Do, 07:54 Uhr
08.06.2006
Rolf Hochhuth bei Herder
Nordhausen (nnz). Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Herder liest laden das Buchhaus Rose und das Herder-Gymnasium zu einer weiteren Lesung ein. Diesmal wird Rolf Hochhuth zu Gast sein. Was da gelesen wird, das hat die nnz erfahren.
Rolf Hochhuth bei Herder (Foto: nnz)
Die vor 13 Monaten in Kooperation zwischen der Buchhandlung Rose und dem Herder-Gymnasium ins Leben gerufene Zusammenarbeit macht es sich zur Aufgabe, den interessierten Leser auf ausgewählte Pfade im Dschungel des Büchermarktes zu begleiten, auf belletristische Neuerscheinungen hinzuweisen und Impulse für die individuelle Lektüre zu geben. Dabei setzen die Veranstalter sowohl auf den im Leben wie im Schreiben gewonnenen Erfahrungsschatz etablierter Autoren als auch auf das literarisch wertvolle Schaffen junger Schriftsteller, lagern reine Fiktion neben autobiographische Erlebnisse, lassen Themenbreite zu und spannen bei der Auswahl den Bogen von Romanformen bis zu Erzählbänden. Dabei ist es ihnen wichtig ins Gespräch zu kommen, über Literatur, persönliche Beweggründe der Verfasser sowie Sichtweisen der Rezipienten.
Rolf Hochhuth, einer der erfolgreichsten und zugleich umstrittensten Dramatiker der heutigen Bühnenwelt, konnte für die am Donnerstagabend (15. Juni) stattfindende Lesung gewonnen werden. Hochhuth wurde am 1. April 1931 in Eschwege geboren und arbeitet seit 1963 als freier Schriftsteller. Gerade sein Bühnenwerk offenbart den Moralisten Hochhuth und lässt ihn als einen Hauptvertreter des dokumentarischen Theaters in Deutschland gelten. Mit ihm provozierte der Autor u. a. eine erbittert und vehement geführte Debatte zur NS-Vergangenheit, zu historischer Verantwortung und persönlicher Schuld, zu Machtkalkül und Humanitätsverlust moralischer Instanzen – und das nicht nur mit seinem Erstlingswerk, dem Stellvertreter (1963).
Während er damit eine Debatte über die Rolle der katholischen Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus auslöste, entfachte er mit Soldaten, Nekrolog auf Genf ein Diskussion über die Person Churchills im Zusammenhang mit dem Bombenkrieg gegen deutsche Städte im Zweiten Weltkrieg. In Juristen (1979) ging er der Rolle früherer Nazirichter in der Bundesrepublik nach. Der Rücktritt des damaligen baden-würtembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger stand im unmittelbaren Zusammenhang mit den Recherchen Hochhuths. Aufsehen erregte er auch 1993 mit Wessis in Weimar, einem Wiedervereinigungsstück, das die Praktiken der Treuhandgesellschaft beleuchtete, und 2004 mit McKinsey kommt. Mit Gespür, wie Marcel Reich-Ranicki würdigte, widmet sich Hochhuth hier dem Thema der Massenarbeitslosigkeit, greift den neoliberalen Zeitgeist auf. Nicht minder umstritten präsentiert sich bereits vor der Uraufführung seine Irrenhauskomödie mit dem Titel Heil Hitler, die er am Weimarer Nationaltheater inszeniert.
Hochhuths Stücke schließen immer an aktuelle politische und gesellschaftliche Diskussionen an und setzen Denkprozesse in Gang. Dies gilt insbesondere für sein dramatisches Werk, aber auch für seine Erzählungen, Essays und Gedichte. Der Schriftsteller erweist sich immer wieder als Streiter, der direkt und rücksichtslos ausspricht, sowie als leidenschaftlicher Diskutant, offen im Bekennen – polemisierend und argumentierend. Erzählungen, wie Eine Liebe in Deutschland, aber auch die Kurzprosa stehen wie die Gedichte gleichberechtigt neben den Dramen, erweisen sich als sprachliche Waffe.
Ich weiß keinen anderen schreibenden Kollegen, der durch seine Arbeit so viel bewegt und im Bewusstsein so viel verändert hat wie Rolf Hochhuth. konstatierte Siegfried Lenz in einem Brief. Eine Hommage an einen streitbaren Geist.
Auch vor dem Hintergrund der umfassenden Schreib- und Lebenserfahrung des Autors, der vor kurzem seinen 75. Geburtstag beging, freuen sich die Organisatoren auf einen kurzweiligen sowie gesprächsintensiven Abend und laden alle Interessierten zu der ca. 90minütigen Veranstaltung in die Aula des Herder-Gymnasiums in der Wiedigsburg ein. Der Eintritt beträgt 7 Euro für Erwachsene, 3 Euro für Schüler und Studenten. Die Lesung beginnt um 19.30 Uhr.
Heike Roeder
Autor: nnz
Rolf Hochhuth bei Herder (Foto: nnz)
Die vor 13 Monaten in Kooperation zwischen der Buchhandlung Rose und dem Herder-Gymnasium ins Leben gerufene Zusammenarbeit macht es sich zur Aufgabe, den interessierten Leser auf ausgewählte Pfade im Dschungel des Büchermarktes zu begleiten, auf belletristische Neuerscheinungen hinzuweisen und Impulse für die individuelle Lektüre zu geben. Dabei setzen die Veranstalter sowohl auf den im Leben wie im Schreiben gewonnenen Erfahrungsschatz etablierter Autoren als auch auf das literarisch wertvolle Schaffen junger Schriftsteller, lagern reine Fiktion neben autobiographische Erlebnisse, lassen Themenbreite zu und spannen bei der Auswahl den Bogen von Romanformen bis zu Erzählbänden. Dabei ist es ihnen wichtig ins Gespräch zu kommen, über Literatur, persönliche Beweggründe der Verfasser sowie Sichtweisen der Rezipienten.Rolf Hochhuth, einer der erfolgreichsten und zugleich umstrittensten Dramatiker der heutigen Bühnenwelt, konnte für die am Donnerstagabend (15. Juni) stattfindende Lesung gewonnen werden. Hochhuth wurde am 1. April 1931 in Eschwege geboren und arbeitet seit 1963 als freier Schriftsteller. Gerade sein Bühnenwerk offenbart den Moralisten Hochhuth und lässt ihn als einen Hauptvertreter des dokumentarischen Theaters in Deutschland gelten. Mit ihm provozierte der Autor u. a. eine erbittert und vehement geführte Debatte zur NS-Vergangenheit, zu historischer Verantwortung und persönlicher Schuld, zu Machtkalkül und Humanitätsverlust moralischer Instanzen – und das nicht nur mit seinem Erstlingswerk, dem Stellvertreter (1963).
Während er damit eine Debatte über die Rolle der katholischen Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus auslöste, entfachte er mit Soldaten, Nekrolog auf Genf ein Diskussion über die Person Churchills im Zusammenhang mit dem Bombenkrieg gegen deutsche Städte im Zweiten Weltkrieg. In Juristen (1979) ging er der Rolle früherer Nazirichter in der Bundesrepublik nach. Der Rücktritt des damaligen baden-würtembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger stand im unmittelbaren Zusammenhang mit den Recherchen Hochhuths. Aufsehen erregte er auch 1993 mit Wessis in Weimar, einem Wiedervereinigungsstück, das die Praktiken der Treuhandgesellschaft beleuchtete, und 2004 mit McKinsey kommt. Mit Gespür, wie Marcel Reich-Ranicki würdigte, widmet sich Hochhuth hier dem Thema der Massenarbeitslosigkeit, greift den neoliberalen Zeitgeist auf. Nicht minder umstritten präsentiert sich bereits vor der Uraufführung seine Irrenhauskomödie mit dem Titel Heil Hitler, die er am Weimarer Nationaltheater inszeniert.
Hochhuths Stücke schließen immer an aktuelle politische und gesellschaftliche Diskussionen an und setzen Denkprozesse in Gang. Dies gilt insbesondere für sein dramatisches Werk, aber auch für seine Erzählungen, Essays und Gedichte. Der Schriftsteller erweist sich immer wieder als Streiter, der direkt und rücksichtslos ausspricht, sowie als leidenschaftlicher Diskutant, offen im Bekennen – polemisierend und argumentierend. Erzählungen, wie Eine Liebe in Deutschland, aber auch die Kurzprosa stehen wie die Gedichte gleichberechtigt neben den Dramen, erweisen sich als sprachliche Waffe.
Ich weiß keinen anderen schreibenden Kollegen, der durch seine Arbeit so viel bewegt und im Bewusstsein so viel verändert hat wie Rolf Hochhuth. konstatierte Siegfried Lenz in einem Brief. Eine Hommage an einen streitbaren Geist.
Auch vor dem Hintergrund der umfassenden Schreib- und Lebenserfahrung des Autors, der vor kurzem seinen 75. Geburtstag beging, freuen sich die Organisatoren auf einen kurzweiligen sowie gesprächsintensiven Abend und laden alle Interessierten zu der ca. 90minütigen Veranstaltung in die Aula des Herder-Gymnasiums in der Wiedigsburg ein. Der Eintritt beträgt 7 Euro für Erwachsene, 3 Euro für Schüler und Studenten. Die Lesung beginnt um 19.30 Uhr.
Heike Roeder

