Mitteldorf schämt sich
Die nnz hatte heute über die Hacker-Angriffe unter anderem auf die Internetseite der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora berichtet. Dazu gibt es ein Statement aus der Politik...
In meinem Urlaub in Griechenland muss ich über die hiesigen Medien erfahren, dass offenbar Neonazis durch ihre Angriffe auf die Internetseiten der Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora das Ansehen unseres Bundeslandes Thüringen beschädigt, die Opfer der NS-Diktatur verhöhnt haben, in dem sie gefährlich den Inhalt der Seiten verfälscht, oder komplett auf antisemitischen Seiten umgeleitet haben. Ich erwarte eine Untersuchung und Bestrafung der Täter. Verantwortlich für die Untersuchung sollten Staatsschutz und BKA sein, schreibt die Nordhäuser Landtagsabgeordnete der Linke, Birgit Keller der nnz.
Ähnlich äußert sich Matthias Mitteldorf: Vor mehr als einem Jahr, damals noch als Beigeordneter der Stadt, habe ich eindringlich vor dem Einzug der NPD in Stadtrat und Kreistag gewarnt. Jetzt sind die Nazis da. Offenbar wittern jetzt die Hinterbänkler Morgenluft. Wer auf den Seiten schrieb: ,brown is beautifull` oder ´Wir kommen wieder….`passt genau in das Schema! Auch das ist eine Schändung einer Gedenkstätte. Das gehört bestraft! Zum Glück konnte die Forschungsarbeit im Intranet der Gedenkstätte Dora erhalten bleiben.
Allein die Seite der Gedenkstätte Buchenwald wird durchschnittlich aus aller Welt 8000 mal täglich angeklickt. "Wenn diese Verbrecher nicht dingfest gemacht werden, welchen Eindruck macht dann unser Bundesland, die ganze BRD über Orte, die viele Staaten der Welt, neben Auschwitz, als Gedenkort gegen Faschismus und Krieg ehren, den großartiger Weise schon ein Präsident der USA besuchte. Wieder kann man sich hier in Nordhausen als Antifaschist nur schämen, so Mitteldorf weiter.
Autor: nnz
Kommentare
Georg66
29.07.2010, 17:55 Uhr
Verdreht
Es ist doch eigenartig, wie sich die Nordhäuser "Linke" in die Rolle eines Richters aufspielen will. War es doch das Brudervolk aus der damaligen Sowjetunion, welche das KZ Buchenwald fast im Anschluss an die "Befreiung" wieder genutzt hat und zwar als Internierungslager für sogenannte Naziverbrecher.
Dass dort viele Regiemgegner der Kommunisten umgekommen sind, wird in dem Statement des Herrn Mitteldorf nicht benannt. Es wäre auch ein Wunder, wenn es anders wäre. Die Hinterbänkler der Nordhäuser NPD haben die Webseite nicht gehackt, sondern der Angriff erfolgte aus dem Ausland.
MFG
L.J.
29.07.2010, 19:31 Uhr
...gegen Verunglimpfung und Gleichsetzung
Hallo
...und vielen Dank. Danke das die Meldung auch ihren Weg hierher findet. Mittlerweile berichten sämtliche große wie kleine Medien über den Hack auf die beiden Seiten der KZ-Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora.
Und zu der Berichterstattung gehören ebenfalls Statements aus der Politik. Ich persönlich begrüße jede Stellungnahme, solange sie sachlich am Thema ist und bleibt und ebenso die Verurteilung solcher Taten beinhaltet. Denn die Taten der NS-Verbrechen gehören nicht vergessen und es gilt den Opfern zu erinnern und zu mahnen! Ob das vor Ort einer Gedenkstätte der Fall ist oder virtuell anhand einer Internetseite. Und jeder Angriff, jede Schmiererei oder rechte Parole dient der Verunglimpfung der Opfer der NS-Verbrechen.
Wenn dann jmd. wie 'Georg66' daher kommt und angeblich weiß das der Angriff aus dem Ausland kam -was ja bisher nur vermutet wird und durch das ermittelnde BKA bisher nicht bestätigt wurde - und gleichzeitig versucht vom Thema abzulenken, der lässt in einem kurzen Satz tief blicken. - Da ist Revanchismus am Werk. Da will jmd. vom eigentlichen Thema ablenken und versucht sich im gleichsetzen.
Doch, es kann und darf keine Gleichsetzung von Opfern, egal welcher Greueltaten, geben. Jedes Ereigniss gehört separiert betrachtet und gewertet! Und die Geschehnisse und Greueltaten der NS-Zeit sind in ihrer Art und Weise und breiten Akzeptanz und Mittäterschaft (Einzelpersonen bis hin zur Wirtschaft) immer wieder zu verurteilen.
Retupmoc
30.07.2010, 07:58 Uhr
Hetze
In Bezug auf Ihren Kommentar, sehr geehrter Herr Mitteldorf muss ich als neutraler Betrachter einmal folgendes festhalten:
1. Die Aktionen im Internet sind eine bodenlose Frechheit, ein Verbrechen und gehören bestraft !
2. Wer bitte Herr Mitteldorf hat aber schon bewiesen, das es Nazis waren oder deren Anhänger? Vielliecht waren es auch Linke, um den Verdacht auf die Nazis zu lenken?
3. Die Chance, das es die zwei Hanseln aus dem hiesigen Kreistag waren ist sehr gering und eigentlich völlig abwegig.
Ich stelle also fest, das Sie hier eine Vorverurteilung geben, die keine Grundlage hat. Gerade Sie müssten doch gegen Vorverdächtigungen und Rundumschläge sein? Naja...leider muss ich feststellen das auch Ihre Partei zumindest in Nordhausen nicht mehr wählbar ist. Vielleicht sollte man dann doch einmal die ANDEREN wählen?
Real Human
30.07.2010, 15:30 Uhr
Nazis geißeln kann jeder
Eigentlich sollten Demokraten den Tätern auch etwas dankbar sein, denn die Verbreitung des NS-Software-Virus zeigt, dass auch im 21. Jahrhundert noch NS-Kultur-Viren (oder Meme – siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Mem!) virulent sind. Solche Ereignisse sollten das Immunsystem einer FUNKTIONIERENDEN Demokratie durch Training aber nur stärken.
Anders sieht es in einer geschwächten – weil immer weniger glaubwürdigen – Demokratie aus. (Angriffe auf diesen Schwachpunkt findet man auch zahlreich auf rechten Webseiten!) In Deutschland haben wir bekanntlich eine ausgeprägte Parteiendemokratie. Plebiszitäre Elemente wurden bewusst klein gehalten, weil man, als das Grundgesetz 1949 in Kraft trat, zu Recht das Fortwirken oder gar Wiedererstarken der braunen Ideologie fürchtete.
Deshalb wird auch bis heute der Bundespräsident nicht – wie der Reichspräsident in der Weimarer Republik – direkt vom Volk gewählt. Die im Kaiserreich anerzogene Untertanenmentalität führte bekanntlich zur Wahl von Hindenburg zum Ersatzkaiser, der danach eine Schlüsselfigur für die Wahl von Hitler zum Reichskanzler wurde.
Nach 1945 sollten die demokratischen Parteien den Volkswillen quasi filtern. Das tun sie auch heute noch – allerdings nicht so, wie es sich die Väter des Grundgesetzes gedacht haben. Nicht nur in Deutschland gibt es eine ausgesprochene Parteienverdrossenheit, denn wer zur Wahl geht, bekommt nach der Wahl meistens nicht das, was ihm seine Partei vor der Wahl versprochen hatte. Schon die Namen der Parteien erweisen sich in der Regierungspraxis meist als ein übler Etikettenschwindel:
In der Praxis ist die Christlich Demokratische Union eine Partei, die fast immer nur dem antichristlichen Mammon dient.
Das F in der FDP meint letztlich die Freiheit der Mächtigen, die Schwachen auszubeuten oder sie zumindest achtlos am Boden liegenzulassen.
Die älteste deutsche Partei, die SPD, regiert weder sozial noch – zumindest innerparteilich – demokratisch. Erinnert sei auch u.a. an den Wählerbetrug mit der Merkelsteuer!
Der grüne basisdemokratische Lack von Bündnis 90 Die Grünen wird immer dünner und rissiger. (Man gehört ja schließlich nach dem Langen Marsch durch die Institutionen jetzt zum Establishment!)
Ja, und was ist eigentlich links? Hauptsächlich auf die ehemaligen SED-Mitglieder bezogen, könnte man sich an den Spruch erinnern: Links ist da, wo (in der Praxis) der Daumen rechts ist. (So war die die NVA absolut kein linke Freischärler-Truppe, sondern tief in reaktionären preußischen Traditionen verhaftet.)
Weil ich in die Partei DIE LINKE trotzdem noch einige Hoffnungen setze, nun zu Herrn Mitteldorf und seinen Linken:
Der Lieblingsphilosoph des Führers schrieb einmal:
"Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei [selbst] zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein." (Aph. 146) (Das ist eine Weisheit, an die sich jeder Artikel- bzw. Kommentarschreiber möglichst oft erinnern sollte. Auch ich erinnere mich leider allzu oft nicht daran.)
So gibt es zwischen manchen Antifaschisten und Faschisten beträchtliche Schnittmengen. Intoleranz und Gewaltbereitschaft gehören beispielsweise oft bei beiden dazu. Der real existierende Sozialismus und der Nationalsozialismus sollten allerdings keinesfalls als deckungsgleiche Antipoden verleumdet werden. Trotzdem ist interessant, dass die Totalitarismustheorie einer der größten Reizbegriffe für die meisten Linken ist. (Z.B. in http://de.wikipedia.org/wiki/Totalitarismus wird sie dargestellt und beispielhaft untotalitär auch kritisiert.)
Anstatt den Antifaschismus wie eine Monstranz vor sich herzutragen, sollte DIE LINKE erst einmal glaubhaft machen, dass sie eine Gesellschaft anstrebt in der auf keiner Ebene, eine totalitäre Machtausübung wieder möglich ist und auch der öffentliche Zweifel erlaubt ist. Gut formulierte Programmentwürfe sind geduldig und wohlfeil. Es hängt aber in jeder Partei von den MITGLIEDERN ab, ob sie in der eventuellen Regierungspraxis auch verwirklicht werden. Es gibt für mich genug Indizien, die mich daran zweifeln lassen!
H.Buntfuß
01.08.2010, 11:37 Uhr
Show bleibt Show
Es gibt in Nordhausen ein Bündnis gegen Rechts, wenn ich richtig informiert bin. Diesem Bündnis gehörten einmal Politiker der verschiedenen Parteien an, außer der CDU, die blieb den Zusammenkünften schon immer fern.
Zu den anderen Parteien bleibt zu sagen, das sie den Zusammenkünften nur während der Zeit beiwohnten in der man um Wählerstimmen buhlte. Als die Zeit der Wahlen vorbei war, wart auch kein Politiker mehr gesehen.
Und genau deshalb halte ich das, was die Nordhäuser Politiker in Sachen RECHTS von sich geben, für populistisches Gerede. Wenn sie es ernst meinen mit der RECHTEN GEFAHR, warum verlassen sie dann solche doch sehr wichtigen Bündnisse.
Fazit: Der Bürger wartet bis zur nächsten Wahl, dann werden auch unsere Politiker wieder aktiv. Bis dahin überlassen sie das Feld den wenigen Bürgern, die noch zu dem Bündnis stehen.
TeeEff
05.08.2010, 15:55 Uhr
Tatverdächtige ermittelt!
Eine Woche nach dem Hacker-Angriff auf die Internetseiten der Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora sind zwei Tatverdächtige ermittelt worden. Die Polizei sei den beiden 28- und 31-jährigen Brüdern aus dem sächsischen Pirna über die Abrechnungsdaten eines Telefonanbieters auf die Spur gekommen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Erfurt am Donnerstag.
Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) stellten bei einer Wohnungsdurchsuchung am Mittwoch einen Computer sicher, von dem der Angriff auf die Online-Auftritte der Gedenkstätten erfolgt sein soll. Die Daten werden dem Sprecher zufolge nun vom BKA ausgewertet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Computer-Sabotage. Bei einer Verurteilung drohten Geldstrafen oder Haftstrafen bis zu drei Jahren.
Die zwei Verdächtigen sind den Angaben zufolge bisher nicht vorbestraft. Ob sie der Neonazi-Szene angehören, ist dem Sprecher zufolge noch unklar.
Kommentare sind zu diesem Artikel nicht mehr möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.