Sa, 16:30 Uhr
02.05.2026
Medizinisches Marihuana aus der Apotheke
Was kann Cannabis?
Vor zwei Jahren wurde Cannabis in Deutschland teilweise legalisiert. Für medizinische Zwecke darf der Stoff allerdings schon seit 2017 genutzt werden, bis in die Apotheke vor Ort schaffen es Cannabis-Präparate aber eher selten. In Nordhausen ändert sich das gerade…
Das Kraut ist grün, riecht in der Blüte recht kräftig und wird weltweit konsumiert - mitunter seit Jahrhunderten - zumeist mit dem klaren Zweck des High, der berauschenden Wirkung, die die Pflanze in verschiedensten Darreichungsformen entfalten kann. In Deutschland war das bis vor zwei Jahren weitestgehend illegal - die Rede ist natürlich vom Cannabis.
Der Politik taugt das CannG auch zwei Jahre später noch als Futter um das Wahlvolk zu beschäftigen, je nachdem wen man fragt aus unterschiedlichen Gründen. Der Konsum hat sich derweil kaum gewandelt, das Land ist nicht unter einer Rauchwolke verschwunden.
Weit weniger Aufmerksamkeit hat bis dato ein anderer Aspekt der Legalisierung bekommen: der Nutzen von Cannabinoiden in der Medizin. Die ist in Deutschland schon seit 2017 möglich, findet bis heute aber nur verhalten Anwendung. Das Zahlenwerk zum allgemeinen Konsum vom Ende vergangenen Jahres kann denn auch keine Aussagen zum medizinischen Nutzverhalten machen.
Medizinisches Cannabis, dass muss man bei dem Thema immer erst einmal festhalten, ist legal, verschreibungspflichtig wie andere Medikamente auch und gilt dem Gesetz nach nicht mehr als Betäubungsmittel. Und man muss klar unterscheiden zwischen dem Freizeitkonsum und der Anwendung in der Medizin, das sind zwei völlig verschiedene Dinge, erläutert Alexander Freyberg. Der junge Apotheker macht in Nordhausen seit ein paar Wochen die Runde und sucht aufzuklären - bei Kollegen, Ärzten und der Kundschaft - um die therapeutische Anwendung aus der Schmuddelecke der Kiffer-Klischees zu holen. Ein Problem, dass wir aktuell noch haben, ist tatsächlich die lange Illegalität. Für die Wirksamkeit der Stoffe in den einzelnen Anwendungsbereichen fehlt es hierzulande an Studien, da ist man zum Beispiel in den USA schon viel weiter. Die Evidenzbasis wird bei der Verschreibung aber von den Krankenkassen vielfach vorausgesetzt, und die wird bei uns gerade erst gelegt.
Die meisten Verschreibungen, berichtet Freyberg weiter, kommen deswegen über telemedizinische Angebote, also vom anonymen Doktor aus dem Netz. Niedergelassene Fachärzte scheuten häufig die mögliche Auseinandersetzung mit den Krankenkassen. Als verschreibungspflichtiges Arzneimittel muss die Nutzung von medizinischem Cannabis egal in welcher Form aber eine ärztliche Begleitung erfahren, die Abwägung sei an dieser Stelle eher eine Hürde für die Mediziner, weniger für die Patienten.
Die zwei häufigsten Anwendungsgebiete sind chronische und neuropathische Schmerzen, aber auch bei Multiples Sklerose, in der Tumortherapie, bei Angst- oder Schlafstörung oder Depressionen und im palliativen Bereich kann Cannabis zum Einsatz kommen, erläutert der Apotheker weiter. Das Rauchen ist eine Möglichkeit der Einnahme, vor allem dann, wenn schnelle Linderung das Ziel ist. Idealerweise passiert das heute mittels Vaporisierer und nicht, wie der eine oder andere das vielleicht kennt, in der Mischung mit Tabak, was die denkbar schlechteste Variante darstellt. Es gibt aber auch andere Wege. Wir arbeiten meist mit Extrakten, also konzentriertem Cannabis-Öl - das ist besser dosierbar, wirkt länger, ist leicht einzunehmen, schadet der Lunge nicht und kann individuell auf die Bedürfnisse des jeweiligen Falls angepasst werden. Für den Freizeitgebrauch taugten die Mittel nicht, meint Freyberg, die Präparate sind so abgestimmt, dass im Endocannabinoid-System des Körpers weniger das klassische High ausgelöst wird, sondern die schmerzlindernde Wirkung in Vordergrund rückt.
Im medizinischen Alltagsgeschäft kommt Cannabis aber nur langsam an, im Studium in Halle wurde das Thema lediglich angeschnitten, berichtet Freyberg, viele Kollegen und Ärzte kennen sich kaum aus. Mehr Expertise würde aber dringend Not tun, meint der Apotheker. Der Versand steht vor dem Verbot, wenn das so kommt, werden die stationären Apotheken vor Ort zum Ansprechpartner. In den größeren Städten gibt es mitunter schon Einrichtungen, die sich dahingehend spezialisiert haben, in der Fläche braucht es die nötigen Qualifikationen noch. Eine Einführung in die Thematik für das Fachpublikum gab Freyberg vor rund zwei Monaten, von 50 geladenen Gästen kamen immerhin 30, die Resonanz sei positiv und im eigenen Haus sehe man einen Anstieg der Anfragen, auch von Seiten der Kundschaft.
Zwei Apotheker-Generationen: Alexander Freyberg soll Kathrin Göpffarth's Apotheken in Nordhausen und Niedersachswerfen übernehmen (Foto: K. Göpffarth)
Freyberg leitet zur Zeit die Marien-Apotheke in Niedersachswerfen und steht bereit, in die Fußstapfen von Kathrin Göpffarth zu treten und auch die Verantwortung über die Apotheke am Theater zu übernehmen. Noch ist die Nachfolge nicht gänzlich in trockenen Tüchern, bis zum Ende des Jahres könnte der Staffelstab an die nächste Generation aber übergeben werden. Am erprobten Konzept werde sich nichts ändern, meint Freyberg, Kathi Göpffarths Apotheken hätten stets Schulmedizin und Naturheilkunde verbunden, die Ergänzung durch medizinisches Cannabis werde sich da gut einfügen.
Angelo Glashagel
Autor: redDas Kraut ist grün, riecht in der Blüte recht kräftig und wird weltweit konsumiert - mitunter seit Jahrhunderten - zumeist mit dem klaren Zweck des High, der berauschenden Wirkung, die die Pflanze in verschiedensten Darreichungsformen entfalten kann. In Deutschland war das bis vor zwei Jahren weitestgehend illegal - die Rede ist natürlich vom Cannabis.
Der Politik taugt das CannG auch zwei Jahre später noch als Futter um das Wahlvolk zu beschäftigen, je nachdem wen man fragt aus unterschiedlichen Gründen. Der Konsum hat sich derweil kaum gewandelt, das Land ist nicht unter einer Rauchwolke verschwunden.
Weit weniger Aufmerksamkeit hat bis dato ein anderer Aspekt der Legalisierung bekommen: der Nutzen von Cannabinoiden in der Medizin. Die ist in Deutschland schon seit 2017 möglich, findet bis heute aber nur verhalten Anwendung. Das Zahlenwerk zum allgemeinen Konsum vom Ende vergangenen Jahres kann denn auch keine Aussagen zum medizinischen Nutzverhalten machen.
Medizinisches Cannabis, dass muss man bei dem Thema immer erst einmal festhalten, ist legal, verschreibungspflichtig wie andere Medikamente auch und gilt dem Gesetz nach nicht mehr als Betäubungsmittel. Und man muss klar unterscheiden zwischen dem Freizeitkonsum und der Anwendung in der Medizin, das sind zwei völlig verschiedene Dinge, erläutert Alexander Freyberg. Der junge Apotheker macht in Nordhausen seit ein paar Wochen die Runde und sucht aufzuklären - bei Kollegen, Ärzten und der Kundschaft - um die therapeutische Anwendung aus der Schmuddelecke der Kiffer-Klischees zu holen. Ein Problem, dass wir aktuell noch haben, ist tatsächlich die lange Illegalität. Für die Wirksamkeit der Stoffe in den einzelnen Anwendungsbereichen fehlt es hierzulande an Studien, da ist man zum Beispiel in den USA schon viel weiter. Die Evidenzbasis wird bei der Verschreibung aber von den Krankenkassen vielfach vorausgesetzt, und die wird bei uns gerade erst gelegt.
Die meisten Verschreibungen, berichtet Freyberg weiter, kommen deswegen über telemedizinische Angebote, also vom anonymen Doktor aus dem Netz. Niedergelassene Fachärzte scheuten häufig die mögliche Auseinandersetzung mit den Krankenkassen. Als verschreibungspflichtiges Arzneimittel muss die Nutzung von medizinischem Cannabis egal in welcher Form aber eine ärztliche Begleitung erfahren, die Abwägung sei an dieser Stelle eher eine Hürde für die Mediziner, weniger für die Patienten.
Die zwei häufigsten Anwendungsgebiete sind chronische und neuropathische Schmerzen, aber auch bei Multiples Sklerose, in der Tumortherapie, bei Angst- oder Schlafstörung oder Depressionen und im palliativen Bereich kann Cannabis zum Einsatz kommen, erläutert der Apotheker weiter. Das Rauchen ist eine Möglichkeit der Einnahme, vor allem dann, wenn schnelle Linderung das Ziel ist. Idealerweise passiert das heute mittels Vaporisierer und nicht, wie der eine oder andere das vielleicht kennt, in der Mischung mit Tabak, was die denkbar schlechteste Variante darstellt. Es gibt aber auch andere Wege. Wir arbeiten meist mit Extrakten, also konzentriertem Cannabis-Öl - das ist besser dosierbar, wirkt länger, ist leicht einzunehmen, schadet der Lunge nicht und kann individuell auf die Bedürfnisse des jeweiligen Falls angepasst werden. Für den Freizeitgebrauch taugten die Mittel nicht, meint Freyberg, die Präparate sind so abgestimmt, dass im Endocannabinoid-System des Körpers weniger das klassische High ausgelöst wird, sondern die schmerzlindernde Wirkung in Vordergrund rückt.
Im medizinischen Alltagsgeschäft kommt Cannabis aber nur langsam an, im Studium in Halle wurde das Thema lediglich angeschnitten, berichtet Freyberg, viele Kollegen und Ärzte kennen sich kaum aus. Mehr Expertise würde aber dringend Not tun, meint der Apotheker. Der Versand steht vor dem Verbot, wenn das so kommt, werden die stationären Apotheken vor Ort zum Ansprechpartner. In den größeren Städten gibt es mitunter schon Einrichtungen, die sich dahingehend spezialisiert haben, in der Fläche braucht es die nötigen Qualifikationen noch. Eine Einführung in die Thematik für das Fachpublikum gab Freyberg vor rund zwei Monaten, von 50 geladenen Gästen kamen immerhin 30, die Resonanz sei positiv und im eigenen Haus sehe man einen Anstieg der Anfragen, auch von Seiten der Kundschaft.
Zwei Apotheker-Generationen: Alexander Freyberg soll Kathrin Göpffarth's Apotheken in Nordhausen und Niedersachswerfen übernehmen (Foto: K. Göpffarth)
Freyberg leitet zur Zeit die Marien-Apotheke in Niedersachswerfen und steht bereit, in die Fußstapfen von Kathrin Göpffarth zu treten und auch die Verantwortung über die Apotheke am Theater zu übernehmen. Noch ist die Nachfolge nicht gänzlich in trockenen Tüchern, bis zum Ende des Jahres könnte der Staffelstab an die nächste Generation aber übergeben werden. Am erprobten Konzept werde sich nichts ändern, meint Freyberg, Kathi Göpffarths Apotheken hätten stets Schulmedizin und Naturheilkunde verbunden, die Ergänzung durch medizinisches Cannabis werde sich da gut einfügen.
Angelo Glashagel




