eic kyf msh nnz uhz tv nt
Mo, 07:00 Uhr
25.06.2018
BUND-Einsatz 67

Auch gegen das Insektensterben

Meist steht die Erhaltung und Förderung von Farn- und Blütenpflanzen als Ziel über den Artenschutz-Einsätzen des BUND-Kreisverbandes Nordhausen. Vor dem Hintergrund des dramatischen Insektensterbens muss jedoch auch die Bedeutung der Maßnahmen für die Erhaltung der heimischen Tierwelt herausgestellt werden...

Der Gefleckte Schmalbock (Leptura maculata) ist ein nicht seltener Bewohner unserer Landschaft. (Foto: B. Schwarzberg) Der Gefleckte Schmalbock (Leptura maculata) ist ein nicht seltener Bewohner unserer Landschaft. (Foto: B. Schwarzberg) Durch das katastrophale, menschgemachte Insektensterben rücken unsere sechsbeinigen Mitbürger verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit: Der Gefleckte Schmalbock (Leptura maculata) ist ein nicht seltener Bewohner unserer Landschaft. Seine Larven leben vor allem im Holz abgestorbener Laubbäume. Nach Bundesartenschutzverordnung ist er, wie fast alle Bockkäfer, besonders geschützt. Dieses Exemplar flog uns während der Pause zu.

Denn Insekten sind oft hochspezialisiert und in ihrer Existenz abhängig von ganz bestimmten Pflanzenarten oder gar nur von einer einzigen Pflanzenart. Als Beispiel kann die Tagfalterfamilie der Bläulinge dienen, deren Raupen auf ganz bestimmte pflanzliche Bewohner z.B. in Trocken- oder Halbtrockenrasen spezialisiert sind. In einem extensiv bewirtschafteten Halbtrockenrasen können durchaus zwischen 40 und 70 Blütenpflanzenarten nachgewiesen werden, der daraus resultierende Insektenreichtum liegt auf der Hand.

Damit sind die verbliebenen Trocken- und Halbtrockenrasen im Gebiet des Südharzer Zechsteinrandes floristische und zoologische Refugien gleichermaßen. Die extensive Mahd durch Mitglieder und Freunde des BUND-Kreisverbandes Nordhausen auf zahlreichen Flächen dieser Biotoptypen soll diese Refugien erhalten, was jedoch schwierig wird, wenn u.a. das landwirtschaftliche Umfeld intensiv bewirtschaftet wird, die in unseren Naturschutzgebieten bewahrten Flächen isoliert von anderen artenreichen Flächen sind und der Grünlandanteil gegenüber den Ackerflächen auch in Thüringen weiter abnimmt.

Am vergangenen Sonnabend mähten fünf Aktive zum wiederholten Male knapp 4.000 Quadratmeter im Naturschutzgebiet Harzfelder Holz. Bei erträglichen Temperaturen und Trockenheit, aber auch durch die Arbeit mit drei Freischneidern, konnten wir deutlich mehr schaffen, als beim entsprechenden Einsatz vor etwas mehr als einem Jahr.

Unser bisher stärkster Freischneider wurde, wie schon im Jahre 2012 ein weiterer, dankenswerterweise von der Naturstiftung David gefördert.

Durch die ein- bis zweischürige Mahd konnte nachweislich zumindest die floristische Artenvielfalt bisher bewahrt werden: mehrere Orchideenarten sowie das in Thüringen stark gefährdete Gewöhnliche Katzenpfötchen sind bekannt, einzelne haben hier letzte Rückzugsorte im Gebiet des Landkreises. Mit gezielten Entbuschungsmaßnahmen sorgten wir auch für eine leichte Vergrößerung der offenen Bereiche, die, das bestätigen Alteingesessene, noch zur Wendezeit deutlich größer waren.

Zum Schutz der Insekten blieben insgesamt fünf kleine Teilflächen zunächst ungemäht. Dadurch wird auch die Strukturvielfalt dieses NSG-Teils erhöht: Gebüsche, von uns angelegte benjesartige Hecken und wieder freigelegte historische Lesesteinhaufen, ein naher, totholzreicher Wald und gemähte sowie ungemähte Bereiche nebeneinander, das sind Bedingungen, die der Strategie zur Biologischen Vielfalt und den NSG-Verordnungen gerecht werden.

Ein deftiger Imbiss sorgte für eine willkommene Abwechslung von der zum Teil schweren körperlichen Arbeit. Immerhin waren wir zwischen sechs und zwölf Stunden am Stück im Einsatz. Auffallend und selten war die Ruhe während des WM-Spiels Deutschland-Schweden: Keine Autos und die üblichen Motorräder auf den benachbarten Straßen störten die abendliche Stille, die nur vom Zirpen der Grillen unterbrochen wurde.

Mein Dank gilt Tobias Strietzel und Wolfgang Scholz als Stammteilnehmer, vor allem aber Petra Wenzel aus Nordhausen, die erstmals zu uns fand. Sie durchstreift mit ihrem Partner seit Jahren regelmäßig unsere Landschaft und erfreut sich an deren Vielfalt. Nun möchte sie auch ab und an der Erhaltung der Artenvielfalt mitwirken.
Bodo Schwarzberg
Gegen das Insektensterben (Foto: B. Schwarzberg)
Gegen das Insektensterben (Foto: B. Schwarzberg)
Gegen das Insektensterben (Foto: B. Schwarzberg)
Gegen das Insektensterben (Foto: B. Schwarzberg)
Gegen das Insektensterben (Foto: B. Schwarzberg)
Gegen das Insektensterben (Foto: B. Schwarzberg)
Gegen das Insektensterben (Foto: B. Schwarzberg)
Gegen das Insektensterben (Foto: B. Schwarzberg)
Gegen das Insektensterben (Foto: B. Schwarzberg)
Autor: red

Anzeige symplr (6)
Kommentare
free Gigi
25.06.2018, 09:35 Uhr
aufgeräumter Wald?
also ob das im ökologischen Gleichklang mit der Natur ist, scheint mir fraglich. Noch dazu der Benzinverbrauch inkl. der ungefilterten Abgase der Motorsensen...
HausH
25.06.2018, 10:11 Uhr
Der Berg kreißte und gebar eine Maus.
Hut ab für die "riesige" Aktion mit 4 Leuten, wenn das ganze wenigstens mit klassischen Handsensen ohne Abgas passiert wäre.

Wie viele Mitglieder hat denn der Kreisverband des BUND Nordhausen?
Leser 3421
25.06.2018, 10:49 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Gehört nicht zum Thema
Holger18
25.06.2018, 11:06 Uhr
Tolle Aktion
Schön, dass der BUND sich um den Erhalt von Diversität mit so viel Engagement kümmert. Lasst Euch von einfältigen Kommentatoren nicht entmutigen. Weiter so!
Leser 3421
25.06.2018, 11:06 Uhr
Wie formuliere ich das jetzt, dass es zum Thema passt?
Am besten so:

Danke für die krasse Aktion! Freue mich! *knuddel*
Leser X
25.06.2018, 13:46 Uhr
Danke...
... und unbedingt weiter machen. Nicht irritieren lassen von Leuten, die immer gegen alles und letztlich gegen sich selbst sind.
Demokrit
25.06.2018, 21:00 Uhr
jetzt muss ich mal schmunzeln
hat man nach der Mähaktion mal die getöteten Insekten gezählt? Ich war mal in Dresden wo diese Brücke gebaut wurde und man nachts nur mit 30 Sachen drüber rauschen kann wegen dieser Fledermaus. 300 Sachen an den Flügelspitzen der Windkraftwerke sind aber den Umweltschützern kein Problem. Umweltschützer haben einen gespaltenes Verhältnis zur Realität.
Andreas Dittmar
25.06.2018, 21:26 Uhr
Toll gemacht und weiter so...
Wenn sich der BUND nicht dafür einsetzt, würde es schlicht und einfach zuwuchern. Es sei den jemand glaubt ernsthaft an diese Gestalten => http://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=236559 => Die verkaufen unsere Heimat eher für 4 Mio. Euro an Brüssel...
Das geht auch nur mit der Motorsense und ist aus meiner Sicht einer echter Knochenjob.

@Wolfgang wir kennen uns natürlich von unserer täglichen Arbeit, auch wenn wir in unseren politischen Ansichten sehr weit auseinander liegen, dein Engagement für den Schutz der Natur schätze ich echt sehr hoch ein. Das meine ich ehrlich und das muss wirklich mal gesagt werden.
Kommentare sind zu diesem Artikel nicht mehr möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)