nnz-tv Eichsfelder Nachrichten Kyffhäuser Nachrichten Mansfeld-Südharz-Zeitung Unstrut-Hainich Zeitung
Mi, 09:27 Uhr
09.01.2019
Gewerkschaft sieht Luft nach oben

Neuer Mindestlohn bringt mehr Kaufkraft

Der Mindestlohn steigt ab Januar um 35 Cent auf jetzt 9,19 Euro pro Stunde – und mit ihm der Verdienst von 2.110 Menschen im Landkreis Nordhausen. So viele Beschäftigte arbeiten hier derzeit zum gesetzlichen Lohn-Minimum. Auch die Wirtschaft im Kreis werde profitierten, berichtet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten...

Die Kaufkraft wächst durch das Mindestlohn-Plus in diesem Jahr um rund 533.000 Euro. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit und beruft sich auf eine aktuelle Analyse des Pestel-Instituts aus Hannover, das die Auswirkungen der Mindestlohn-Entwicklung regional untersucht hat.

„Mal ins Kino oder Essen gehen. Und auch mal etwas Neues für den Haushalt anschaffen – fast jeder Euro, den Mindestlohn-Beschäftigte am Monatsende extra haben, fließt in den Konsum. Und einen Großteil davon geben sie vor Ort aus“, sagt Jens Löbel von der NGG-Region Thüringen. Denn wer zum untersten Lohn arbeite, könne nichts auf die hohe Kante legen. Für den Gewerkschafter ist der gesetzliche Mindestlohn aber auch nach der aktuellen Erhöhung zu niedrig: „Selbst für eine Vollzeitkraft ist es extrem schwer, mit dem Mindestlohn klarzukommen. Gerade dann, wenn auch noch Kinder im Haushalt leben. Und bei steigenden Mieten sowieso“, so Löbel. Die NGG fordert deshalb ein deutlich stärkeres Mindestlohn-Plus. Erst in einer Größenordnung von mehr als zwölf Euro pro Stunde werde die Lohnuntergrenze „langsam armutsfest“.


NGG-Geschäftsführer Löbel sieht bei den Löhnen „Luft nach oben“ und die Arbeitgeber in der Pflicht: „In Branchen wie dem Gastgewerbe und dem Bäckerhandwerk gehen trotz guter Wirtschaftslage selbst Fachkräfte oft nur mit dem gesetzlichen Minimum nach Hause.“ Messlatte sei aber nicht der Mindestlohn, sondern der Tariflohn. Löbel prangert die zunehmende Tarifflucht als Hauptgrund dafür an, „dass seit Jahren viel zu viele Menschen im Niedriglohnsektor gefangen sind“ und fordert die Unternehmen auf, sich zu Tarifverträgen zu bekennen: „In den Tarifverträgen der NGG sind meist deutlich höhere Löhne, auch in den unteren Lohngruppen, vereinbart. Und wer nach Tarif zahlt, der hat auch zufriedenere Mitarbeiter, die sich im Job engagieren.“

Löbel betont, dass von der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns seit 2015 rund vier Millionen Menschen profitiert haben. Allerdings werde dieser gesetzliche Anspruch viel zu wenig kontrolliert, weil die Finanzkontrolle Schwarzarbeit nach wie vor nicht ausreichend personell ausgestattet sei. „Es gibt viel zu viele Schlupflöcher: Arbeitszeiten werden nicht korrekt erfasst oder Überstunden nicht bezahlt, um den Mindestlohn massenhaft zu umgehen. Das ist ein Skandal“, kritisiert der Gewerkschafter und fordert die Beschäftigten auf, ihre Januar-Lohnabrechnung genau zu kontrollieren.

Bei seiner Einführung 2015 lag der gesetzliche Mindestlohn bei 8,50 Euro pro Stunde. Nach dem Mindestlohngesetz steigt er alle zwei Jahre. Wie hoch das Plus ist, hängt insbesondere von der Entwicklung der Tarifverdienste ab. Die NGG war die erste Gewerkschaft, die sich für die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns stark gemacht hat.
NGG-Region Thüringen
→ Druckversion
← zum Nachrichtenüberblick

Kommentare

09.01.2019, 10.04 Uhr
Leser1 | Höhere Löhne bedeutet höhere Preise
Höhere Löhne sind zwar schön und ich wünsche jedem mehr Geld aber es verteuert alles und Kino , Essen, Wohnen alles wird teurer durch höhere Löhne. Das bisher ersparte von Oma und Opa die das Land aufgebaut haben und teilweise unter 3 Ostmark gearbeitet haben und die Rente hat durch höhere Löhne und dadurch höhere Preise immer weniger Kaufkraft. Auch die höhere Löhne bekommen müssen höhere Preise bezahlen weil sich dadurch alles verteuert.

0   |  0     Login für Vote
09.01.2019, 14.57 Uhr
A.kricher | Alles nur Lug und Trug
Macht mal alles günstiger und lasst die Löhne. Reguliert die zuviel Verdiener ( z.B. Politiker, Bänker u.s.w.) Kapitalismus ist halt nicht auf den Erwirtschafter ausgelegt. Es bleibt immer so wie es war. Nichts wird sich ändern. Alles nur Augenwischerei.
Guten Tag noch.

0   |  0     Login für Vote
09.01.2019, 18.59 Uhr
Mueller13 | Gewerkschafter halt
Prüfen wir doch mal kurz seine Aussage. Der Mindestlohn steigt um 4%, was passiert?
1. Der Arbeitgeber hat eine Belastung, die 4% höher ist.
2. Der Arbeitnehmer hat 2,7% mehr Lohn.
3. Der Staat hat 20% mehr Steuern.

Wer ist der Gewinner in der Runde?

Was meint Ihr, was passiert, wenn die Löhne ansteigen? Z.B. beim Frisör oder in der Kaufhalle? Richtig, die Dienstleistung oder die Produkte werden teurer. Wer schon mal eine VWL-Vorlesung gehört hat, kennt das. Modifizierte Phillips-Kurve ist das Stichwort. Fazit: an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen funktioniert nicht.

Auch diese Aussage finde ich klasse: "Bei seiner Einführung 2015 lag der gesetzliche Mindestlohn bei 8,50 Euro pro Stunde. Nach dem Mindestlohngesetz steigt er alle zwei Jahre."
-> Jetzt ist er 2x in 4 Jahren um 4% gestiegen. Jeder der schon mal was von Exponentialfunktion gehört hat, weiss dass dies ein idiotisches Spiel ist - also am Anfang merkt es noch keiner. Aber was soll's? Es hört sich gut an und nach der Wahrheit fragt ja heute eh keiner mehr. Und außerdem gibt es unser Geldsystem ja her.

0   |  0     Login für Vote
→ Kommentar hinzufügen



Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.

 
Wir verwenden Cookies um die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren und geben hierzu Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an Partner weiter. Mehr Informationen hierzu finden Sie im Impressum und der Datenschutzerklärung.