So, 10:00 Uhr
08.04.2018
EINE TRADITION SOLL NICHT STERBEN:
17. April 2020, Freitag nach Ostern
Eine jahrzehntelange Tradition bleibt: Schülertreffen alle zwei Jahre Freitag nach Ostern in der Gaststätte Am Hagen in Günzerode. Das beschlossen am Freitag die Großmütter und Großväter, die einst als Kinder hier zur Schule gingen...
Auch ein Ständchen gab es zum Klassentreffen (Foto: Kurt Frank)
Günzerode. Der Termin ist festgeschrieben: 17. April 2020, Freitag nach Ostern. Im Kalender der Gastwirtin Steffi Spieß ist er verewigt. Vorbei sind die Zeiten, wo sich im Saal um die 70 Ehemalige einfanden. Gestern reichte der Gastraum mit knapp der Hälfte aus. Die andere war nicht komplett verstorben, obwohl sich die Reihen lichteten. Vielen ist mittlerweile die lange Anreise aus Frankfurt an der Oder, von der Küste oder anderswo einfach zu beschwerlich.
Auch gestern zeigte sich einmal mehr: Die Menschen werden älter. Und Frauen leben länger! Immer mehr Witwen, immer mehr Urgroßeltern. Dennoch hatten etliche Ehemalige weite Anreisen nicht gescheut: Marlies Gleim (geb. Föllmer) aus Hannover, Inge Fiedler (geb. Nelke) aus Wolfsburg-Ehmen, Herbert Kuntze aus Nordhorn, Grete Gelbke (geb. Schupsky) aus Groß-Zimmer.
Erika Hoyer (geb. Nebelung) war es wiederum eine Freude, ihren einstigen Lehrer Gerhard Stolz begrüßen zu können. Aus Kraja holte sie ihn ab. Blumenstrauß, gegenseitige Aufmerksamkeiten. Er ist der einzige noch lebende Pädagoge, der im Helme-Ort unterrichtete. Im Oktober wird er 90. Eine Schülerdelegation zum Jubiläum ist ihm gewiss.
Was Stolz und Hoyer sehr erfreute: Auch weit über 80-Jährige, die schon in der NS-Zeit unter Friedrich Bilzhause Schulbänke drückten, fanden sich ein: Anneliese Eisenächer (geb. Leßner), Marlies Gleim, Anni Spieß (geb. Wernecke). Erinnerungen wurden wach: Gerade sitzen. Muckmäuschenstill, Hiebe mit dem Rohrstock, Heil Hitler.
Obwohl Gerhard Stolz als junger Mann nur für eine kurze Zeit in Günzerode weilte, ist er mit dem Dorf, vor allem aber seinen Schülern sehr verbunden. Weitaus mehr als mit denen in anderen Stätten seines späteren Wirkens. Viele der Mädchen und Jungen durchlebten seinerzeit in Günzerode eine entbehrungsreiche schwere Zeit: Vater im Krieg gefallen. Ausgebombt. Aus der Heimat vertrieben.
Gerhard Stolz wollte, erzählte er mit bewegter Stimme rückblickend, dass Kinder wieder lachen. Diesem Ansinnen war auch der Bau einer Freilichtbühne gewidmet. Mit ihr setzte sich der Lehrer damals ein Denkmal. Ein Märchenstück über eine Mühle und deren Müller studierte er ein, fertigte mit den Kindern die entsprechende Kulisse. Mit Mühlenrad und Wasserlauf. Zur Uraufführung strömte alles, was Beine im Dorf hatte, zum Wald. Verwildert und nicht erkennbar mehr ist heute das einstige Werk.
Wie die eines Doktors sei deine Krakelschrift, hatte der Lehrer einst die von Siegfried Wernecke, der heute in Hesserode wohnt, bezeichnet. Der Spitzname war geboren: Doktor. Vollauf zufrieden saß der Doktor im roten Sakko und geschwellter Brust neben dem Namensgeber.
Erika Hoyer liegt die Musik im Blut. Mit der Klampfe in der Hand stimmte sie das Günzeröder Heimatlied Wo am Hamsterberg die Helme fließt … an. Hannelies Brade (geb. Kaempffe) und Ehemann Karl-Heinz, beheimatet in Ellrich, entlockten ihrem Saxophon schöne Lieder. La Paloma fehlte nicht.
Die Ehemaligen sind sich der Realität des Lebens bewusst. Insgeheim wird sich der eine oder andere Bange die Frage gestellt haben: Erlebe ich das künftige Schülertreffen noch: Am 17. April 2020, Freitag nach Ostern? Alle waren aber zuversichtlich: Wir kommen! Erst wenn sich die Reihen unter 10 lichten, soll Schluss sein.
Kurt Frank
Autor: red
Auch ein Ständchen gab es zum Klassentreffen (Foto: Kurt Frank)
Günzerode. Der Termin ist festgeschrieben: 17. April 2020, Freitag nach Ostern. Im Kalender der Gastwirtin Steffi Spieß ist er verewigt. Vorbei sind die Zeiten, wo sich im Saal um die 70 Ehemalige einfanden. Gestern reichte der Gastraum mit knapp der Hälfte aus. Die andere war nicht komplett verstorben, obwohl sich die Reihen lichteten. Vielen ist mittlerweile die lange Anreise aus Frankfurt an der Oder, von der Küste oder anderswo einfach zu beschwerlich.
Auch gestern zeigte sich einmal mehr: Die Menschen werden älter. Und Frauen leben länger! Immer mehr Witwen, immer mehr Urgroßeltern. Dennoch hatten etliche Ehemalige weite Anreisen nicht gescheut: Marlies Gleim (geb. Föllmer) aus Hannover, Inge Fiedler (geb. Nelke) aus Wolfsburg-Ehmen, Herbert Kuntze aus Nordhorn, Grete Gelbke (geb. Schupsky) aus Groß-Zimmer.
Erika Hoyer (geb. Nebelung) war es wiederum eine Freude, ihren einstigen Lehrer Gerhard Stolz begrüßen zu können. Aus Kraja holte sie ihn ab. Blumenstrauß, gegenseitige Aufmerksamkeiten. Er ist der einzige noch lebende Pädagoge, der im Helme-Ort unterrichtete. Im Oktober wird er 90. Eine Schülerdelegation zum Jubiläum ist ihm gewiss.
Was Stolz und Hoyer sehr erfreute: Auch weit über 80-Jährige, die schon in der NS-Zeit unter Friedrich Bilzhause Schulbänke drückten, fanden sich ein: Anneliese Eisenächer (geb. Leßner), Marlies Gleim, Anni Spieß (geb. Wernecke). Erinnerungen wurden wach: Gerade sitzen. Muckmäuschenstill, Hiebe mit dem Rohrstock, Heil Hitler.
Obwohl Gerhard Stolz als junger Mann nur für eine kurze Zeit in Günzerode weilte, ist er mit dem Dorf, vor allem aber seinen Schülern sehr verbunden. Weitaus mehr als mit denen in anderen Stätten seines späteren Wirkens. Viele der Mädchen und Jungen durchlebten seinerzeit in Günzerode eine entbehrungsreiche schwere Zeit: Vater im Krieg gefallen. Ausgebombt. Aus der Heimat vertrieben.
Gerhard Stolz wollte, erzählte er mit bewegter Stimme rückblickend, dass Kinder wieder lachen. Diesem Ansinnen war auch der Bau einer Freilichtbühne gewidmet. Mit ihr setzte sich der Lehrer damals ein Denkmal. Ein Märchenstück über eine Mühle und deren Müller studierte er ein, fertigte mit den Kindern die entsprechende Kulisse. Mit Mühlenrad und Wasserlauf. Zur Uraufführung strömte alles, was Beine im Dorf hatte, zum Wald. Verwildert und nicht erkennbar mehr ist heute das einstige Werk.
Wie die eines Doktors sei deine Krakelschrift, hatte der Lehrer einst die von Siegfried Wernecke, der heute in Hesserode wohnt, bezeichnet. Der Spitzname war geboren: Doktor. Vollauf zufrieden saß der Doktor im roten Sakko und geschwellter Brust neben dem Namensgeber.
Erika Hoyer liegt die Musik im Blut. Mit der Klampfe in der Hand stimmte sie das Günzeröder Heimatlied Wo am Hamsterberg die Helme fließt … an. Hannelies Brade (geb. Kaempffe) und Ehemann Karl-Heinz, beheimatet in Ellrich, entlockten ihrem Saxophon schöne Lieder. La Paloma fehlte nicht.
Die Ehemaligen sind sich der Realität des Lebens bewusst. Insgeheim wird sich der eine oder andere Bange die Frage gestellt haben: Erlebe ich das künftige Schülertreffen noch: Am 17. April 2020, Freitag nach Ostern? Alle waren aber zuversichtlich: Wir kommen! Erst wenn sich die Reihen unter 10 lichten, soll Schluss sein.
Kurt Frank






















