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Mo, 12:15 Uhr
27.08.2007

nnz-Forum: 100. Geburtstag gefeiert

Nordhausen/Sollstedt (nnz). In diesem haben die Sollstedter Kolonisten ihren 100. Geburtstag der Bergarbeitersiedlung gefeiert. Mehr noch, sie haben der nnz dazu einen Brief geschrieben.

Geehert (Foto: nnz) Geehert (Foto: nnz)

Auch im Jahre 2007 haben wir den Titel Kolonist des Jahres honoris causa, also ehrenhalber vergeben. Damit haben wir einen bekannten Sollstedter Bürger geehrt, der sich in seinem Leben um unsere Bergarbeitergemeinde Sollstedt insgesamt und um die Bergleute im besonderen in ehrenswerter Weise verdient gemacht und auch eine enge Beziehung zu unserem Koloniefest, das sich zunehmender Beliebtheit im ganzen Ort erfreut, aufgebaut hat.

Der diesjährige Titelträger ist Harry Metz (Bildmitte), der sich nunmehr seit 01.07.2007 sozusagen im absoluten Ruhestand befindet und sich vorwiegend seiner Familie widmet. Harry Metz hat als Sohn eines Bergarbeiters in den Jahren 1958 bis 1961 die Lehre für den Bergmannsberuf erfolgreich absolviert. Ab 1961 war er in der Grube Sollstedt in der Förderung als Schrapperfahrer eingesetzt und nach Unterbrechung durch den Wehrdienst wurde er 1968 mit der Führung von Großgeräten betraut.

Durch Ingenieurstudium hat Harry Metz die Qualifikation zum Schichtsteiger erworben und wurde 1976 als solcher eingesetzt. Ingenieur für Produktionsdurchführung war ab 1982 bis zur Einstellung der Produktion im Oktober 1991 seine letzte Funktion in der Grube Sollstedt. Solide Sachkunde, denn er hatte den Bergmannsberuf ja von der Pike auf erlernt, und sachlicher und korrekter Umgang mit den ihm anvertrauten Bergleuten zeichneten ihn aus. Besonders lag ihm die Sicherheit der Bergleute am Herzen, was er als Grubenwehrmann ab 1969 und später als stellvertretender Oberführer tatkräftig unter Beweis stellte.

Ehrenamtlich engagierte sich Harry Metz im ortsansässigen Vfb Friedetal insbesondere in der Fußballernachwuchsförderung und u.a. als Fußballschiedsrichter. Als nach Vollzug der Wiedervereinigung Deutschlands die in der DDR staatlich gesteuerte Volkssolidarität in Sollstedt weg brach, bestand akuter Handlungsbedarf, um die Betreuung der älteren und auch sozialschwacher Bürger in Sollstedt durch entsprechende ehrenamtliche Initiativen sicherzustellen.

So fanden sich am 02.12.1991 im damaligen Gemeinschaftshaus der Gemeinde in der Halle-Kasseler-Straße unter Federführung der Bürgerinitiative Sollstedt (BIS) insgesamt 24 sozialbewusste Sollstedter Bürger, darunter Harry Metz, zur Gründungsversammlung des Fördervereins „Soziales Zentrum” e.V. zusammen. Er hatte sich zwischenzeitlich auf dem Gebiet der Sozialarbeit qualifiziert und wurde einstimmig zum Vorsitzenden des 9-köpfigen Vorstands gewählt.

Harry Metz hatte nach Beendigung der Tätigkeit im Kaliwerk eine Anstellung bei der Sollstedter Wohnungsbaugesellschaft mbH gefunden und war insbesondere mit der Überwachung und Wartung der Heizungsanlagen und anderen Außendienstaufgaben betraut. Seine Funktion als Vorsitzender des Fördervereins übte er neben seiner beruflichen Arbeit voll ehrenamtlich aus. Mit großem Geschick verstand er es, beide Aufgaben miteinander zu verbinden. Hohe Zuverlässigkeit, Sachkunde und Geschick, Hilfsbereitschaft und Bescheidenheit waren seine Markenzeichen. Wurde von einem Bewohner der SWBG ein Anliegen oder Problem an ihn herangetragen, so fand er stets einen schnellen Weg zur Abhilfe. Dabei lernte er auch persönliche Sorgen und Nöte der Bergbauveteranen und anderen älteren Bürger kennen, die ihn beflügelten, in seiner Funktion als Vorsitzender des Fördervereins mit den Möglichkeiten des Vereins zu helfen.

Mit Weitblick hat Harry Metz als Vereinsvorsitzender die Angebote der Gemeinde aufgegriffen und zunächst den Jugendclub und 1996 dann auch die Kindertagesstätte in freie Trägerschaft des Fördervereins „Soziales Zentrum” e.V. übernommen. So konnte sich der Verein zur führenden sozialen Kraft in unserer Bergarbeitergemeinde entwickeln. Längst möchten vor allem die älteren Bürger unserer Bergarbeitergemeinde die sozialen Angebote des Sozialen Zentrums mit Essenversorgung insbesondere für alleinstehende Bürger, Hauswirtschafts- und anderen Dienstleistungen sowie den Möglichkeiten interessanter Freizeitgestaltung nicht mehr missen.

Besonders lag Harry Metz der Aufbau eines vereinseigenen Pflegedienstes unter Nutzung der Möglichkeiten der von Norbert Blühm als damaligem Arbeitsminister ins Leben gerufenen Pflegeversicherung zur Sicherung der Betreuung pflegebedürftiger Senioren in ihrer häuslichen Umgebung am Herzen. Und unter Nutzung der kollektiven Weisheit des ihm zur Verfügung stehenden Vorstands ist es ihm auch gelungen gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen kritische Phasen für den Bestand des Pflegedienstes zu überwinden und ihn zu einer unter dem Dach des Fördervereins sich selbst tragenden Einrichtung zu entwickeln.

Die Existenz des Jugendclubs als Einrichtung des Fördervereins mit den vielfältigen und interessanten Freizeitangeboten wird von den Jugendlichen gern genutzt und sorgt dafür, daß junge Menschen in unserer Gemeinde nicht auf die falsche Bahn geraten. So haben ältere Bürger unserer Gemeinde keine Auswirkungen von Jugendkriminalität zu fürchten. Und daß unsere Kleinsten in der vom Verein geführten Kindertagesstätte unter der Obhut erfahrener Erzieherinnen gut aufgehoben und bei Spiel und Spaß liebevoll durch sachkundige Bildung und Erziehung auf die Schule und das spätere Leben vorbereitet werden, wissen insbesondere die jungen Eltern unserer Gemeinde sehr zu schätzen. Aber auch am öffentlichen gesellschaftlichen Leben wirken Kindergruppen mit ihren Erzieherinnen aktiv mit. Ob bei Ehrung älterer Bürger zum Geburtstag oder durch lustige Aufführungen zu Feiern und
Veranstaltungen, überall bereiten unsere kleinsten Bürger den Zuschauern und Zuhörern große Freude. Auch zum Koloniefest sind die Kinder und Erzieherinnen mit vielfältigen Programmeinlagen nicht wegzudenken.

Mit seiner Ausstrahlung auf die Bürger unserer Gemeinde ist der Förderverein „Soziales Zentrum” e.V. auch in der Mitgliederzahl schnell auf über das Zehnfache angewachsen und zählt nun schon jahrelang konstant ca. 260 sozial bewusste Bürger als seine Mitglieder. Zu den zweijährlich stattfindenden Vorstandswahlen haben die Mitglieder jedes Mal Harry Metz das Vertrauen ausgesprochen und ihn einstimmig als Vorsitzenden wiedergewählt. So hat er in den über 15 Jahren als Vorsitzender mit dem Vorstand des Vereins Sozialgeschichte in unserer Gemeinde geschrieben.

Engagiert und zuverlässig war Harry Metz vor Ort zur Stelle, wenn es galt, operative Probleme in den Einrichtungen des Vereins zu beheben. Durch Nutzung der kollektiven Weisheit des Vorstands bei Vorbereitung und Treffen von Entscheidungen und Verteilung erforderlicher bürokratischer Aufgaben an einzelne Vorstandsmitglieder nach ihren Fähigkeiten und zeitlichen Möglichkeiten und enge Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung als Geschäftsbesorger hat er den Vorstand des Fördervereins zu einem ehrenamtlichen geschäftsführenden Vorstand entwickelt, was einen hauptamtlichen Geschäftsführer erübrigt.

Hervorzuheben ist sein besonderes Geschick, Kontakte mit öffentlichen Stellen, wie der Agentur für Arbeit oder dem Landratsamt, zu knüpfen, um ergänzend zu den festangestellten Mitarbeitern des Vereins geeignete Arbeitskräfte aus dem zweiten Arbeitsmarkt zu gewinnen und so insbesondere Sollstedter Bürgern die Möglichkeit für sinnvolle Beschäftigung und Aufbesserung ihrer finanziellen Lage zu bieten. Auch konnte er die Bereitschaft einiger Bürgerinnen für ehrenamtliche Tätigkeit im Sozialen Zentrum wecken.

Einen besonderen Bezug zum traditionellen Koloniefest und damit zur Kolonie als Bergarbeitersiedlung und den dort lebenden Bergbauveteranen hat er hergestellt, als er 1997 zum 3. Koloniefest ohne Zaudern die dem Förderverein von den Organisatoren angetragene Schirmherrschaft über das Koloniefest annahm. Seit dem war er regelmäßig in die Organisation des Koloniefestes einbezogen und sorgte er insbesondere für das Herbeiholen diverser für eine solche Festlichkeit erforderlicher Genehmigungen. Seit dem sahen wir ihn zur Eröffnung des Koloniefestes mit dem Organisator Dieter Kleofas sowie dem Bürgermeister auf der Bühne stehen und gemeinsam mit seiner Frau selbstverständlich auch zum offenen Gottesdienst im Festzelt.

Harry Metz ist Bergmann mit Leib und Seele auch nach Ausscheiden aus dem Bergmannsberuf geblieben, was er nicht nur durch täglich frühes Aufstehen dokumentiert. So hat er auch das Angebot des Leiters des Bergwerks Frank Wenkel für die Durchführung von Grubenfahrten für interessierte Bürger zu Anlässen wie dem Bergmannstag begeistert aufgegriffen Er hat diese Grubenfahrten durch Bekanntmachung und Erfassung der Teilnehmer organisiert und den Stolz mitempfunden, wenn Bergbauveteranen ihren Enkeln bei solcher Gelegenheit die Stätten ihres früheren Wirkens zeigen konnten.

Der ständige hohe Einsatz von Harry Metz für die sozialen Belange unserer Gemeinde hat an seinen Kräften gezehrt, so dass er zu unser aller Bedauern aber auch mit unserem Verständnis am 01.07.2007 von seiner Funktion als Vorsitzender zurückgetreten ist und sich nun, wie eingangs bemerkt, im absoluten Ruhestand befindet. Welcher Beliebtheit er sich als Vorgesetzter der Beschäftigten des Fördervereins durch sein sachliches und kollegiales Führungsgeschick erfreuen durfte, erkennt man daran, daß es den Leiterinnen der Einrichtungen des Fördervereins ein Herzensbedürfnis war, ihn bei der Verabschiedung durch ihre Anwesenheit und Übergabe eines kleinen persönlichen Geschenkes zu ehren.

Und wir dankten heut und hier einem aufrechten, guten und sehr engagierten Demokraten, nicht nur im Namen der Kolonisten, sondern im Namen aller Sollstedter für sein schon während des Berufslebens, insbesondere aber in seiner langjährigen ehrenamtlichen Funktion als Vorsitzender des Fördervereins „Soziales Zentrum” e.V. herausragendes Engagement für die Bergleute sowie anderen Bürger Sollstedts und wünschten ihm im Kreise seiner Familie gute Erholung und noch viele erlebnisreiche Jahre.
W.-D. Benkenstein, D. Kleofas, J. Hohberg
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
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