Mo, 17:04 Uhr
23.05.2011
Goldiges Handwerk?
Handwerk soll goldenen Boden haben. Sagt ein altes deutsches Sprichwort. Doch wer ganz nah am Handwerk dran ist, zum Beispiel als bittstellender Kunde, der wundert sich über den Verfall des Goldpreises nicht mehr. Auch nicht in Nordhausen...
Herr Müller (Name wurde geändert) ist wie seine Frau begeisterter Radfahrer. Auch dienstlich ist der Nordhäuser viel mit seinem Drathesel unterwegs. Was zu seinem Fahrrad-Glück noch fehlt, ist ein Überzug, ein Regenschutz, wenn Herr Müller die beiden Räder im Vorgarten anschließt und den Kugellagern und Ketten eine nächtliche Ruhepause gönnt.
Nun soll es ja in der Marktwirtschaft alles geben, nur eben keine wetterfeste Hülle für zwei nebeneinanderstehende Fahrräder. Also ergreift Herr Müller selbst die Initiative, kauft sich das wasserdichte und reißfeste Material, schneidet es zu und – jetzt beginnt das Problem, denn Herr Müller sucht den Kontakt mit dem Nordhäuser Handwerk.
Der Kontakt kommt Mitte der vorigen Woche am Grimmel zustande, in einer Werkstatt in der gepolstert und lackiert wird. Und wo gepolstert wird, da kann auch genäht werden. Klar, sagt der Mitarbeiter, schreibt den Namen und die Telefonnummer von Herrn Müller in ein Notizbuch und sagt salopp: Am Freitag können Sie alles abholen!.
Toll, denkt sich Müller, geht am Freitag in glücklicher Vorfreude in die Werkstatt und merkt, dass er einen entscheidenden Fehler begangen hat. Er tritt in die heiligen Werkstatthallen exakt um 9.20 Uhr und hätte eigentlich wissen müssen: Das tut man nicht, denn der deutsche Handwerker frühstückt zu dieser Zeit und entsprechend schaute die Mannschaft den Müller auch an.
Ein Handwerker mühte sich denn trotzdem, das Pausenbrot aus der Hand zu legen und gestikulierend mitzuteilen, dass der für das Nähen verantwortliche Kollege um diese Zeit nicht da sei – schließlich ist Frühstückszeit und da wird ein Kunde zum Störenfried: Kommen Sie in einer halben Stunde wieder! Konnte Müller aber nicht, da er berufstätig ist.
Also rief Müller eine Stunde später an, fragte höflich nach und erhielt zur Antwort, dass es heute (Freitag) nichts mehr würde, aber am Montag bestimmt. Müller war am Montag wieder in der Werkstatt, wohl gemerkt: 10.30 Uhr, außerhalb der Frühstückszeit. Und wieder stand ihm ein Handwerker gegenüber, der von nichts wusste. Da Müller aber seinen Zuschnitt auf einem großen Tisch liegen sah, griff er das Bündel und merkte, nicht eine Nadel hatte in die Folie gestochen. Pech.
Der zuständige Mitarbeiter müsse Fußbodenbelag verlegen und das sei wichtiger als das Nähen einer Fahrrad-Doppelgarage. So ist das nun mal. Was also macht Müller? Er wird jeden Tag anrufen und nachfragen, ob sein Auftrag abgearbeitet ist. Und wenn er Glück hat, dann kann er das alles wieder abholen. Dem Handwerk und seinem goldenen Boden sei Dank.
Für alle, die jetzt noch richtig schmunzeln wollen, hier ein interessanter Link, der dem deutschen Handwerk eigentlich nicht gut zu Gesicht stehen sollte.
Autor: nnzHerr Müller (Name wurde geändert) ist wie seine Frau begeisterter Radfahrer. Auch dienstlich ist der Nordhäuser viel mit seinem Drathesel unterwegs. Was zu seinem Fahrrad-Glück noch fehlt, ist ein Überzug, ein Regenschutz, wenn Herr Müller die beiden Räder im Vorgarten anschließt und den Kugellagern und Ketten eine nächtliche Ruhepause gönnt.
Nun soll es ja in der Marktwirtschaft alles geben, nur eben keine wetterfeste Hülle für zwei nebeneinanderstehende Fahrräder. Also ergreift Herr Müller selbst die Initiative, kauft sich das wasserdichte und reißfeste Material, schneidet es zu und – jetzt beginnt das Problem, denn Herr Müller sucht den Kontakt mit dem Nordhäuser Handwerk.
Der Kontakt kommt Mitte der vorigen Woche am Grimmel zustande, in einer Werkstatt in der gepolstert und lackiert wird. Und wo gepolstert wird, da kann auch genäht werden. Klar, sagt der Mitarbeiter, schreibt den Namen und die Telefonnummer von Herrn Müller in ein Notizbuch und sagt salopp: Am Freitag können Sie alles abholen!.
Toll, denkt sich Müller, geht am Freitag in glücklicher Vorfreude in die Werkstatt und merkt, dass er einen entscheidenden Fehler begangen hat. Er tritt in die heiligen Werkstatthallen exakt um 9.20 Uhr und hätte eigentlich wissen müssen: Das tut man nicht, denn der deutsche Handwerker frühstückt zu dieser Zeit und entsprechend schaute die Mannschaft den Müller auch an.
Ein Handwerker mühte sich denn trotzdem, das Pausenbrot aus der Hand zu legen und gestikulierend mitzuteilen, dass der für das Nähen verantwortliche Kollege um diese Zeit nicht da sei – schließlich ist Frühstückszeit und da wird ein Kunde zum Störenfried: Kommen Sie in einer halben Stunde wieder! Konnte Müller aber nicht, da er berufstätig ist.
Also rief Müller eine Stunde später an, fragte höflich nach und erhielt zur Antwort, dass es heute (Freitag) nichts mehr würde, aber am Montag bestimmt. Müller war am Montag wieder in der Werkstatt, wohl gemerkt: 10.30 Uhr, außerhalb der Frühstückszeit. Und wieder stand ihm ein Handwerker gegenüber, der von nichts wusste. Da Müller aber seinen Zuschnitt auf einem großen Tisch liegen sah, griff er das Bündel und merkte, nicht eine Nadel hatte in die Folie gestochen. Pech.
Der zuständige Mitarbeiter müsse Fußbodenbelag verlegen und das sei wichtiger als das Nähen einer Fahrrad-Doppelgarage. So ist das nun mal. Was also macht Müller? Er wird jeden Tag anrufen und nachfragen, ob sein Auftrag abgearbeitet ist. Und wenn er Glück hat, dann kann er das alles wieder abholen. Dem Handwerk und seinem goldenen Boden sei Dank.
Für alle, die jetzt noch richtig schmunzeln wollen, hier ein interessanter Link, der dem deutschen Handwerk eigentlich nicht gut zu Gesicht stehen sollte.


