Do, 14:37 Uhr
02.08.2007
Keller statt Latrine
Nordhausen (nnz). Die Ausgrabungsarbeiten auf der innerstädtischen Großbaustelle der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft stehen vor dem Ende. Zum Schluss gab es eine Überraschung für die Archäologen...
Werner Kaiser zeigt den freigelegten Schachtkeller, der später als Latrine genutzt wurde
Die vor Wochen freigelegte Latrine war ursprünglich ein Keller - und diese Art Keller sind einmalig in Thüringen - es gibt sie so nur in Nordhausen. Das ist ein wirkliches Highlight!, so die Fachleute. Von diesen Anlagen seien in Nordhausen schon etliche gefunden worden, zum Beispiel in der Kranichstraße, der Paffengasse und der Domstraße - dort kann man einen solchen noch besichtigen. Allerdings wussten wir mit dieser Art Bauwerke nie richtig etwas anzufangen. Es war unklar, zu welchem Zweck sie errichtet wurden, alle sind aber nach demselben Strickmuster gebaut - und alle wurden später als Latrine genutzt. Jetzt haben wir die Antwort - und endlich Klarheit!
Je mehr man die vermeintliche Latrine freigelegt habe, je mehr Mauern kamen zum Vorschein, zum Schluss war klar: Es ist ein - wie ich ihn nenne - Schachtkeller, quasi die technologische Vorstufe zum Gewölbekeller. Das besondere: Die Einfachheit der Bauweise: Nur die Ecken eines senkrecht in die Erde gegrabenen Schachtes wurden aufgemauert. Diese Säulen wurden dann zur Stabilisierung mit Segmentbögen - und auch dreieckigen Abstützungen oder Gewölbebögen - verbunden. Da der Wandkies in der Nordhäuser Oberstadt recht kompakt und damit stabil ist, konnte er die Wände bilden, damit ersparte man sich aufwändig herzustellende Wände.
Der Nebeneffekt: Der Keller war durch das direkt umgebene Erdreich natürlich kühl und feucht. Zwischen den gemauerten Eckwänden - in den Nischen - wurden Holzbohlen gelegt als Regale. Selbst die Entwässerung war klar: Aufgrund einer speziellen schichtweisen - so genannten stratografischen - Grabungstechnik konnten wir eine Art Sickermulde freilegen: Sie durchstieß die anstehende Tonschicht auf dem Kellerboden bis zur nächsten Kies-Schicht und bildete damit die natürliche Drainage. Alles zusammengenommen hatte man mit diesem Bauwerk eine optimale und vor allem einfache Lösung zur Aufbewahrung von Lebensmitteln. Lediglich der Zugang dürfte nicht komfortabel gewesen sein - es ging in einem Loch in der Deckschicht des Kellers wahrscheinlich auf einer engen Leiter nach unten.
Dies dürfte auch der Grund gewesen sein, warum man den Keller also solchen aufgegeben habe zugunsten des Gewölbekellers, und sekundär als Latrine bzw. Abfallgrube genutzt habe: Der Gewölbekeller war besser begehbar und damit leichter bestückbar - über eine Treppe, die bequem nach unten führte, erklärte Grabungsleiter Müller.
Autor: nnzWerner Kaiser zeigt den freigelegten Schachtkeller, der später als Latrine genutzt wurde
Die vor Wochen freigelegte Latrine war ursprünglich ein Keller - und diese Art Keller sind einmalig in Thüringen - es gibt sie so nur in Nordhausen. Das ist ein wirkliches Highlight!, so die Fachleute. Von diesen Anlagen seien in Nordhausen schon etliche gefunden worden, zum Beispiel in der Kranichstraße, der Paffengasse und der Domstraße - dort kann man einen solchen noch besichtigen. Allerdings wussten wir mit dieser Art Bauwerke nie richtig etwas anzufangen. Es war unklar, zu welchem Zweck sie errichtet wurden, alle sind aber nach demselben Strickmuster gebaut - und alle wurden später als Latrine genutzt. Jetzt haben wir die Antwort - und endlich Klarheit!
Je mehr man die vermeintliche Latrine freigelegt habe, je mehr Mauern kamen zum Vorschein, zum Schluss war klar: Es ist ein - wie ich ihn nenne - Schachtkeller, quasi die technologische Vorstufe zum Gewölbekeller. Das besondere: Die Einfachheit der Bauweise: Nur die Ecken eines senkrecht in die Erde gegrabenen Schachtes wurden aufgemauert. Diese Säulen wurden dann zur Stabilisierung mit Segmentbögen - und auch dreieckigen Abstützungen oder Gewölbebögen - verbunden. Da der Wandkies in der Nordhäuser Oberstadt recht kompakt und damit stabil ist, konnte er die Wände bilden, damit ersparte man sich aufwändig herzustellende Wände.
Der Nebeneffekt: Der Keller war durch das direkt umgebene Erdreich natürlich kühl und feucht. Zwischen den gemauerten Eckwänden - in den Nischen - wurden Holzbohlen gelegt als Regale. Selbst die Entwässerung war klar: Aufgrund einer speziellen schichtweisen - so genannten stratografischen - Grabungstechnik konnten wir eine Art Sickermulde freilegen: Sie durchstieß die anstehende Tonschicht auf dem Kellerboden bis zur nächsten Kies-Schicht und bildete damit die natürliche Drainage. Alles zusammengenommen hatte man mit diesem Bauwerk eine optimale und vor allem einfache Lösung zur Aufbewahrung von Lebensmitteln. Lediglich der Zugang dürfte nicht komfortabel gewesen sein - es ging in einem Loch in der Deckschicht des Kellers wahrscheinlich auf einer engen Leiter nach unten.
Dies dürfte auch der Grund gewesen sein, warum man den Keller also solchen aufgegeben habe zugunsten des Gewölbekellers, und sekundär als Latrine bzw. Abfallgrube genutzt habe: Der Gewölbekeller war besser begehbar und damit leichter bestückbar - über eine Treppe, die bequem nach unten führte, erklärte Grabungsleiter Müller.



