eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige Refinery (c1)
Di, 10:01 Uhr
01.02.2011

Bündnisse in Berlin

Gestern haben sich in Berlin Familienbündnisse aus ganz Deutschland getroffen, um sich auszutauschen und neue Ideen für die Projektarbeit vor Ort zu bekommen. Auch das Familiennetzwerk des Landkreises Nordhausen war dort und wir die Informationen dazu...

Staatssekretär Hecken (Foto: J. Piper) Staatssekretär Hecken (Foto: J. Piper)

Das Familiennetzwerk des Landkreises Nordhausen war gestern beim Bundeskongress der lokalen Bündnisse für Familie in Berlin. Eingeladen hatte das Bundesfamilienministerium, um neue Anregungen für die Projektarbeit vor Ort zu geben. Rund 500 Akteuren aus ganz Deutschland waren gekommen. Als Vertreterinnen des Nordhäuser Netzwerks waren die Koordinatorin des Bündnisses Kathrin Liesegang vom Jugendsozialwerk und Jessica Piper vom Landratsamt in der Hauptstadt, die viele Ideen mitnehmen konnten.

Die angekündigte Rede der Bundesfamilienministerin Kristina Schröder übernahm Staatssekretär Josef Hecken (Bild), weil die Ministerin kurzfristig an den Regierungskonsultationen in Israel teilnahm. „Das Fachkräftepotential bei Eltern darf nicht durch einen Betreuungsmangel brachliegen“, sagte der Staatssekretär Hecken. Einerseits müsse die passende Betreuungsinfrastruktur geschaffen werden, nicht nur vor der Schule, auch währenddessen. Andererseits müsse auch die Arbeitswelt flexibel auf Familienbedürfnisse reagieren, so Hecken.

In Vorbereitung des diesjährigen Aktionstags zum Internationalen Tag der Familie am 15. Mai wurden die Sieger des Ideenwettbewerbs „Unterstützungsnetzwerke für Berufstätige mit Schulkindern“ gekürt. Dabei ging es um verschiedene Ansätze, Freizeitangebote so aufeinander abzustimmen, dass am Nachmittag nach der Schule oder in den Ferien die Betreuung der Kinder gesichert ist. Ein Beispiel ist das Projekt des Jenaer Familienbündnisses „Sommer in der Stadt – Ferienbetreuung in Jena“.

Auch Modelle für eine Betreuung in Notfällen wurden geehrt, denn in diesem Bereich gebe es besonderen Nachholbedarf. Der diesjährige Aktionstag steht unter dem Motto „Mitgedacht, mitgemacht – für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ und alle Bündnisse sind dazu abgerufen, diesen Tag zum Anlass zu nehmen, um auf das Thema Nummer 1 in Familien aufmerksam zu machen: Denn für 85 Prozent der Eltern von Schulkindern ist die gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie der wichtigste Wunsch, hieß es auf dem Kongress. Etwa eine halbe Million Mütter von Schulkindern würde gern wieder arbeiten gehen, wenn die Betreuung der Kinder gesichert wäre – ein Problem, das vor allem die alten Bundesländer beschäftigt.

56 Prozent der Eltern schulpflichtiger Kinder meinen, dass in Deutschland Familie und Beruf nicht so gut vereinbar sind, wie eine Befragung des Instituts für Demoskopie Allenbach ergab, die dessen Geschäftsführerin Dr. Renate Köcher vorstellte. Dabei stehen ostdeutsche Eltern der organisierten Nachmittagsbetreuung beispielsweise in Horten deutlich positiver gegenüber als westdeutsche Mütter, die häufiger der Meinung sind, Kinder sollten am besten zuhause betreut werden.

Hier zeigten sich unterschiedliche Traditionen und Wertevorstellungen, die auch Prof. Dr. Klaus Hurrelmann von der Hertie School of Governance ansprach. Er zitierte Studien, wonach junge Frauen Kind und Kariere unter eine Hut bringen wollen. Nur ein Fünftel will Hausfrau und Mutter werden. Junge Männer seien allerdings nur deutlich seltener bereit, zeitweise bei der eigenen Karriere zurückzustecken, um Familienaufgaben zu übernehmen. „Wir müssen die Männer aus diesem sozialen Rollengefängnis herausholen, denn sie fühlen sich darin nicht pudelwohl“, sagte der Sozialwissenschaftler.

Dass Väter auch in den Augen der Kinder zu wenig Zeit haben, zeigte ein weitere Befragung, in der die 6- bis 11-Jährigen deutlich unzufriedener mit der Anwesenheit der Väter im Vergleich zu den Müttern waren. Ergebnisse wie diese zeigten, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht nur eine Frage der Betreuungsmöglichkeiten und der Arbeitsbedingungen seien, sondern auch eine Frage der Weiterentwicklung tradierter Familienmodelle.

Im Familiennetzwerk des Landkreises Nordhausen engagieren sich freie Träger, Vereine, die Fachhochschule sowie die Stadt- und Landkreisverwaltung. Die Initiative Lokale Bündnisse für Familie wurde in Deutschland 2004 vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ins Leben gerufen. Rund 640 Bündnisse sind heute aktiv. Mehr als 13.000 Akteure, darunter 5.000 Unternehmen, haben bereits rund 5.200 Projekte realisiert.
Autor: nnz

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)