Fr, 09:03 Uhr
13.03.2026
Vortrag im Tabakspeicher
Die Geschichte der Juliushütte
Zwischen Ellrich und Walkenried lag einst die Juliushütte ein Industriestandort und zeitweise einer der größten Gipsproduzenten Deutschlands. Doch die Siedlung erlebte nicht nur wirtschaftlichen Aufschwung, sondern auch ein düsteres Kapitel als Außenlager des KZ Mittelbau-Dora. Ein Vortrag im Museum Tabakspeicher zeichnete die bewegte Geschichte nach...
Michael Reinboth aus Walkenried berichtete über die Geschichte der Juliushütte zwischen Ellrich und Walkenried. (Foto: Frank Lawrenz)
Am vergangenen Dienstagabend trafen sich die Mitglieder des Nordhäuser Geschichts- und Altertumsvereins und viele Geschichtsinteressierte im Museum Tabakspeicher zum ersten Vortragsabend zum Thema Die Juliushütte, eine Siedlung zwischen Thüringen und Niedersachsen in den Jahren 1877 1964. Hierzu haben wie als Referenten Michael Reinboth aus Walkenried gewinnen können.
Er führte durch eine Zeitreise über ca. 100 Jahre von der Entstehung der Siedlung im Jahr 1877 bis hin zu seiner vollständigen Zerstörung im Jahr 1964. Die Siedlung Juliushütte wurde von Julius Bergmann auf der Gemarkung Walkenried als Gipsfabrik im Jahr 1877 gegründet und war eine der größten Gipsproduzenten Deutschlands. Diese expandierte weiter, so entstanden auch Wohnhäuser für die dort angestellten Arbeiter.
Hans-Jürgen Grönke und Michael Reinboth (Foto: Frank Lawrenz)
Im Jahr 1892 entstand eine zweite Gipsfabrik von den Gebrüdern Kohlmann, ebenfalls auf Walkenrieder Gemarkung. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts war die Juliushütte ein großes Industriegebiet mit den Firmen Bergmann und Kohlmann und zahlreichen Beschäftigten. Durch die Abnahme der Gipsqualität verschlechterte sich einerseits deren Absatz, andererseits aufgrund der Gipskartellbildung in Nordhausen schloss die Firma Bergmann 1927 ihre Pforten.
In den 30er Jahren wurden die alten Betriebsanlagen in eine Holzmehlfabrik der Firma Trinks umgebaut. Das benötigte Holzmehl fungierte als Brennstoff in der damaligen Zeit und wurde andererseits für die Rüstungsindustrie verwendet.
Der düstere Teil der Juliushütte begann in den Jahren 1944 1945, als das Gelände einem Außenlager des KZ-Mittelbau Dora zugordnet wurde. Das Lager spaltete sich in den Ellricher Teil mit den Häftlingen und dem Walkenrieder Teil für die Wachmannschaften. Das KZ galt als besonders grausam aufgrund der hohen Todesrate der Häftlinge. Michael Reinboth sprach hierzu ausführlich in seinem Vortrag. Im April 1945 wurde das Lager komplett geräumt.
Schon bald nach Kriegsende kehrten Bewohner und Flüchtlinge aufgrund des Wohnraummangels in die noch vorhandenen Wohnräume zurück. Das alte Gebiet Himmelreich wurde dann 1949 als Naturschutzgebiet erklärt. Im Jahr 1955 fielen Teile der Holzmehlfabrik den Flammen zum Opfer und im Jahr 1964, nach Auszug der letzten Bewohner wurden die gesamten Baulichkeiten der Siedlung Juliushütte gesprengt.
Autor: red
Michael Reinboth aus Walkenried berichtete über die Geschichte der Juliushütte zwischen Ellrich und Walkenried. (Foto: Frank Lawrenz)
Er führte durch eine Zeitreise über ca. 100 Jahre von der Entstehung der Siedlung im Jahr 1877 bis hin zu seiner vollständigen Zerstörung im Jahr 1964. Die Siedlung Juliushütte wurde von Julius Bergmann auf der Gemarkung Walkenried als Gipsfabrik im Jahr 1877 gegründet und war eine der größten Gipsproduzenten Deutschlands. Diese expandierte weiter, so entstanden auch Wohnhäuser für die dort angestellten Arbeiter.
Hans-Jürgen Grönke und Michael Reinboth (Foto: Frank Lawrenz)
Im Jahr 1892 entstand eine zweite Gipsfabrik von den Gebrüdern Kohlmann, ebenfalls auf Walkenrieder Gemarkung. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts war die Juliushütte ein großes Industriegebiet mit den Firmen Bergmann und Kohlmann und zahlreichen Beschäftigten. Durch die Abnahme der Gipsqualität verschlechterte sich einerseits deren Absatz, andererseits aufgrund der Gipskartellbildung in Nordhausen schloss die Firma Bergmann 1927 ihre Pforten.In den 30er Jahren wurden die alten Betriebsanlagen in eine Holzmehlfabrik der Firma Trinks umgebaut. Das benötigte Holzmehl fungierte als Brennstoff in der damaligen Zeit und wurde andererseits für die Rüstungsindustrie verwendet.
Der düstere Teil der Juliushütte begann in den Jahren 1944 1945, als das Gelände einem Außenlager des KZ-Mittelbau Dora zugordnet wurde. Das Lager spaltete sich in den Ellricher Teil mit den Häftlingen und dem Walkenrieder Teil für die Wachmannschaften. Das KZ galt als besonders grausam aufgrund der hohen Todesrate der Häftlinge. Michael Reinboth sprach hierzu ausführlich in seinem Vortrag. Im April 1945 wurde das Lager komplett geräumt.
Schon bald nach Kriegsende kehrten Bewohner und Flüchtlinge aufgrund des Wohnraummangels in die noch vorhandenen Wohnräume zurück. Das alte Gebiet Himmelreich wurde dann 1949 als Naturschutzgebiet erklärt. Im Jahr 1955 fielen Teile der Holzmehlfabrik den Flammen zum Opfer und im Jahr 1964, nach Auszug der letzten Bewohner wurden die gesamten Baulichkeiten der Siedlung Juliushütte gesprengt.

