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Mo, 10:00 Uhr
02.06.2008

Von Unverständnis bis Ablehnung

An der Basis der CDU rumort es. Bei der Hatz nach neuen Mitgliedern scheint den Christdemokraten im Landkreis Nordhausen fast jedes Mittel Recht zu sein, meinen Mitglieder dieser Partei. Auch Personen spielen kaum noch ein Rolle...


Die CDU stellt sich – soweit man das aus Bundessicht beurteilen kann – immer als politischer „Saubermann“ dar. Die historische Aufarbeitung von 40 Jahren DDR-Geschichte überläßt man anderen Parteien. Vorzugsweise den Linken. Man selbst habe dies bereits getan, die Aufarbeitung von Mitschuld und Verantwortung ist quasi abgearbeitet.

Umsomehr standen einige CDU-Mitglieder aus Nordhausen wie unter Schock, als sie sich in den Delegiertenreihen zum Kreisparteitag in Werther umgesehen hatten. Dort erblickte zum Beispiel Dr. Manfred Schröter einen Mann, den er sowohl aus der Zeit der DDR, der Wende und danach nur zu gut kannte. Wolfgang J., einst Direktor der HO im Landkreis Nordhausen, dann Mitarbeiter in den Südharzer Gipswerken in Ellrich, dann Anhänger, zumindest aber Sympathisant der Preußischen Reichsregierung. Nach Internet-Recherchen der nnz wohnt Wolfgang J. in Sophienhof, einer Enklave, die von den vernarrten Preußen (siehe nnz-Archiv) als Preußisches Eigentum betrachtet wird.

Wolfgang J. hat vermutlich diesen Teil seiner Biographie hinter sich gelassen. Jetzt will er sich in der CDU einbringen. Das aber wollen einige Christdemokraten aus Nordhausen nicht. Und so hat Dr. Schröter nach nnz-Informationen nach einem Gespräch nun einen Brief an den Kreisvorsitzenden Dr. Klaus Zeh geschrieben. Eine Antwort sei ausgeblieben, so die Informationen der nnz. Aus CDU-Kreisen ist aber auch zu hören, daß sich Wolfgang J. für den preußischen Teil seiner Biographie offiziell entschuldigt habe und sich aus heutiger Sicht von einem damaligen Verhalten klar und eindeutig distanziert habe.

Parteirechtlich gegen das Neu-Mitglied vorzugehen sei schwierig, Wolfgang J. sei in Halberstadt in die Reihen der Chrisdemokraten aufgenommen worden. Dann erfolgte die elektronische Ummeldung ins Nordhäuser Revier.

Für Dr. Schröter sei es nicht hinnehmbar, daß jemand in den Reihen der CDU sei, der vor allem in den Wendezeiten eine unrühmliche Rolle gespielt und sich als Verteidiger des kommunistischen Systems bis in dessen letzte Tage hinein aufgespielt habe. Auch 18 Jahre danach nicht.

Warum Wolfgang J. sich plötzlich für die Politik der Christdemokraten interessiert, ist nicht nachvollziehbar, vor allem dann nicht, wenn man im Spiegel-Archiv nachsucht. Dort war in der „Leserbrief-Ecke“ im Jahr 2006 folgender Eintrag zu finden: “Wer regiert Deutschland? Allein die Frage ist schon fast eine Provokation für über vier Millionen Arbeitslose, Millionen Sozialhilfeempfänger und Mitbürger, die ihren täglichen Lebensmittelbedarf an so- genannten Tafeln erbitten müssen. Die Regierenden haben den einzigen Souverän, nämlich das Volk, aus ihrem politischen Konzept gestrichen. Nur weil sie selbst, auch wenn sie dies bestreiten, von Lobbyisten und Managern der Großindustrie regiert und dirigiert werden. ILFELD (THÜR.) WOLFGANG JÖRGENS

All das in Summe ist für Dr. Manfred Schröter und andere Christdemokraten nicht mehr hinnehmbar. In der Sitzung der CDU-Stadtratsfraktion soll er angedeutet haben, „alles daran zu setzen, diesen Mann aus der Partei herauszuargumentieren“. Schröter blickt da vor allem in Richtung auf das kommende Jahr, dem Superwahljahr.

Aber wie das so ist: In einer Volkspartei geht man mit solchen Personalien nicht gerade offen um. Es ist bekannt, jetzt müsse man den Blick nach vorn richten und möglichst niemanden beschädigen. Immer schön in der Hoffnung, daß Geschichte sich doch so aufarbeiten läßt, damit es der eigenen Zukunft nicht abträglich ist.
Autor: nnz

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