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Di, 08:32 Uhr
05.12.2006

Unhaltbare Zustände

Nordhausen/Erfurt (nnz). Am Freitag wollen Thüringer Elternvertreter vor der Staatskanzlei in Erfurt demonstrieren. Die Regierung soll zur Umkehr ihrer kinder- und familienfeindlichen Politik bewegt werden, meint der Landeselternverband Kindertagesstätten. Was die Vertretung noch sagt, das hat die nnz erfahren.


Der nunmehr 18 Mitglieder zählende Vorstand des Thüringer Landeselternverbandes Kindertagesstätten (TLEVK) diskutierte in seiner ersten Sitzung seit der turnusmäßigen Vorstandswahl über die Auswirkungen der Thüringer Familienoffensive. Angesichts der derzeitigen Entwicklungen in der Kindertagesstätten-Landschaft fordert der TLEVK Eltern auf, nicht zu resignieren und gemeinsam mit ErzieherInnen und Trägern von Kindertageseinrichtungen für die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Bildung und Betreuung unserer Kinder zu kämpfen. Am 8.Dezember 2006 sind alle, die die Landesregierung zur Umkehr ihrer kinder– und familienfeindlichen Politik bewegen wollen, aufgerufen ab 16:00 Uhr vor der Thüringer Staatskanzlei in Erfurt zu demonstrieren.

Abgesehen vom landesweiten Anstieg der Elternbeiträge, dem Abbau von Fachpersonalstellen und Schließungen kleiner Einrichtungen werden die Auswirkungen der veränderten gesetzlichen Grundlagen für Thüringer Kindertageseinrichtungen aus Sicht des Verbandes immer deutlicher.

„Zunehmend fühlen sich Eltern gezwungen, schon vor der Geburt ihrer Kinder auf die Suche nach einem Kindergartenplatz zu gehen. Die veränderte Bezuschussung von Kindertageseinrichtungen durch das Land zwingt die Träger die Rahmenkapazitäten der Einrichtungen mit Beginn des neuen Kindergartenjahres voll auszulasten. Dies führt zum einen dazu, dass bereits im September alle neu aufgenommenen Kinder gleichzeitig die Eingewöhnungszeit durchlaufen, wobei Gruppenstärken von 18 bis 20 Zweijährigen bald keine Seltenheit mehr sein werden. Zum anderen ist die Aufnahme weiterer Kinder in den darauf folgenden Monaten nicht mehr möglich oder würde zu Überbelegungen über die Betriebserlaubnis der Einrichtung hinaus führen“, ist in einer Pressemitteilung zu lesen.

Immer öfter bekommen Eltern zu hören: „Wir sind bis 2008 ausgebucht. Wenn überhaupt, werden bei uns Kinder nur noch im September aufgenommen“. Ein regelrechter Einrichtungstourismus sei die Folge. Mütter und Väter ziehen auf der Suche nach einem Kindergartenplatz von Einrichtung zu Einrichtung, lassen sich geduldig die Konzepte erklären sowie über Aufnahmemodalitäten und Betreuungsverträge aufklären, um anschließend auf eine lange Warteliste geschrieben zu werden. Immer mehr Eltern seien immer häufiger bereit, immer schlechtere Bedingungen zu akzeptieren, nur um überhaupt einen Kindergartenplatz zu bekommen.

Sie hätten sich damit abgefunden, dass das Erziehungsgeld abgetreten werden muss, bezahlen Ganztagsplätze auch dann, wenn ihr Kind nur halbtags in der Einrichtung betreut wird und würden verzweifelt sogar Spendengelder in der Höhe des entgangenen Erziehungsgeldes für das Freihalten eines Platzes nach dem September anbieten. Eltern tolerieren nach Ansicht der Vertretung 1-Euro-Jobber, Praktikanten und Aushilfskräfte, weil sie sehen, dass 18 Zweijährige durch eine Erzieherin allein kaum zu bewältigen sind. Elternbeiräte fordern von sich aus die Wiedereinführung von Schließzeiten, weil sie glauben, dass Urlaubsansprüche von Erzieherinnen nur noch durch Betriebsferien realisiert werden können.

Angesichts dieser Zugeständnisse scheinen die vielen sanierungsbedürftigen Einrichtungen und die materielle Ausstattungsnot vieler Kindergärten in den Hintergrund zu rücken. Die Umsetzung eines anspruchsvollen Bildungsplanes wird unter den derzeitigen Bedingungen nur noch mit Überstunden oder ehrenamtlichem Engagement der pädagogischen Fachkräfte realisierbar sein.
Autor: nnz

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