Der Winter hat uns fest im Griff. Nach den ungewohnt starken Schneefällen, Verwehungen und eisigen Winden aus Putins Herrschaftsbereich sollen uns in klaren Nächten demnächst bis 20 Grad unter Null erwarten. Und Väterchen Frost gibt nicht auf. Mindestens zwei Wochen halte er das Zepter. Sagte heute im Radio Wettermann Jörg Kachelmann. Der muss es wissen...
Straße freigeschoben, Fahrzeuge zugeschoben. Winter 2021 Foto: privat
Indes hat der Nachbar keine Langeweile. Mehrmals am Tage schippt er Schnee. Schweißperlen zieren angesichts stetig steigender Schneedecken seine Stirn. Kraftfahrer leiden unter Angstzuständen. Andere fluchen, wünschen sich den Klimawandel mit erträglichen Temperaturen herbei. Während wir in der warmen Stube sitzen und das winterliche Treiben beobachten, sind andere im Tag- und Nachteinsatz, um Straßen und Schienen befahrbar und die Wirtschaft am Laufen zu halten. Wenn überhaupt, so freuen sich wohl nur die Kinder.
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Strenge Winter waren für das einfache Volk vergangener Jahrhunderte stets ein Gräuel. Sie brachten Hunger, Entbehrungen, Leid und Tod. 1740, berichtet die Chronik, herrschte ein so grimmiger und langer Winter, dass die Bauern das Stroh ihrer Dächer an das Vieh verfütterten. Im Juni habe der Schnee im Eichsfeld noch zehn Zentimeter hoch gelegen. Viele Menschen und Tiere überlebten ihn nicht. Besonders schlimm sei es 1870/71 gewesen. Viele Obstplantagen sollen ihm zum Opfer gefallen sein.
Als Steckrübenwinter ging der von 1917/18 in die Geschichte ein. In die Chronik auch die der Jahre 1939/40, 1941/42. Dem denkwürdigen Winter von 1946/47 folgte nach starkem Frost im März ein extremes Tauwetter. Das Hochwasser verursachte erhebliche Schäden. In Günzerode reichte das Schmelzwasser der Helme bis an die Gärten der Gehöfte. Straßen und Gräben eine einzige Wasserfläche. Registriert ist auch dies: Vom 1. bis 28. Februar 1956 habe das Thermometer immer zwischen 18 und 20 Grad Kälte angezeigt.
Von Dezember bis Ende Februar währte der schneereiche Kälte-Winter 1962/63. Regelmäßig tagte die Winter-Lagekommission beim Rat des Kreises Nordhausen. Sie beschäftigte sich mit der Beschaffung von Fahrzeugen zum Abtransport der Schneemassen, die sich allenthalben an den Straßenrändern türmten, und der Technik zur Beräumung von Straßen und Plätzen.
LKW um LKW kippten ihre Last tonnenweise am Zorgeufer an der Gerhart-Hauptmann-Straße ab. Zudem hatte die Kommission mit der Verteilung angelieferter Kohlen für Betriebe und Haushalte zu tun. Die Förderung und damit der Nachschub stockten durch die Kälte. Man debattierte und diskutierte. Stundenlang. Vorrang hatten immer die Großbetriebe.
1978/79 ereilte uns nach warmen Tagen der Jahrhundertwinter. Just in der Silvesternacht erreichte uns die Kaltfront mit einer Wucht, die Fensterscheiben erzittern ließ. Tagelang waren Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten. Den Landwirten starb das Vieh in den Ställen. Auf den Weiden verendeten Schafe, die man nicht rechtzeitig in die Stallungen brachte. Von den Kadavern profitiere das Schwarzwild, während andere Tiere und zahlreiche Vögel in Wald und Feld das Frühjahr nicht erlebten.
Wenn auch die aktuelle Wetterlage der des Rekordwinters von 1978/79 ähnelt, ist dennoch nicht mit solchen extrem harten Auswirkungen wie seinerzeit zu rechnen. Damals machte sich der Einsatz von Panzern und anderem schweren Gerät beiderseits der Grenze unerlässlich, um Ortschaften, die völlig eingeschneit und eingeweht waren, mit Lebensmitteln zu versorgen.
Heute brauchen sich Landrat Matthias Jendricke und sein Lagestab, den er einberief, nicht mit der Frage beschäftigen: Woher nehme ich die Technik, um die Schneeberge abzutransportieren, Straßen, Gehwege und Schulgebäude frei zu halten? Oder damit, wie verteile ich Kohlen, damit Betriebe heizen können und die Haushalte es warm haben? Schnee von gestern. Dennoch verlangt uns die gegenwärtige Kälteperiode Härten ab. Doch der Kreischef und sein Lagestab haben die Situation im Blick und offensichtlich auch alles im Griff: Der Rettungsdienst sei abgesichert und werde bei Bedarf von der Feuerwehr ergänzt. Die Servicegesellschaft sei mit der Räumung der Kreisstraßen und Schulgebäude beauftragt, mit sieben Winterfahrzeugen nebst Radlader im Einsatz.
"Sozialistischer" Arbeitseinsatz beim Schneeräumen in der Richard-Dehmel-Straße durch die Anwohner, da eine Durchfahrt wegen der Schneemassen mit Fahrzeugen unmöglich wurde. Foto: Hans-Ulrich Ackermann
Zwischenzeitlich jammern auf hohem Niveau manche Zeitgenossen über nach ihrer Meinung zu spät geräumte Straßen und Bürgersteige. Eigentlich dürften auch sie wissen, dass die Räumtrupps nicht überall gleichzeitig zu Gange sein können. Oft hilft schon ein wenig Solidarität und selbst der Griff zum Schieber, wenn der Schnee vor der Haustür liegt. Und, nebenbei erwähnt, ein gut gefülltes Futterhäuschen am Haus, im Garten, in Parks und Anlagen, damit auch unsere gefiederten Freunde gut über diesen Winter kommen. Kurt Frank
Irgendwie eine Frechheit, derartiges zu behaupten!
Ist auf hohem Niveau gejammert, wenn man Urlaub nehmen muss, obwohl man mitten in der Stadt wohnt und obwohl man schippt und schippt, man daran scheitert, nicht aus Anwohnern-Straßen zu kommen?
Selbst die Hauptstraßen der Stadt nicht geräumt sind und es keinen öffentlichen Nahverkehr gibt?
Es gibt auch Arbeitnehmer, die kurz vor der Rente, gehbehindert sind, denen ist nicht möglich ist, den Arbeitsweg zu Fuß zu erreichen!
Ich gehöre zur älteren Generation und habe trotz strenger Winter in der damaligen DDR so etwas noch nicht erlebt!
Einfach ein Spiegelbild der Zustände im ganzen Deutschland!
Damit ist nicht nur dieser Wintereinbruch gemeint, dessen schwerer Verlauf bereits fast eine Woche vorher bekannt war!
Nun, hat natürlich auch etwas Positives für die Regierung - wenn jetzt das Impfen gegen Corona stockt, ist natürlich das Wetter schuld!
Einfach nur jämmerlich.
Die Menschen kommen nicht auf Arbeit.
Die Antwort einiger Vertreter der Marktwirtschaft: " Wir haben doch jetzt sowieso Corona. Die können doch Home Office machen."
Ich glaube, dass hier einige zuviel Home Office machen.
Aber dieser Winter ist ja wieder ein Jahrhundert Winter.
Eine Ausnahme bevor wieder tropische Temperaturen in Deutschland gemessen werden.
Also weiter nichts machen, denn der Schnee taut irgendwann wieder weg.
Bis dahin gibt es ja die Arbeits- und Sozialämter.
Den Rest machen die Versicherungen.
Was heißt hier jammern auf hohem Niveau, ich sage nur Servicegesellschaft sind beauftragt mit der Beräumung. Die Mitarbeiter kommen mit Schneeschieber und wissen über nicht wohin mit dem vielen Schnee und dann hatten sie noch ein Apelpflücker mit dem kann man mal ein Zentimeter Schnee schieben wie lange sollen die den brauchen.
Ostern oder Himmelfahrt? Hier muß auch richtige Technik ran.
Der Beitrag wurde deaktiviert von vgf Kein Bezug zum Artikel.
dagos
09.02.2021, 01:38 Uhr
Das Genöle ist nicht zu ertragen
Wir haben im Moment eine absolute Ausnahmesituation. Auf so was kann man sich nicht vorbereiten. Was soll die Stadt machen? 20 Fahrzeuge mehr und hundert Mann Fußvolk vorhalten, weil einmal in 30 Jahren ein solcher Wintereinbruch kommt? Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann die Tatsache, daß viele Anwohner helfen möchten, als Mieter jedoch zur Untätigkeit verdonnert sind, weil in einigen Hauseingängen nicht mal mehr ein funktionstüchtiger Schneeschieber im Keller steht. Auf Nachfrage beim Vermieter kann auch keiner zur Verfügung gestellt werden, da solche Arbeiten bekanntlich an externe Dienstleister vergeben sind. Nur die wissen derzeit auch nicht wo sie zuerst hinspringen sollen. Ich persönlich hätte kein Problem damit, mit 10 Anderen in einer Reihe zu stehen und mal schnell die Anwohnerstraße per Hand vom Schnee zu befreien oder zumindest befahr- und begehbar zu halten. Das dauert nicht viel länger als hier nen Text zu verfassen und sich vielzeilig über das angebliche Versagen der Stadt auszulassen.
Kurt Frank hat recht, statt so erbärmlich selbstmitleidig zu jammern, einfach mal das weg schippen, was stört.
Viele Hände, schnelles Ende.
Ach ja, dafür muss man raus, aus der Wohlfühlzone, körperlich sich anstrengen und koordiniert arbeiten können. Wer das nicht vermag, bei Youtube gibt's sicherlich ein Tutorial. Bei Schneeschiebern ist übrigens das Breite Ende unten zum Schnee zu führen.
Wie Herr Frank schon aus Chroniken zitierte: Futterknappheit, Hunger, Heizmangel, totes Vieh waren Probleme.Und heute: eine Strasse ist zeitweise nicht befahrbar. Boah, Winter Light.
Es ist Quatsch, dass die Anwohner in NDH nicht mithelfen:
Erst einmal ist mir bekannt, dass selbst junge Menschen seit Tagen immer wieder die Höfe mit eigenen Schneeschiebern räumen, um diese mit Auto überhaupt passieren zu können. Was nützt es, wenn man dann auf den Straßen nicht weiter kommt. Des Weiteren ist die Stadt nicht einmal in der Lage, den VBN ihre Arbeit zu ermöglichen, denn weder städtischer Bus- noch Straßenbahnverkehr geht!
So etwas gab es nicht einmal zu DDR-Zeiten und das mit heutiger Technik! Und einmal nebenbei bemerkt, es gab schon zu dieser Zeit einige derartiger Winter!
Außerdem ist bei den größten Vermietern der Stadt seit einigen Jahren nicht einmal Streumaterial, Schneeschippen u. ä. vorhanden, dies müssten sich Mieter privat kaufen, obwohl sie das ganze Jahr über fleißig für Reinigungs- und Räumdienst zahlen und das nicht zu wenig.
Drei Tage im Mietverzug heißt Mahnung, aber bei der eigenen Pflichterfüllung nimmt man es dann nicht so genau!
Es gibt ja immer Gründe, weshalb alles zum Scheitern verurteilt ist, dass erfahren wir ja seit Jahren zu genüge in jeder Situation.
Dieser Wintereinbruch ist ja sicher einmal mehr der Klimaerwärmung geschuldet, wobei diese dann wohl seit den Sechzigern existiert.
Nein, es ist seit Jahren die Unfähigkeit der gesamten Politik und deren Folgen!
Ich muss mich, und bitte das betone ich jetzt, nach dem Schippen noch einmal melden und sowohl Stadtverwaltung als auch Herrn Jendricke einen Tipp geben:
Sie berufen einen Krisenstab nach dem anderen ein, es sollte nur ein Mitglied davon einmal in altem DDR-Archiv wühlen. Schon in den 70 und 80-ger Jahren wurde das Problem Wohin mit dem Schnee? unbürokratisch gelöst! W50 (damaliger recht primitiver LKW) fuhren die Schneemassen aus der Stadt hinaus!
Da ja, so zu hören, aus dem Medien nun auch das Impfen auf Grund des Wintereinbruchs ins Stocken kommt, ist die Bundeswehr entlastet, damals half die Volksarmee beim Abtransport der Schneemassen.
Und kurz zum Kommentar ... früher starb das Vieh ... das war vor und in Kriegszeiten und Niemand musste teilweise 100 und mehr Kilometer überwinden, um seinen Arbeitsplatz zu erreichen. Dieser Vergleich hinkt gewaltig.
Das ist mit früher also vor der Wende nicht mehr vergleichbar. Unser Heer die NVA hatte ca. 500000 Mann bzw. Soldaten und tausende von Fahrzeugen. Heute hat unser Heer nur noch knapp 200000 Soldaten. Wo sollen die noch helfen die haben mit sich selbst zu tun. Wieviel Fahrzeuge sind den vielleicht einsatzbereit? Hier wird auch überall eingespart.
In dieser Beziehung haben Sie natürlich ganz Recht.
Wir werden in jeder Beziehung für jeden von der Regierung "erfundenen" Mist abgezockt und es wird dann nur noch eingespart.
Man könnte hier ewig weiter schreiben, jetzt sind es wieder die Bürger, die Tag und Nacht Schnee schippen sollen, damit sie zur Arbeit kommen, Steuern zu Hauf zahlen und na ja, Frau Merkels "wir schaffen das" finanzieren usw.
Wie wäre es denn, wenn gerade in dieser Zeit einmal Diejenigen die Schippe in die Hand nehmen, die daheim sitzen und die Frau Merkel so nett nach Deutschland eingeladen hat. Soll sie denen doch bitte einmal sagen ... schippt die Straßen frei, damit der dumme deutsche Michel euch mit seinen Steuern weiterfinanzieren kann ... wir schaffen das!!
Wo sind die flexiblen Arbeitsagenturen, sie könnten doch flugs Arbeiter regenerieren.
Übrigens an dieser Stelle etwas Anderes. Sollte die Stadtverwaltung sowie auch die großen Wohnungsvermieter in NDH keinen Plan haben, was Straßen zu räumen bedeutet, bitte einmal zu Fuß zur SCHACHTBAU NORDHAUSEN GmbH begeben, dort kann man gerade sehr gut lernen, wie es geht.