode.
Im Deutschen Forsthandbuch von 1937 sind im Oberforstmeisterbezirk Erfurt unter der Dienststelle Forstamt Bleicherode (Südharz) folgende Besetzungen vermerkt:
Forstmeister Friedrich Weitland
| Revierförsterei | Revierförster |
| Gudersleben | Oskar Czech |
| Königsthal | Fritz Renner |
| Gerode in Weißenborn-Lüderode | Alfred Reigber |
| Wenderhütte in Weißenborn-Lüderode | Hans Heisig |
| Kleinberndten | Günther Bauer |
| Münchenlohra | Kurt Tumm |
| Friedrichslohra | Walter Schewe |
| Friedrichsrode | Hans Jahn |
| Utterode in Friedrichsrode | Georg Hauptfleisch |
Nach dem Ende des 2. Weltkrieges war nun das ehemalige Preußische ein Thüringer Forstamt, ab 1952 dann eine Oberförsterei des Staatlichen Forstwirtschaftsbetriebes Nordhausen in Ilfeld.
Infolge der Neugründung der Thüringer Landesforstverwaltung 1991 ist in Bleicherode seit dem wieder ein Forstamt als lokale Forstbehörde präsent.
Klaus-Wilhelm Brüggemann








