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Fr, 07:55 Uhr
18.08.2006

Morgenluft schnuppern

Nordhausen/Erfurt (nnz). Das Geschäftsklima im Thüringer Baugewerbe hat sich weiter verbessert und die Unternehmen sehen endlich einen Silberstreif am Horizont. Nach jahrelanger Talfahrt erwartet die Branche in diesem Jahr einen Aufwärtstrend...


Der Klimaindex, der sowohl die aktuelle wirtschaftliche Lage als auch die Erwartungen und Pläne berücksichtigt, steigt um 10 Punkte zur vorhergehenden Analyse und erreicht 99 von 200 möglichen Prozentpunkten. Dies ist das beste Ergebnis seit 1994 – eine zweifellos positive Nachricht.

„Auch bei Ausschaltung der Saisoneinflüsse weisen die Umfragewerte auf eine klare Aufwärtsbewegung der konjunkturellen Entwicklung hin“, kommentiert IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser. Der Optimismus spiegle sich vor allem in den Erwartungen der Unternehmer wider. Immerhin würden 90 Prozent der Befragten im weiteren Jahresverlauf mit einer Verbesserung oder zumindest einer Stabilisierung ihrer Situation rechnen. „Vor diesem Hintergrund kommt auch der Investitionsmotor wieder in Gang“, verweist Grusser darauf, dass 71 Prozent der befragten Firmenchefs ihr Budget erhöhen oder das Vorjahresniveau zumindest beibehalten wollen. Im Vordergrund stehe dabei die Deckung des aufgestauten Ersatzbedarfs an Maschinen und Anlagen.

Bei wichtigen Nachfrageparametern zeichne sich ebenfalls eine positive Entwicklung ab. So würden 18 Prozent der Bauunternehmer von guten Geschäften berichten, 53 Prozent seien mit ihrer Situation zufrieden und nur 29 Prozent beurteilen ihre Lage mit schlecht. Vor einem Jahr hätten mit 52 Prozent noch die Pessimisten dominiert. „Nun füllen sich die Auftragsbücher wieder. Fast zwei Drittel der befragten Unternehmer freuen sich über eine Kapazitätsauslastung von mehr als 80 Prozent“, berichtet der IHK-Hauptgeschäftsführer.

Grund für das Auftragsplus sei neben der anspringenden Konjunktur vor allem die angekündigte Mehrwertsteuererhöhung. Positive Signale wären für die Unternehmer aber auch die teilweise Absetzbarkeit von Bauhandwerkerrechnungen durch private Haushalte.

„Die Basis der konjunkturellen Erholung ist allerdings recht fragil, nicht alle Schatten am Bau haben sich verflüchtigt“, warnt Grusser. Die Zahl der Arbeitsplätze sinke weiterhin, wenn auch langsamer als in den vergangenen Jahren. So gingen 2005 in Thüringen rund 1.650 Jobs verloren. Der Rationalisierungsdruck bleibe unverändert hoch; 25 Prozent der befragten Unternehmer rechneten auch in den nächsten Monaten mit Entlassungen. Nur jede zehnte Baufirma arbeite mit Gewinn, jeder dritte Unternehmer schreibe rote Zahlen. Der Auftragsbestand bei 83 Prozent der Betriebe liege unter drei Monaten.

„Das krisengeschüttelte Baugewerbe ist also auch 2006 nicht über den Berg“, erklärt Grusser. Die Branche habe ihre Anpassungskrise an niedrigere Kapazitäten und Auftragsbestände noch nicht überstanden. Während die Bauwirtschaft im Bundesdurchschnitt einen Anteil von 3,9 Prozent am Bruttoinlandsprodukt erreicht, liegt er in Thüringen mit 5,8 Prozent immer noch wesentlich höher. Sorgenkind bleibe nach wie vor der Wohnungsbau.

Im Jahr 2005 wurde in Thüringen mit knapp 4.000 Wohnungen das niedrigste Fertigstellungsergebnis seit 1991 realisiert und dieser Trend setze sich leider fort. „Die Erhöhung der Mehrwertsteuer wird 2007 die private Baunachfrage voraussichtlich wieder bremsen und zu mehr Schwarzarbeit führen“, befürchtet Grusser. Dennoch: Nach Jahren der Rezession würden die Firmenchefs wieder Morgenluft schnuppern.
Autor: nnz

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