Minister in der Aue
Thüringens Landwirtschaftsminister heute in der Goldenen Aue unterwegs. Was der CDU-Politiker das alles machte, das hat die nnz erfahren...
Jürgen Reinholz überbrachte dem Förderverein der Kindertagesstätte Kolbenach-Stiftung im Ortsteil Heringen der Stadt Heringen/Helme einen Lottomittelbescheid in Höhe von 900 Euro. Nach der Übergabe schaute sich der Minister mit viel Interesse die Einrichtung an und brachte zum Ausdruck, dass man mit Freude sehen kann, dass hier die Kinder in einer sehr schönen Umgebung heranwachsen können. Er ist sich sicher, dass die übergebenen Mittel auch sinnvoll eingesetzt werden. Geplant ist die Beschaffung von weiteren Fallschutzmatten unter zwei Spielgeräte auf dem Spielplatz der Tagesstätte.
Nach der Besichtigung folgte eine Arbeitsberatung gemeinsam mit dem Heringer Bürgermeister Maik Schröter und dem Windehäuser Ortsteilbürgermeister Karl-Heinz Riechel. Themen der Beratung waren unter anderem der Hochwasserschutz sowie die Gewässerunterhaltung im Gebiet der Landgemeinde. Auch hier zeigte sich der Minister sehr aufgeschlossen.
Im Anschluss erfolgte der Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Heringen/Helme sowie in das Gästebuch der KITA. Nach einer Stunde war der Besuch dann auch beendet und Minister Jürgen Reinholz fuhr nach Berlin zu einem Anschlusstermin.
Autor: nnz
Kommentare
Bodo Schwarzberg
05.07.2011, 01:20 Uhr
Reinholz im Kindergarten?
Wenn sich ein Landwirtschafts- und übrigens auch Umweltminister in die Goldene Aue begibt, um einem Kindergarten einen Lottoscheck zu überreichen, dann frage ich mich ernsthaft, warum Herr Reinholz überhaupt Landwirtschaftsminister geworden ist.
Vor meinem geistigen Auge erscheint da sofort Erich Honecker bei der Übergabe des Wohungsschlüssels an eine junge Familie vor einem Neubau mit den Worten, das Wohungsproblem sei nunmehr gelöst! Gibt es denn in der Goldenen Aue nicht vielleicht auch Probleme, die tatsächlich in das Ressort eines Landwirtschafts- und Umweltministers fallen??
Warum zum Beispiel setzt er sich dort nicht mit dem Widerspruch auseinander, dass Deutschland einerseits die tägliche Betonierung von 140 Fußballfeldern auf 40 Fußballfelder (oder so ähnlich) senken will, während allein seit der Wende im Bereich der Gemarkungen, die er jüngst besuchte, 420 Hektar versiegelt wurden?
Das ist übrigens nur ein Beispiel unter vielen, die vor Ort in sein Ressort gefallen wären!
Ich bin nicht gegen die Wirtschaft, wie mancher mir gern andichten will. Aber das Gleichgewicht mit der Ökologie sollte schon stimmen. 140 Hektar Versiegelung pro Tag haben mit Gleichgewicht nämlich genauso wenig zu tun wie die Schlüsselübergabe des Generalsekretärs mit der Lösung des damaligen Wohnungsproblems. Und ich denke, dass allein dieses Thema eine lohnenswerte Aufgabe für Herrn Reinholz über nicht nur eine Legislaturperiode wäre.
Den Lottoscheck könnte z.B. die Lottogesellschaft überbringen, damit der Landwirtschafts- und Umweltminister den Kopf frei bekommt für die Themen, für die er eigentlich zuständig ist, wenn er die Goldene Aue besucht: Zum Beispiel auch für die Probleme, die die Landwirte plagen: Ernteausfälle wegen des trockenen Frühjahres zum Beispiel, drohende Kappungsgrenzen von seiten der EU - und die besagte Flächenversiegelung. Ein Landwirtschaftsminister, der ausgerechnet bei einem Besuch der Kornkammer Goldene Aue laut nnz-Mitteilung nicht einen Landwirt trifft, sollte kein Landwirtschaftsminister sein!
Retupmoc
05.07.2011, 08:00 Uhr
Honecker
In einem Teil haben Sie völlig Recht, ich finde es auch immer wieder wie in der DDR wenn Minister wie in diesem Fall Herr Reinholz Lottomittel für den Wahlkampf überreichen. Desweiteren schockiert mich der Betrag! Den hätte Herr Reinholz mit einem Zehntel seines Monatssalärs um ein Vielfaches aufstocken können. Dann wäre dieser Mann für mich glaubwürdig.
Allerdings... an einer Beratung zum Thema Wasser in der Landgemeinde hat er wohl schon teilgenommen. Man kann also nicht behaupten, das er kein landwirtschaftliches Thema hatte.
Trotzdem: Ich stelle immer wieder fest, das ich was falsch gemacht habe. Ich hätte Politiker werden sollen. Das Fatale daran ist nur, das ich in der DDR kein Parteibuch hatte und heute nicht die richtige schwarze Partei unterstütze.
NDHler
05.07.2011, 08:25 Uhr
@rwe62
Nur mal so zur Info, der eine nette Herr, welcher auf jedem Foto freundlich in die Kamera lächelt, hatte zu DDR Zeiten auch kein Parteibuch. Ihre ständigen Klischees stinken langsam zum Himmel! Es gibt genügend Parteien die für engagierte Bürger offen sind, aber das sind sie ja nicht! Das ist nur eine Feststellung, in der Sache finde ich diese Auftritte auch lächerlich. Wo war eigentlich Herr Primas?
Wolfi65
05.07.2011, 08:41 Uhr
Nicht nachvollziehbar
Ich frage mich, wie man seitens der Bundesregierung im ständigen Kampf gegen die Lottosucht, das Lottospielen erschwert und gleichzeitig hier sich mit ausbezahlten Mitteln aus den Gewinnen im Lotto in Szene setzt.
Mittlerweile werden im Mittwochslotto die Zahlen nur noch vorgelesen und damit unscheinbarer für jeden Lottointeressenten, wärend die komplette Übertragung der Ziehung am frühen Morgen übertragen wird, wo die Meisten in den Federn liegen. Was will man denn nun?
Das Lottospielen abschaffen und gleichzeitig die Gewinne daraus großzügig verteilen?
Es wäre nicht schlecht, wenn die Bundesregierung sich mal an Europäische Gesetze und Beschlüsse halten würde und jedem Bundesbürger die Freiheit gibt, welche den anderen Bürgern in der EU zugestanden wird.
Nur das Einhalten von Pflichten und die
Bevormundung von mündigen Bürgern kann auf Dauer nicht hingenommen werden.Wenn dann gleiche Rechte und Pflichten für alle EU Bürger, sonst wird das nichts.
Retupmoc
05.07.2011, 09:43 Uhr
@ndhler
Ich hatte nicht behauptet, das der nette freundliche Herr ein Parteibuch vor 1989 hatte. Es war generell gemeint. Speziell muss ich Ihnen dann allerdings auch sagen, das ich damals kein - und heute das falsche Parteibuch habe. Ich habe leider eins von einer Partei, die keine Lottomittel werbeträchtig verteilen kann, weil man knapp 30 Prozent der Wähler in Thüringen nach der Wahl gesagt hat: Eure Stimme zählt hier nicht, Ätsch!
Und ja, sie haben Recht, dann ist es ein Klischee. Nämlich das Klischee, das der der das Geld hat machen kann was er will. Und wenn es Lottomittelverteilung ist um Puplicity zu bekommen.
PS: Ausserdem bin ich noch in zwei Vereinen ehrenamtlich engagiert. Also erzählen Sie mir bitte nicht, das ich nichts tue. Es gibt genügend Bürgerinnen und Bürger die Ihnen das sagen könnten.
I.H.
05.07.2011, 16:28 Uhr
Der traut sich was,
der Reinholz. Da kommt der doch glatt als Thüringer Minister für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz in die nordthüringer Provinz um sich mit Bürgermeistern über Gewässerunterhaltung und Hochwasserschutz auszutauschen. Nimmt vorher dem rew'ler massivst unkollegial die Politikerstelle weg und dann spielt der auch noch Lottofee für Kinder. Nich zu fassen. Sofort Immunität aufheben und Untersuchungsausschuss einsetzen.
tief enttäuscht - Jupp (muuuhhhaaaa..)
Peppone
06.07.2011, 22:11 Uhr
Lottomittel für Kindereinrichtungen
sind doch die beste zusätzliche Investition, die man damit machen kann. Davon brauchen wir noch viel mehr! Was man hier in der Kommentarspalte lesen muss, macht mich ein wenig traurig.
Ich habe hier in der nnz schon so oft gelesen, dass Lottomittel an irgend welche Vereine abgegeben werden, die sich damit ihr Hobby finanzieren. Prinzipiell finde ich das nicht falsch, solange Kinder im Verein damit unterstützt werden. Leider weiß man nie so genau, wo die Gelder dort dann landen.
Hier im Falle des Beitrages, kommen die Gelder einer Kindertagesstätte und damit den Kindern zu Gute. Was das mit Honecker, falschen Parteibüchern und Herrn Primas zu tun hat, erschließt sich mir nicht.
Maik Schröter hat mal wieder einen Minister in die Region geholt. Vor ca. 4 Wochen hatte er erst Landtagspräsidentin Birgit Dietzel in der Aue zu Gast. So wird unser Nordthüringer Zipfel in Erfurt wenigstens nicht vergessen!
PS: @Bodo Schwarzberg, vor meinem geistigen Auge erschien beim Lesen Ihres Kommentares Frau Claudia Roth!;-)
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