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Mi, 12:59 Uhr
01.07.2026
EUPHORIE UM DEN PLATZ DER GEWERKSCHAFTEN, DOCH:

Ein Schwälbchen macht noch keinen Sommer

Deutschland hat sich abgekühlt. Wir atmen auf. Schlaftaugliche Nächte wieder unter 20 Grad. Welch eine Wohltat. Der Sommer, warnen Meterelogen, wird neuen Anlauf nehmen. Möge er uns vor einer neuen Hitzewelle mit 40 Grad plus bewahren...

Bild:
Beton ersetzte die ehemalige Parkanlage, die sich etwa in diesem Bereich befand. (siehe weiter unten) (Foto: Kurt Frank)

Nordhausen. Die Gluthitze erst dieser Tage zeigte eindrucksvoll, wie verletzlich wir hierzulande sind. Es fehlte schlichtweg an wirksamen Konzepten, um Menschen vor extremen Temperaturen und gesundheitlichen Gefahren zu schützen. Schon überschaubare Maßnahmen können hilfreich sein. Auch in Nordhausen?

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Welch ein Vorhaben: Grün soll (NNZ berichtete) Tristesse auf dem Platz der Gewerkschaften folgen. Es liest sich wie ein Märchen aus Tausend und einer Nacht, was da geplant ist: Bäume, Bänke, überdachte Wartehäuschen. Die als großartig dargestellt Kur sollte man dennoch nicht euphorisch beklatschen. Ältere Nordhäuser erinnern sich:

Einst befand sich auf der Platzmitte ein grünes Rondell, von hohen Bäumen umringt. Vor dem heutigen Arbeitsamt sah man Linden, die sich auch einzeln um den Platz fanden. Alles verschwand unter Asphalt. Was sich jetzt tut ist, mit Verlaub, Wiedergutmachung einstiger Versäumnisse, wenn auch umfangreicher.

Wilma Busch von den Grünen bringt die Idee in die Debatte, die künftigen Dächer der Wartehäuschen zu begrünen. Löblich. Ein Schwälbchen, das aber noch keinen Sommer bringt. Wo, sei gefragt, bleiben da die Absichten von WBG und SWG, Dächer ihrer umfangreichen Wohnbauten zu begrünen? Bieten sich da unter anderem die der Plattenbauten nicht an? Oder Hauswände mit Efeu zu bestücken? Mit dem grünen Haus in der Stolberger Straße machte die Wohnungsbaugenossenschaft einen bemerkenswerten Anfang.

Mehr Grün auch auf dem Bahnhofsplatz? Einheimische wie Besucher älterer Jahrgänge wissen es noch: Markante Linde auf einer etwas erhöhten Parkanlage mit Bänken und Büschen, sprudelnder Springbrunnen, umgeben von einer Blütenpracht vor dem damaligen Handelshof, heute Fürstenhof. Er würde dem Hotel gut zu Gesicht stehen, es vehement aufwerten! Mini-Park mit Bänken und hohen Bäumen dort, wo heute das grüne Ungeheuer dominiert.

Bild:
Das Bild deutet auf die einstige etwas erhöhte Parkanlage mit Bänken, Büschen, umstehenden Bäumen und die markante Linde im Hintergrund hin. (Foto: Kurt Frank)

Die Bahn hatte da einen Plan, die Landesgartenschau ebenfalls. Es verschwand, was das Gesicht des Areals ehemals bestimmte, es liebenswert machte. Moderner sollte er werden, mit mehr Beton, Platten und Steinen. Wer da den Hut aufhatte, vermag ich nicht zu sagen. Man hat wohl in der Absicht gehandelt, das Richtige getan zu haben. Leider bewirkte man das Gegenteil. Vielleicht könnte Inge Klaan, heute Chefin der SWG, etwas dazu sagen.

Den Schandklotz verschwinden zu lassen, ist Illusion. Wie eine Information auf Anfrage aus dem Rathaus vermuten lässt, wird er wohl noch das Stadtbild verschandeln, wenn Oberbürgermeister samt Gefolge schon eine Ewigkeit in Pension sind. Vor acht Jahren sei man schon mit dem neuen Eigentümer in Kontakt gewesen, wollte ein Nutzungskonzept entwickeln und gemeinsam abstimmen.

Dazu sei es nicht gekommen. Aus dem Rathaus verlautet nur: „Seitdem gibt es keinen Kontakt mehr und ebenso unsererseits keine Kenntnis, ob sich die Eigentumsverhältnisse zwischenzeitlich geändert haben“. Will sich die Stadt damit zufriedengeben? Martin Juckeland ist im Rathaus für die Stadtentwicklung zuständig. Ich schätze ihn als einen engagierten und durchsetzungsstarken Menschen und mag nicht glauben, dass man sich nicht um entsprechende Auskünfte bemühe.

Wenn schon ein großes Fragezeichen um das dahindämmernde Hochhaus, sollte da die Hoffnung auf mehr Grün auch auf dem Bahnhofplatz endgültig gestorben sein? Wie er sich darstellt, ist er weder liebenswert noch gemütlich, stattdessen stark aufheizend, wenn die Temperaturen wieder steigen. Ebenso der Bereich um das Bürgerhaus. Kein Baum, kein Strauch, keine Blume. Ein Prestigeobjekt! Da kann ich nur unterstreichen, was Bodo Schwarzberg dazu schreibt.
Wir kennen das Gute und loben es – auch die Bemühungen der Stadt um mehr Hitzeschutz für die Menschen. Noch aber ist es nicht der Schwarm an Schwalben, der einen Sommer ausmacht.
Kurt Frank
Autor: red

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Kommentare
krimimimi
01.07.2026, 13:51 Uhr
Fr. W. Busch
kleine Anmerkung für die unwissenden "Grünen" !
Efeu besitzt Haftwurzeln, sie können das Mauerwerk stark beschädigen, daher nur bedingt geeignet.
Marino50
01.07.2026, 14:03 Uhr
Bäume und mehr
Als am Montag die Regendusche kam, ist es besonders aufgefallen. In der Landgrabenstraße zwischen Bahnhof und Uferstraße ist nicht ein Baum oder Busch. Der Regenschauer prasselte auf die betonierte Fläche. Und so ist es auch auf dem Bahnhofsvorplatz und Platz der Gewerkschaften sowie die Parkplätze beim Rolandtor.
Wanderwölfin
01.07.2026, 15:13 Uhr
Bahnhofsvorplatz
Der Bahnhofsvorplatz sieht wirklich grau und geschmacklos aus. Die Linde versuchte man lange zu erhalten, doch sie hatte einen Pilzbefall und konnte leider nicht mehr gerettet werden. Wahrscheinlich ist ihr der Beton ringsherum nicht bekommen. Einst war der Platz viel grüner und schöner.
Bodo Schwarzberg
01.07.2026, 23:52 Uhr
Kurt Frank: Ja, das was schön war, soll vergessen werden.
Ich danke dem Nordhäuser Zeitungs-Urgestein Kurt Frank für diesen Beitrag. Der erste Gedanke, der mich beim Lesen überkam:

Der Blick von, ich glaube mehr als acht Lebensjahrzehnten Herrn Franks auf die Entwicklung der Stadt, widerspricht dem kurzfristigen Denken und Agieren heute politisch und verwaltungstechnisch Zuständiger in den zeitlich und finanziell begrenzten Projektdimensionen der heutigen Zeit.

Das macht Kurt Frank so wichtig, da unbequem. Es ist doch beschämend für Klaan & Co: Der Bahnhofsvorplatz war in der Diktatur DDR lebenswerter als im uns übergestülpten Westen, der ja auch für Nordhausen nur Gutes versprach.

Die typisch westliche Projektitis beinhaltet aber oft genug nur das Verbraten von gerade mal vorhandenem Geld ohne wirkliche Vision und ohne das Einbeziehen wichtiger "Randbedingungen" wie z.B. des Bevölkerungsschutzes in Zeiten zunehmend langer und extremer Hitzeperioden, mit u.U. dramatischen Folgen.

Noch schlimmer aber ist, dass die dafür verantwortlichen Personen auch heute nicht selten noch immer Entscheidungen treffen.

Das wäre okay, sofern sie die bestehenden Probleme und ihre eigene Verantwortung verstanden hätten. Haben sie das?

Wir werden sehen, ob man im Interesse der Menschen endlich lernt und schnell mehr Grün in die Stadt bringt, das Wasser in der Stadt hält, statt es beim nächsten Extremregen in die Keller von Windehausen abfließen zu lassen.
Kuller2022
02.07.2026, 07:44 Uhr
Wo sind sie geblieben?
Es war in dem Jahr als die Postkartenecke saniert wurde.Bevor die unzähligen Spalten und Ritze in der Fassade geschlossen wurden brüteten hier seit vielen Jahren hunderte Mauersegler..Zu Hunderten schossen sie duch die Lüfte um die Blasii-Kirchtürme.Für die Sanierungsarbeiten wurden die Fassaden mit Netzen abgehängt.Verzweifelt versuchten die Altvögel zu ihren Jungen zu gelangen .Ich arbeitete zu dieser Zeit auf dem Hof der Engelsburg und bekam das ganze Drama hautnah mit.Duch meine Intervention bei der Stadtverwaltung wurden die Netze wieder abgehangen und die Arbeiten bis nach der Brutsaison verschoben. Nun sind diese bezaubernden Vögel schon seit Jahren hier verschwunden.Kann man in diesem Bereich nicht künstliche Nisthilfen anbringen ?Oder hat man Angst daß die Fassaden verschmutzt werden?
Kuller2022
02.07.2026, 07:57 Uhr
"Der Gerechte
erbarmt sich seines lieben Viehs.'Ich glaube so ähnlich steht es im Oval des sogenannten Pferdebrunnens.in der Parkallee. Da dieser vor Jahren undicht wurde hat man kurzerhand mit Erde aufgefüllt und mit Blumen bepflanzt.Mit den heutigen technischen Möglichkeiten sollte man doch in der Lage sein diesen Brunnen dauerhaft abzudichten .Ich würde mich freuen wenn hier -auch im Zuge des Klimawandels -das Wasser wieder plätschern würde
P.Burkhardt
02.07.2026, 18:29 Uhr
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