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Mo, 18:04 Uhr
05.10.2009

Mittelalterliches Machtzentrum (1)

Der Frauenberg bei Sondershausen war mittelalterliches Machtzentrum in Nordthüringen, so die Aussage von Dr. Diethard Walter vom Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie heute Nachmittag bei einer Pressekonferenz vor Ort...

Bei stürmischem Wind hatten heute am frühen Nachmittag Sondershausen Bürgermeister Joachim Kreyer (CDU) und Dr. Diethard Walter (im Bild links) vom Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie die Presse und viele interessierte aus verschiedenen Vereinen und Institutionen auf dem Frauenberg gerufen.

Ausgrabungen auf dem Frauenberg (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Zuerst dankte Bürgermeister Kreyer den vielen Helfern, welche diese Grabungen in vielen Formen unterstützt haben, sei es durch materielle Unterstützung (Sparkassen Kulturstiftung Hessen-Thüringen, Sponeta Schlotheim, Steuerbüro Lamprecht Sondershausen, Deuro-Haus und dem Land Thüringen), als auch in praktischer Hilfe und Mitarbeit (FAU Sondershausen, Heimat- und Geschichtsverein Jechaburg) und den direkt Beteiligten, wie Grabungsleiterin Sybille Jahn und dem Bauamtsleiter Sondershausen, Manfred Kucksch.

Danach über nahm Dr. Walter das Zepter und stellte erste Ausgrabungsergebnisse vor. Die Auswertung der vielen Funde wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Nach Abschluss der diesjährigen Ausgrabungen auf dem Plateau des Frauenberges bei Sondershausen steht aber schon fest: hier befand sich eines der wichtigsten Machtzentren Thüringens im beginnenden Mittelalter!

Ausgrabungen auf dem Frauenberg (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Daraufhin deuten herausragende Funde: unter dem Fußboden und den Fundamenten einer jüngeren Kirche stieß das Grabungsteam auf die Reste einer möglicherweise schon im 7. Jahrhundert errichteten frühmittelalterlichen Holzkirche. Der nur 4 x 3 m große Bau - vermutlich gab es im Umfeld noch weitere dieser kleinen Bauten - war entweder eine Friedhofskapelle oder ein Memorialbau über einem Grab, auf dem später eine Steinkirche errichtet wurde. Solche Bauten von geringer Größe sind aus den weiter westlich gelegenen Teilen des Frankenreiches häufiger bekannt. In Mitteldeutschland fehlten sie bisher, mit Ausnahme eines ebenfalls als Kirche gedeuteten Holzbaus auf einem bereits 2005 bei Sondershausen-Bebra ausgegrabenen Adelsfriedhof des späten 7. Jahrhunderts.


Ausgrabungen auf dem Frauenberg (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Die reich ausgestatteten Gräber einer Adelsfamilie aus dem 7. Jahrhundert sorgten für weitere Überraschungen während der Ausgrabungen, die bereits seit zwei Jahren von der Stadt Sondershausen in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie auf dem Frauenberg durchgeführt werden. Das Team um Grabungstechnikerin Sybille Jahn dokumentierte neben etwa 40 hochmittelalterlichen Bestattungen rund 30 Gräber aus dem Frühmittelalter. Nachdem schon 2008 ein Adliger in voller Waffenausrüstung die thüringische Archäologiewelt in Staunen versetzte, entdeckte man in diesem Sommer zwei reich ausgestattete Kindergräber und eine alte Dame, die mit Kolliers aus Goldanhängern und Perlen aus Glas und Halbedelsteinen bestattet wurde. Eine ebenfalls aufgefundene silberne Fibel in Kreuzform zeigt, dass sich die Adelsfamilie zum Christentum bekannte. Ganz besonders viele Beigaben enthielt offenbar das Grab einer Frau, das allerdings schon im Mittelalter beräumt wurde. Unter den verbliebenen Resten waren zwei goldene Nadelköpfe und Teile von lediglich 0,2 mm dünnen Goldfäden, die in die Kleidung der Frau eingewebt waren.

Die sensationellen Ausgrabungsergebnisse ermöglichen einmalige Einblicke in die Frühzeit christlichen Glaubens am nordöstlichen Rand des Ostfrankenreiches, geben Aufschluss über adlige Kultur und Frömmigkeit und lassen Strukturen der Macht in dieser Zeit erkennen. Ziel kommender Ausgrabungen wird sein, die zum Friedhof gehörende Siedlung auf dem Frauenberg aufzuspüren und deren Rolle im System frühmittelalterlichen Burgenbaus in Nordthüringen zu klären.

In der Bildergalerie werden Sie manches interessante Stück sehen. Auch wenn manche Sachen für den Laien sehr harmlos aussehen, wie der grüne Sturzbecher, eine Glasschale die aus dem Rheinland hier hergekommen sein muss, und wahrscheinlich aus der Zeit um 700 bis 800 stammt.
Ausgrabungen auf dem Frauenberg (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Ausgrabungen auf dem Frauenberg (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Ausgrabungen auf dem Frauenberg (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Ausgrabungen auf dem Frauenberg (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Ausgrabungen auf dem Frauenberg (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Ausgrabungen auf dem Frauenberg (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Ausgrabungen auf dem Frauenberg (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Ausgrabungen auf dem Frauenberg (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Ausgrabungen auf dem Frauenberg (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Ausgrabungen auf dem Frauenberg (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Ausgrabungen auf dem Frauenberg (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Ausgrabungen auf dem Frauenberg (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Ausgrabungen auf dem Frauenberg (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Ausgrabungen auf dem Frauenberg (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Ausgrabungen auf dem Frauenberg (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
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