Do, 09:44 Uhr
29.05.2003
Diskurse die sechste Auflage
Nordhausen/Limlingerode (nnz). Zum ersten Mal können die Limlingeröder Diskurse, die 6. bereits, im Haus Lange Reihe 11 stattfinden. Die ehemalige Pfarrei, das Geburtshaus Sarah Kirschs, steht ab Dezember 2002 dem Förderverein Dichterstätte Sarah Kirsch für Veranstaltungen zur Verfügung.
Das Fachwerkhaus aus dem Jahre 1852 ist kein Museum. In ihrem 2. Brief von Lange Reihe 11, den die Dichterin nach der Eröffnung für die neue Publikationsreihe des Fördervereins verfasste, heißt es: Ich will ja keene mitm Museum zu Lebzeiten sein. Das ist ne Art Kulturhaus und basta. Über das Haus selbst schreibt sie darin: Und mein Herz ist jetrudelt, als ich das Haus nach längerer Zeit wieder sah! Weil ich es nur als Schutthaufen kannte. Besser hätte meine windige Vorstellungskraft es nicht schaffen können, wie es da auf dem Berg stand. Die Treppe, ne Freitreppe fast, neun große Fenster alleene die Vorderfront, mit ville Flügel, jedes Fenster mit zwanzig zierlichen Schreiben ... Oh das Geburtshaus sieht elegant aus! Hat also hingehaun, dass ich for es mein Pseudonym dargebracht habe. Ohne dasselbe wär es ganz hin und weck ...
Auch im Jahr 2003 finden die Diskurse im Bündnis mit den Thüringer Literatur- und Autorentagen der Burg Ranis statt. Am Samstag, 28.06.2003, lesen Elke Erb und Norbert Hummelt ab 10.00 Uhr in Lange Reihe 11.
Elke Erb wurde 1938 in Scherbach (Eifel) geboren und übersiedelte 1949 in die DDR. Sie arbeitete als Lektorin beim Mitteldeutschen Verlag in Halle. Seit 1967 ist sie freischaffend. Als Lyrikerin, Prosaistin, Essayistin und Übersetzerin machte sich die Erb einen Namen. 1988 erhielt sie den Peter-Huchel-Preis, 1990 den Heinrich-Mann-Preis. Die Ehrengabe der Schillerstiftung wurde ihr 1993 zuerkannt. Über ihren 1994 bei Steidl in Göttingen erschienenen Lyrikband "Unschuld, das Licht meiner Augen" wurde rezensiert: "Immer bleiben Elke Erbs Gedichte an interessante Wortfügungen gebunden, an besondere Bilder, die konkret ansetzen, ins Surreale übergehen und wieder zur Ausgangsebene zurückkehren. Die Lust der Autorin an der Sprache fängt auch den Leser ein ..." Über Elke Erb spricht Cornelia Jentzsch, Berlin.
Jahrgang 1962 ist Norbert Hummelt. Als ersten Band veröffentlichte er knackige codes, im Jahr 2001 bei Luchterhand, München, Zeichen im Schnee. Diesem Lyrikband stellt er den Hölderlinvers Unter dem Strauche saß ein ernster Vogel gesanglos voran. Der Verlag gibt über den Dichter folgendes kund: Norbert Hummelt ist eine neue Stimme in der Literatur. Ob Anklänge an die Romantik oder Fortsetzung experimentellen Schreibens Hummelt nimmt sich die Freiheit, dann auf Traditionen zurückzugreifen oder mit gewohnten Formen zu brechen, wenn es seinen dichten Momentaufnahmen von flüchtigen Bildern und von beunruhigenden Lebenssituationen nützt. Norbert Hummelt wird von Thomas Böhm, Köln, vorgestellt.
Am 2. Tag, am Sonntag, 29.06.2003, wird um 10.00 Uhr die Haus-ART Nr. III - 6/03 in Lange Reihe 11 eröffnet. Petra Albrecht aus Weimar schuf zur Lyrik Sarah Kirschs eine farbige Holzschnittfolge. Die Blätter werden während der Diskurse erstmals in einer Ausstellung gezeigt. Die Künstlerin wird anwesend sein.
Die russische Dichterin Marina Zwetajewa wurde 1892 in Moskau geboren und beendete 1941 in Jelabuga ihr Leben. Ulrike Müller, Weimar, und Antje Finkenwirth, Berlin, werden diese leidenschaftliche Dichterin in einem literarisch-musikalischen Programm am 29.06.2003, 10.30 Uhr, vorstellen. Elke Erb, Berlin, eine der kongenialen Nachdichterinnen der Zwetajewa in deutscher Sprache, wird anschließend über ihr Marina-Zwetajewa-Bild sprechen. Dieser Vormittag wird also eine eindringliche Begegnung mit der russischen Dichterin ermöglichen.
In der Bibliothek Suhrkamp wird die Zwetajewa so vorgestellt:
Bereits als junges Mädchen entscheidet sie sich für die Poesie und beginnt Gedichte zu schreiben. Mit dem Zyklus Die Freundin (1914-1915) findet sie ihren eigenen Ton: direkt, herausfordernd und von expressivem Pathos. Nach der Revolution emigriert sie in die Tschechoslowakei, dann nach Paris. Heimweh jedes mal/Entlarvte Illusion!/Mir ist es ganz egal/Wo ich allein bin. Unter den schwierigsten Bedingungen schreibt sie auch weiterhin Gedichte bis zu ihrer Rückkehr nach Moskau 1939 und ihrem verzweifelten Freitod 1941 in Jelabuga.
Autor: nnzDas Fachwerkhaus aus dem Jahre 1852 ist kein Museum. In ihrem 2. Brief von Lange Reihe 11, den die Dichterin nach der Eröffnung für die neue Publikationsreihe des Fördervereins verfasste, heißt es: Ich will ja keene mitm Museum zu Lebzeiten sein. Das ist ne Art Kulturhaus und basta. Über das Haus selbst schreibt sie darin: Und mein Herz ist jetrudelt, als ich das Haus nach längerer Zeit wieder sah! Weil ich es nur als Schutthaufen kannte. Besser hätte meine windige Vorstellungskraft es nicht schaffen können, wie es da auf dem Berg stand. Die Treppe, ne Freitreppe fast, neun große Fenster alleene die Vorderfront, mit ville Flügel, jedes Fenster mit zwanzig zierlichen Schreiben ... Oh das Geburtshaus sieht elegant aus! Hat also hingehaun, dass ich for es mein Pseudonym dargebracht habe. Ohne dasselbe wär es ganz hin und weck ...
Auch im Jahr 2003 finden die Diskurse im Bündnis mit den Thüringer Literatur- und Autorentagen der Burg Ranis statt. Am Samstag, 28.06.2003, lesen Elke Erb und Norbert Hummelt ab 10.00 Uhr in Lange Reihe 11.
Elke Erb wurde 1938 in Scherbach (Eifel) geboren und übersiedelte 1949 in die DDR. Sie arbeitete als Lektorin beim Mitteldeutschen Verlag in Halle. Seit 1967 ist sie freischaffend. Als Lyrikerin, Prosaistin, Essayistin und Übersetzerin machte sich die Erb einen Namen. 1988 erhielt sie den Peter-Huchel-Preis, 1990 den Heinrich-Mann-Preis. Die Ehrengabe der Schillerstiftung wurde ihr 1993 zuerkannt. Über ihren 1994 bei Steidl in Göttingen erschienenen Lyrikband "Unschuld, das Licht meiner Augen" wurde rezensiert: "Immer bleiben Elke Erbs Gedichte an interessante Wortfügungen gebunden, an besondere Bilder, die konkret ansetzen, ins Surreale übergehen und wieder zur Ausgangsebene zurückkehren. Die Lust der Autorin an der Sprache fängt auch den Leser ein ..." Über Elke Erb spricht Cornelia Jentzsch, Berlin.
Jahrgang 1962 ist Norbert Hummelt. Als ersten Band veröffentlichte er knackige codes, im Jahr 2001 bei Luchterhand, München, Zeichen im Schnee. Diesem Lyrikband stellt er den Hölderlinvers Unter dem Strauche saß ein ernster Vogel gesanglos voran. Der Verlag gibt über den Dichter folgendes kund: Norbert Hummelt ist eine neue Stimme in der Literatur. Ob Anklänge an die Romantik oder Fortsetzung experimentellen Schreibens Hummelt nimmt sich die Freiheit, dann auf Traditionen zurückzugreifen oder mit gewohnten Formen zu brechen, wenn es seinen dichten Momentaufnahmen von flüchtigen Bildern und von beunruhigenden Lebenssituationen nützt. Norbert Hummelt wird von Thomas Böhm, Köln, vorgestellt.
Am 2. Tag, am Sonntag, 29.06.2003, wird um 10.00 Uhr die Haus-ART Nr. III - 6/03 in Lange Reihe 11 eröffnet. Petra Albrecht aus Weimar schuf zur Lyrik Sarah Kirschs eine farbige Holzschnittfolge. Die Blätter werden während der Diskurse erstmals in einer Ausstellung gezeigt. Die Künstlerin wird anwesend sein.
Die russische Dichterin Marina Zwetajewa wurde 1892 in Moskau geboren und beendete 1941 in Jelabuga ihr Leben. Ulrike Müller, Weimar, und Antje Finkenwirth, Berlin, werden diese leidenschaftliche Dichterin in einem literarisch-musikalischen Programm am 29.06.2003, 10.30 Uhr, vorstellen. Elke Erb, Berlin, eine der kongenialen Nachdichterinnen der Zwetajewa in deutscher Sprache, wird anschließend über ihr Marina-Zwetajewa-Bild sprechen. Dieser Vormittag wird also eine eindringliche Begegnung mit der russischen Dichterin ermöglichen.
In der Bibliothek Suhrkamp wird die Zwetajewa so vorgestellt:
Bereits als junges Mädchen entscheidet sie sich für die Poesie und beginnt Gedichte zu schreiben. Mit dem Zyklus Die Freundin (1914-1915) findet sie ihren eigenen Ton: direkt, herausfordernd und von expressivem Pathos. Nach der Revolution emigriert sie in die Tschechoslowakei, dann nach Paris. Heimweh jedes mal/Entlarvte Illusion!/Mir ist es ganz egal/Wo ich allein bin. Unter den schwierigsten Bedingungen schreibt sie auch weiterhin Gedichte bis zu ihrer Rückkehr nach Moskau 1939 und ihrem verzweifelten Freitod 1941 in Jelabuga.


