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Di, 18:04 Uhr
04.01.2011

Gastwirtin aus Leidenschaft

Vielleicht war es ein Wink des Schicksals. Damals. 1991. Die Laborassistentin war arbeitslos, die Gaststätte wirtslos geworden. Die Aufgabe reizte. Die 26-Jährige wagte den Schritt. Steffi Spieß übernahm die Gaststätte „Am Hagen“ in Günzerode. Engagiert führt sie diese bis heute. Mit Erfolg. Sie musste ihn hart erkämpfen. In einem nur 240-Seelen-Ort. Tochter Doreen erinnert sich. Ein Bericht von Kurt Frank.

Wirtin mit Leib und Seele (Foto: K. Frank) Wirtin mit Leib und Seele (Foto: K. Frank)

In den Dörfern ringsum schlossen vor 20 Jahren nach und nach die Gasthäuser ihre Pforten. Die junge Wirtin wusste: Das Geschäft würde hart werden. Mit ein paar Gästen, die auf ein Glas Bier kamen, ließe sich keine Kasse machen. Ohne Kreativität, zündenden Ideen, Fleiß und Mühen würde sich ihr Traum, auf Dauer die Gaststätte zu führen, nicht erfüllen.

Meine Mutti malte keine Luftschlösser, beteuert die Tochter. Zunächst malte sie ein Schild. Warme Küche stand darauf. In großen Lettern. Mit einem Wegweiser versehen stellte sie es an der Kreuzung nach Mauderode auf, um hungrigen Durchreisenden den Pfad in die Gaststätte „Am Hagen“, die abseits der Hauptstraße liegt, zu weisen. Frau Wirtin lockte. Mit einer Disco an jedem zweiten Wochenende. Für die Landfrauen richtete sie an jeden ersten Mittwoch im Monat eine Kaffeetafel aus.

Auch an die Skatspieler dachte sie und organisierte regelmäßig einen Preisskat. Auf dem Parkplatz vor der Gaststätte etablierte sie einen Weihnachtsmarkt. Einheimische bereichern ihn jetzt jedes Jahr mit diversen Dingen.

Meine Mutti, erzählt Tochter Doreen, setzte sich noch einmal auf die Schulbank, qualifizierte sich zur Restaurantfachfrau und erwarb die Berechtigung, selbst für das Gastronomie-Gewerbe ausbilden zu dürfen. Meine Schwester Mandy Koch begann vor Ort ihre Ausbildung und ist bis heute an Mutters Seite tätig. Mit der Zeit kamen immer mehr Gäste. Was sie aus Pfanne und Topf serviert erhalten, kommt weder aus Dosen oder Tüten. Frisch und schmackhaft muss das Essen sein.

Deutsche Küche dominiert. Köchin Annett Hartung versteht ihr Handwerk. 30 verschiedene Gerichte finden sich auf der Speisekarte. Das sprach sich herum. Auch der Party-Service. Die Veranstaltungen häuften sich. Ob Sport- und Feuerwehr-Feste, Kirmes oder Familienfeiern – die Gaststätte „Am Hagen“ wurde zum gesellschaftlichen Mittelpunkt des kleinen Dorfes.

Meine Eltern, erinnert sich die Tochter, kauften das gesamte Objekt mit dem Saal, der 120 Personen Platz bietet. Der Karneval, der nach der Sperrung des alten Saales an Bedeutung verlor, erblühte wieder. Heute hat er im Südharz einen Namen. Gäste aus nah und fern erleben demnächst die Feuertaufe in die 53. Saison. Mutter investierte. Auch in das Kellergeschoss.

Drei Doppelzimmer mit TV, Dusche und WC entstanden. 3-Sterne-Niveau auf dem Lande. Auch Gäste aus dem Ausland übernachteten hier. Im Laufe der Zeit wurden noch viele Umbauten vorgenommen. Tipptopp sind die Toiletten. Gastraum und Freiterrasse wurden verschönert. Mutter lässt sich immer etwas Neues einfallen. So schaffte sie für die Kinder Schafe zum Streicheln und Füttern an. Nur die Natur hatte einmal etwas dagegen. Im Sommer kam eine Schlammlawine vom Berghang herunter und setzte die Pension unter Wasser. Dank vieler freiwilliger Helfer aus unserer Familie, dem Ort und der Feuerwehr gelang es, die Pension schnell wieder zu öffnen.

Konsum, Grundschule und Kindergarten sind längst dicht. Die Pforten der Gaststätte bleiben geöffnet. Tochter Doreen ist sich sicher: Zu ihrem heutigen 20-jährigen Jubiläum als Gastwirtin wird meine Mutti viele Glückwünsche bekommen. Ohne ihren Mut würden sich heute im Dorf Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Meine Schwester Mandy, unser Vater und ich wünschen ihr weiterhin alles Gute und immer wieder neue Ideen.
Kurt Frank
Autor: nnz

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Kommentare
jule julitschka
04.01.2011, 19:25 Uhr
Hallo Steffi...
wir wünschen Dir weitere 20 Jahre mit viel Gesundheit, Kraft und Erfolg, bleib weiter Deinem Team und Deinen Gästen eine immer gut gelaunte und fröhliche Wirtin...Telemekel und Anhang
Georg66
04.01.2011, 22:02 Uhr
Immer frisch
Dreißig Gerichte auf der Karte und immer mit Frischegarantie. Hut ab wenn dem so ist.
Ansonsten schließe ich mich den Glückwünschen an. Gerade Gastätten auf dem Lande hat der frische Wind der Marktwirtschaft zugesetzt.
MFG
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