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Fr, 17:00 Uhr
08.01.2021
Land und Kreis treffen Maßnahmen gegen Geflügelpest

Die nächste Seuche

Risikogruppen und Mortalitätsraten, Kontaktverbote, pathogene Viren - mit den Begrifflichkeiten einer Seuche dürften die meisten nach dem vergangenen Monaten bestens vertraut sein. Im Kreis fallen diese Begriff jetzt wieder, nur geht es einmal nicht um Corona, sondern den Virus H5N8 - die Geflügelpest…

Kreis trifft Maßnahmen zur Eindämmung der Geflügelpest (Foto: Pressestelle Landratsamt Nordhausen) Kreis trifft Maßnahmen zur Eindämmung der Geflügelpest (Foto: Pressestelle Landratsamt Nordhausen)

Das sich die „Aviäre Influenza“, im Volksmund als Vogelgrippe oder Geflügelpest bekannt, über Europa ausbreitet, ist den zuständigen Stellen schon länger klar. Seit Ende Oktober gibt es Meldungen aus Großbritannien, Polen, Kroatien, Norwegen, Deutschland und weiteren Ländern. Die Seuche grassierte bis dato vor allem unter Wildvögeln, seit Jahresende wurden aber auch vermehrt Einträge in den Haustierbestand bemerkt, zunächst vor allem an Nord- und Ostsee, erklärte heute Dr. Michael Elschner, der im Thüringer Sozialministerium mit veterinären Fragen betraut ist.

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Nachdem auch in Sachsen, Niedersachsen und Hessen die Virusvariation H5N8 aufgetaucht war, habe man die Lage in Thüringen mit Sorge beobachtet, in Zusammenarbeit mit den Veterinärämtern der Kreise erste Risikobewertungen vorgenommen und Geflügelhalter zur Lage informiert. Besondere Vorkommnisse und vermehrte Totfunde wurden nicht registriert.

Bis in Wipperdorf am 28.12. drei Hühner eines privaten Halters verenden. Zwanzig weitere Tiere sterben in den zwei darauffolgenden Tagen, der Halter informiert die Behörden und schickt einen Kadaver ein. Nach den Laboruntersuchungen ist das Veterinäramt am 05. Januar vor Ort, 49 von 50 Hühnern sind da bereits tot, lediglich ein Huhn und drei Enten leben noch. Die verbliebenen Vögel werden noch am selben Tag getötet.

Aus den Nachbarbeständen seien bisher keine weiteren Ausbrüche bekannt, erklärte Veterinäramtsleitern Dr. Tanja Rautenberg. Fahrlässiges Handeln könne man dem Halter nicht vorwerfen, er habe einfach Pech gehabt. Die Region gehört mit ihren Rast- und Sammelstellen für zahlreiche Vögel aus Sicht der Veterinäre zum „Wildvogelrisikogebiet“. Für Hausbestände, die im Freien gehalten werden, besteht eine höhere Gefahr mit Wildtieren in Kontakt zu kommen und sich mit Krankheiten wie dem Virus H5N8 anzustecken.

Beobachtungsgebiet rund um Wipperdorf (Foto: Pressestelle Landratsamt Nordhausen) Beobachtungsgebiet rund um Wipperdorf (Foto: Pressestelle Landratsamt Nordhausen)


Sowohl auf Kreisebene wie auch von Landesseite sollen die Schutzmaßnahmen nun verstärkt werden. Rund um den betroffenen Bestand wurden Restriktions- und Sperrzonen sowie ein Beobachtungsgebiet definiert, die 1307 Halter und 67.726 Tiere umfassen. Darunter befinden sich drei gewerbliche Haltungen, der Rest setzt sich aus kleineren Beständen zusammen. Zudem gilt ab morgen für den gesamten Landkreis die „Aufstallung“, Tiere dürfen nicht mehr im Freien gehalten werden. Wer über keinen Stall verfügt, muss mit einer Maschenabdeckung dafür sorgen, dass Kontakte zu Wildbeständen möglichst vermieden werden. Die genauen Festlegungen finden sich hier .

Thüringenweit sind Geflügelhalter dazu angehalten, die „Bio-Sicherheitsmaßnahmen“ zu erhöhen und Kontakte zu reduzieren. Futterstellen, die auch für Wildvögel zugänglich sein könnten, sind zu vermeiden. Ein erhöhtes Risiko bestehe in der Nähe von Gewässern, sowohl fließenden wie stehenden.

Sperrbezirk rund um Wipperdorf (Foto: Pressestelle Landratsamt Nordhausen) Sperrbezirk rund um Wipperdorf (Foto: Pressestelle Landratsamt Nordhausen)


Die Bevölkerung wird zudem gebeten, Funde von toten Vögeln zu melden. Hierzu kann während der Geschäftszeiten das Veterinäramt unter 03631 911-9116 kontaktiert werden. Außerhalb der Geschäftszeiten sind Meldungen über die Leitstelle unter 03631 89380 möglich.

Weitere Informationen bietet die Website des Landratsamtes.

Übertragung auf den Menschen unwahrscheinlich
Eine Impfung gegen den Virenbefall sei nicht möglich, erklärte Dr. Elschner, dafür sind die auftretenden Mutationen zu variabel. „Aviäre Influenza kommt immer mal wieder vor. Zuletzt hatten wir um den Jahreswechsel 2016/17 eine ähnliche Situation. Wie bei unserer Grippe auch gibt es stärkere und schwächere Varianten. Der momentane Seuchenzug scheint ein schwerwiegenderer zu sein“. Vor allem Puten und Hühner werden schnell dahingerafft, Wasservögel seien weniger stark betroffen.

Eine Übertragungen auf den Menschen gilt als sehr unwahrscheinlich, laut Robert-Koch-Institut sei das „zoonische Potential“ gering. Hinweise auf eine Übertragung von Tier zu Mensch gebe es zum jetzigen Zeitpunkt auch das dem restlichen Europa nicht.
Angelo Glashagel
Autor: red

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